Musique rapide et violente

Ich, am Abend des 22.3.2018 mit Großmutter telefonierend: «Also, ich muß jetzt leider los.»
Großmutter: «Na freilich, dann will ich dich nicht mehr aufhalten. Was machst du denn noch?»
I: «Mit Freunden auf ein Konzert gehen.»
G: «So, wer spielt denn?»
I: «Ach, kennst du glaub ich nicht, sind aus Brasilien.»
G: «Aus Brasilien? Na, da bin ich gespannt, was du an Ostern davon zu erzählen hast!»
(Gespräch nicht ausgedacht, nur ins Standarddeutsche übersetzt.)

Ostermontag, Dorfwirtschaft Zur Linde, Familienessen: Hey Oma, also die brasilianische Band, auf deren Konzert ich am 22. März war, war Sepultura. Das ist portugiesisch und heißt Weiterlesen

Typographiewitz

Antiquariate landauf, landab. Wo du hinschaust: Antiquariate. Hier eins, da eins, dort sogar zwei. Wo zwei nebeneinander sind, gehen sie mitunter sogar ineinander über; hie symbiontisch, hüben parasitär, dort siamesisch.
«You can’t fight ’em; forget it, Andi, it’s Antiquariatown!» Ja, schon, freilich, aber warum ist denn noch nie jemand auf die Idee gekommen, gegenüber ein Groteskariat zu eröffnen?

Verdikt

25.3. Heute festgestellt: Die schlechteste Redewendung der Welt ist «between a rock and a hard place». Erbärmlicher, einfallsloser, überallgemein-mutloser («hard place»), trostloser, farbärmer GEHT ES NICHT. Sie ist der LOSER unter den ReWes! (Heinz Strunk, Quatsch: Andreas Lugauer)

Nürnberg Ice Tigers vs. Kölner Haie

Disclaimer: Auch wenn ich gleich mit Eishockey-Fachwissen brillieren werde, ich habe Null Komma Josef Ahnung von Eishockey und war in meinem schon achteinviertel Legislaturperioden langen Leben vielleicht viermal «im Stadion».

Sonntag, 18.03.2018, Arena Nürnberger Versicherung, Playoff-Halbfinalspiel Thomas Sabo Ice Tigers Nürnberg : Kölner Haie

Das Wichtigste zunächst: Die Schiedsrichter, zumindest im Fußball «Schiris» genannt, müssen entweder mit glycerinfreier Superhandcreme ausgestattet werden oder wahnsinnig trockene Hände haben. Denn Handschuhe trägt von den vier Burschen keiner. Einer oder zwei davon müssen sogar immer den eiskalten Puck anlangen, weil ständig Bully gemacht werden muß. Früher, da haben wir den immer hingelegt, dreimal die Schläger gegeneinandergeschlagen und dann losgestochert. Wer hätte damals überhaupt schon Schiri machen wollen? Was die heute dazu treibt, keine Ahnung.

Ausgegangen ist es Weiterlesen

Kurz notiert (2)

Morning hour, golden shower.
(aus der Reihe: Falsch übersetzte Sprichwörter)

***

Lettland heißt auf Englisch übrigens Latvia. Das Land darüber: Superlatvia.

***

Die Verwaltung welcher oberlustigen Gemeinde aus Trentino-Südtirol verwendet für deutschsprachige Anliegen die Emailadresse st-michael-an-der@sch.it?

***

«Wer Foucault, der ko!» (bayerische Machtanalyse)

***

H: «Chef, sind das Mand…»
C: «Heute schreiben wir ‹Clementinen› drauf, Helmut!»

***

In memoriam Walter Benjamin

Die Bekannte einer Bekannten und ihre Freund/innen fuhren in den frühen Nullerjahren gelegentlich über die bayerisch-tschechische Grenze zu den grenznahen Schwarzmärkten (Vox populi: «Fidschi-Märkte»), um sich grieselig-gruselige Raubkopien beschissener Musik und Filme zu kaufen (bei letzteren hätten, wie sie berichtete, schon mal die letzten fünf bis zehn Filmminuten gefehlt, da man jetzt nicht extra einen neuen Rohling hatte anbrechen wollen).

Die Qualität der gekauften Filme war von eigentümlicher Unsäglichkeit. Manche davon waren anscheinend einfach datenmäßig brutalstmöglich zusammenkomprimiert, um mit einer oder zwei CDs auskommen zu können. Andere waren per Camcorder (seltsam, wie seltsam sich dieses früher sehr gewöhnliche, mittlerweile aber outdatete Wort anfühlt) im Kino aufgenommen in einer Qualität, die heutzutage auf YouTube in den Drunterkommentaren die hämische Äußerung «Filmed with a potato» nach sich zöge.

Jetzt überlegt sie, inzwischen Promotionsstudentin der Theater-, Film- und Medienwissenschaften, über dieses eigentümliche und auf einige Jahre begrenzte Phänomen einen Aufsatz zu schreiben mit dem Titel Das Kunstwerk im Zeitalter seiner tschechischen Reproduzierbarkeit.

Kurz notiert (1)

Willy «Evel Kniefall» Brandt

***

Psychoanalytiker: «Erzählen Sie mir bitte von Ihrer Mutter.»
Kaspar Hauser: «…»

***

Lieblingswort des Tages: frz. clôture (‹Umfriedung›)
Verwendungsbeispiel: la clôture des toilettes

***

HNO-Gemeinschaftspraxis – Ihre SpezialistInnen für Wasser-, Stick- und Sauerstoff

***

Die Teesorte Ingwer-Zitrone der Marke Lord Nelson (LIDL) schmeckt wie Duschgels, die nach Zitrone riechen wollen, riechen. 6,5/10

***

Salon intime – März 2017 (1/2)

Salon du Fromage-Classics: Repost eines Beitrags von vor einem Jahr. «Mystisch» (Twitter, passim): Es hat sich alles haargenau wieder so ereignet.


1.3.
Lese einen Artikel über unzufriedene LehrerInnen. Dabei fällt mir auf: Der Ausdruck «Verbeamtete» ist nur ein überschüssiges «te» entfernt von Star-Trek-Crewmitgliedern, die aus Versehen an einen falschen Ort gebeamt wurden.
2.3. Am Spätvormittag frißt mich plötzlich die Erkenntnis an, daß ich den ‹Traum vom Eigenheim› bislang nicht verwirklicht habe. Ich wache noch immer im Fremdheim.
3.3. Morgens Mitgefühl mit dem Triebfahrzeugführer des Regionalexpreß, dessen Einfahrt in den nächsten Bahnhof sich laut seiner Durchsage wegen Überholung durch einen verspäteten ICE um wenige Minuten verzögert. Kein Mitgefühl mit auch nur einem einzigen der anderen Fahrgäste.
4.3. Die Dichter des Barock dichteten bekanntlich gern über Vergänglichkeit, Tod, Schmertz, Kranckheit, Noth und ähnlich Desparates. («Laaangweilig!») Aber gab es unter den Barockdichtern auch lustige Kerls? Dachte sich beispielsweise ein Andreas Gryphius, als er 1637 sein Sonett ‹Es ist alles eitel› verfaßte: «Es ist alles Eiter, harharhar!»? Weiterlesen

Warnung

Erst wenn auf den Fahrradwegen in den städtischen Parks und Anlagen der letzte Radler unterwegs gewesen sein wird ohne neongelbe Warnweste, ohne Fahrradfunktionskleidung, ohne Helm mit neongelbem Regenüberzug, ohne neonfarbenen Hosenbeinclip mit Reflektor (rechts), ohne regendichte Gepäcktasche (links), ohne Flugzeugscheinwerfer, der direkt in die Augen der Entgegenkommenden gerichtet ist, ohne vor jeder nicht einsehbaren Kurve schrill zu klingeln, um das eigene Fahrradwegbenutzungsrecht aggressiv einzuklagen und ja nicht bremsen zu müssen, und ohne sich mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von mindestens 20 km/h fortzubewegen – erst dann werdet ihr merken, daß [Fragment]

Freitag, 9.3.18, E-Werk Erlangen

Tocotronic gehen nach 70 Minuten mit einem charismatisch-erotisch geröhrten «Ciao!» (Duden-Empfehlung: «Tschau!» – ja ciao cacao!) von der Bühne. Zwei Zugabesongs, dann nochmal tschüß, bevor sie einen letzten Song spielen. Anschließend erklingt ein Chanson aus dem letzten Jahrhundert, dessen Titel und Interpretin ich leider nicht kenne (vielleicht ist sie noch nicht tot und ich lerne sie mal wieder erst kennen, nachdem sie gestorben ist).

Ich bleibe stehen und finde die Konzertklammer schön, die dieses Chanson zusammen mit dem klassischen Bombastintro eines Streicherorchesters bildet. Die Reihen Weiterlesen

Zum Schlachter?!

Ihren Hit «Bring Your Daughter to the Slaughter» (1990, UK-Charts Platz 1) nahm die britische Heavy-Metal-Band Iron Maiden übrigens auch in einer österreichischen Version auf: «Bring’ dei Dochta schnö zum Schlochta». Sie verstaubte allerdings, weitgehend unbeachtet von der Öffentlichkeit, auf der B-Seite der 7″ bzw. als Track 4 auf der Maxi-CD/auf der Bandmitte der MC.

In Österreich war man anfangs sehr «geschmäächelt» von der Würdigung aus UK, jedoch langte es dann auch dort nicht für Airplay. Denn die österreichischen Sittenwächter waren zu erbost über die Übersetzung des Refrains «Bring your daughter, bring your daughter to the slaughter / Let her go, let her go, let her go», als daß sie einer VÖ in Ö hätten zustimmen können: «Bring’ dei Dochta, bring’ dei Dochta schnö zum Schlochta / Hosd dei Rou, hosd dei Rou, hosd dei Rou!»

Selbst auf Youtube wurde die österreichische Version bereits 1991 wieder gelöscht, dort findet man nur noch die ursprüngliche: [bring your browser to, eh, Youtube]

Twitterpapst

Papst Franziskus hat auf Twitter neun Accounts (je einen für alle 9 Sprachen). Weil im Vatikan Latein Amtssprache ist, ist darunter mit @Pontifex_ln natürlich auch ein lateinischer. Dessen bislang erfolgreichster Tweet stammt aus dem Jahr 2016 und lautet: «Quid hic 1 bios est?»

Anmerkung: Ich muß wohl nicht extra vorrechnen, was es bedeutet, daß er ausgerechnet neun Accounts hat, mach’s aber trotzdem:
9 = 3 x 3
3 + 3 = 6
3 x 6 = 666
#QED #wearedoomed

Anmerkung 2: Falls jemand mit Latinum Bock hat, mal wieder ein bißchen was zu übersetzen, die Lateinkenntnisse jedoch nicht mehr optimae sind: der deutschsprachige Account @Pontifex_de bietet zu jedem lateinischen Tweet die deutsche Komplettlösung!

Seemannscover

Könnte ich Schifferklavier spielen, dann würde ich eine Seemanns-Version von Metallicas ‹Master of Puppets› aufnehmen. Singen würde ich dabei z. B. folgendes:

Schau: mein Dreimaster!
-master!
Dreimaster of Puppets
I’m pulling the strings! …

Leider kann ich nicht Schifferklavier spielen.

(Offenlegung: Singen kann ich auch nicht.)

 

Der Neue Mensch

Hymnus ad majorem gloriam hominis novi

Er ist da! Der Neue Mensch, wie ihn ein jedes Zeitalter als Strebensziel der Niederen
Zwischen den Schenkeln hervorpreßt, ist da:
Der regionalbahnfahrende Klappradpendler in flammender Funktionskleidung!
In heroischer Selbstnegation steht er
Neben seinem (kurz vor der Fahrscheinkontrolle)
Eingeschlagenen und
Ineinandergeschobenen
Vehikel aus zusammengeflanschten, neonfarben lackierten Stahlrohren,
Hybrid blickt er durch seine
In zartem, nur drähtchendickem, schwach mattschimmerndem Metall Weiterlesen