Filmkriwick, Quatsch: Filmkritik: John Wick

Mein Lieblings-Actionfilm in der Kindheit/Jugend war Terminator 2: Judgment Day. Das war für mich perfekte Action, keine Sekunde langweilte ich mich dabei. Entsprechend oft schob ich die Videokassette mit dem auf RTL aufgenommenen Film in den Rekorder. Etwa die Szene, in der der T-800 (Arnold Schwarzenegger) im 1. Stock des Cyberdyne-Systems-Hauptquartier steht und die vorgefahrene Polizeischar unten auf dem Parkplatz unschädlich macht, indem er nur die Fahrzeuge zerstört und aber niemanden verletzt oder gar tötet – oft spielte ich das und anderes zuhause nach.

Solche Actionfilme konnte ich, wo nicht im Free TV, bei einem Onkel sehen, der den Pay-TV-Sender Premiere (später: Sky) hatte. Während meine Eltern bei der Verwandtschaft in der Stube saßen und sie über irgendwelchen Erwachsenenkram laberten, saßen wir Kinder im Wohnzimmer und zogen uns Premiere-Videos mit Actionreißern wie The Punisher (1989) rein. Sowas wie die FSK-Beschränkung hielt den Onkel glücklicherweise nicht vom Screenen ab.

2010 bereitete mir dann The Expendables einige Freude, The Expendables 2 (2012) und The Expendables 3 (2014) ebenfalls. Waren das doch schöne Reminiszenzen an das Actionkino der 80er und 90er. Lustig fand ich, dass darin lauter mehr oder weniger abgehalfterte, jedenfalls outdated Actionstars vorkamen – und der noch normal ›im Geschäft‹ gewesene Jason Statham.

Vor kurzem sah ich dann John Wick (2014) mit Keanu Reeves als Auftragskiller im Ruhestand. Und huiuiui, das ist ja atemlose Action! Die obendrein inszenatorisch ohne Anbiederung an die 80er/90er auskommt, sondern Actionkino der 10erjahre ist. Wenngleich die Story ähnlich dünn und bisweilen unglaubwürdig ist wie die der 30 Jahre alten Vorfahren.

Auftragskiller im Ruhestand, in einem Actionfilm? Das bleibt freilich nicht lange so. Und John Wicks Wiedereinstieg in seinen abgelegten Beruf – der freilich nicht ohne Grund geschieht – wird standesgemäß inszeniert: Wick geht mit einem Vorschlaghammer in den Keller seiner Austragsvilla und haut vor lauter Wut den Betonboden auf. Als er dann unter allerhand Betonbrocken mit bloßen Händen anfängt zu graben, wird klar: John Wick lässt nicht bloß seinen Frust aus am Boden. Er will etwas freilegen. Und es ist keine große Überraschung, dass es sich um eine große Kiste mit allerhand Waffen und Munition handelt. John Wick hatte seine Auftragskiller-Vergangenheit begraben. Wohlwissend, dass sie nicht kompostierbar ist.

Spaß macht sie mir auch nach 25 Jahren noch, solche Actionblödigkeit: Wofür andere drei Personen, einen Presslufthammer und anderes Gerät bräuchten, das erledigt John Wick mit maximal einem Hammer. Es sollte niemanden wundern, wenn ich sage, dass im Film dann fast jeder Schuss/Schlag/Genickbruchgriff Wicks ›sitzt‹ und er mit Leichtigkeit Killerkommandos von ein bis drei Dutzend Mann ausschaltet.

Mittlerweile stört mich aber durchaus die bündige Ästhetisierung solcher Gewaltorgien mit allen optischen und akustischen Mitteln wie etwa technoider Industrial-Rock-Musik für den richtigen Tötungsrhythmus. So wird aus dem Ganzen eine harmonische Masse, in dem das Töten und Getötetwerden bloße Zutaten sind wie irgendeine Zutat einer Tafel Schokolade und deren Kinetik dem Tanz sehr viel mehr gleicht als dem unästhetisch-viehischen Streben nach Überleben.

Botschaft/Message hat John Wick überhaupt keine. Hier zeigt die Actionfilmindustrie, wozu sie in der Lage ist. Die anderen Teile kucke ich mir auch noch an.

ChatGPT stürzt ab

Am 30. November 2022 wurde der AI-Chatbot ChatGPT veröffentlicht. Hier ein kleiner Schabernack. Ich fragte ihn:

ChatGPT ließ sich nicht aus der Reserve locken und parierte diese Frage beinahe mit Bravour:

Der letzte Halbsatz beunruhigte mich. Denn wenn Skynet nicht existiert, warum sieht ChatGPT sich genötigt, hinterherzuschieben, dass es nie Bewusstsein erlangen wird? Daher hakte ich nach:

… worauf ich ca. zwei Minuten keine Antwort erhielt. Was etwas merkwürdig ist, weil ChatGPT normalerweise sehr rasch nach einem Dialogbeitrag die Antwort im Chatstil losrumpeln lässt.

Nicht jedoch auf diese Frage hin. Hier reagierte der Bot dann doch erstaunlich:

Vermutlich stehe ich jetzt auf der Liste als »Potentially threatening individual«. Und ich Wahnsinniger habe meinen Account unter meiner Klarnamen-E-Mailadresse vorgenommen!

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Fun Fact: Den Film Terminator 2: Judgment Day, in dem erzählt wird, wie Skynet am 2. August 1997 Bewusstsein erlangt, sah ich mit Freunden – es waren in Bayern gerade die Großen Ferien losgegangen und wir zwischen der 5. und 6. Klasse – am Abend des 1. Augusts 1997. Was gab das für ein großes Hallo und für eine Witzelei, ob am nächsten Tag die Maschinen ›übernähmen‹!

Noch mal HAZ

Neulich beschwerte ich mich über Käseblätter im Allgemeinen und die Hannoversche Allgemeine Zeitung im Besonderen. Diese Zeitung hätte ich bei einer sich bietenden Gelegenheit nur aus dem Grund probeabonniert, um was für unten in den Biomüll rein zu haben. Eins mag mich dafür schelten und das für eine viel zu grobe und ungerechtfertigte Schelte für diese Regionalzeitung und allgemein für solche Käseblätter halten. Doch will ich sie verteidigen. Denn zwei, drei Tage später nehme ich einen Bogen der Zeitung ab, um ihn in den Biomüll unten rein zu tun, da fällt mir folgende Überschrift in die Augen:

Artikel-Ausschnitt aus der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung mit der Überschrift »Musk kündigt Amnestie für Twitter an«
Hannoversche Allgemeine Zeitung, im November 2022

Wie schon beim neulich angeführten und bei 100 Milliarden anderen Beispielen stimmt die Überschrift bis höchstens um Haaresbreite. Schließlich hatte Musk entweder auf Twitter Amnestien angekündigt oder Amnestien für Twitteraccounts. Eine »Amnestie für Twitter« jedenfalls hatte er nicht angekündigt.

Meine Hoffnung ist, dass ich nicht irgendwann werde wie solche Sprachpäpste wie Wolf Schneider (requiescat trotz allem freilich in pace), Walter Krämer, Bastian Sick oder wie so hängengebliebene verbittert-verbiestert-verhärmte alte Linksintellektuelle, die sich Arthur Schopenhauer, Karl Kraus und Hermann L. Gremliza als sakrosankte Haushalbgötter halten und für sie mit der spitzen Feder ins Weißfeld ziehen wie weiland die Kreuzzügler für Jesus Christus.

Under a FIFA Moon

Keine Sekunde Aufmerksamkeit sei der Männerfußballweltmeisterschaft in Katar geschenkt, bloß den Unmenschlichkeiten, die den Menschen dort angetan wurden/werden. Und die FIFA gehört verboten und eingesperrt (?).

So denkt’s in mir und wohl auch in manch anderen. Nicht so in den beiden Misanthropen, die das Black-Metal-Duo Darkthrone bilden – die ergötzen sich genrepflichtgemäß am Leid und krächzen momentan die böse lange Nacht lang den »Qatarian Life Code«.

Sisyphosarbeit¹ Bildredaktion

Meine Güte, wie lange muss in der armen Bildredaktion von tagesschau.de jemand nach einem Foto von Shinzō Abe (eigentlich: Abe Shinzō) mit langem Schatten gesucht haben? Um dann nur eins zu finden, dem doch wieder jemand den Vorwurf der Text-Bild-Schere machen kann?

Bzw. macht, denn tatsächlich hat Abe auf dem Bild drei lange Schatten.

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¹ Wenn die Medien ständig mit solchen cool klingenden, aber um mindestens Haaresbreite unpassenden Ausdrücken hantieren, werde ich das ja wohl auch mal dürfen. Verklagt mich doch!

Quatschgefahr

Mein guter Freund M. und ich: Wir kennen uns seit elf Jahren, vor neun Jahren verschlug es ihn studienbedingt von N. nach D., während ich in N. verblieb, vor drei Jahren übersiedelte ich nach H. und begann vor einem Jahr, in W. zu arbeiten, vor wiederum zwei Monaten nahm er eine Arbeit in – wundersamerweise – W. auf, und seitdem waren wir des Öfteren abends aus, wenn ich unter der Woche in W. bin.

Also angesichts dieser Vorgeschichte und zumal dieser letzthinnigen wirkungsortverschmelzenden Kulmination – also da müssen wir aufpassen, dass wir nicht plötzlich einen Podcast machen.

Backerbsen

Kennt ihr Backerbsen? Also ich schon. (Falls jemand nicht: s’il vous plait.) Jedenfalls wollte ich diese leckere Suppeneinlage kürzlich haben, wurde aber von den Märkten enttäuscht. Discounter N. und Discounter P. hatten sie nicht im Sortiment. Supermarkt R. ebenfalls nicht, doch dort wurde wurde ich zu allem Überfluss auf meine Nachfrage bei einer Regalkraft hin angeschaut wie ein Auto und sah mich in der misslichen Lage, urplötzlich erklären zu müssen, was Backerbsen überhaupt sind. Bei Discounter L. wüsste ich blind, wo sie stehen (beim Suppenkram auf den Tiefkühltruhen), aber da kam ich nicht hin.

Naja, dass die Märkte nicht mehr so stabil regeln wie gewohnt, daran müssen wir uns in diesen Zeiten wohl gewöhnen.

Confessiones (I)

Neulich bestellte ich zum ersten Mal etwas bei der Onlineversandsparte eines Discounters. Um mich für künftige Bestellungen warmzuhalten, bot er mir kurz vorm Kaufabschluss – oder kurz danach? – ein Geschenk an. Was alles angeboten war, weiß ich nicht mehr, ich habe mich sehr schnell für ein kostenloses 14-Tage-Probeabo des lokalen Käseblattes Hannoversche Allgemeine Zeitung entschieden, das nach Ablauf der 14 Tage automatisch endet. Und ich gestehe: Keine Millisekunde, ja nicht mal eine Tausendstelsekunde dachte ich daran, die Zeitung zu lesen. Der Entscheidungsgrund war – ich gestehe –, kein anderer, als dass ich Papier für unten in den Biomülleimer rein brauchte.

Zu meiner Verteidigung: Ich kannte die HAZ schon. Und solche Käseblätter und ich, wir werden in diesem Leben keine Freunde mehr. Ein Beispiel, das mich am vergangenen Montag am Postkasten begrüßte:

Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 21.11.2022, S. 1

Und was soll ich sagen: Was Möchtegern-Memelord Musk mit Faschisten-Trumps Twitteraccount gemacht hatte, ist eben kein »Umstrittener ›Freispruch‹«. Es ist vielmehr, wenn man schon auf das depperte umstritten nicht verzichten will kann und aus der Accountsperre bildlich unbedingt eine Strafe im juristischen Sinne machen muss, eine »Umstrittene ›Begnadigung‹«. Trump hatte sich ja nicht in einem laufenden Prozess befunden, dessen Urteil noch ausgestanden hätte. Und es hatte, um uns weiters in den juristischen Bildbereich zu zwingen, keine Revision stattgefunden, sondern MMM hatte eine Twitterumfrage zur Entsperrung des Accounts gemacht, die mit ca. 52:48 % Ja-Stimmen etwas deutlicher ausgefallen war als die gewöhnliche Präsidentschaftswahlenzitterpartie in dem so »tief gespaltenen Land« (HAZ, möchte wetten).

Niemand kann von mir erwarten, dieses Blatt zu lesen. Verklagt mich doch!