MäDn®

Bitte um ehrliche Antworten: Wem ist der Brettspielklassiker Mensch ärgere Dich nicht auch bekannt als MäDn? Schmidts Spielesammlung mit über 100 Spielmöglichkeiten behauptet auf der Unterseite: »Wer kennt es nicht, das original Mensch ärgere Dich nicht® – auch bekannt als MäDn®«, und das klingt doch daherbehauptet.


Übrigens: Der prahlerisch so genannten Spielesammmung mit über 100 Spielmöglichkeiten liegen u.a. sechs Würfel bei. Genau 15 der exactamente 120 Spielmöglichkeiten sind keine reinen Würfelspiele, sondern Mikado, Chip- und Brettspiele. Korrekter wäre die Spielesammlung bezeichnet als Spielesammmung mit über 100 Würfel-Spielmöglichkeiten und ein paar anderen.

Spielhalle Flippothek

Leider nicht mehr geöffnet: Spielhalle flippothek, von sich selbst auch genannt FLIPPO. Wie schade! »Ich geh noch in die Flippo!«, »Wo ich spiel, das ist doch klippo: Nirgends außer in der Flippo!«, »Morgens brauch ich nur Kaffee, Klo und Flippo« oder »Hallo, bin ich bei der Flipo? Hier Grobhans von der Kripo…« – all sowas, bedauerlicherweise nicht mehr möglich.

Kurz notiert (99)

Wenn Säuglinge in einer Tour Hirtengedichte rezitieren: die Drei-Monats-Bukoliken

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Wer fragte »Welche Währung haben sie denn in den USA« und nicht »Weißt du wie in Amerika das Money Heist«

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Wer nannte es Predigt Slam und nicht Poetry Pslam

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Wöche Zigaröttenfülter vawöndn s’ in Wean am gernstn? Giz eh

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Kurz notiert (98)

Bei Bandscheiben z.B. ist es gar nicht so gut, wenn sie hervorragend sind

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»Kaufland – Hier bin ich richtig!«, aber als existenzphilosophisches Frohlocken

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Synästhetik-News: Rentnerkleidung hat oft so einen faden Beigeschmack

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Wo ist in Banken die TK-Abteilung für eingefrorenes Vermögen

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FAKTEN (1)

FAKT: Das Katzenfutter Brekkies sind die Fans der Serie Star Brek

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FAKT: Der Slogan »Lass dir raten, trinke Spaten« heißt auf Englisch »Take advice, drink spice«

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FAKT: (deutsch) Franzbrötchen = (bairisch) Kaisersemmel

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FAKT: »Spot the difference!« heißt auf Deutsch »Spotte den Unterschied aus!«

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Klassiker des Gesellschaftsspiels

28.12.2020, spätabends – Habe heute beim Kniffeln sauknapp gewonnen (245:243), aber bei diesem Höllenspiel fühle ich mich vorher, währenddessen und, trotz Sieg, noch danach als haushoher Verlierer, schon der Gedanke daran ramponiert, ja demoliert mich völlig.

Ganz anders wiederum bei Mikado, da brauche ich bloß daran zu denken und schon umflort mich balsamisch das Air der Siegesgöttin Victoria – wie es denn auch kommen sollte. Titanengleich über dem unbewegten Olympe wandelnd, iwo: Aristoteles’ unbewegten Beweger zum bewegenden Unbeweger verkehrend gleich sammelte ich die Staberl usw.

Ab- vs. angehalftert

Das selten und nur fachspezifisch vorkommende Gegenteil des journalistischen Alltagsworts abgehalftert ist übrigens nicht *gehalftert, sondern angehalftert ☝️ »Der angehalfterte Star/Schauspieler/Privatdetektiv/Astronaut/Virologe/Facebooker/Bundespräsident« klingt aber auch nicht besonders nett imo

Ganz hübsch fände und ausnahmsweise gerne läse ich einen Spiegel-Artikel unter der Überschrift: »Benedikt XVI. und Franziskus: Der große Vergleich des abgehalfterten und des angehalfterten Papstes«. Ach, und übrigens, am 20.01. werden Joe Biden und Kamala Harris zu Präsident und Vizepräsidentin der USA angehalftert. Hoffentlich lässt Trump sich schließlich doch wehrlos abhalftern. Dass mit Sandra Ciesek einer Kollegin Christian Drostens das Podcastmikro im Kampf gegen das Virus angehalftert wurde, war auch eine gute Entscheidung, da konnnten die leider immer noch angehalfterten Sexisten vom Spiegel noch so katastrophal schäbig daherinterviewen. Welcher Rechtsradikale nach der Abhalfterung Horst Seehofers als Innenminister angehalftert wird, steht auch noch in den Sternen. Aber auch die dann womöglich angehalfterten Mehrheitseigner Bündnis 90/Die Grünen dürften da, siehe Boris Palmer, keine Anhalfterungsschwierigkeiten haben.

Kurz notiert (97)

Großmutter, die einem einen neuen Bildschirmschoner häkelt 🤩

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Wer nannte es Haft und nicht Nachhaltiges Wohnen

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Dem Hund »AUS!« zurufen und er unterbricht daraufhin seine Energiezufuhr

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*fährt in den Vergangenheiten mit Handglocke und Schellenkranz durch die Lande und ruft »HERHÖRN HERHÖRN 📯 NENNT EURE NEUE STADT NICHT Neustadt IHR WERDET ES DEREINST BEREUEN«*

Mr. Oberschlaus Oberstufenprahlerei

Hat sich schon irgendein Schlauberger darüber mokiert, dass der Ausdruck »steigende Fallzahlen« bei Lichte besehen ein Oxymoron ist.


Und übrigens: Barbar, wer bei »steigende Fallzahlen« nicht an Schillers poetologisches Distichon »Das Distichon« denken muss: »Im Hexameter steigt des Springquells flüssige Säule, / im Pentameter drauf fällt sie melodisch herab.« (Musen-Almanach für das Jahr 1797)

Kurz notiert (96)

Bleistiftende aber als Leute die Material für diesen Silvesterquatsch bereitstellen

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*schreibt seine Doktorarbeit ab* aber steuerlich

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Was die Jüngeren hier gar nicht mehr wissen: Twin Peaks hieß früher Rain Peader

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Warum sitzt die Redaktion von BAUNETZ .de in Berlin und nicht in BAUTZEN 😡

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Kurz notiert (95)

»Säfte trinken ich am liebsten von der Firma Albi«
»Albi Nord oder Albi Süd?«

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Wer nannte es breites Angebot an Bauchmuskel-Plastikheimtrainern und nicht Abstand

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Bei Protesten gingen zehn tosende Menschen auf die Straße

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coincide der Münzenmord

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The Future Is Cancelled

Erstaunlich am #besonderehelden-Clip der Bundesregierung zum Thema #Zuhausebleiben: Der ältere Herr spricht aus einer 40 bis 50 Jahre entfernt liegenden Zukunft über sein jetziges Pandemie-Ich. Sollte er das nicht mit Cyber-Sonnenbrille und Galaxy-Friese auf einem Hover-Sofa vor komplettem Future-Setting mit lauter Robotern und Lasern im Hintergrund tun? Stattdessen sieht das alles aus, wie es das im Jahre 2020 bei gut situierten älteren Herren mit ordentlich »Polster« aus der Altersvorsorge halt tut. Warum hat da niemand gerufen: »Stoppt die Bänder! Da stimmt doch hinten und vorne nichts! Holt doch Luc Besson und Jean Paul Gaultier und Bruce Willis und die sollen das dann aufziehen wie bei Das fünfte Element!«

Mark Fisher hatte recht: The future is cancelled.

»Gärtners kritischem Sonntagsfrühstück« zum Ende

Vor zwei Monaten schrieb Stefan Gärtner in seiner wöchentlichen Titanic-Kolumne »Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück«: »Wer mehr als eine Hose hat (und ich habe gewiss sieben), darf sich immer fragen, ob der Gegenwert der spätestens dritten nicht bei der Flüchtlingshilfe anzulegen gewesen wäre«. Jetzt ging mir vor kurzem von meinen vier Hosen eine kaputt und so evident scheinen mir Gärtners hypotaxenschlagende Argumentationen seit je, dass ich mich frage, ob ich mir, trotz seiner eingestandenermaßen sieben, moralisch gesehen überhaupt eine neue kaufen darf.

Mit der heutigen Ausgabe endet seine Kolumne nach sieben bzw. zehn Jahren. All den Angegriffenen, Behandelten, Gemaßregelten des herrschenden Betriebs mag sie nichts geholfen haben; hat sie doch auch wohl niemand von ihnen je gelesen. Mir hat sie, Frühstück um Frühstück, viel geholfen. Ihr geringstes, wenngleich nicht geringes Verdienst wäre, dass ich um die Bedeutung des Ausdrucks »autochthon« weiß, und zwar, darum nicht gering, nicht nur im lexikalischen Sinne. Geholfen hat sie mir irgendwann so viel, dass ich Gärtner hin und wieder abwatschen mochte, weil er dann doch mal so gleißend danebenlag und etwa Frauen altherrenreaktionär ihren verbalen Umgang mit der Menstruation diktieren wollte.

Drum sei der Zukunft keine Träne vorausgeweint. Gedankt sei’s aber ihm.

Gefragt habe ich mich im übrigen immer, wie er es Woche für Woche schaffte, mitten in die Texte so passgenaue Zitate zu montieren, die eins oft erstmal kennen musste. Dass mir da das letzte – es sind die Schlusssätze aus dem meines Wissens letzten vom denkschulstiftenden Adorno publizierten Text, »Resignation« – nicht recht schmeckt, weil es ein bissl selbstgerecht schmeckelt, fügt sich immerhin ins Obige ein.

https://www.titanic-magazin.de/news/gaertners-kritisches-abschiedsfruehstueck-versuch-ueber-die-muedigkeit-11649/

Scooter über die Gegenwart

Scooter veröffentlichen am 23.10. mit dem annualkritischen Titel »FCK 2020« den Track zur »Stunde«. Wahrscheinlich geht’s ihnen wie den Sportfreunden Stiller mit »’54, ’74, ’90, 2006«¹ und sie müssen das Lied in zwei Jahren als »FCK 2022« und in vier Jahren als »FCK 2024« jeweils aktualisiert releasen.

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¹ Weil die Schlechtfußballtruppe DFB-Herrenauswahl 2006 trotz sportfreundischem Unterstützungsgejohle nicht WM-Gewinner geworden war, schmiss die Band den Song 2010 als »’54, ’74, ’90, 2010« erneut auf den Markt, um den Fans nochmal ein paar deutsche Euro aus der Tasche zu ziehen; bei der Herren-Fußball-EM 2008 hatte sie den Song als – rhythmisch kaum glaublich – »’72, ’80, ’96, 2008« aufgeführt. 2014, als endlich alle ihre Ruhe hatten vor den sogenannten Sportfreunden, die auf Teilnahme lieber verzichteten, konnte der WM-Triumph den DFBlern dann endlich gelingen.

Die arbeitenden Reifen

Der Sportteil unbewusst über den Status des Menschen: »Ohne Topzeiten zu produzieren, wählte der 35-Jährige [Lewis Hamilton] während des ersten Renndrittels häufig einen leicht weiteren Weg durch die Kurven und half den Reifen so, länger auf hohem Niveau zu arbeiten.« (Jo Herold auf tagesschau.de)

Seelenlose Gummidinger zeigen, wie arbeiten und funktionieren zu unmittelbar austauschbaren Synonymen erstarrt sind. Wenn obendrein der Rennfahrer seinen Rennreifen zur Arbeit auf hohem Niveau hilft, ist nicht die Vermenschlichung der Reifen vollendet, sondern die Verdinglichung des Fahrers.

Suhrkamp Verlag!

Ich will Schmerzensgeld, Suhrkamp Verlag!

Als ob Walter Benjamins Dissertation »Der Begriff der Kunstkritik in der deutschen Romantik« leicht zu verstehen wäre – Deine Werkausgabe bringt mich an den Rand der Zerebralexplosion, indem Du in ihr die Reihenfolge zweier Zeilen vertauschst und damit einen Nebensatz von vorne bis hinten ungrammatisch machst. Bevor mir das Hirn vollends zerstob und ich alle Zweifel an meiner Lesefähigkeit einzuräumen willens war, suchte ich nach einer anderen Ausgabe und fand sie im Digitalisat der Erstpublikation von 1920, wo Wort für Wort aneinandergereiht ist wie vom Verfasser vorgesehen und von den Leser*innen benötigt.

Ich erinnere mich, diesem Fauxpas – oder vielmehr dieser neckisch gedachten Schelmerei? – in einem Deiner Topprodukte schon einmal begegnet zu sein; bloß nicht mehr, wo.

Suhrkamp Verlag! Beim dritten Mal komme ich vorbei und verdrechsle Soll und Haben.


Textausschnitt: Benjamin, Walter: Der Begriff der Kunstkritik in der deutschen Romantik, in: ders.: Gesammelte Schriften, Band I.1, Abhandlungen, Frankfurt a.M.: Suhrkamp 1980 [1974], S. 7122, hier S. 67.

IGeL

Beim abendlichen Spaziergang einen am Wegesrand kauernden Igel gesehen. Sofort musste ich – so grundlos wie dann doch wieder nicht – an Individuelle Gesundheits-Leistungen denken. Wie eine*n diese Gesellschaft doch vernagelt und verrammelt und einer*einem das Gehirn zermörsert, es ist doch nicht auszuhalten!

Dabei muss ich gestehen, dass das gar nicht stimmt, sondern dass ich mir das nur ausgedacht habe beim Spekulieren darüber, wie ich diese Igelbegegnung der Netzgemeinde präsentieren kann. In Wirklichkeit freute ich mich einfach seines Anblicks. Wie eine*n diese Gesellschaft doch vernagelt und verrammelt und einer*einem das Gehirn zermörsert, es ist doch nicht auszuhalten!

Lasst euch beides (?) eine Warnung sein.

Harald Schmidt und das stark verschmutzte Rektum

»Ihr ernährt euch falsch, wenn ihr nach dem Stuhlgang ein stark verschmutztes Rektum habt!« Es ist dieser Satz, der mir von Harald Schmidt für immer am stärksten in Erinnerung bleiben wird. Er stand Anfang der Nullerjahre als groß herausgestelltes Kolumnenzitat in Schmidts Kolumne im »Focus« bzw. »Arschfocus« (M. Hürtgen).

Dies sei hier mal festgehalten, nicht dass Schmidt plötzlich verstirbt und ich es ihm dann postum hinterherrufen müsste. Denn das fände ich einigermaßen pietätlos. Obwohl es in der erwartbaren Chose des »Schmidt war einfach der größte!«, »Der Adorno der deutschen Fernsehunterhaltung« (Kölner Stadtanzeiger, kein Witz) und »Dieses depperte Arschloch Schmidt war doch der beschissenste Schmähfried von allen!« ein ganz netter Ballaststoff wäre.

Postscriptum: Wie Leser W. bemerkt, findet sich Schmidts Rektums-Ausspruch in einem 2007er Interview mit dem »Spiegel«. Wenn Schmidt den Ausspruch nicht einfach zweimal »brachte« (was mir sehr unwahrscheinlich scheint), würfle ich da womöglich zwei Sachen durcheinander. Was mich kaum wundern würde. Fast so stark erinnerlich wie der Ausspruch ist mir der oberstudienratartig angeberhafte und für Musiklaien praktisch unenträselbar hermetische Titel der Buchpublikation der »Focus«-Kolumnen, den ich seit je damit verbinde: »Quadrupelfuge«. Im Erscheinungsjahr 2002 war das für mich 16jährigen Realschulabgänger vom Lande einfach ein lustiges Wort. Heute, fast 20 Jahre später und mittlerweile – man soll auch nicht immer zu bescheiden sein und es auch mal raushauen – Elite-Master-Absolvent, kapiere ich den Titel allerspätestens und dann aber schon auch ohne alle Not beim Untertitel »Variationen über 4 Themen auf 240 Seiten«.
Wie die Dinge sich doch mitunter entwickeln; Harald Schmidt kooperierte zwischenzeitlich mit Oliver Pocher und ich nicht.

Hiffenmark

Hiffenmark, die so seltsam klingende fränkische Bezeichnung für Hagebuttenmark, heißt auf bzw. geht zurück auf engl. hyphen mark, was freilich mit Hiffenmark mehr schlecht als recht übersetzt ist, wo es doch Bindestrich-Markierung bedeutet, was wiederum daher kommt, dass

Gefallenseinladung

In älteren Facebooktagen gab es im Browser in der rechten Spalte doch dieses listenartige, in einer Tour aktualisierte Kastl, in dem Freundesaktivitäten angezeigt wurden: X gefällt dies, Y hat das kommentiert und Z gefällt jenes, disdas solche Sachen eben.
Ein Scherzbold (m*w) richtete daraufhin die Page »sich selbst« ein. Nutzer:innen konnten diese abliken und dann stand in dem Kastl: »XY gefällt sich selbst.« Ja haha, herzlich hereingelacht (einmal)!
Daran – weil es im Assoziationszentrum sanft ankätzelte – musste ich kürzlich denken bei der Notification: »Max Power¹ invited you to like Max Power.«
¹ Name vom Verfasser geändert.

Über die große Notwendigkeit von Seniorenschulen

Öko-»Kiez«, Imbiss. Zweieinhalb Meter vom Essensdurchreichefenster und meinem Fahrrad stehe und warte ich, bis mein Essen durchgereicht wird. Von rechts nähert sich eine Mittsechzigerin mit Krempel aufm Arm und fragt wahllos Leute, ob »Sie eben 10 Euro gesehen« hätten. Auch mich. Habe ich aber nicht. Lässt sie mich also stehen und legt schnurstracks ihren Krempel in meinen Fahrradkorb. »Äh, Verzeihung bitte, das wäre mein Fahrradkorb«, merke ich mit dünner, leicht verschämter Stimme an. »Ja, ja, ich leech das nur hier kurz ab«, entgegnet sie, ohne sich umzudrehen und ohne mich immerhin anzusehen. »Da muss ich wohl nochmal in den Laden«, spricht sie zu sich selbst; und dann zu mir – freilich ohne sich umzudrehen und ohne mich anzusehen –: »Wären Sie so gut und lassen mich das hier kurz ablegen, ich müsste nochmal in den Laden rein«. Äh, nein, gar kein Bock, du respektlose, freche alte Unperson – denke ich, sage es aber nicht, sondern, klaro: »Ja… Ich müsste dann aber gleich wegfahren, wenn ich mein Essen hab«, was sie mit iegendwas wie »Ja« quittiert, wo sie ja eh schon dreist Richtung Laden wegstrakst.
»Ich hatte ihn hier in meiner Seite drin!«, jubiliert sie, aus dem Laden stapfend, allen Umstehenden/Unbeteiligten zu, klaubt ihren Kram aus meinem Fahrradkorb und zieht davon; wahrscheinlich zum Enkelkind, dem sie die unterm Krempelhaufen hervorspitzende, kindgerecht formausgeschnittene bemalte Holzplatte schenken wird.
Alte Leute, die mich nicht kennen, sind in der Öffentlichkeit mir gegenüber so oft solche Wichser. Abermals erneuere ich daher die Forderung, sie nach dem Ausscheiden aus ihrem Beruf wieder einzuschulen, in Seniorenschulen, in denen ihnen wieder Manieren beigebracht werden. Von mir aus kann bei der Einschulung eine Manierenprüfung erfolgen, nach deren Bestehen die Seniorenschulpflicht auf Bewährung ausgesetzt wird. Weil so geht’s ja nun auch wieder nicht.

Kurz notiert (93)

Grabrede aber als Ortschaft in Niedersachsen

*
Hintertürchen aber als Schweizer Skigebiet

*
Sehr jung, aber wie alt ich genau war, weiß ich nicht mehr, doch eine Zeit lang dachte ich – ich kannte ihn bloß vom Hören –, Mehmet Scholl hieße Mehmetsch Oll

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Clutch-Presse das Handtaschenmagazin

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Induktion

08.09.2020 – Auswärts zum ersten Mal einen Induktionsherd benutzt. Was für eine crasse Raketen-Technologie! Darauf in einem old school Wasserkessel (mit Pfiff!) in Nullkommajosef Wasser zu erhitzen fühlt sich an wie mit dem Raumschiff Enterprise über die Steinzeiterde zu gleiten.

Schlurpschlurpschlurp

Stellt euch vor euch putzt wer die Zähne mit Zahnpasta die nach der wohlschmeckendsten Speise schmeckt und ihr schlurpt die Pasta während des Geputztwerdens in einer Tour von der Bürste so dass euer Zahnputzdiener kaum je einen Zahn gereinigt kriegt (so läuft das bei Hunden, Stichwort Rindfleischgeschmack)

Buffy vs. Bibi Blocksberg: Wer covert wen?

Wer kennt noch die Top-Episode »Computer Dämon« aus der ersten Buffy-Staffel? Buffy bekämpft darin einen Dämon, der als eine Art Computervirus das Internet von Sunnydale heimsucht. Wie er da reinkommt? Ganz einfach: Im Mittelalter wurde er per Zauberspruch als Text in ein Buch verbannt. Niemand durfte das Buch lesen, sonst würde der Dämon befreit! Ein paar hundert Jahre später, es sind die späten Neunzigerjahre, werden in Sunnydales Bibliothek uralte Schinken per Scanner digitalisiert. Und weil der Scanner u.a. auch ebenjenen Text ausliest (!), in/mit dem der Dämon gefangen ist, entwischt dieser aus dem Buch – in den Computer! Von dort aus verbreitet er sich dann und gelangt schließlich in einen Killerroboter, den Buffy und Giles dann zu bezwingen haben. Was erstmal unglaubwürdig und höchst albern klingt, ist doch nur logisch. Und eine der zugleich albernsten und schönsten Folgen im Buffyverse.
Wer für diesen Genuss jetzt weder die Buffy-Box noch einen AmazPri-Zugang hat, braucht beides auch nicht unbedingt. Ein Bibliotheksausweis wäre aber hilfreich: Damit flugs die Hexengeschichte »Bibi Blocksberg – Die Computerhexe« ausgeliehen und reingelesen; das ist praktisch das gleiche, nur in noch mehr kindgerecht. (Ich durfte es heute meiner Nichte vorlesen.)

The Distillers (?)

»Ja crass geil, dein Onkel arbeitet in einer Destillerie?! 🥳🙏«
»Ja«
»Lässig ey, lass ma Verköstigung machen, der bringt dir ja bestimmt immer was mit 🙌«
»Och, du…«
»Was für geiiile Tropfen brennen die ’n da? 🤩«
»Ach, weißt du… die machen da bloß so… Bügeleisenwasser 😐«

»Rebel Yell«

Song-Fakt: Im Song »Rebel Yell« singt Billy Idol über seine Zeit als Majoran-Zerreiber. Oft tat er sich dabei weh und musste ganz entsetzlich laut aufschreien. Weil er die Arbeit immer zur Geisterschicht verrichtete, ging er seinem ganzen Dorf auf die Nerven. Viele waren v

Wie im Teppichlager

Über Quadratmeterverlust wegen Tapeten-über-Tapeten-Schichten reden wir ja gar nicht. Aber Fußböden, die über alte Fußböden gelegt werden, teilweise auch schon in dritter Schicht und mehr, oft sind die Räume ja von der Decke bis zu den kniehoch welligen und gar puddingwabbeligen Fußböden nur mehr 1,30 m bis hin zu viel weniger, da läufst du nur noch in der Hocke durch oder gondelst aufm Liegerollbrett in Seitenlage herum; es wäre Stoff für einen wunderbaren Hannes-Richert-Comic i m h o

Zum 70.

Am liebsten urlaubte sie in Nordafrika, denn dort konnte Iris Berben.

(Sie wird am heutigen Tage 70 Jahre alt – allGu, lieber Fernsehstar!)

Idee für die politische Karikatur der Süddeutschen Zeitung:

Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans wollen mit dem bereits an den Schienen angerosteten Scholzzug Robert Habecks edle vitale Schlachtrösser überholen (auf einem sitzt Annalena Baerbock). Das Streckenziel wäre zu beschriften mit »R2G«, es liegt hinter einer bombenfest gemauerten Wand. Zug/Pferde böten auch ordentlich Platz für Beschriftungen aller Art.

tagesschau-Material für den Deutschunterricht

Bei dieser Überschrift ist die rhetorische Figur der Hypallage – auch genannt Enallage – in doch unerwarteter Umgebung zu beobachten. Zur Auffrischung der Erinnerung: Im Gegensatz zum Hyperbaton, bei dem komplette Satzglieder (teilweise) vogelwild astandardisch versprengt sind, versetzt der Dichter bei der Hypallage ein (meist) Attribut so, dass es beim falschen oder ›falschen‹ Bezugswort zuliegen kommt.
Allerdings: Lassen wir beispielsweise Goethe ein schludriges oder selbsttrunken-euphorisches, womöglich sogar ernsthaft-absichtlich krauses »Faßt bald des Knaben / Lockige Unschuld« (Das Göttliche, 1785) gerade so durchgehen, weil er halt der größten Deutschen Dichter der Deutschen größter Dichter ist, so fassen wir uns bei der größten Deutschen Nachrichtensendung doch ans Hirnkastl und fragen uns, ob es nicht doch sinnvoller, um nicht zu sagen sinnhafter, ja geh weiter: sinnenreich wäre, von für VW-Kunden folgenreichen Urteilen zu schlagzeilen. Aber »ach!« (Goethe, passim)

»Five Fingers«

Vibram, der Hersteller der im Alltagsgebrauch grenzdebil-depperten Zehenschuhe »Five Fingers«, sollte verpflichtet werden Handschuhe namens »Five Toes« zu produzieren. Meinetwegen – wenn’s seine reklameklamaukige Alliterierlust befriedigt – auch »Ten Toes«. Aber zur Strafe verpflichtet werden sollte er.

(In diesem Beitrag ist das Wort »Mauke« eingearbeitet.)

Eins, zwei, drei

Seit August war in der WG ein Hund. Sie lag im 3. Stock. Beim Hochlaufen wollte er immer schon die Wohnung im zweiten. »Der Hund kann nicht bis 3 zählen hehe 😅«

Seit Juni wohne ich in einer anderen Stadt. Die neue Wohnung nun liegt im zweiten OG. Nicht zum ersten Mal lief ich heute eins zuviel hoch ins dritte. »Wuff wuff wuff wuff wuff 2 wuffwuff hehe 🐶«

Halten statt besetzt sein

Gerade am Telefonieren dranne sein und plötzlich ein Klackern in der Leitung wahrnehmen. Normale denken sich dann – so sie es überhaupt als bedenkenswert empfinden –: »Hä?« und nichts weiter und gehen des weiteren Telefonates nach. Hinterher kriegt man mit: Das war ein zweiter Anruf! Eine arme Person versuchte, ein Telefonat zustandezubringen, und musste aber am unendlichen Freizeichen darben. Vielleicht sogar mehrmals, weil das laufende Telefonat etwas länger dauert.

Was für eine dumme Funktion! Früher, ja früher hätte ein Besetztzeichen schalmeit. Wollte man wen anrufen und hörte das, konnte man wissen: »Aha! Da wird gerade telefoniert! Also probiere ich es in 2/10/30 Minuten wieder!« Allen war geholfen. Die Telefonierenden konnten telefonieren, die es Versuchenden waren im Bilde.

Nur weil es die Technik möglich macht, quälen uns die Telefongesellschaften seit längerer Zeit ungefragt (!) mit dieser für Normaltelefonierer schwachsinnigen Funktion. Ja, könnte man sich diesen Service, wenn man ihn als Multi-Call-Fähige*r braucht, willentlich freischalten lassen oder dazubuchen, dann wäre mir das wurscht. Ich würde es eben nicht machen.

Im Leben käme ich nicht auf die Idee, einen laufenden Anruf zu »halten«, um nachzuhören, wer da noch so mit mir reden möchte. Weil hundert pro würde ich beide aus der Leitung schmeißen oder wasweißich. Wo sollte ich denn da überhaupt hindrücken?

Und wie sollte es erst meine Endachtziger-Großmutter, die von dieser Funktion ebenfalls vor ein paar Jahren ungefragt heimgesucht wurde. Die arme Frau lernte mühsam in jahrelanger Lernarbeit, wie sie Leute mit Kurzwahltasten anrufen kann. Und kein Mensch weiß, wie die Anklopffunktion wieder abgestellt wird bzw. umgestellt auf das womöglich ordinäre und altmodische, aber doch ungemein praktische Besetztzeichensystem. Ja Kruzifixsakrament!

(Dieser Beitrag entstand, weil ich, erst rund ⅓ der Erdenzeit meiner Großmutter hier herumwesend, heute betrübt feststellen musste, dass mein aktueller Mobilfunkanbieter es ebenfalls als meinen Telefonierwünschen entsprechend auffasst, niemandem mehr ein Besetztzeichen zu präsentieren, mir aber ominös in die Leitung zu klackern. Betet, chantet, spiritiert o.ä., dass ich das umgestellt kriege.)

K1, K2, K3, …

Von Magda Goebbels waren die Leute am meisten genervt wegen ihrer ständigen Tweets wie »K5 hat dies«, »K2 hat das«, »K7 hat jenes« oder »Da hat der GoeGa doch glatt …! *lach*«. Twitter konnte darin freilich keinen Verstoß gegen die Volksgemeinschaftsstandards feststellen.

aner

Seit gestern, coronabedingt erst fünf Wochen nach dem Umzug, bin ich eingetragener Hannoveraner. Dazu einige dies leicht ankätzelnde Fakten:

  • Mein Familienname wurde früher oft falsch von Hand- zu Maschinenschrift transkribiert, nämlich Luganer statt Lugauer. Das steht z.B. auf Schützenvereins-Trophäenscheiben meiner Eltern. Zu »Hannoveraner« passt »Luganer« aber ganz gut. But hey: no games with names!
  • Hannover liegt in Norddeutschland.
  • Tschüss ihr Saubayern hehe

Die Spaghettieis-Legende

Spaghettieis wurde, so behauptet er es jedenfalls, vom Mannheimer Eisfabrikanten Dario Fontanella exactamente am 6. April 1969 erfunden (vgl. Wikipedia). Nun gut, wer wäre ich, das anzuzweifeln. Anzweifeln möchte ich aber Folgendes: In der Abteilung »Trivia« des besagten Wikipediaartikels heißt es: »Laut Dario Fontanella soll es in der Anfangszeit der Eisspezialität öfter zu Tränenausbrüchen bei Kindern gekommen sein, die einen Eisbecher wollten und keine Nudeln mit Tomatensauce.« Und naja, das klingt mir doch schon sehr dahergelogen oder jedenfalls konstruiert. Denn einerseits: Sooo dumm sind Kinder nun auch wieder nicht und waren es wohl auch in der Anfangszeit der Eisspezialität »Spaghettieis« kaum.

Und andererseits: Warum sollten Kinder nach der Anfangszeit dieser Eisspezialität nicht mehr geheult haben, weil sie ein Eis und keine Nudeln mit Soße gewollt hatten. Wenn dieser Wahrnehmungsfauxpas Vierjährigen in den 1960ern unterläuft, dann doch auch Vierjährigen in den 1990ern oder 2020ern, was Freunde. Heutzutagige Kinder machen doch keine erfahren wegwerfende Handbewegung und sagen: »Pfffft, das sind doch keine Nudeln! D a m i t führt ihr mich nicht hinters Licht, Leute *gähn* Das ist Spaghettieis, das gibt’s seit 50 Jahren schon ☝️🧐«

Ich glaube, Herr Fontanella ist einfach ein normaler Kaufmann, der seiner (angeblichen) Erfindung mit einer kleinen harmlosen Flunkerei ein gewisses Air verleihen wollte. Oder: »soll es … öfter zu Tränenausbrüchen bei Kindern gekommen sein« müsste eigentlich heißen: »soll es einmal [max. zweimal] zum Tränenausbruch eines Kindes gekommen sein, das aber schon ganz besonders falsch hingeschaut hatte und von seinen Geschwisterärschen dafür zeitlebens aufgezogen wurde«. Damit schaffst du es aber kaum in die Wikipedia-Trivia-Abteilung bzw. in den Mannheimer Morgen.

In diesen informationsunsicheren wie ‑umkämpften Zeiten sollten wir alle aufpassen, was wir glauben wollen und was nicht. Damit GuMo und einen tollen Tag, Leute👍

eBay-Kleinanzeigen (2)

Mit welchen Zusätzen ihre Produktbeschreibung zum angenehmen Abverkauf führt:

»Nur Selbstabholung. Keine Mätzchen. Keine Sperenzchen.«

*

»Bitte nur freundliche Nachrichten mit einigermaßen erkennbaren Anredeformeln.«

*

»Bei bei übertriebenem ›Ich möcht ich möch ichmöcht‹ kann leider keine Reaktion erfolgen.‹«

*

»Bitte im Vorfeld keine Geschichten daherlügen. Auch keine Geschichtchen.«

*

»Keine Mätzchen. Keine Sperenzchen. Auch keine Kapriolen!«

*

»Auch keine Possen.«

*

»Bitte kommen, kucken, bei Gefallen Kohle rüberwachsen lassen, abtransportieren, abdampfen.«

*

»Kann leider nicht runter tragen helfen der Hund hat meinen einen Arm eingeschluckt und mit dem anderen muss ich rauchen außerdem wurde mir in Vietnam ein Bein weggeschossen und das andere hat ein Drogenboss in Pnom Penh als Trophäe aber fragen Sie nicht, du poah ey das war was! Also müssten sie die*den angekündigte*n XY mit dem dahergeliehenen Auto auch wirklich mitbringen.«

eBay-Kleinanzeigen (1)

Jede*r einzelne verdammte eBay-Kleinanzeigen-Kund*in 20 Min. vor vereinbartem Abholtermin: »Mein XY wo mir helfen wollte ist abgesprungen könnten Sie vielleicht disdas?!«

eBay-Kleinanzeigen ich zünde dich an und ziehe mich zurück in die Wälder.

Ruhe auf den Autobahnen

Service-Idee für Wut-/Arschloch-Autofahrer: die Ausraststätte. Rausfahren, unter Aufsicht ausflippen, Schellen abholen, in Ruhe weiterfahren. Damit könnte Ruhe einkehren auf Deutschlands Autobahnen.

Der längste Tag

Gestern war bekanntlich (?) der längste Tag des Jahres. Die Heavy Metal-Band Iron Maiden hat auf ihrem Album »A Matter of Life and Death« – in Fachkreisen (?) auch AMOLAD akronymisiert –, auf dem sie endloses abwechslungsloses Gedudel in niemals endenden Liedern mit Prog Metal verwechselt, einen Song namens »The Longest Day«. Darin geht es aber nicht etwa um den längsten Tag des Jahres und es ist auch keine selbstironische Referenz auf die quasi-infiniten Stücke der Platte. Sondern:

»Mit The Longest Day lieferten Iron Maiden einen weiteren Song mit geschichtlichem Hintergrund. Die Operation Overlord der Amerikaner im Juni 1944 und der damit einhergehende Sturm auf die Omaha Beach werden hier thematisiert.« (Wikipedier)

»The Longest Day« heißt die Nummer, weil der erste Tag dieser Operation, der D-Day, in Fachkreisen (?) auch »der längste Tag« genannt wird. Statt aber auch nur ansatzweise die Nazis zu thematisieren, gibt der Text ausschließlich die subjektiven Eindrücke der GIs wieder, die gegen wer-weiß-wen kämpfen könnten und wir müssen Schmarrn hören wie »Valhalla waits, valkyries rise and fall / The warrior tombs, lie open for us all« oder »Drowning men no chance for a warrior’s fate / A choking death enter hell’s gate«. Naja. So, jetzt wisst ihr’s!

Auftritt bei TITANIC

Für das Satiremagazin TITANIC trat ich als Hubert Aiwanger, stellv. Ministerpräsident Bayerns, vor die Kamera:

»Rich-tig re-den ler-nen mit dem bayerischen Vize-Ministerpräsident und Staatsminister für Wirtschaft Hubert Aiwanger (Freie Wähler).
Text: Originalzitate von Hubert Aiwanger
Darsteller Hubert Aiwanger: Andreas Lugauer«

Hier geht’s zum Beitrag.

»Even more Italy?«

Call me a pea counter, but I would not consider ANY of these cities to be italian – not even close. Even if you triplicate Hamburg. And MUNICH, among conaisseurs beknown as the most northern city of Italy, is not even on the list! This advertisement is just WRONG on so many levels 🤦‍♀️ But the Wurst was good 👍
#ReclamyGoneWrong

Trister Dekorationsrealismus

Über die sechste Klasse hinaus – ab dann hatte ich keinen Kunstunterricht mehr, weil ich auf eine staatliche niederbayerische Knabenrealschule gehen musste, wo ich auf den mittelständischen Handwerkskrieg vorbereitet wurde –, malte ich genau ein einziges Bild im Sinne von »ein Bild malen«.
Ich fand das Bild bei Umzugsvorbereitungen auf dem Dachboden wieder. Meine Lieblingskunstwissenschaftlerin und Freundin bescheinigte mir, es handle sich um tollen, vor allem richtig schön tristen Dekorationsrealismus. Und das ist doch nicht übel, was.
Die beiden Blumen rechts schauen absichtlich von den Betrachtenden weg, damit es was zum Interpretieren gibt. Bislang interpretierte noch niemand. Es kann auch sein, dass auf dem Bild, das als Abmalvorlage gedient hatte, auch zwei Blumen so weggeschaut hatten. Trotzdem interpretabel imho

Der Heizer

Lieber Franz Kafka,

 

hattest Du der Welt Deine Leiden mit Deinen Texten nicht schon genug heimgezahlt? Musste fast hundert Jahre nach Deinem Hinschied noch eine Deiner Figuren die WG-Waschmaschine zerstören?

 

Herzlichst, Dein
Andreas Maria Lugauer

 

Kleiderschrank; Verschwörungstheorie

Kürzlich von einer Privatperson einen Kleiderschrank abgelöst. Solide Mittelschicht, Doppelhaushälfte in ruhiger Familiengegend, zwei, drei Bakfietse in der Nachbarschaft, zwei kleine Kinder, Rasen im Garten heuer nicht so gut und wird wohl auch nicht mehr, aber was willste machen mit den Kindern, beim Nachbarn drüben schon ganz anders. Gemeinsamer Schrankabbau mit dem Verkäufer, Akkuschrauber Bosch, Ziploc für alle Schrauben und so. Lockeres Gespräch, Herkunft, was macht ihr, disdas. Nach 25 Minuten Thema Corona, logo, nee, keine Fälle in den eigenen Kreisen. Bei Minute 40 fallen sie dann, die magischen Worte:
»Ich bin ja kein Verschwörungstheoretiker, aber …«
… es sei auch nur ein Virus und auch nicht gefährlicher als andere Viren und vorstellbar sei es ja schon, dass da auch anderes dahinterstecke. Meine Freundin und ich wechseln unsichtbare Signale, das Gespräch wird woanders hingelenkt, ja wie machen wir jetzt am besten weiter mit dem Abbau, haha ja Ikea und die Schrankrückwände haha *lach* Er ist sehr hilfsbereit und geht gut zur Hand beim Einräumen ins Auto. Danke, tschüss!

Orangensaft; Norddeutschland

Seit kurzem wohne ich in Norddeutschland und schon entdecke ich die ersten Tollheiten. Z.B. dieses Orangensaftgebinde mit Fassungsvermögen  1 , 3 5  Liter  bzw.  6  3 / 4  P o r t i o n e n .

Wer denkt sich sowas aus. Welche total verrückten Überraschungen mag diese Region noch so bereithalten.

Leichte Wut aber walkt in mir hoch bei der Lektüre zweier Hinweise auf dem Etikett: »(Das Orangenblatt liegt hier nur fürs Foto und darf nicht in die Flasche.)« und die Klammerbemerkung in »Diese Flasche besteht zu mind. 30 % aus recyceltem Plastik. Bitte recycle sie wieder (erst austrinken).« Für wen hält der Hersteller seine Kund*innen.

Norddeutschland 1 – Andreas 1

Stüssy; Niederbayern

In meiner Jugend wollte ich Teil der Skatekultur sein. Skateboard fahren konnte ich nicht. Riefe Eric »Do a Kickflip!« Koston mir zu: »Do an Ollie!«, ich könnte heute noch nur verschämt weglachen. Aber Stunt Skates, auch genannt Aggressive Skates, also solche zum Grinden, hatte ich und ›stand‹ in der Alte-Leute-Dorfsiedlung auf von Vater zusammengedengelten Rails und Curbs auch den einen oder anderen Trick. Die etwa drei Jahre, die ich das machte, gingen gänzlich ohne Verletzung rum, obwohl ich die Skates derart läppisch locker schnürte, dass es »schnürte« heißen müsste und ich ohne Senkelöffnen raus- und reinsteigen konnte; weil ich wollte mich so gut es ging reinlegen können aufm Rail.

Im Straubinger Skateshop »77 Sunset Strip«, genannt Seventyseven, bewunderte ich in den Auslagen all die coolen Skateboard- und Klamottenmarken. Carhartt und Vans und Adio und wie sie nicht alle hießen. Und Stüssy.

Jetzt, 20 Jahre später, schauen Freundin und ich gerade Season 3 der Serie Fargo, worin einige wichtige Figuren den Nachnamen Stussy tragen. Ausgesprochen: [stassi]. Und es dämmert mir: Lag ich all die Jahre falsch mit der zumindest mental so getätigten Skateboardmarken-Aussprache [stüssi]? Ja. Indes die englische Wikipedia und das restliche Internet entgegen der Fargo-Aussprache sagen, es werde [stuːsi], also in etwa STOO-see ausgesprochen. Jedenfalls nicht [stüssi].

Mit 11, 12, 13, 14 Jahren aber wusste ich noch nicht um die im Englischen phonetisch bedeutungslosen Röck Döts wie in Motörhead, Mötley Crüe oder Queensrÿche. Und sagte eben, wie alle Normalen: [moutörhäd], [mötlai crü] und Queensrÿche kannte ich noch gar nicht. Woher auch.

»Die Bravo gabs bei uns am Dorf nicht«, antwortete der stellv. bayerische Ministerpräsident und ebenfalls in Niederbayern aufgewachsene Hubert Aiwanger kürzlich dem stalinistisch-genozidalen Sozenbengel Kevin Kühnert auf Twitter (zum Thread). »Wir waren sozusagen bewahrt von all dem, was Sie in Ihrer Jugend in Berlin aushalten mussten.« Woraufhin Kühnert, der ein bewunderns- wie beneidenswertes Twittergame fährt, das bekannte Söderfoto vorm FJS-Jugendzimmerposter postete mit dem Kommentar: »Bitter! Sie hatten also nie einen Bravo-Starschnitt an der Wand… 😥« Was den gesunden Volkskörper Aiwanger veranlasste zur Antwort: »Nein. Keine beklebten oder beschmierten Wände. Geweißelt.« Weil’s beim Hubert schon innen im Kinderzimmer aussehen und zugehen musste wie später im repressiv durchkonformierten Dorferscheinungsbild.

(Offenlegung: Die Bravo gab’s bei »uns« »am Dorf« schon, und zwar beim Loibl-Bäcker an der Hauptstraße sehrschräg gegenüber der Pfarrkirche, aber da standen solche interessant-aufklärerischen Dinge halt auch nicht drin.)