Ein halbes Dezennium Goldt

Heute sehe ich zum fünften Mal in Folge Max Goldt, den (man verzeihe mir den eigentlich unpassenden, aber zum Zwecke der Alliteration verwendeten Ausdruck Doyen) Doyen der Digression, ‹zwischen den Jahren› im Nürnberger Hubertussaal. Das ist mittlerweile zur süßen Gewohnheit geworden wie der alljährliche grippale Infekt nach den Weihnachtsfeiertagen – der dieses Jahr allerdings, «toi toi toi», erfreulicherweise ausblieb.

‹Zwischen den Jahren›, das sagen die Leute, weil ihnen als «Jahr» nur die Zeit ehrlicher Hände Arbeit gilt, was recht hübsch auch durch das Gegensatzpaar «unter der Woche» für die Werk- und «Wochenende» für die arbeitsfreien Tage Sams- und Sonntag illustriert wird. Denn ‹zwischen den Jahren›, Weiterlesen

Metal News

London: Die britische Heavy Metal-Band Iron Maiden läßt sich ab 2018 von Google sponsern. Das Bandmaskottchen Eddie the Head wird fortan Edward »Eddie« the Head heißen, allerdings in der Google-konformen Schreibweise Adword »Addie« the Head. Das bandeigene Flugzeug Ed Force One (Boeing 747-400) wird umgetauft in Ad Force One.

Dies alles wird, wie man sich in Metalzeitschriftenkreisen einig ist, unter den Fans erwartungsgemäß zu Verwirrung (»Wie spricht man ’n Eddies Namen nu’ aus? Edwörd?«) und Verärgerung führen (»Was für eine Kommerzkacke! Bis 2017 waren Maiden noch trve Heavy Metal von Arbeitern für Arbeiter! Wo sich andere Bands von Anfang an im Tourbus durch die Gegend kutschieren lassen, setzt sich Bruce Dickinson bis heute selbst ans Steuer ihres Flugzeugs! Wahrscheinlich kosten die Tickets bald nicht mehr nur über 100, sondern über 200 Euro – aber dann können die mich sauber am Arsch lecken und hundertmal auf Tour ausschließlich die guten Sachen aus den 80ern spielen, da komm’ ich nicht mehr!«). Merkliche Gewinneinbußen befürchtet die bandeigene Firma Iron Maiden Holdings Ltd. (kein Witz) auf Nachfrage hin jedoch nicht.

Teddie an Max

«Lieber Max,
weil es bald Sommer zu werden sich anschickt: Wir sollten nicht verabsäumen, auf der Instituts-Terrasse die Marcuse, äh: Markiese reparieren zu lassen.
Dein Teddie»

Theodor Wehehe Adorno an Gaudi-Max Horkheimer, 16.04.1961. Adorno meint das Institut für Sozialforschung (IfS) in Frankfurt.

Sonntag, 2. Advent, 10.30 Uhr

»Ich gehe jetzt Bier trinken.

Meine Spezln, die Sauhund’, sind noch in der Kirche, aber wegen der Weihnachtsfeier gestern – ja Menschenskind, ham mir uns in der Boar die Rüscherln neipfiffn, ja do legst di nieder, Bluatsakrament! Dawei ham wir am Amfang, noch bevor d’ Wirtin ’s Weihnachtsschweinerne hergstellt hat, scho ein jeder vier Weißbier dringhabt – also wegen dieser Weihnachtsfeier – ›Wehrmachtsfeier‹, wie der Girgl im Spaß allweil sagt, ‚haha! –, wegen dieser Weihnachtsfeier, die wie jedes Jahr sehr schön war, konnt’ ich da ums verrecken nicht aufstehn für die Kirchn, und jetz geh ich eimfach gleich zum Frühschoppen. Aber einmal geht das schon, wie’s bei uns gern heißt, mords einen Brand hab ich eh zum löschen. Außerdem ham wir uns ja gestern zur Weihnachtsfeier auch praktisch ad majorem Dei gloriam getroffen, zur größeren Ehre Gottes also, nicht wahr. Das kann man schon einmal als quasi vorgezogenen Gottesdienst betrachten, nicht wahr, schließlich hat’s auch Weihnachtsgebäck und einen Christbaum gegeben und die Grundschüler ham gesungen, und einen Weihnachtspunsch hat’s auch geben, aber von dem trinkst am besten bloß eine Tass’, weilst sonst a so Sodbrennen kriegst. Naa naa, der Herrgott hat, glaub ich, schon ein Verständnis dafür, daß wir auf ihn mit einem Weißbier anstoßen bzw. mit sechzehn. Die eine Tass Wehrmachts-…, zefix, jetz fang ich auch schon damit an, die eine Tass’ Weihnachtspunsch ist aber auch gar nicht verkehrt, weil dazu kann man dann auch ein paar Platzerl essen, weil des süße Zeug paßt ja zum Weißbier eimfach nicht dazu, weil es sich geschmacklich eimfach beißt. Aber jetz halten S’ mich nicht länger auf, weil ich einen solchernen Brand hab, und wenn ich jetzt nicht gleich meine Konterhalbe krieg, dann konst an Sanka ruaffn, weil ich’s dann nimmer daback. Oiso, schöna Sonntag Ihnen, gell!«

Reklame

Kann der Kapitalismus denn nicht endlich mal zusammenbrechen? Seine Reklamedesigner/innen wissen ja schon gar nicht mehr, was sie noch alles auf seine Produkte schreiben sollen. Auf o.b.-Tampon-Packungen beispielsweise prangen schon die Hinweise «Mit Dynamic Fit™ Technologie – für ultimativen Komfort» und «3D Entfaltung». (Keine Pointe.)