Danke für nichts

Es folgt ein Ernst-Beitrag aus dem Salon de Critique:

Deutsche Serienübersetzer/innen, was ist nur los mit euch? Erfreut ihr euch so sehr am spoilern oder glaubt ihr, euer Publikum ist in der Mehrheit grenzdebil und ihr könnt auf es herunterspucken?
Es gibt da eine Folge der Sopranos, die heißt im Original ›Proshai, Livushka‹. (Wer The Sopranos noch nicht gesehen hat: SPOILER ALERT.) Bei diesem Titel fragen sich nicht nur die deutschsprachigen, sondern auch die anglophonen Zuschauer/innen sofort: »Ja Menschenskind, was heißt denn das nun wieder, und wie spricht man das aus?«, und sind beim Schauen ganz gespannt, was das nun wieder heißt und wie man das nur ausspricht. Im Laufe dieser Folge, und das ist des Rätsels Lösung, stirbt unerwartet Tony Sopranos Mutter Livia, seit längerem ein Pflegefall, woraufhin Tony, seine Frau Carmela und die Pflegerin Livias, Svetlana, erstmal einen Wodka brauchen, betoastet von Svetlana mit: »Proshai, Livushka!« »Which means what?«, will Tony wissen, und Svetlana entgegnet: »Goodbye, little Livia.«
Und wie benamst ihr Ausplaudertäschchen von deutschen Übersetzer/innen diese Folge? Freilich!, wer dächte dran, das dt. Publikum ebenso mit ausländischsprachigem Zeug zu überfordern wie die US-Kolleg/innen? Ja nein, rummska! benamst ihr die Folge gleißend idiotisch mit ›Lebe wohl, kleine Livia‹! Und die Produzent/innen schreiben das natürlich auch brettelbreit ins Episoden-Menü der leider deutschsprachigen DVD hinein. Nicht daß noch jemand von den zartbesaiteten Zuseher/innen zuhause an den Bildschirmen vom Tod Livias ebenso überrascht wird wie Familie Soprano. Thx 4 nuthin! »Which means what?« »Thanks for nothing.«

 


Ebenfalls dem ärgerlichen Thema »unterhaltungsindustrielle ›Eindeutschungen‹« ist dieser Beitrag gewidmet: Thou Shalt Not Stabreim.