Sansibar

Einigermaßen empfindsame Menschen werden auf ihren Gängen durch urbane Straßen nicht nur von allerlei unsinnigen Friseurgeschäftenamen behelligt, sondern auch von allerhand witzig gemeinten Bar-, Kneipen- und Bistronamen, die aus Adjektiven gebildet sind und auf –bar enden. Von der Sonderbar über die Mischbar und die Essbar bis hin zur Wunderbar – nichts hält man diesen Menschen für unzumutbar. Ein ähnliches, nicht ganz in diese Reihe passendes, aber kaum weniger dämliches Beispiel ist die Sansibar. Dieser Name allerdings läßt eine Variation zu, die tatsächlich eine hübsche und vor allem ungewöhnliche Idee wäre und überdies ein Konzept sondergleichen nach sich zöge: Die Sans-i-bar.

»Sans-i-bar, was soll denn das sein?«, denken die Leute im Vorbeigehen, und um das herauszufinden, spazieren sie direktemang hinein. Beim Blick in die Speisekarte, in der man sich sowohl bodenständig-traditionell als auch weltoffen-modern präsentiert (urban halt), wird den Leuten schnell klar, warum diese Bar unique ist, denn es gibt:

  • Ber (Landber, Helles, Weßber, Pls, Zwckl (naturtrüb und unfltrert))
  • Wen (rot/weß)
  • Schnaps (Brne, Krsch, Mrabelle)
  • Cocktals (z.B. Tequla Sunrse, Ma Ta, Daqur, Zombe)
  • Tee (versch. Sorten, z.B. Pfeffermnz, Cha oder ngwer-Ztrone)

»Achsooo, man sagt ›sɑ͂-i-bar‹ und nicht ›Sansibar‹!«, denken die Leute mit Französischkenntnissen nun.

Sollten sie bei ihrem Besuch auch einen kleinen Hunger haben, etwa weil sie direkt aus dem Büro kommen und einen After-Work-Drink brauchen oder fünf (weil in der Arbeit »alles Arschlöcher!« sind) und sie seit der Kantine mittags nichts mehr zu essen hatten, oder weil es schon wieder halb eins durch ist und das Frühstück noch ein paar Stunden entfernt – dann hat die Sans-i-bar ein paar Kleinigkeiten parat:

  • Frkadellenweggla (mt Mexco-Dp!)
  • Fschbrötchen mt Zwebeln und Mayonase
  • zwe Brotscheben mt dversen vegetarschen Aufstrchen
  • Schwammerlbrühe mt Pffferlngen (nur während der Plzsason!)
  • Chps, Nüsse und Olven sind selbstverständlch grats!

In einem Nebenzimmer der Sans-i-bar dienen ein Kckerkasten, zwei Bllardtsche und ein Flpperautomat für die Kurzweil der Gäste. Auf eine Spckerschebe wurde verzichtet, wegen der häßlichen Löcher in der Wand rundherum.

Hinter dem Tresen hängt ein Schild im Straßenschilddesign mit der Aufschrift: »Freber gbt’s morgen«. Und die Toiletten schließlich, die sind beschriftet mit: Scheßhäuser Toletten.

Selbst einigermaßen empfindsame Menschen könnten gegen die Namenswahl der Sans-i-bar nichts einwenden.