Suhrkamp Verlag!

Ich will Schmerzensgeld, Suhrkamp Verlag!

Als ob Walter Benjamins Dissertation »Der Begriff der Kunstkritik in der deutschen Romantik« leicht zu verstehen wäre – Deine Werkausgabe bringt mich an den Rand der Zerebralexplosion, indem Du in ihr die Reihenfolge zweier Zeilen vertauschst und damit einen Nebensatz von vorne bis hinten ungrammatisch machst. Bevor mir das Hirn vollends zerstob und ich alle Zweifel an meiner Lesefähigkeit einzuräumen willens war, suchte ich nach einer anderen Ausgabe und fand sie im Digitalisat der Erstpublikation von 1920, wo Wort für Wort aneinandergereiht ist wie vom Verfasser vorgesehen und von den Leser*innen benötigt.

Ich erinnere mich, diesem Fauxpas – oder vielmehr dieser neckisch gedachten Schelmerei? – in einem Deiner Topprodukte schon einmal begegnet zu sein; bloß nicht mehr, wo.

Suhrkamp Verlag! Beim dritten Mal komme ich vorbei und verdrechsle Soll und Haben.


Textausschnitt: Benjamin, Walter: Der Begriff der Kunstkritik in der deutschen Romantik, in: ders.: Gesammelte Schriften, Band I.1, Abhandlungen, Frankfurt a.M.: Suhrkamp 1980 [1974], S. 7122, hier S. 67.

IGeL

Beim abendlichen Spaziergang einen am Wegesrand kauernden Igel gesehen. Sofort musste ich – so grundlos wie dann doch wieder nicht – an Individuelle Gesundheits-Leistungen denken. Wie eine*n diese Gesellschaft doch vernagelt und verrammelt und einer*einem das Gehirn zermörsert, es ist doch nicht auszuhalten!

Dabei muss ich gestehen, dass das gar nicht stimmt, sondern dass ich mir das nur ausgedacht habe beim Spekulieren darüber, wie ich diese Igelbegegnung der Netzgemeinde präsentieren kann. In Wirklichkeit freute ich mich einfach seines Anblicks. Wie eine*n diese Gesellschaft doch vernagelt und verrammelt und einer*einem das Gehirn zermörsert, es ist doch nicht auszuhalten!

Lasst euch beides (?) eine Warnung sein.

Harald Schmidt und das stark verschmutzte Rektum

»Ihr ernährt euch falsch, wenn ihr nach dem Stuhlgang ein stark verschmutztes Rektum habt!« Es ist dieser Satz, der mir von Harald Schmidt für immer am stärksten in Erinnerung bleiben wird. Er stand Anfang der Nullerjahre als groß herausgestelltes Kolumnenzitat in Schmidts Kolumne im »Focus« bzw. »Arschfocus« (M. Hürtgen).

Dies sei hier mal festgehalten, nicht dass Schmidt plötzlich verstirbt und ich es ihm dann postum hinterherrufen müsste. Denn das fände ich einigermaßen pietätlos. Obwohl es in der erwartbaren Chose des »Schmidt war einfach der größte!«, »Der Adorno der deutschen Fernsehunterhaltung« (Kölner Stadtanzeiger, kein Witz) und »Dieses depperte Arschloch Schmidt war doch der beschissenste Schmähfried von allen!« ein ganz netter Ballaststoff wäre.

Postscriptum: Wie Leser W. bemerkt, findet sich Schmidts Rektums-Ausspruch in einem 2007er Interview mit dem »Spiegel«. Wenn Schmidt den Ausspruch nicht einfach zweimal »brachte« (was mir sehr unwahrscheinlich scheint), würfle ich da womöglich zwei Sachen durcheinander. Was mich kaum wundern würde. Fast so stark erinnerlich wie der Ausspruch ist mir der oberstudienratartig angeberhafte und für Musiklaien praktisch unenträselbar hermetische Titel der Buchpublikation der »Focus«-Kolumnen, den ich seit je damit verbinde: »Quadrupelfuge«. Im Erscheinungsjahr 2002 war das für mich 16jährigen Realschulabgänger vom Lande einfach ein lustiges Wort. Heute, fast 20 Jahre später und mittlerweile – man soll auch nicht immer zu bescheiden sein und es auch mal raushauen – Elite-Master-Absolvent, kapiere ich den Titel allerspätestens und dann aber schon auch ohne alle Not beim Untertitel »Variationen über 4 Themen auf 240 Seiten«.
Wie die Dinge sich doch mitunter entwickeln; Harald Schmidt kooperierte zwischenzeitlich mit Oliver Pocher und ich nicht.

Hiffenmark

Hiffenmark, die so seltsam klingende fränkische Bezeichnung für Hagebuttenmark, heißt auf bzw. geht zurück auf engl. hyphen mark, was freilich mit Hiffenmark mehr schlecht als recht übersetzt ist, wo es doch Bindestrich-Markierung bedeutet, was wiederum daher kommt, dass

Gefallenseinladung

In älteren Facebooktagen gab es im Browser in der rechten Spalte doch dieses listenartige, in einer Tour aktualisierte Kastl, in dem Freundesaktivitäten angezeigt wurden: X gefällt dies, Y hat das kommentiert und Z gefällt jenes, disdas solche Sachen eben.
Ein Scherzbold (m*w) richtete daraufhin die Page »sich selbst« ein. Nutzer:innen konnten diese abliken und dann stand in dem Kastl: »XY gefällt sich selbst.« Ja haha, herzlich hereingelacht (einmal)!
Daran – weil es im Assoziationszentrum sanft ankätzelte – musste ich kürzlich denken bei der Notification: »Max Power¹ invited you to like Max Power.«
¹ Name vom Verfasser geändert.

Über die große Notwendigkeit von Seniorenschulen

Öko-»Kiez«, Imbiss. Zweieinhalb Meter vom Essensdurchreichefenster und meinem Fahrrad stehe und warte ich, bis mein Essen durchgereicht wird. Von rechts nähert sich eine Mittsechzigerin mit Krempel aufm Arm und fragt wahllos Leute, ob »Sie eben 10 Euro gesehen« hätten. Auch mich. Habe ich aber nicht. Lässt sie mich also stehen und legt schnurstracks ihren Krempel in meinen Fahrradkorb. »Äh, Verzeihung bitte, das wäre mein Fahrradkorb«, merke ich mit dünner, leicht verschämter Stimme an. »Ja, ja, ich leech das nur hier kurz ab«, entgegnet sie, ohne sich umzudrehen und ohne mich immerhin anzusehen. »Da muss ich wohl nochmal in den Laden«, spricht sie zu sich selbst; und dann zu mir – freilich ohne sich umzudrehen und ohne mich anzusehen –: »Wären Sie so gut und lassen mich das hier kurz ablegen, ich müsste nochmal in den Laden rein«. Äh, nein, gar kein Bock, du respektlose, freche alte Unperson – denke ich, sage es aber nicht, sondern, klaro: »Ja… Ich müsste dann aber gleich wegfahren, wenn ich mein Essen hab«, was sie mit iegendwas wie »Ja« quittiert, wo sie ja eh schon dreist Richtung Laden wegstrakst.
»Ich hatte ihn hier in meiner Seite drin!«, jubiliert sie, aus dem Laden stapfend, allen Umstehenden/Unbeteiligten zu, klaubt ihren Kram aus meinem Fahrradkorb und zieht davon; wahrscheinlich zum Enkelkind, dem sie die unterm Krempelhaufen hervorspitzende, kindgerecht formausgeschnittene bemalte Holzplatte schenken wird.
Alte Leute, die mich nicht kennen, sind in der Öffentlichkeit mir gegenüber so oft solche Wichser. Abermals erneuere ich daher die Forderung, sie nach dem Ausscheiden aus ihrem Beruf wieder einzuschulen, in Seniorenschulen, in denen ihnen wieder Manieren beigebracht werden. Von mir aus kann bei der Einschulung eine Manierenprüfung erfolgen, nach deren Bestehen die Seniorenschulpflicht auf Bewährung ausgesetzt wird. Weil so geht’s ja nun auch wieder nicht.

Kurz notiert (93)

Grabrede aber als Ortschaft in Niedersachsen

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Hintertürchen aber als Schweizer Skigebiet

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Sehr jung, aber wie alt ich genau war, weiß ich nicht mehr, doch eine Zeit lang dachte ich – ich kannte ihn bloß vom Hören –, Mehmet Scholl hieße Mehmetsch Oll

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Clutch-Presse das Handtaschenmagazin

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Induktion

08.09.2020 – Auswärts zum ersten Mal einen Induktionsherd benutzt. Was für eine crasse Raketen-Technologie! Darauf in einem old school Wasserkessel (mit Pfiff!) in Nullkommajosef Wasser zu erhitzen fühlt sich an wie mit dem Raumschiff Enterprise über die Steinzeiterde zu gleiten.

Schlurpschlurpschlurp

Stellt euch vor euch putzt wer die Zähne mit Zahnpasta die nach der wohlschmeckendsten Speise schmeckt und ihr schlurpt die Pasta während des Geputztwerdens in einer Tour von der Bürste so dass euer Zahnputzdiener kaum je einen Zahn gereinigt kriegt (so läuft das bei Hunden, Stichwort Rindfleischgeschmack)

Buffy vs. Bibi Blocksberg: Wer covert wen?

Wer kennt noch die Top-Episode »Computer Dämon« aus der ersten Buffy-Staffel? Buffy bekämpft darin einen Dämon, der als eine Art Computervirus das Internet von Sunnydale heimsucht. Wie er da reinkommt? Ganz einfach: Im Mittelalter wurde er per Zauberspruch als Text in ein Buch verbannt. Niemand durfte das Buch lesen, sonst würde der Dämon befreit! Ein paar hundert Jahre später, es sind die späten Neunzigerjahre, werden in Sunnydales Bibliothek uralte Schinken per Scanner digitalisiert. Und weil der Scanner u.a. auch ebenjenen Text ausliest (!), in/mit dem der Dämon gefangen ist, entwischt dieser aus dem Buch – in den Computer! Von dort aus verbreitet er sich dann und gelangt schließlich in einen Killerroboter, den Buffy und Giles dann zu bezwingen haben. Was erstmal unglaubwürdig und höchst albern klingt, ist doch nur logisch. Und eine der zugleich albernsten und schönsten Folgen im Buffyverse.
Wer für diesen Genuss jetzt weder die Buffy-Box noch einen AmazPri-Zugang hat, braucht beides auch nicht unbedingt. Ein Bibliotheksausweis wäre aber hilfreich: Damit flugs die Hexengeschichte »Bibi Blocksberg – Die Computerhexe« ausgeliehen und reingelesen; das ist praktisch das gleiche, nur in noch mehr kindgerecht. (Ich durfte es heute meiner Nichte vorlesen.)

The Distillers (?)

»Ja crass geil, dein Onkel arbeitet in einer Destillerie?! 🥳🙏«
»Ja«
»Lässig ey, lass ma Verköstigung machen, der bringt dir ja bestimmt immer was mit 🙌«
»Och, du…«
»Was für geiiile Tropfen brennen die ’n da? 🤩«
»Ach, weißt du… die machen da bloß so… Bügeleisenwasser 😐«

»Rebel Yell«

Song-Fakt: Im Song »Rebel Yell« singt Billy Idol über seine Zeit als Majoran-Zerreiber. Oft tat er sich dabei weh und musste ganz entsetzlich laut aufschreien. Weil er die Arbeit immer zur Geisterschicht verrichtete, ging er seinem ganzen Dorf auf die Nerven. Viele waren v

Wie im Teppichlager

Über Quadratmeterverlust wegen Tapeten-über-Tapeten-Schichten reden wir ja gar nicht. Aber Fußböden, die über alte Fußböden gelegt werden, teilweise auch schon in dritter Schicht und mehr, oft sind die Räume ja von der Decke bis zu den kniehoch welligen und gar puddingwabbeligen Fußböden nur mehr 1,30 m bis hin zu viel weniger, da läufst du nur noch in der Hocke durch oder gondelst aufm Liegerollbrett in Seitenlage herum; es wäre Stoff für einen wunderbaren Hannes-Richert-Comic i m h o

Zum 70.

Am liebsten urlaubte sie in Nordafrika, denn dort konnte Iris Berben.

(Sie wird am heutigen Tage 70 Jahre alt – allGu, lieber Fernsehstar!)

Idee für die politische Karikatur der Süddeutschen Zeitung:

Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans wollen mit dem bereits an den Schienen angerosteten Scholzzug Robert Habecks edle vitale Schlachtrösser überholen (auf einem sitzt Annalena Baerbock). Das Streckenziel wäre zu beschriften mit »R2G«, es liegt hinter einer bombenfest gemauerten Wand. Zug/Pferde böten auch ordentlich Platz für Beschriftungen aller Art.

tagesschau-Material für den Deutschunterricht

Bei dieser Überschrift ist die rhetorische Figur der Hypallage – auch genannt Enallage – in doch unerwarteter Umgebung zu beobachten. Zur Auffrischung der Erinnerung: Im Gegensatz zum Hyperbaton, bei dem komplette Satzglieder (teilweise) vogelwild astandardisch versprengt sind, versetzt der Dichter bei der Hypallage ein (meist) Attribut so, dass es beim falschen oder ›falschen‹ Bezugswort zuliegen kommt.
Allerdings: Lassen wir beispielsweise Goethe ein schludriges oder selbsttrunken-euphorisches, womöglich sogar ernsthaft-absichtlich krauses »Faßt bald des Knaben / Lockige Unschuld« (Das Göttliche, 1785) gerade so durchgehen, weil er halt der größten Deutschen Dichter der Deutschen größter Dichter ist, so fassen wir uns bei der größten Deutschen Nachrichtensendung doch ans Hirnkastl und fragen uns, ob es nicht doch sinnvoller, um nicht zu sagen sinnhafter, ja geh weiter: sinnenreich wäre, von für VW-Kunden folgenreichen Urteilen zu schlagzeilen. Aber »ach!« (Goethe, passim)

»Five Fingers«

Vibram, der Hersteller der im Alltagsgebrauch grenzdebil-depperten Zehenschuhe »Five Fingers«, sollte verpflichtet werden Handschuhe namens »Five Toes« zu produzieren. Meinetwegen – wenn’s seine reklameklamaukige Alliterierlust befriedigt – auch »Ten Toes«. Aber zur Strafe verpflichtet werden sollte er.

(In diesem Beitrag ist das Wort »Mauke« eingearbeitet.)

Eins, zwei, drei

Seit August war in der WG ein Hund. Sie lag im 3. Stock. Beim Hochlaufen wollte er immer schon die Wohnung im zweiten. »Der Hund kann nicht bis 3 zählen hehe 😅«

Seit Juni wohne ich in einer anderen Stadt. Die neue Wohnung nun liegt im zweiten OG. Nicht zum ersten Mal lief ich heute eins zuviel hoch ins dritte. »Wuff wuff wuff wuff wuff 2 wuffwuff hehe 🐶«

Halten statt besetzt sein

Gerade am Telefonieren dranne sein und plötzlich ein Klackern in der Leitung wahrnehmen. Normale denken sich dann – so sie es überhaupt als bedenkenswert empfinden –: »Hä?« und nichts weiter und gehen des weiteren Telefonates nach. Hinterher kriegt man mit: Das war ein zweiter Anruf! Eine arme Person versuchte, ein Telefonat zustandezubringen, und musste aber am unendlichen Freizeichen darben. Vielleicht sogar mehrmals, weil das laufende Telefonat etwas länger dauert.

Was für eine dumme Funktion! Früher, ja früher hätte ein Besetztzeichen schalmeit. Wollte man wen anrufen und hörte das, konnte man wissen: »Aha! Da wird gerade telefoniert! Also probiere ich es in 2/10/30 Minuten wieder!« Allen war geholfen. Die Telefonierenden konnten telefonieren, die es Versuchenden waren im Bilde.

Nur weil es die Technik möglich macht, quälen uns die Telefongesellschaften seit längerer Zeit ungefragt (!) mit dieser für Normaltelefonierer schwachsinnigen Funktion. Ja, könnte man sich diesen Service, wenn man ihn als Multi-Call-Fähige*r braucht, willentlich freischalten lassen oder dazubuchen, dann wäre mir das wurscht. Ich würde es eben nicht machen.

Im Leben käme ich nicht auf die Idee, einen laufenden Anruf zu »halten«, um nachzuhören, wer da noch so mit mir reden möchte. Weil hundert pro würde ich beide aus der Leitung schmeißen oder wasweißich. Wo sollte ich denn da überhaupt hindrücken?

Und wie sollte es erst meine Endachtziger-Großmutter, die von dieser Funktion ebenfalls vor ein paar Jahren ungefragt heimgesucht wurde. Die arme Frau lernte mühsam in jahrelanger Lernarbeit, wie sie Leute mit Kurzwahltasten anrufen kann. Und kein Mensch weiß, wie die Anklopffunktion wieder abgestellt wird bzw. umgestellt auf das womöglich ordinäre und altmodische, aber doch ungemein praktische Besetztzeichensystem. Ja Kruzifixsakrament!

(Dieser Beitrag entstand, weil ich, erst rund ⅓ der Erdenzeit meiner Großmutter hier herumwesend, heute betrübt feststellen musste, dass mein aktueller Mobilfunkanbieter es ebenfalls als meinen Telefonierwünschen entsprechend auffasst, niemandem mehr ein Besetztzeichen zu präsentieren, mir aber ominös in die Leitung zu klackern. Betet, chantet, spiritiert o.ä., dass ich das umgestellt kriege.)

K1, K2, K3, …

Von Magda Goebbels waren die Leute am meisten genervt wegen ihrer ständigen Tweets wie »K5 hat dies«, »K2 hat das«, »K7 hat jenes« oder »Da hat der GoeGa doch glatt …! *lach*«. Twitter konnte darin freilich keinen Verstoß gegen die Volksgemeinschaftsstandards feststellen.

aner

Seit gestern, coronabedingt erst fünf Wochen nach dem Umzug, bin ich eingetragener Hannoveraner. Dazu einige dies leicht ankätzelnde Fakten:

  • Mein Familienname wurde früher oft falsch von Hand- zu Maschinenschrift transkribiert, nämlich Luganer statt Lugauer. Das steht z.B. auf Schützenvereins-Trophäenscheiben meiner Eltern. Zu »Hannoveraner« passt »Luganer« aber ganz gut. But hey: no games with names!
  • Hannover liegt in Norddeutschland.
  • Tschüss ihr Saubayern hehe

Die Spaghettieis-Legende

Spaghettieis wurde, so behauptet er es jedenfalls, vom Mannheimer Eisfabrikanten Dario Fontanella exactamente am 6. April 1969 erfunden (vgl. Wikipedia). Nun gut, wer wäre ich, das anzuzweifeln. Anzweifeln möchte ich aber Folgendes: In der Abteilung »Trivia« des besagten Wikipediaartikels heißt es: »Laut Dario Fontanella soll es in der Anfangszeit der Eisspezialität öfter zu Tränenausbrüchen bei Kindern gekommen sein, die einen Eisbecher wollten und keine Nudeln mit Tomatensauce.« Und naja, das klingt mir doch schon sehr dahergelogen oder jedenfalls konstruiert. Denn einerseits: Sooo dumm sind Kinder nun auch wieder nicht und waren es wohl auch in der Anfangszeit der Eisspezialität »Spaghettieis« kaum.

Und andererseits: Warum sollten Kinder nach der Anfangszeit dieser Eisspezialität nicht mehr geheult haben, weil sie ein Eis und keine Nudeln mit Soße gewollt hatten. Wenn dieser Wahrnehmungsfauxpas Vierjährigen in den 1960ern unterläuft, dann doch auch Vierjährigen in den 1990ern oder 2020ern, was Freunde. Heutzutagige Kinder machen doch keine erfahren wegwerfende Handbewegung und sagen: »Pfffft, das sind doch keine Nudeln! D a m i t führt ihr mich nicht hinters Licht, Leute *gähn* Das ist Spaghettieis, das gibt’s seit 50 Jahren schon ☝️🧐«

Ich glaube, Herr Fontanella ist einfach ein normaler Kaufmann, der seiner (angeblichen) Erfindung mit einer kleinen harmlosen Flunkerei ein gewisses Air verleihen wollte. Oder: »soll es … öfter zu Tränenausbrüchen bei Kindern gekommen sein« müsste eigentlich heißen: »soll es einmal [max. zweimal] zum Tränenausbruch eines Kindes gekommen sein, das aber schon ganz besonders falsch hingeschaut hatte und von seinen Geschwisterärschen dafür zeitlebens aufgezogen wurde«. Damit schaffst du es aber kaum in die Wikipedia-Trivia-Abteilung bzw. in den Mannheimer Morgen.

In diesen informationsunsicheren wie ‑umkämpften Zeiten sollten wir alle aufpassen, was wir glauben wollen und was nicht. Damit GuMo und einen tollen Tag, Leute👍

eBay-Kleinanzeigen (2)

Mit welchen Zusätzen ihre Produktbeschreibung zum angenehmen Abverkauf führt:

»Nur Selbstabholung. Keine Mätzchen. Keine Sperenzchen.«

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»Bitte nur freundliche Nachrichten mit einigermaßen erkennbaren Anredeformeln.«

*

»Bei bei übertriebenem ›Ich möcht ich möch ichmöcht‹ kann leider keine Reaktion erfolgen.‹«

*

»Bitte im Vorfeld keine Geschichten daherlügen. Auch keine Geschichtchen.«

*

»Keine Mätzchen. Keine Sperenzchen. Auch keine Kapriolen!«

*

»Auch keine Possen.«

*

»Bitte kommen, kucken, bei Gefallen Kohle rüberwachsen lassen, abtransportieren, abdampfen.«

*

»Kann leider nicht runter tragen helfen der Hund hat meinen einen Arm eingeschluckt und mit dem anderen muss ich rauchen außerdem wurde mir in Vietnam ein Bein weggeschossen und das andere hat ein Drogenboss in Pnom Penh als Trophäe aber fragen Sie nicht, du poah ey das war was! Also müssten sie die*den angekündigte*n XY mit dem dahergeliehenen Auto auch wirklich mitbringen.«

eBay-Kleinanzeigen (1)

Jede*r einzelne verdammte eBay-Kleinanzeigen-Kund*in 20 Min. vor vereinbartem Abholtermin: »Mein XY wo mir helfen wollte ist abgesprungen könnten Sie vielleicht disdas?!«

eBay-Kleinanzeigen ich zünde dich an und ziehe mich zurück in die Wälder.

Ruhe auf den Autobahnen

Service-Idee für Wut-/Arschloch-Autofahrer: die Ausraststätte. Rausfahren, unter Aufsicht ausflippen, Schellen abholen, in Ruhe weiterfahren. Damit könnte Ruhe einkehren auf Deutschlands Autobahnen.

Der längste Tag

Gestern war bekanntlich (?) der längste Tag des Jahres. Die Heavy Metal-Band Iron Maiden hat auf ihrem Album »A Matter of Life and Death« – in Fachkreisen (?) auch AMOLAD akronymisiert –, auf dem sie endloses abwechslungsloses Gedudel in niemals endenden Liedern mit Prog Metal verwechselt, einen Song namens »The Longest Day«. Darin geht es aber nicht etwa um den längsten Tag des Jahres und es ist auch keine selbstironische Referenz auf die quasi-infiniten Stücke der Platte. Sondern:

»Mit The Longest Day lieferten Iron Maiden einen weiteren Song mit geschichtlichem Hintergrund. Die Operation Overlord der Amerikaner im Juni 1944 und der damit einhergehende Sturm auf die Omaha Beach werden hier thematisiert.« (Wikipedier)

»The Longest Day« heißt die Nummer, weil der erste Tag dieser Operation, der D-Day, in Fachkreisen (?) auch »der längste Tag« genannt wird. Statt aber auch nur ansatzweise die Nazis zu thematisieren, gibt der Text ausschließlich die subjektiven Eindrücke der GIs wieder, die gegen wer-weiß-wen kämpfen könnten und wir müssen Schmarrn hören wie »Valhalla waits, valkyries rise and fall / The warrior tombs, lie open for us all« oder »Drowning men no chance for a warrior’s fate / A choking death enter hell’s gate«. Naja. So, jetzt wisst ihr’s!

Auftritt bei TITANIC

Für das Satiremagazin TITANIC trat ich als Hubert Aiwanger, stellv. Ministerpräsident Bayerns, vor die Kamera:

»Rich-tig re-den ler-nen mit dem bayerischen Vize-Ministerpräsident und Staatsminister für Wirtschaft Hubert Aiwanger (Freie Wähler).
Text: Originalzitate von Hubert Aiwanger
Darsteller Hubert Aiwanger: Andreas Lugauer«

Hier geht’s zum Beitrag.

»Even more Italy?«

Call me a pea counter, but I would not consider ANY of these cities to be italian – not even close. Even if you triplicate Hamburg. And MUNICH, among conaisseurs beknown as the most northern city of Italy, is not even on the list! This advertisement is just WRONG on so many levels 🤦‍♀️ But the Wurst was good 👍
#ReclamyGoneWrong

Trister Dekorationsrealismus

Über die sechste Klasse hinaus – ab dann hatte ich keinen Kunstunterricht mehr, weil ich auf eine staatliche niederbayerische Knabenrealschule gehen musste, wo ich auf den mittelständischen Handwerkskrieg vorbereitet wurde –, malte ich genau ein einziges Bild im Sinne von »ein Bild malen«.
Ich fand das Bild bei Umzugsvorbereitungen auf dem Dachboden wieder. Meine Lieblingskunstwissenschaftlerin und Freundin bescheinigte mir, es handle sich um tollen, vor allem richtig schön tristen Dekorationsrealismus. Und das ist doch nicht übel, was.
Die beiden Blumen rechts schauen absichtlich von den Betrachtenden weg, damit es was zum Interpretieren gibt. Bislang interpretierte noch niemand. Es kann auch sein, dass auf dem Bild, das als Abmalvorlage gedient hatte, auch zwei Blumen so weggeschaut hatten. Trotzdem interpretabel imho

Der Heizer

Lieber Franz Kafka,

 

hattest Du der Welt Deine Leiden mit Deinen Texten nicht schon genug heimgezahlt? Musste fast hundert Jahre nach Deinem Hinschied noch eine Deiner Figuren die WG-Waschmaschine zerstören?

 

Herzlichst, Dein
Andreas Maria Lugauer

 

Kleiderschrank; Verschwörungstheorie

Kürzlich von einer Privatperson einen Kleiderschrank abgelöst. Solide Mittelschicht, Doppelhaushälfte in ruhiger Familiengegend, zwei, drei Bakfietse in der Nachbarschaft, zwei kleine Kinder, Rasen im Garten heuer nicht so gut und wird wohl auch nicht mehr, aber was willste machen mit den Kindern, beim Nachbarn drüben schon ganz anders. Gemeinsamer Schrankabbau mit dem Verkäufer, Akkuschrauber Bosch, Ziploc für alle Schrauben und so. Lockeres Gespräch, Herkunft, was macht ihr, disdas. Nach 25 Minuten Thema Corona, logo, nee, keine Fälle in den eigenen Kreisen. Bei Minute 40 fallen sie dann, die magischen Worte:
»Ich bin ja kein Verschwörungstheoretiker, aber …«
… es sei auch nur ein Virus und auch nicht gefährlicher als andere Viren und vorstellbar sei es ja schon, dass da auch anderes dahinterstecke. Meine Freundin und ich wechseln unsichtbare Signale, das Gespräch wird woanders hingelenkt, ja wie machen wir jetzt am besten weiter mit dem Abbau, haha ja Ikea und die Schrankrückwände haha *lach* Er ist sehr hilfsbereit und geht gut zur Hand beim Einräumen ins Auto. Danke, tschüss!

Orangensaft; Norddeutschland

Seit kurzem wohne ich in Norddeutschland und schon entdecke ich die ersten Tollheiten. Z.B. dieses Orangensaftgebinde mit Fassungsvermögen  1 , 3 5  Liter  bzw.  6  3 / 4  P o r t i o n e n .

Wer denkt sich sowas aus. Welche total verrückten Überraschungen mag diese Region noch so bereithalten.

Leichte Wut aber walkt in mir hoch bei der Lektüre zweier Hinweise auf dem Etikett: »(Das Orangenblatt liegt hier nur fürs Foto und darf nicht in die Flasche.)« und die Klammerbemerkung in »Diese Flasche besteht zu mind. 30 % aus recyceltem Plastik. Bitte recycle sie wieder (erst austrinken).« Für wen hält der Hersteller seine Kund*innen.

Norddeutschland 1 – Andreas 1

Stüssy; Niederbayern

In meiner Jugend wollte ich Teil der Skatekultur sein. Skateboard fahren konnte ich nicht. Riefe Eric »Do a Kickflip!« Koston mir zu: »Do an Ollie!«, ich könnte heute noch nur verschämt weglachen. Aber Stunt Skates, auch genannt Aggressive Skates, also solche zum Grinden, hatte ich und ›stand‹ in der Alte-Leute-Dorfsiedlung auf von Vater zusammengedengelten Rails und Curbs auch den einen oder anderen Trick. Die etwa drei Jahre, die ich das machte, gingen gänzlich ohne Verletzung rum, obwohl ich die Skates derart läppisch locker schnürte, dass es »schnürte« heißen müsste und ich ohne Senkelöffnen raus- und reinsteigen konnte; weil ich wollte mich so gut es ging reinlegen können aufm Rail.

Im Straubinger Skateshop »77 Sunset Strip«, genannt Seventyseven, bewunderte ich in den Auslagen all die coolen Skateboard- und Klamottenmarken. Carhartt und Vans und Adio und wie sie nicht alle hießen. Und Stüssy.

Jetzt, 20 Jahre später, schauen Freundin und ich gerade Season 3 der Serie Fargo, worin einige wichtige Figuren den Nachnamen Stussy tragen. Ausgesprochen: [stassi]. Und es dämmert mir: Lag ich all die Jahre falsch mit der zumindest mental so getätigten Skateboardmarken-Aussprache [stüssi]? Ja. Indes die englische Wikipedia und das restliche Internet entgegen der Fargo-Aussprache sagen, es werde [stuːsi], also in etwa STOO-see ausgesprochen. Jedenfalls nicht [stüssi].

Mit 11, 12, 13, 14 Jahren aber wusste ich noch nicht um die im Englischen phonetisch bedeutungslosen Röck Döts wie in Motörhead, Mötley Crüe oder Queensrÿche. Und sagte eben, wie alle Normalen: [moutörhäd], [mötlai crü] und Queensrÿche kannte ich noch gar nicht. Woher auch.

»Die Bravo gabs bei uns am Dorf nicht«, antwortete der stellv. bayerische Ministerpräsident und ebenfalls in Niederbayern aufgewachsene Hubert Aiwanger kürzlich dem stalinistisch-genozidalen Sozenbengel Kevin Kühnert auf Twitter (zum Thread). »Wir waren sozusagen bewahrt von all dem, was Sie in Ihrer Jugend in Berlin aushalten mussten.« Woraufhin Kühnert, der ein bewunderns- wie beneidenswertes Twittergame fährt, das bekannte Söderfoto vorm FJS-Jugendzimmerposter postete mit dem Kommentar: »Bitter! Sie hatten also nie einen Bravo-Starschnitt an der Wand… 😥« Was den gesunden Volkskörper Aiwanger veranlasste zur Antwort: »Nein. Keine beklebten oder beschmierten Wände. Geweißelt.« Weil’s beim Hubert schon innen im Kinderzimmer aussehen und zugehen musste wie später im repressiv durchkonformierten Dorferscheinungsbild.

(Offenlegung: Die Bravo gab’s bei »uns« »am Dorf« schon, und zwar beim Loibl-Bäcker an der Hauptstraße sehrschräg gegenüber der Pfarrkirche, aber da standen solche interessant-aufklärerischen Dinge halt auch nicht drin.)

Verschwörung (1)

Einmal postete ich unbedarft wortspielelnd »Wer ist das Who-is-who der WHO«, und jetzt kommt raus: Bill Gates 🤡


Please note: Ich finde das Posting wegen Facebooks urschlechter Suchfunktion nicht mehr – da steckt bestimmt Bill Gates dahinter 😡😡😡

Bad Heizung Fliesen Experte

Warum für seine Installationsfirma so zurückhaltend Reklame machen mit Frauen in Dessous, die offenbar von den schwanzartigen, feuchtigkeitsspendenden Armaturen an- und aufgegeilt sind? Sanitäreinrichtung rund ums feuchte Nass könnte mann doch auch mit hart absquirtenden orgasmierenden Pornodarstellerinnen bewerben.

Die besten Frauen

Indikatoren des Patriarchats: Die besten und berühmtesten Köchinnen – einer weithin als solche aufgefassten Frauentätigkeit –, sind Männer, die besten und berühmtesten Friseurinnen ebenfalls: Männer. Erfolgsköchinnen wie Sarah Wiener hingegen sind funktional maskulinierte Frauen wie Angela Merkel oder Ursula von der Leyen. Dass dieser EU-Kommissionspräsidentinnenschaft und jener Kanzlerinnenschaft irgendetwas Emanzipatorisches oder gar Feministisches eignete außer der Winzigkeit, dass Frauen heutzutage Männerrollen einnehmen dürfen – wehe, sie lassen sich ihre Periode anmerken, und ihre Periodenhygieneprodukte bezahlen sie mal schön selber! –, oder dass die Gesellschaft auch nur ein Gran weiblicher würde dadurch, so ernsthaft können das nur die Damen und Herren von FAZ über SZ und taz bis runter zu den Provinzkäseblättern in ihren Artikeln glauben.

Ich glaube, auch die beste Frauenfußballerin könnte nur ein Mann sein.

For  r e a l ?!

Was mir soeben, am 30. April im Jahre 2020 unseres Herrn Jesus Christus um 10:07 Uhr, im Alter von über 30 Jahren, bei der Lektüre auffiel: das Adjektiv real geht etymologisch zurück auf das lateinische Super-, i wo: Universalwort für praktisch alles, was ist: rēs ›Sache, Ding, Wesen, Angelegenheit, Ereignis, Erscheinung, Interesse, Vorteil, Rechtssache‹. Und das ist ja auch völlig logisch und komplett naheliegend! Ich überprüfte es freilich sogleich, entsprechend der Germanistenpflicht, im DWDS (Digitales Wörterbuch der Deutschen Sprache) und klar, logo, ist es auch so. Ich meine: Wortstamm re- + Adjektivsuffix -al und das Wort res, Akk. rem, Gen. rei – das k a n n ja nur nix wie zusammengehören!

Also manchmal frage ich mich schon, ob ich einfach ganz besonders deppert und integral bescheuert bin und allen anderen solche s i m p l i c i s s e s t e n Sachen von Haus aus klar sind, oder ob es bei denen im Hirnstüberl ebenso zappenduster ist wie bei mir bis eben, oder irgendwas dazwischen.

»Frischecreme«

Nennt mich einen alten Hagestolz, aber meine erste Assoziation zu »Frischecreme« wäre etwas zum ins Gesicht Schmieren. Irgendwie erfrischt fühlte ich mich nach dem Verzehr dieser immerhin nicht übel schmeckenden »Creme« jedenfalls nicht. Sein tut sie Sauerrahm (82 %) mit Radieschen, Karotten und einigen lebensmitteltechnologisch notwendigen Zutaten; und Sauerrahm ist doch nichts, womit eins irgendwie Frische verbände! Bold move von der Food Industry mal wieder.

Kurz notiert (86)

Umweltfreundliche Version des alten Blumentopf-Gassenhauers: SolarLar, SolarLar

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Lungenärzte schauen Lehrvideos auf YouTuberkulose

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»geht ab wie Schmidts Katze« aber als dramaturgische Regieanweisung

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Meine drei zuletzt gesehenen Serien

Unbreakable Kimmy Schmidt (Netflix): Kimmy Schmidt und drei andere Frauen werden aus einem Bunker somewhere in Indiana befreit, wo sie von ihrem Entführer namens Richard Wayne Gary Wayne 15 Jahre lang festgehalten wurden. Die provinziell-naive Kimmy beginnt nach der Befreiung ein neues Leben in New York, wo sie mit dem Broadway-Wannabe Titus Andromedon eine WG bildet. Sehr, sehr lustig, äußerst hohe Pointendichte, alles andere als deep, aber angenehm weird, watcht sich leicht weg, kurz: hervorragende Sitcom, sei anempfohlen!

Fleabag (AmazPri): Wohl als Dramedy zu bezeichnen, wobei der Dramaanteil im Laufe der Serie starkes Übergewicht erhält. Fleabag ist die sympathische Hauptfigur (ob sie wirklich so heißt, wird nicht klar, weil in der ganzen Serie kein einziges Mal ihr Name fällt; Fleabag jedenfalls bedeutet ›a dirty and/or unpleasant person or animal‹ bzw. ›verwahrloster Streuner, Flohfänger; Ekel, Mistkerl, Mistvieh‹). Sie fickt, flucht, faucht raucht in einer Tour und kriegt ihr Leben nicht ›richtig‹ auf die Reihe. Somewhere in London betreibt sie ein kleines, erfolgloses Café, das sie mit ihrer besten Freundin gründete, die sich accidentally suizidierte. Die zweite Staffel kann eins sich imho schenken, die erste ist aber sehenswert (sind auch nur 6 Ep. à ~25 Min.).

Sherlock (Netflix): Ja leckt mich am Arsch, so was Nerviges wie Benedict Cumberbatch als Sherlock »Mr. Oberschlau hoch Tausend« Holmes habe ich ja noch nie gesehen! Wie er aus den winzigsten Details an Verstorbenen wie Lebenden beinahe komplette Lebensgeschichten rekonstruiert bzw. deduziert, soll seine extraordinäre (?) Auffassungsgabe zeigen, ist aber nur hanebüchen und albern geraten und, am schlimmsten: fürchterlich nervig. Das Feuilleton ›feiert‹ das freilich ›ab‹ und hält es für teilweise »perfekte [🙄] Unterhaltung«; das Publikum (meint: die Feuilleton-Schreiber*innen) würde Sherlocks Fähigkeiten bewundern und beneiden, obwohl er doch eingestandenermaßen – oh, er ist so selbstreflektiert! – ein »hochfunktionaler Soziopath« sei. Es ist halt dumm wie je. Aber das Feuilleton geilt sich auch an unerträglichen Oberarschlöchern und -widerlingen wie Frank und Claire Underwood aus House of Cards auf (brach ich nach einer Staffel ab); mei, die Qualitätspresse wähnt sich halt gerne als am Zentrum der Macht nuckeln dürfend. Ich jedenfalls sage: Sherlock »Hallo i bims ihr integral intellektualgemeinen Geistesmaden« Holmes, nein danke. Die literarischen Vorlagen Sir Arthur Conan Doyles habe ich nicht gelesen, Sir, und kann gar nicht beurteilen, inwieweit die Serienmacher ihnen folgen oder es selbst übertreiben, Sir. Nach nicht einmal 30 von 90 Min. der ersten Folge jedenfalls verlangte ich danach, auszuschalten. Das hätte ich nicht länger ausgehalten.

»Bild« probiert Porno-Spam

Einem BILD-Redakteur reichen der Pornokonsum und die viel zu anonymen Puffbesuche nicht mehr. Er sucht Sex bei Porno-Accounts auf Twitter. Erst mal geil chatten, dann hart ficken.

Nach wenigen Minuten der erste Erfolg: »Hiiii, wie geht es Dir?«, schreibt die junge »Sherry« ihn an. Dem Sex-Schwein schwillt sofort die Hose.

Ein paar Nachrichten später steht fest (höhö): Sie ist feucht wie saftige Aprilwiesen am Morgen. Und wohnt in seiner Stadt.

Sie verabreden sich. Abends soll gefickt werden, in einem Billighotel am Stadtrand. Die Adresse gibt sie ihm durch, er soll um 20 Uhr vor dem Eingang warten. Sie würden sich dann ja am Aussehen erkennen.

Ansonsten keine Sperenzchen. Bezahlung vorab, sie schickt eine Email mit den Daten.

Statt der erhofften Lust dann der Frust: Laptop kaputt – Virus via Bitcoin-Email! Und 500 € weg! (Bitcoin-Email)

Die Polizei nimmt den Fall auf. Machen könne man da wohl nix, teilt man ihm mit. Die Beamten grinsen ihn süffisant an.

Den Ärger baut der Lustmolch ab, indem er auf PornHub zu allen möglichen »Teen Anal Destruction«-Videos masturbiert und sich via schnell mit verwichst-klebrigen Fingern hingerotztem BILDplus-Artikel als unerschrockener Investigativreporter aufplustert.

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Lesen Sie morgen bei BILDplus: »BILD hat es ausprobiert: Das passiert, wenn man auf PornHub ›Geile Hausfrauen aus deiner Stadt wollen Sex‹-Werbungen anklickt«

Joe Kaeser, primus inter pares

»One of 384.000 dedicated Siemens employees worldwide.« Weil er wahrscheinlich aber das 384.000fache einer durchschnittlichen Siemenslerin verdient, braucht er gar nicht so bescheiden zu sein und darf sich ruhig als primus inter pares bezeichnen wie der most dedicated citizen of the Roman Empire: Kaiser Augustus.

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»Der Begriff primus inter pares wurde unter Kaiser Augustus eingeführt, um seine Stellung im römischen Staatsgefüge zu beschreiben (siehe auch Prinzipat). Augustus wollte mit dieser Bezeichnung seine Unterordnung unter die republikanischen Institutionen unterstreichen; de facto jedoch war er unumschränkter Herrscher.« (Lateinunterricht bzw. Wikipedia)

AUTO AUSFAHRT EINFAHRT FREIHALTEN

Lange Zeit nun wog ich dieses Foto hin und her und dachte: »›Ausfahrt Einfahrt‹, ja, Mensch, was schreib’ ich da jetzt Lustiges dazu?« und mir wollte nichts und nichts einfallen. Kapieren tu ich bis heute nicht, was auf diesem Schild genau steht. Wie wäre AUTO AUSFAHRT EINFAHRT FREIHALTEN in eine sinnvolle Aussage zu übersetzen? Wären die Wörter mit Satzzeichen sinnvoll zu verbinden? »Auto-Ausfahrt/-Einfahrt freihalten« womöglich? Aber das wäre ein Schmarrn, weil Ausfahrt und Einfahrt in diesem Zusammenhang dasselbe sind, so wie die Venus sowohl der Morgenstern als auch der Abendstern ist.

Vielleicht steht dort aber in echt auch anderes: »Auto-Ausfahrt, Einfahrt freihalten!« D.h. von diesem Grundstück aus werden dauernd Autoausfahrten unternommen, wie wenn Motoradler*innen ihre Maschinen zur Frühlingsausfahrt spazieren fahren, und weil die Rückkehr praktisch jederzeit möglich ist, soll niemand die Einfahrt unterbinden, weil die Ausfahrenden schnell ins Haus wollen, um Kaffee und Kuchen einzunehmen.

Wahrscheinlich ist aber alles viel einfacher: Auf dem Schild steht schlicht zu viel drauf. AUSFAHRT FREIHALTEN, alles weitere ist redundant überflüssig. Wer das Schild gemacht hat, hatte ein neues Stencil-Graphic-Set und wollte damit aus Bock-Gründen gerne so viel herumschreiben wie möglich. Mir ist damit, wie so oft bei Text im öffentlichen Raum, kein Gefallen getan.

Die unmittelbar enttäuschte Freude

Einmal schaute ich in der Heimat bei einem Provinzfußballspiel der untersten oder zweituntersten Spielklasse zu. Ein Akteur der gegnerischen Mannschaft haute aus wasweißich 25 Metern mal voll drauf und der Ball flog viel- bzw. erfolgversprechend Richtung Tor. Ein gegnerischer Anhänger sah das Leder schon drin und sprang »SUPER!« jauchzend auf, musste aber sogleich, weil das Spielgerät dann doch über die Latte schwebte (?), ein enttäuschtes »FACK!« (mit sehr hellem a, bairisch für fuck) nachschieben, und das alles ging so schnell, dass »SUPER« und »FACK« beinahe oder praktisch ein Wort bildeten, und so denke ich seither bei unmittelbar enttäuschter, im Knospen erstickter Freude: »SUPER…FACK :/«

Das regelt der Werbemarkt

  • »Wie viel Ingwertee pro Tag ist gesund?« (praxistipps.focus.de)
  • »Wie viele Pistazien sind pro Tag gesund?« (gesundheitsfrage.net)
  • »Wie viel Heizöl verbrauche ich pro Tag?« (bild.de/ratgeber/job-karriere/)
  • »Tinder: Wie viele Likes pro Tag? | TippCenter« (tipps.computerbild.de)
  • »Bartwuchs wie viel wächst der pro Tag ca.?« (gute-frage.net)
  • »Wie viel pro Tag gebt ihr aus? (Geld, Ernährung, essen)« (gute-frage.net)«
  • »Wie viele Menschen sterben pro Tag?« (helpster.de)
  • »Wie viele Kilometer kann man auf einer Fahrradtour pro Tag …
    Wie viele Kilometer man als Fahrradtour pro Tag schaffen kann, ist individuell sehr unterschiedlich. Manche sind eben mehr fit als andere. Auch was für ein Fahrrad fährt, das spielt auch eine entscheidende Rolle.« (radtouren-checker.de)

Das ist eine Auswahl von Suchmaschinenergebnissen auf die Frage: »wie viel hanföl pro tag«, duckduckgo-Seiten 2 und 3. Der Rest vorher/dazwischen war CBD-Öl-»Info«, Hanföl-Werbung, Quatsch.

Dies zum Thema: Die Unbenutzbarkeit der Suchmaschinen im besonderen und des Internets im allgemeinen, weil die Ergebnisse der Werbemarkt regelt.

Christlicher Vandalismus

Der CVJM, der Christliche Verein junger Menschen, eine des ungesetzlichen Verhaltens gänzlich unverdächtige, ja marienhaft unschuldige, wo nicht unbefleckte Gruppierung, vandaliert nun also auch. Was von den jungen jesusfreakigen Kreuzrittern als nächstes an öffentlichen Ärgernissen drohen könnte:

  • »C + M + B«-Kreidetags an willkürlich gewählten Haustüren
  • Weihwasser-Sprenkelanschläge auf Vorgärten
  • innerstädtische Taubenanfütterungen mit Hostienpackungskrümeln
  • Scheiterhaufen an Kreuzigungen Kreuzungen
  • öffentliche Knabenvergewaltigungen

Neil Armstrong schützte sich vor dem Mond

Astronaut Neil Armstrong trug bei seinem Besuch auf unserem kosmischen Nachbarn einen selbstgenähten Mondschutz, den er während des Aufstiegs noch flugs anfertigte, weil es bei den komplizierten, sehr detailreichen Vorbereitungen vergessen worden war. Ohne den Mondschutz hätte er sich dort oben schnell was geholt, dachte er. Weil Buzz Aldrin nicht so clever war wie Armstrong, musste er seinen Mondschutz nach der Landung nähen. Deswegen war Armstrong als erster aus der Rakete draußen. Michael Collins hingegen konnte gar nicht nähen und musste darum mit der Rakete um den Mond kreisen, während sich die anderen beiden den Mondbetretrekord schnappten.

Collins konnte nicht nähen, weil er frühreif gewesen war und sich in der Grundschule im Handarbeitsunterricht schon so pubertär aufgeführt hatte, dass er oft ins leere Nachbarklassenzimmer geschickt worden war, um Strafarbeiten zu machen. Als die anderen später hart abpubertiert hatten, war bei ihm hormonmäßig schon alles im Lot und er in den MINT-Fächern top gewesen. So hatte er mit Links Physik studieren können usw. Übrigens war es gar kein »Mondbetretrekord«, sondern das Erstbetreten, aber in »Mondbetretrekord« steckt »etretre«.

Dass Armstrong sich während des Hochgeschossenwerdens einen Mondschutz nähte, zweifeln Mondlandungsleugner auf der ganzen Welt bis heute an. Es ist ein beliebtes Argument gegen die humane Mondlandung. Teilweise studieren sie jahrelang Physik an diversen internationalen Universitäten, um mit schwierigen physikalischen Beweisketten zu belegen, dass sich niemand im Mondraketensitz einen Mondschutz nähen kann. Sie strengen sich fürchterlich an, aber letztlich kapieren sie nicht alles oder immerhin so manches nicht genau. Wo sonst aber hätte Armstrong seinen Mondschutz schon bei der Landung hergehabt, wenn er ihn nicht noch schnell zusammengehudelt hätte.

Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin

Dass das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin so heißt, wie es heißt, obwohl es einen Bernhard Nocht weder je gab noch gibt, liegt an mir: Das zuständige Benamungskomitee fragte mich, nach wem es sein Tropenmedizininstitut benennen sollte. Ich antwortete: »Bernhard Nicht«, denn er war der erstbeste Tropenmediziner, der mir einfiel. Weil ich das aber per WhatsApp tat, kam statt »Nicht« freilich »Nocht« an. Zeit, auf die Korrekturleiste zu tippen, blieb nicht. Hatte doch das Komitee erst mords hudlerisch nachgefragt, als nur noch fünf Minuten bis zum großen unaufhaltsamen Start der Corporate-Design-Artikel-und-Schilder-Maschinen verblieben waren. Wie üblich hatten sie das Entscheidende aufgeschoben bis zum Schluss.

Gut, dass Bernhard Nicht das nicht mehr erleben muss. Er war kein solcher Renommist, ja Aufpudler, wo nicht Selbstapotheotiker wie etwa Dietmar Hopp, dessen SAP-Firmensitz allen Ernstes und schamlos an der Dietmar-Hopp-Allee liegt und der die zu seinem Otium aufspielenden Fußballer eine Zeitlang durchs Dietmar-Hopp-Stadion jagte wie weiland die Caesaren ihre Gladiatoren. Mit Hopp wiederum schließt sich der Kreis dieses Postings in zwei Richtungen (?): Natürlich Corona, weil Hopp daran verdient, indem sein anthroposopisches Unternehmen Curevac an einem Impfstoff dagegen forscht, und natürlich – Hitler, der ebenfalls zu Lebzeiten sich nicht schämte, durch Adolf-Hitler-Straßen und über Adolf-Hitler-Plätze sich karren zu lassen, ja vielmehr danach gierte.

Hier noch eine Liste weiterer häufiger Vertipper:
– gegebeb statt gegeben
– Ohil statt Phil
– i h statt ich
– su statt du
– rotlackierte CDU statt SPD
– Elm statt Flo
– süd statt ruf
– Christian Dristen

Arnold Schönberg: »Moses und Aron«

Dass Arnold Schönberg eine seiner Opern Moses und Aron nannte statt Moses und Aaron, soll, wie zu hören ist, darin begründet sein, dass der Titel mit dem einaigen »Aron« aus zwölf Buchstaben besteht, was wiederum der verwendeten Zwölftontechnik korrespondiert oder immerhin mit ihr in numerischem Zusammenhang steht. Warum Schönberg für diesen Effekt nicht einfach auf den doppelt beaten »Aaron« und dafür den biblisch kurzen »Mose« zurückgriff, es lässt ihn prima facie schon leicht wie ein Depperl dastehen. Aber iwo!, secunda facie spintisiert ist es doch erst das fehlende »a« Aarons, das es uns Zwölfe schlagen lässt. Ausgewieft wie sonst, der Aarnold!

»Besorgte Bürger«

Die Medien sollen sich bitte ein anderes Hauptinstrument zur Inhaltsvermittlung suchen als Sprache. Mit der können sie einfach nicht umgehen. Als hätte es die jahrelang zu »besorgten Bürgern« schöngeredeten Protofaschist*innen von Pegida bis AfD(-Wähler*innen) nie gegeben.

The Michael »Air« Jordan Variations (4)

Dass das Basketballfeld nicht von vier gleichlangen Seiten begrenzt wird, passte ihm nie: Michael »Square« Jordan

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Verbesserte gerne die Orthographie seiner Mitspieler: Michael »thei(y)r(’re)« Jordan

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Bei BDSM-Spielchen ist er Sub: Michael »Chair« Jordan

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Kannte seinen Warenwert (vom Transfermarkt): Michael »Ware« Jordan

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The Michael »Air« Jordan Variations (3)

Will eins den Ticketpreis einer Busverbindung wissen, fragt’s am besten Michael »Fare« Jordan

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Spricht fließend Kambodschanisch: Michael »Khmer« Jordan

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Mit 1,93 m war Helmut »Birne« Kohl nur fünf Zentimeter kleiner als Michael »Pear« Jordan

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Weil er so groß war, fielen auch seine Quadratlatschen besonders auf: Michael »Square« Jordan

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Nürnberg: OB-Stichwahl

Screenshot: nordbayern.de-Startseite, 16.3.2020

OB-Stichwahl in Nürnberg: Thorsten Brehm (SPD, links), der Amstinhaber Ulrich Maly (SPD) nachfolgen möchte, tritt gegen Marcus König (CSU, rechtsaußen rechts) an. Die Nürnberger Nachrichten fragen per Kommentar: »Wem trauen die Wähler mehr Führungskraft zu?« Sie fragen rhetorisch, denn die Bildauswahl zeigt mit Königs Macher-Geste und Brehms ehrfürchtig-staundendem Auszubildenden-Blick, wem die NN mehr Führungskraft zutrauen und die Wähler*innen zutrauen sollen.

 

Rezension: Coca-Cola plus Coffee

Eine Freundin überließ mir kürzlich diese unvertraut designte Cola-Dose:

»Bez cukru« heißt »ohne Zucker«

Die Dose stamme aus Tschechien, wo dieses Produkt gerade auf dem Markt erprobt werde, eine wiederum Freundin habe sie ihr von dort mitgebracht. Es sei Cola mit Kaffee, aber sie trinke keine Cola.

Ich schon! Wenngleich nur selten und wenn, dann zu Fast Food und Anverwandtem. Nun habe ich dieses Produkt mit hierzulande noch nichtmal Erlkönigstatus probiert (dazu müsste es ja in grellem Tarn-Design über die Autobahnen geschickt werden).

Warum? Es ist emphatischer oder vielmehr mittlerer Nachmittag und ich habe, weil wichtige Denk- bzw. Schreibaufgaben anstehen, das Bedürfnis nach Koffein. Nun befindet sich aber das metallene Aufsatz- und Gittergepränge des Gasherds dummerweise in der Spülmaschine und so kann ich mir keinen Espresso brühen.

Im Glas – jede Getränkerezension bedarf der Transparenz des Glases – nimmt sich die Kaffeecola mit ihrem festen Schaumdach aus wie colafarbenes, d.h. dunkleres Karamalz. »Karamalz« ist denn auch mein erster Geschmackseindruck. Ein Getränk mithin, das ich als Kind verabscheute. Waren wir, was wohl drei-, viermal im Jahr vorkam, bei einer bestimmten der Urgroßmütter zu Besuch, gab es entweder Karamalz oder Mineralwasser der Sprudelstufe »Classic«. Ich trank dann: nichts. Karamalz empfand ich, Kindergartenkind, als viel zu bitter und außerdem als Frechheit von Urgroßmutter, zarten Mündern einstelligen Alters so etwas anzubieten. Das Mineralwasser war eines der gesalzenen Sorte, die nach Alteisen- und Schrottplatzabwasser schmeckt, und der für Kindergartengaumen irrsinnig hohe Kohlensäuregehalt war wohl in der Lage, bombenfest sitzende Milchzähne aus dem Zahnfleisch herauszusprengensprudeln.

Letztes Jahr fiel mir diese abscheuliche Getränkeauswahl wieder bei, und weil ich seit diesen Besuchen nie wieder ein Glas Karamalz zum Munde führte, kaufte ich nächstens im Supermarkt welches. Besonders gut schmeckte es mir nicht, aber auch nicht besonders schlecht. Was das Ganze soll, fragte ich mich freilich einmal mehr. Gegen die Kaffeecola spricht sein Geschmack heutzutage aber nicht mehr. Und diese schmeckt bei weitem nicht nur nach Karamalz. Vielmehr mutet sie an wie eine Mischung aus Coca-Cola, Karamalz und Fertigkaffeegetränken ausm Kühlregal. Aber keine bloß lieblos, amateurhaft gleichwie in der Küche zusammengeschüttete Mischung dieser drei Getränke, sondern eine mit allen Wassern der Lebensmitteltechnologie angerührte. 6,8/10

Und was nicht alles drin ist in diesem Getränk: praktisch nichts. Ausweislich der Nährwerttabelle jedenfalls. Pro 330 ml, d.h. je Dose enthält »Coca-Cola Plus Coffee« 17 kJ/3 kcal (≙ 0% des Tagesbedarfs) und 0,07 g Salz (≙ immerhin 1% des Tagesbedarfs). Auf Fett (tuky) bzw. gesättigte Fettsäuren (nasycené mastné kyseliny), Kohlenhydrate (sacharidy) respektive Zucker (cukry) oder Eiweiß (bílkoviny) hingegen freuen wir uns vergeblich: je 0 g (≙ 0% des Tagesbedarfs).

Dafür wartet eine Dose Kaffee-Cola mit 52,8 mg Koffein (16 g/100 ml) auf, uns wachzumachen. Damit liegt der Koffeingehalt etwa in der Mitte zwischen einer 150-ml-Tasse Filterkaffee (82,5 mg) und einem Espresso (33,25 mg). Erstaunlich: The Coca-Cola Company synthetisierte in die Extra-Koffein-Cola nur das 1,6fache an Koffein einer gewöhnlichen Dose Coca-Cola (33 mg). Meinem zarten Dafürhalten nach verspricht eine extra Coca-Cola Plus Coffee benamste Cola schon ein wenig mehr. Abwarten, wie sich die Verbraucher*innen dazu verhalten werden!

Hafner-Drink

Hafner-Drink ist eine Form der Menschenmilch aus Hafnern, d.h. Töpfern oder Ofenbauern. Wie sie hergestellt wird? So: Wir vermengen als erstes den Töpfer/Ofenbauer mit Wasser und weichen ihn dann entweder für mehrere Stunden ein oder kochen ihn. (Zuhause können wir, wenn kein entsprechend großes Industriegefäß vorhanden ist, auch Töpfer- oder Ofenbauer-Flocken verwenden.) Die entstandene Masse pürieren wir nun so lange, bis eine homogene Flüssigkeit entsteht. Schließlich filtern wir die verbliebenen festen Töpfer-/Ofenbauer-Bestandteile heraus, zum Beispiel mit einem Seihtuch. Die im Filter verbleibenden Rückstände können wir, ähnlich dem Trester beim Pressen von Früchten, nach Bedarf oder Sparnotwendigkeit ebenfalls verzehren. Guten Durscht! Pro-Tipp: Gesundheitsbewusste Genießer*innen zaubern sich mit Hafner-Drink beispielsweise Hafner-Porridge aus Töpfer- oder Ofenbauer-Flocken. Darin kommt wieder zusammen, was zusammengehört, und man hat dann ein echt super ausgewogenes Frühstück. GuMo und guten Appo!