Zum Namenstag des Hl. Andreas

Angesichts des heutigen Andreastages hier ein
Repost eines (stilistisch leicht überarbeiteten)
Beitrags von vor zwei Jahren:

Der 30. November ist im christlichen Kalender der Namenstag des Heiligen Andreas. Was, neben dieser Tatsache, viele nicht wissen: Die x-förmigen Andreaskreuze, die an Bahnübergängen stehen, gehen auf ebendiesen Hl. Andreas zurück. Denn der Hl. Andreas wurde, wie es in jenen christophoben Zeiten nicht unüblich war, gekreuzigt – aber nicht an einem großen kleingeschriebenen t wie z.B. Jesus oder Brian, sondern an einem großen x.

Das Vergehen, aufgrund dessen er gekreuzigt wurde: Er warf sich vor einen Zug, in welchem laut todsicheren Hinweisen aus der Bevölkerung Satan persönlich unterwegs war, auf dem Weg, in Andreas’ Gegend möglichst viele Christ_innen ins Dunkel zu locken. Pech für Andreas: In dem Zug war statt Satan nur ein Haufen römischer Götter, um übers Wochenende zum Saufen ans Meer zu fahren (Satan war, weil er in der Bahnhofsklause hängengeblieben war, erst am Bahnsteig angelangt, als die Türen des Zuges schon geschlossen waren, wohingegen die Götter an jenem Freitag schon früher Feierabend gemacht und daher einen Zug früher erwischt hatten).

Andreas, leider fehlinformiert, brachte den Zug also ungerechtfertigterweise zum Entgleisen – und nix war es mit einem Abschaltwochenende für die partywütige Göttermeute! Freilich überlebte Andreas nicht, und schon gar nicht am Stück. Wütend, wie die Götter nun waren, hießen sie ihre Untergebenen die Überreste Andreas’ einsammeln, um ihn postum noch zusätzlich zu bestrafen und – Zusatzzweck alles Strafens – potentielle andere Märtyrerattentäter abzuschrecken. (Es gab Götter, die sich zu dieser Zeit nicht mehr zu öffentlichen Veranstaltungen trauten und sich wegen der latenten Märtyrergefahr sehr zurückzogen.)

Da sich die eingesammelten Teile, zu denen der Kopf und der Rumpf, beide unauffindbar, nicht gehörten, jedoch nicht in ansehnlicher Weise an ein gewöhnliches t-Kreuz montieren ließen, nagelte ein Zimmermann die vier Extremitäten Andreas’ jeweils der Länge nach auf eine von vier Latten, welche er dann zu einem X verband. Als Rumpf befestigte er am Kreuzungspunkt der Latten einen bis kurz vorm Zerreißen mit Stroh gefüllten Kartoffelsack, und auf dessen Oberseite einen Wirsingkopf. Dieses Schandmal wurde sodann am Ort des Geschehens, dem Bahnübergang bei Patras in der Präfektur Achaia, aufgestellt. Auf der am Kreuz angebrachten Plakette stand geschrieben: ABTI (Andreas Bethsaidaus Traminis Interruptor – Andreas von Bethsaida, Unterbrecher des Zuges).

f

Ich gründe einen Radiosender, bei dem alle vorzutragenden Texte in Fraktur gesetzt sind. Bedingung für die Sprecher_innen: Jedes Schaft-s muss als f gelesen werden (z.B. «Muſik» als [mufi:k]).
Ich nenne ihn: «Klaffik-Radio».

Eisenbahngschichtn (2)

Auf der Eisenbahnstrecke Neumarkt-Regensburg hält die Regionalbahn Agilis u.a. in Seubersdorf in der Oberpfalz. Die Gemeinde Seubersdorf ist ca. 5000 Einwohner stark. Das Stärkste an Seubersdorf ist ein Graffito am Bahnhofsgebäude: «Rap is back!» Das ist sehr schön, ohne Rap war es bestimmt recht fad in Seubersdorf. Es fragt sich allerdings: Warum war der Rap weg aus Seubersdorf? Und wenn er Seubersdorf schonmal verlassen hatte, warum kam er wieder zurück?
Seubersdorf!, behandle Deinen Rap in Zukunft gefälligst gut, damit er Dir nicht wieder abhaut!

Eisenbahngschichtn (1)

Auf der Eisenbahnstrecke Neumarkt-Regensburg hält die Regionalbahn Agilis u.a. in Batzhausen. Die Stimme aus dem Lautsprecher vermeldet kurz vor dem Halt freundlich: «Nächster Halt: BATZhausen». Ich muss dann immer an den ehemaligen Fußballtorwart Sepp Maier denken, weil der hatte mal einen Hund, der Batzenhofer hieß. Und wer nennt seinen Hund schon Batzenhofer.

Übrigens: Batzenhofer, benannt nach einer Berliner Gastwirtschaft namens «Zum Batzenhofer» und 2007 bester Hund Bayerns, musste leider im November 2012 eingeschläfert werden. Wenn Sepp Maier einmal gestorben sein wird (ad multos annos, Sepp!), wird man Kindern auf die Frage, wo Sepp Maier jetzt sei, antworten können: «Zum Batzenhofer.»

Bewunderung und Ehrfurcht

«Drei Dinge erfüllen das Gemüt mit immer neuer und zunehmender Bewunderung und Ehrfurcht, je öfter und anhaltender sich das Nachdenken damit beschäftigt: der bestirnte Himmel über mir, das moralische Gesetz in mir und dass Twitter angesichts der Myriaden an Tweets, Retweets, Replys, Retweet-Retweets, Retweet-Reply-Retweet-Replys usf. nicht alle 5 Minuten abraucht.» (Immanuel Kant, Kritik der praktischen Vernunft)

Meine Lieblingskatholiken (1): Tom Araya, Slayer

«Homicide-Suicide
Hate heals, you should try it sometime
Strive for Peace with acts of war
The beauty of death we all adore
I have no faith distracting me
I know why your prayers will never be answered

God Hates Us All
God Hates Us All
He Fuckin’ hates me

[…]

What if there is no God would you think the fuckin’ same
Wasting your life in a leap of blind faith
Wake the fuck up can’t ignore what I say
I got my own philosophy

[And now: my favourite Slayer-lyrics of all:]

I hate everyone equally
You can’t tear that out of me
No segregation – separation
Just me in my world of enemies»

(Siehe Slayers «Disciple»: https://m.youtube.com/watch?v=tS0mQ25ezq4 
Und die wunderschöne Alternative-Rock-Coverversion von Aereogramme: https://www.youtube.com/watch?v=VrnNF-429Sg)

8

Als Kind brauchte jeder neben einer Lieblingsfarbe eine Lieblingszahl. Letztere war bei mir die 8. Beim Fußball (E-Jugend) wollte ich die unbedingt als Rückennummer haben. Ein anderer wollte sie auch, so dass der Trainer durch Hölzchenziehen entscheiden ließ. Ich weiß nicht mehr, ob das längere oder kürzere hätte gewinnen sollen; ich zog jedenfalls das falsche. Weil aber ein Freund für Verwirrung sorgte, welches denn nun das Gewinnerhölzchen sei, ergab es sich, dass ich die 8 schließlich doch tragen durfte. Obwohl ich klar das verkehrte gezogen hatte. Mitleid mit dem anderen Buben empfand ich keines.
Oft war ich froh darüber, Auswechselspieler zu sein, denn dann konnte man mit den anderen ‹Ergänzungsspielern› Unfug anstellen, z.B. mit dem Eisspray Sachen einfrieren oder die Pausengetränke in der Gegend herumschütten. Hauptsache, die 8 aufm Rücken.

Große Aber

So schlecht Englisch können, dass man glaubt, Sir Mix-a-Lots Textzeile «I like big butts and I cannot lie» hieße «Ich mag große Abers und kann nicht lügen» – das wäre nicht nur schlecht.

Die drei Wirtschaftsweisen aus dem Morgenblatt

Hallo ich bin die 👈😎👉Wirtschaftsweisen👈😎👉 Peter Bofinger und noch ein anderer und wir sind in den Radionachrichten gegen die Abschaffung von Hartz IV weil wir ham doch etz die niedrigste Arbeitslosigkeit seit der Wende und es ist doch alles 👈😎👉cool👈😎👉 und das wolln wir doch jetzt nicht durch eine Politik des Forderns und Forderns wieder kaputt machen oder 🙈😂

Runtastic

12.06.2018: Heute frühmorgendliche Laufrunde: 5.09 Uhr Sonnenaufgang, 5.15 Uhr aus dem Haus, dann 6 km unter diesigen Wolken – motiviert wie Heinz Strunk! Dabei begegneten mir:
1 Hase
1 Spatz
1 Fußgänger
1 Pfandflaschensammler
2 Nordic Walker (beides ältere glatzköpfige Herren)
5 Jogger_innen (1 davon 2mal, an sportblauer Funktionsjacke wiedererkannt)
8 Fahrradfahrer (alle m)

Ausgestattet war ich mit T-Shirt (schwarz, Puma, geschenkt, aber vermutl. 19 €), kurzer Sporthose (schwarz, Adidas, wahrscheinlich 25 €), Laufschuhen (weiß mit dezenten blauen Akzenten, Adidas, um die 110 €, vor ca. 14 Jahren im Adidas-Outlet Herzogenaurach erworben), Sneakersocken (schwarz, No-Name, Größe 43–46, Preis unbekannt, aber gewiss niedrig) und 2 Papiertaschentüchern (in eins wickle ich die beiden Schlüssel ein, damit sie nicht so scheppern, das zweite, falls ich unterwegs schnäuzen müsste, was ich aber nie muss; Marke: Floralys (LIDL), Preis könnte leicht ausgerechnet werden (z.B. Ökonomie-Erstsemester), aber ich weiß gerade den Gesamtpackungspreis nicht).

Mein Geheimrezept für so frühes Joggen: Nach dem Aufstehen 2 Gläser Wasser (Leitungswasser, aktivkohlegefiltert, keine Kohlensäure) und 1 Banane (Supermarkt normal; bio kann, muss aber nicht).

Danach kalte Dusche wie Max Goldt, Wasser dabei angenehm kalt, nicht so unverschämt lauwarm trotz kältester Mischhebeleinstellung wie sonst oft. Liegt’s am Morgen?

Schließlich Beerenfrühstück (wie Heinz Strunk!), allerdings anders als bei Heinz Strunk mit Haferflocken (~guter~ Säurebildner!) und Quark (nach wie vor 3,8% Fett, trotz beginnender Alterswampe/-hüfte). Danach dynamisch und agil in den Tag. Ich zeige das aber nicht und unterdrücke die Ausstrahlung bewusst, weil solchen ostentativen Morgensportabsolventen will man ja immer eine reinhauen, auch und vor allem ich.
Jetzt am Abend allerdings setzt der Muskelkater ein; ob das Treppensteigen morgen noch schlimmer wird?

Update 22.11.2018: Seit einiger Zeit Magerquark.

E-Werk, Lesung

Vor einiger Zeit habe ich zum ersten Mal auf einer Bühne vor Publikum gelesen, in der Clubbühne im E-Werk Erlangen. Leider nichts eigenes, sondern einen in Zusammenarbeit mit zwei lieben Freundinnen verfremdeten Text des diesjährigen Erlanger Poetikdozenten Friedrich von Borries. In dem, das war die wesentliche Transformation des Ausgangstextes, 5% der Wörter aus «Schwanz» bestanden. (In Borries’ Text geht es an dieser Stelle im Rahmen einer Turnschuh-Produktpräsentation um eine Schuhsohle.)

Was soll ich sagen? Vor unserem Auftritt war ich erstaunlich – für meine Verhältnisse gar bemerkenswert – unaufgeregt, nur kurz vorher kickte die gewöhnliche Nervosität rein. Als ich las, hatte ich jedoch praktisch sofort eine Mordsgaudi. Wie man sie haben kann, wenn man sleazy-lasziv einen Schwanz präsentiert. Erstaunt, um nicht zu sagen pikiert, aber zugleich amüsiert, schauten mich die Leute an, die ich bei jedem «Schwanz», obwohl ich angesichts des Gegenlichts kaum jemand erkennen konnte, in den Blick nahm. Leider war unser Auftritt recht kurz und mein Part hatte, wenn man den Anteil der beiden Freundinnen als Schaft des Textes betrachtet, nur in etwa Eichellänge. Bock hatte ich jedoch voll und ich hätte auch noch viel länger gewollt! («Andreas 🙄🙄🙄 !») Aber was will man machen.

(Was ich in jedem Fall machen will: Wieder lesen. Und zwar gerne was eigenes, d.h. etwas von den Sachen, die ich bislang auf meinem Blog veröffentlicht habe. Einschränkung: keine Poetry Slams. Und die Leute müssen halt Komik abkönnen können. Falls wer was weiß: gerne Email/PM)

Die Idee des Sozialismus

Hermann Michels und Regina Göllner, c/o Suhrkamp Verlag!

Da gestaltet ihr den Umschlag von Axel Honneths 2015 erschienenem Buch «Die Idee des Sozialismus» (in notabene Orange) und macht auf dem Backcover was? Genau: In einem Satz die komplette «Idee» spoilern!

Verrät nicht, was er von euch hält: Salon du Fromage

 

 

Studio Braun/Gereon Klug: Kunst, Verzweiflung und Humor

Gereon Klug, u.a. Tourmanager von Studion Braun (Heinz Strunk, Jacques Palminger, Rocko Schamoni), las letztes Jahr im Erlanger E-Werk an einem Donnerstagabend aus dem von ihm herausgegebenen Studio-Braun-Buch «Drei Farben Braun». Außer mir waren vor Lesungsbeginn noch zwei andere Gäste da, junge Männer von vielleicht 17 Jahren (beide hatten, wie sich während der Pause herausstellte, weder Klug noch Studio Braun gekannt, aber einer von beiden hätte die Tickets halt von einer Tante zum Geburtstag bekommen. Gute Tante!).

Klug war, als er sich an seinen Lesungstisch setzte, zwar nicht begeistert, aber doch amüsiert. «Es gilt», meinte er dann gleich eingangs, «die alte Künstlerregel: Wenn mehr Leute im Publikum sitzen als auf der Bühne, wird die Show durchgezogen». Was er dann auch tat. Und auch ganz so, als hätten 50 Leute auf den Rängen gesessen (die kleinste E-Werk-Bühne hat Ränge). Nach ca. 15 Minuten schraubten zwei zusätzliche Gäste, die sich offensichtlich nicht nur ins angrenzende Bistro verirrt hatten, die Zahl der Anwesenden auf astronomische fünf.

Klug indes feuerte unbeirrt, und ohne für kommende Lesungen etwas aufzusparen, alles raus, was er vorbereitet hatte: Texte, Audio, Video und Zwischendurchanekdoten ohne Ablesen. Dass ich meist der einzige war (Publikum rein männlich), der lauthals lachte, war mir wurscht. Nach der Lesung ließ Klug sich noch herab und kam die Ränge herauf, woraus sich noch eine stattliche Unterhaltung ergab.

Kurzum: Gereon Klug für Studio Braun im Dienste von Kunst, Verzweiflung und Humor, ganz ohne sonstige Scheiße. 9/10

Radlerkoma

18.06.2018:
20-Radler

Sich mit Radler wegschießen, bis man ein Einhorn ist – wer kennt’s nicht!

Seid’s mir nicht böse, aber angesichts dieser Reklame für die AOK-/adfc-Kampagne «Mit dem Rad zur Uni», die mich zumal am Urinal mit ihrem Krampf behelligt, denke ich über die Anschaffung eines Coal Rollers nach. Also eines auf US-amerikanischen Redneck-Irrsinn zurückgehenden Pick-Up-Trucks, der dergestalt modifiziert ist, dass er Treibstoffabgase möglichst stark rußend aus den Auspuffrohren bläst. Damit fahre ich dann den ganzen Tag lang vor den Uni-Gebäuden umher und ruße die Gesundheitsradlerinnen (m_w) ein, daß sie im Hörsaal ankommen wie Rußlands Rauchfangkehrerinnen nach der Schicht (die eine oder andere Aktionsteilnehmerin wird dann schon dabei sein). Und mittem Ratt werd’ ich bis Aktionsende ~nicht~ mehr fahren.
Pah!, wie unverschämt sie immer die Urinalwände zuplakatieren.

Achtung, Gefahr!

Italienisch ist eine sehr dumme Sprache. Das merkt man z.B. an den Wörtern für «Gefahr» und «Achtung», «pericolo» und «attenzione». Bis du da jemanden gewarnt hast, sind alle tot. Deswegen gibt es auch nur noch sehr wenige Italiener_innen. Wenn ihr sie seht, passt gut auf sie auf!

Kurz notiert (11)

Die Zukunft der Schreibwaren: Schreibwerdensein.

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Am liebsten aßen Suffragetten
Schachtelweise Trumpf-Schogetten.

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Wenn ich meine Lieblingspizza gegessen habe, habe ich zwar ein Verdauungstief, aber gleichzeitig ein Vierkäsepizzahoch.

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Jever Stahlbad (dialektisch-herb)

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Bauernverbandspräsident – mein liebstes Ährenamt!

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Bei besonderen Anlässen gibt’s bei Satanistens immer Baphometigel!


Kategorie: Kurz notiert

Der Junge und der Aufkleber

In der U-Bahn stand mir vor einiger Zeit am Mittag ein Schulbub gegenüber, wohl 12 Jahre alt, einen mordsschweren Schulrucksack im Flecktarndesign auf dem Rücken, Turnbeutel in der Hand, gekleidet in eine kindlich-ungestalte Kapuzenjacke, patchbewehrtes Shirt, Jeans, alles irgendwie in dunkelblau, unter dem Käppi stieben die Haare ringsum hervor, zwar noch nicht zu lang, aber dennoch sollt’s mal wieder zum Friseur gehen. Als er sich etwas zur Seite dreht, fällt mir der Aufkleber auf, der auf seinem Rücken klebt.

Kein Patch wie auf dem Shirt, der gehört da nicht hin. Ich beuge mich rüber, tippe ihn an und sage: »Du hast da einen Aufkleber aufm Rücken!« »Was?«, will er wissen, weil ich red’ manchmal so undeutlich und für den öffentlichen Raum zu leise. Bevor ich’s ihm nochmal sag’, zieh’ ich ihm den Aufkleber vom Pulli und gebe ihn ihm. Er stöhnt genervt und rollt die Augen an die U-Bahndecke. Ham sie es also mal wieder geschafft diese Hurensohn-Scheißewichser denen hau’ ich so eine rein, und ihm, dem plumpen Pausbackenjungen, eins aufgeklebt, Quatsch: ausgewischt. Voll peinlo scheise, so was in der Art wird er denken. Ich lehn’ schon wieder gegenüber, bei der nächsten Haltestelle fällt ihm ein, »Danke!« vergessen zu haben und ruft’s zwischen den Aussteigenden hindurch. Mein »Gerne!«, ich fürchte, er hört’s nicht.

Gerne – gern würd’ ich ihm auch sagen, es sei gar nicht tragisch, er brauche sich nicht zu genieren wegen des Aufklebers, keine normale Passantin würde ihn deswegen für einen Trottel halten, könne er ja nix dafür, auch nicht dafür, dass er aufm Rücken keine Augen hat; das komme halt mal vor und seine Zeit vielleicht auch noch. Gerne – aber heute bin ich einer der coolen Erwachsenen, der hilfsbereiten, der milden, gutherzigen, aber schweigenden. Von denen er nur zu wissen braucht, dass es sie auch noch gibt.

Alfred J. Kwacques

Von StudiVZ hab ich mich damals abgemeldet, weil ich das falsche Komma in dem Gruppennamen «Alfred J. Kwak ist hundert pro, manisch-depressiv» nicht mehr ausgehalten habe.
Wäre StudiVZ heute noch «a thing», ich würde in diese Gruppe nicht wieder eintreten, aber eine namens «Alfred J. Kwacques Derrida ist hundert pro manisch-dekonstruktiv» gründen.

Selbstauferlegung

«Mit Zitaten vom Kaliber ‹Goethe an Eckermann, 4.7.1827› oder ‹Benn an Oelze, 1.6.1952› werde ich wohl noch warten, bis ich die Vierzig überschritten habe; davor nimmt einen doch niemand für voll.» (Goethe an Benn, Quatsch: Lugauer an Internet, 10.11.2018)

Creme

Daß man an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät in Nürnberg (WiSo) ist und nicht an der Philosophischen Fakultät in Erlangen, merkte man auch, wenn man blind wäre, weil an den Türgriffen in der WiSo immer Handcreme dran ist.

Aber die Frage lautet: Ist das so,  w e i l  die Leute mit übercremeten Händen an die Griffe langen, oder  d a m i t  die Leute nach dem Hinlangen an die Griffe eingecremete Hände haben – sozusagen als Creme-Service (im Wirtschaftler-Jargon: Cremium-Service) für die trockenen Wirtschaftlerhände, damit die Buchstaben auf den Computertastaturen der WiSo länger drauf bleiben und nicht vor der Zeit von rauhen Kratzhänden abgeschmirgelt werden –?

Kurz notiert (10)

Bin im Museum und das Auge ist mit.

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Zapfsäule, oder wie ich sie nenne: Tankstele

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Bauarbeiter – die Halbgötter in Schweiß

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Pflegemittelserie Anti-Fa – der frische rote Duft gegen 1000jährig’n Muff

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E-Zigarette vs. U-Zigarette

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Unser neues Digitalklo darf man, damit man’s nicht verkratzt, nur mit einem eBimsstein reinigen.


Kategorie: Kurz notiert

Vorlesungsverzeichnis

Am Institut für Historische Tontechnik gibt’s jedes Semester eine Ringvorlesung, in der man sich mit elektrischen Klingeln und Telefongeläute aus vorpolyphoner Zeit beschäftigt. Kann man sich mal anhören!

Kurz notiert (9)

Wenn Sigmund Freud ein Verhältnis mit dem einstmaligen SPD-Politiker Carl Leid gehabt hätte – dann hätten Freud und Leid manchmal dicht beieinanderliegen können!

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Platzreife, aber als Überreife von Obst, das es jeden Moment zerreißt

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Meine Sneakersocken bezahl’ ich immer mit extra gesparten Sneakersocken!

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Buffy Summers ist die Slaywall von Sunnydale

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Lieblingsauto im Kulturbetrieb: VW PhϾton

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Rohbaucop der Zollcyborg
(Netflix-Big-Budget über Schwarzarbeit am Bau – mutig!)

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Aus der wunderbaren Welt der Agrarlehrfilme: «Dung und Dünger»


Kategorie: Kurz notiert

Willst du mit mir gehen?

Willst du mit mir gehen?
( ) ja
( ) nein

Hast du ein Bidet im Bad?
( ) ja
( ) nein

Die Kritische Theorie ist die beste Theorie.
( ) ja
( ) nein
( ) «[…] soweit es auf der subjektiven Seite heute überhaupt so etwas wie eine Schwelle, wie eine Unterscheidung zwischen dem richtigen und dem falschen Leben gibt, ist sie wohl am ehesten darin zu suchen, ob man blind nach außen schlägt – und sich selber und die Gruppe, zu der man gehört, als Positives setzt und das, was anders ist, negiert –, oder ob man statt dessen in der Reflexion auf die eigene Bedingtheit lernt, auch dem sein Recht zu geben, was anders ist, und zu fühlen, daß das wahre Unrecht eigentlich immer genau an der Stelle sitzt, an der man sich selber blind ins Rechte und andere ins Unrechte setzt.»*

Kreuze gleich an und sei mit drei Richtigen im pool of candidates!

* Adorno, Theodor W.: Probleme der Moralphilosophie (1963), hrsg. von Thomas Schröder, in: Theodor W. Adorno: Nachgelassene Schriften, hrsg. vom Theodor W. Adorno Archiv, Abteilung IV: Vorlesungen, Band 10, Frankfurt a.M.: Suhrkamp 1996, S. 251.

Bidet

Es ist, wie es ist, Freunde: Ich bin an einem Punkt angelangt in meinem Leben, an dem ich ein Bidet nicht nur gerne besitzen, sondern auch benutzen würde; und zwar nicht ~nur~, um mit eingezwicktem Monokel, Brillenbügel im einen Mundwinkel, Zigarre im anderen, angesilberketteter Taschenuhr und Einstecktuch im Frack sagen zu können: «Junge Dame, junger Herr, ich  b e s i t z e  nicht nur ein Bidet, sondern ich  b e n u t z e  es auch regelmäßig! Wissen S i e überhaupt einmal, wie man Bidet schreibt überhaupt?»

Sicher, damit würde ich gerne auch alle indignieren, die von diesem Thema gar nichts wissen wollen, aber zugleich geht doch nichts über morgend-/abendliche Intimwäsche! Da sind zumindest schon einige der fünf (oder sieben? Hm, ich glaube, die Sieben, das waren die sieben Öffnungen unseres Kopfes, auf die er in einem anderen Text verblüffenderweise hinwies) Stellen dabei, die Max Goldt, Spezialist für tägliches Betragen, für die morgendliche Reinigung empfiehlt.

Größter Mist, den ich seit langem Lesen musste

«Aussprache und Schreibweise von ‹LaTeX›:
Die Zeichen T, E, X im Namen kommen von den griechischen Großbuchstaben Tau, Epsilon und Chi, so wie sich auch der Name von TeX aus dem griechischen τέχνη (Geschicklichkeit, Kunst, Technik) ableitet. Aus diesem Grund bestimmte TeX-Erfinder Donald E. Knuth die Aussprache als [ˈlaːtɛx], das heißt mit einem stimmlosen velaren Frikativ (‹Ach-Laut›) wie im Neugriechischen. Dagegen äußerte Leslie Lamport, er schreibe keine bestimmte Aussprache für LaTeX vor.
Die von Knuth bestimmte Aussprache bereitet nichtgriechischen Muttersprachlern oft Schwierigkeiten. Daher herrscht im Deutschen die Aussprache [ˈlaːtɛç] mit einem stimmlosen palatalen Frikativ vor (‹Ich-Laut›), im Englischen die Aussprachen [ˈlɑːtɛk] oder [ˈleɪtɛk]. Die Aussprache mit x [ks] ist unüblich.» [Quelle: WiXiPeDiA]

Einen dümmeren Geheimclub-Geheimcode als «LaTeX» gibt es ja wohl nicht! «Hehe wieder so ein n00b wo nicht weiß wie man LaTeX ausspricht hehe». Ja zefix, wenn ihr wollt, dass man das Wort «[ˈlaːtɛx], das heißt mit einem stimmlosen velaren Frikativ (‹Ach-Laut›)» ausspricht, dann verschriftlicht es halt in Gottesnamen nicht mit lateinischen Buchstaben, zefix! Und wenn es das letzte Wort ist, das ich je ausspreche, weil ihr mir danach die Deppenzunge rausschneidet, ich werde immer [ˈlɑːtɛks] sagen ÄLLERBÄTSCH

PS: Das bairische «zefix» spricht man übrigens [ tsɛˈfix], «das heißt mit einem stimmlosen velaren Frikativ (‹Ach-Laut›)», nur damit ihr es wisst.

#TeamLeslieLamport

Salon du Fromage – The Schlechtest Of, Pt. 1

Anlässlich Allerheiligen, des Tages, da nachmittags an den Gräbern der Toten gedacht wird, entrümple ich meine Entwürfedatei! Nachfolgend teilweise haarsträubender Mist, den ich mich nie zu posten getraut habe. Da ich selbst derjenige bin, dem man auf Facebook seinen unpostbaren Quark per PM schicken kann, bin ich diesbezüglich leider angeschissen. Und ihr auch, denn ich muss mein Unpostbares nun hier loswerden. Et voilà, vielleicht ist ja für die ein oder andre was dabei:

Falls Marihuana endlich mal legalisiert wird: melde Titelschutz für «Chiller-Jahrbuch» an. [Erklärung: Es gibt das germanistische «Schiller-Jahrbuch».]

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«Ihr Sohn ist ein OKtober!»
«Hä?»
«Na, er tobt ganz OK.»

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Giesgram der Grobe, Herrscher über die ihm Wahldebakelgebirge gelegene Wahlgrafschaft Wahlgeiergrab (nach: Werner, beinhart)

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Franzbrötchen vs. Franzbranntweinchen

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«Mag er Quark?»
«Magerquark»

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Allgemeinpost: Wenn du immerzu zum Mot extravagant greifen willst, dabei aber kaum je das Mot juste, sondern fast stets das Mot non-juste erwischst, dann wirkst du halt nicht, als wärst du besonders oder außergewöhnlich oder gar interessant, sondern dann wirkst du halt dumm; womöglich sogar so, wie du bist.

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Hey Leute, ich setz mich hin und schreib einen Essay zum Thema «Spätkapitalismus oder Internetgesellschaft?», habts ihr gute Thesen auf Lager oder soll ich jemanden grüßen

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Robert Gernhardt schmiss die Schnuffis durch den Club und schrie «Bow! Bow!»

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Michel Foucault: «Übernachten und Schlafen»

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Was ich nicht lese, macht mich nur härter.

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Bilden Sie mal einen Satz mit Ingeborg Bachmanns «Malina»

Liegt Ivan nächtens trunken da,
Nehm ich ’n Stift und mal ihn a!

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Die Neo Thrasher Machine Head nehmen eine neue Zwölfton-Version eines ihrer bekanntesten Songs auf; die Neuversion heißt «12 Ton Hammer»

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– «Hallo Nachbar!»
– «Grüß Sie!»
– «Sie, sang Sie mal, Ihre Weide ist ja völllig kaputt, ham Sie die nicht letztes Jahr erst eingepflanzt?»
– «Ja, aber das muss so, es ist eine Eingehweide!»

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Nominativ
Genitiv
Dativ
Akkusativ
Zweifel
Ernst
Schaden
Un

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Semino Rossi, Il Dottore dei Cuori

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Wer bringt eigentlich Kokosnüsse auf die Palme?

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CO2zeiler

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bestatten: Dr. best. crem. Andreas Lugauer (Urniversität Unterdieërding)

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«Andreas Lugauer. Gesammelte Werke. Bde. 19–22: Nachlässige Schriften, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 2090.»

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Schwed/innen, deren Gelenke gerne laut knacken, beispielsweise beim Treppensteigen, sind nah am Wasa gebaut.

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Der Ranzn ist mehr als die Summe seiner Taille.

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Wir leben in der besten aller möglichen Welten (Leibniz, Scherzkeks)
(aus der Reihe: Witze, die wohl schon so oft durch philosophische Seminare schallten, daß man schon ein eisenharter Hund sein muß, um sie auf Facebook zu posten)

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Es ist erstaunlich, daß kaum jemand weiß, wie ein Heizkörperregler, Thermostat genannt, funktioniert.
Damit es nicht immer heißt «Der Lugauer postet in einer Tour nur Krampf, dem sollte man endlich die Finger abschneiden, damit er nicht mehr tippen kann!», dies: Ein Heizkörper wird auf Stufe 5 nicht wärmer als auf Stufe 1. Er heizt nur desto länger, je höher der Regler aufgedreht ist. Jeder Stufe des Reglers ist eine Temperatur zugeordnet, und wenn die im Raum erreich ist (der Regler erkennt das), dann macht das Ventil im Regler, durch das das Heißwasser in den Heiß-, Quatsch: Heizkörper gelangt, zu und der Heizkörper wird langsam kalt.

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[Latschenfotos] Gehen die noch oder neue kaufen? Schreibt’s mir in die Kommis! ;–)
«Du Saukrüppel, so ham wir dich nicht erzogen! Nicht nur, daß du in solchernen Latschen immer noch rumläufst, sondern auch, daß du’s de Leut auch noch zeigst! Was solln denn die von uns denken?»
«Aber es weiß doch überhaupt niemand, ob das nicht einfach irgendwelche alten Latschen sind oder meine tatsächlichen! Da greif’ ich lieber ein paar Likes ab, v.a. mit der hübschen Ambiguität von ‹gehen›!»
«Dir like i glei oane – links und rechts und links a nomal!» 
[Erklärung: Hier wollte ich meine uralten, wirklich abgeranzten Hausschuhe posten. Offenlegung: Ich trage sie immer noch.]

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Falls jemand wissen will, wie es sich anfühlt, ~noch nie~ eine Push-Benachrichtigung aufs Smartphone bekommen zu haben: PN, DruKo und DrüKo sind offen!

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Rätsel des Tages (Infoscreen U-Bahn Nürnberg, 04.03.18)
Wieviel Uhr wird es 71 Stunden nach 17 Uhr abends sein Antwort: 16 Uhr. (Keine Pointe.)

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Abtönungspartikeln und Textmarker so ein bißchen raus aus den Universitäten irgendwie! Also ich persönlich fänd das ein Stück weit sehr spannend, muß ich sagen.

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Meine Pinnwand soll euch auch immer Heimat sein, ein Ort des Zurück- und Ankommens, des Auftankens und Batterieladens, aber auch des Ausblicks vom sicheren Hochsitz aus in die Ferne, das Fremde, Widerliche, Bedrohliche, Grauenerregende, Unmenschliche, Verschlingende, Devastasierende, Zermörsernde, Verdorrte, Verfaulte und Verfaulende undsoweiter.

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