»Billy?!«

Wenn ich gelegentlich vormittags auf dem Radweg an der Pegnitz entlang in Richtung Nürnberger Innenstadt radle, begegnet mir von Zeit zu Zeit ein hagerer Mann von gewiß über 80 Jahren mit seinem Rollator. Manchmal hat er auch einen Rollatorkumpel dabei und sie schieben gemeinsam ihre Gehgestelle über den Asphalt. Hat mich der Mann erblickt, bringt er sogleich seinen Rollator zum Stehen, packt sein Basecap beim Schirm, schwingt es herrlich zum Gruße hoch in die Luft und ruft mir mit falben, welk nach innen gewölbten Lippen einen Gruß zu, den ich aufgrund seiner altersbedingten Artikulationsschwäche und dem starken Fahrtwind jedoch nie verstehe.

Ich kenne den Mann nicht, freue mich dennoch – trotz leichter Befremdung – im Vorbeifahren jedes Mal. Jedoch: ich weiß beim besten Willen nicht, was ich von der überschwänglichen Grüßerei halten soll. Ist das etwa einer jener Senioren, die einen Phantasieenkel namens Billy haben, den sie in den verschiedensten jungen Leuten wiederzuerkennen glauben? Oder leidet etwa nicht, was naheläge, er an Gedächtnisschwäche bzw. -verzerrungen, sondern ich, und ich kann mich dummerweise nicht an ihn erinnern? Falls letzteres: Die sehen aber auch alle gleich aus, diese Dörrnasen!