Tocotronic, ‹Die Unendlichkeit›

Ohne es selbst gelesen haben zu müssen, da ich zu diesen Zeiten noch ein in solchen Dingen unbedarfter Heranwachsender war: Gewiß stand anläßlich der Tocotronic-Platte ‹K.O.O.K.› (1999), spätestens jedoch 2002, angelegentlich des weißen Albums ‹Tocotronic›, in Musikpostillen vielfach folgender Denkfaulheitsunfug zu lesen:

«Tocotronic sind erwachsen geworden.»

Na freilich, man brazzte nicht mehr nur mit grotesk verzerrten Gitarren herum, setzte plötzlich Synthesizer ein, sang mehr als man wütend deklamierte oder melancholisch monotonisierte, verzichtete also insgesamt auf den Grunge-Sound der ersten Veröffentlichungen – und schon war man erwachsen!

Um nun eine gewisse journalistische Konsequenz einzufordern, möchte ich heute, 19 bzw. 16 Jahre nach Tocotronics vermeintlicher ‹Erwachsenwerdung›, über die neue Platte gefälligst lesen:

«Tocotronic sind greis geworden.»

Es braucht ja, wie das meiste im Musik‹journalismus›, hinten und vorne nicht zu stimmen, und trüge der seitherigen musikalischen Entwicklung der Band tatsächlich bloß auf eine verquere Art Rechnung; aber so könnte man, wo man sonst schon alles nur sturheil in die ewigselben Phrasen preßt, in dieser immergleichen Rezensionsbrühe zum mindesten ein wenig hübsche chronologische Kohärenz herstellen. Und sei’s auch nur formal.