Dialektik zum Muttertag

13.05.2018 – Jedes Jahr dasselbe am Muttertag: ich klage erst mal an. Frage Mutter, warum sie mich in diese Welt gebar. Wo sie sie doch schon ausreichend kennengelernt hatte. Wie sie darauf kam, jemand andrem könnte die Welt sich besser darstellen. (Und selbst wenn es mir eine bessere Welt geworden wäre: «Ich will eigentlich in überhaupt keiner Welt leben.» (Leo Fischer))
Auf Unverständnis gestoßen – wie stets –, füge ich das wohl Schönste, was ein Mensch seiner Mutter sagen kann, an: Dass ich dankbar bin, dass immerhin sie mich gebar und ich es ja weit schlimmer hätte treffen können. Rumreißen kann ich die Stimmung damit jedoch wieder nicht.
Und so sind wir beide stumm traurig. Sie, weil der Sohn schon wieder nichts unbekrittelt lassen kann. Ich, weil Mutter die unauflöslichen Widersprüche nicht anerkennt und es nicht aushielte, sich mit der, weil mehr nicht möglich ist, Synthese zufrieden zu geben und sie für Versöhnung zu nehmen.