Stille Lerninsel

An der wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Fakultät der Uni Erlangen weiß man noch, wie man ›freundlich‹ darauf hinweist, dass die Leute gefälligst ja ihre Mäuler halten. Mit vier Schildern auf einem Quadratmeter. Man widerspricht sich zwar – »stille Lerninsel« und »ausschließlich stille Arbeit« VS. »sprechen Sie leise« –, aber damit hat man den Vorteil, nur unliebsame Personen ausschließen zu müssen (»Könnt ihr nicht lesen, ihr Kanax? Da steht extra ›Keine Gespräche‹! Kein Wunder, könnt wohl kein Deutsch, was? Und jetzt raus mit euch Geschmeiß!« VS. »Oh, Verzeihung, dürfte ich Sie bitten, etwas leiser zu sprechen? Vielen Dank. Und, sagen Sie mal: Sie sind sehr hübsch – wollen wir vielleicht einen Kaffee trinken gehen? Mein Büro ist gleich da drüben, kommen Sie einfach rein, wenn Sie Lust haben. Ich würd mich sehr freuen, mon chérie! *zwinker-zwonker Luftkuss*«).

Hach, Wirtschafts»wissenschaftler« müsste man sein! *träum*

Kurz notiert (36)

Hochgenuss, aber als Schalenfrucht

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*denkt nähend darüber nach*

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Gegenwart, aber als jemand, der aufpasst, dass niemand einen Treffer ins Gegen erzielt

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Ökostrom VS Rohkostrom

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Netzabdeckung, um es vor der Witterung zu schützen

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Mahlers Fünfte

Neulich wies jemand darauf hin, das Ende von Mahlers Fünfter klänge so, als würden mehrere Sinfonien gleichzeitig zu Ende gehen. Ich weiß, warum das so ist. Erklärung: Eigentlich heißt sie nicht »5.«, sondern »5!« (lies: »fünf Fakultät«, vgl. Mathematikunterricht) und es sind eigentlich 5 x 4 x 3 x 2 x 1 Sinfonien (d.h. 120) auf einmal. Nur leider wischte Mahler den Balken des Ausrufezeichens mit dem Ärmel weg, als er noch nicht trocken war, und ging erstmal Mittagessen nach der ganzen Komponiererei vormittags. Als er wieder von Tische kam, fiel ihm der Fauxpas gar nicht mehr auf und er akzeptierte es sofort, dass das Stück die »5.« heißt. Es hatte nämlich nicht nur ein Bier gegeben zum Essen, sondern ausnahmsweise auch Schnaps usw. und schon einen Aperitif vorher, weil die Dame des Hauses runden Geburtstag hatte. Genau genommen kannte Mahler sich gar nicht mehr aus, wusste weder, wo hinten, noch, wo vorne war und schoppte die Notenblätter einfach nur in die Mappe, die ganz zu öffnen er auch gar nicht mehr in der Lage war. Dann fiel er mitsamt allen Klamotten ins Bett, d.h. auf den Teppich im Flur, in den er sich einwickelte und sich selten so gut gebettet vorkam. »Es ist mir noch nie aufgefallen, aber: Meine Bettdecke fördert und fordert, genau wie es sein soll. *börps*« Ja, ihm ging ein Rülpser durch den Kopf. Innerlich kicherte er über diesen grandiosen Einfall, nicht körperlich zu rülpsen, sondern einfach mal im Stillen, im Inneren. So etwas nämlich, so befand er, zeichne einen wahren Musikanten bzw. Komponisten aus, dass er es sich auch im Innern gemütlich machen konnte, ganz für sich, ohne auf andere zu schielen. Dann machte er groß in die Hosen, war jedoch Sekunden vorher so tief eingeschlafen, dass es ihn gar nicht mehr störte. »Gustav! Jetzt können wir schon wieder einen Teppich wegschmeißen!«, musste er sich anderntags anhören. »Naja, weißt was, ich brauch da eigentlich gar keinen Teppich«, erwiderte er und verfügte damit, dass kein Ersatz angeschafft wurde. Dann nahm er Zettel und Stift und schrieb Kompositionen auf.

Kurz notiert (35)

Angebrochen, aber als Rochen auf den man sehr stolz ist und den man überall rumzeigt

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Abgebrochen, aber als Rochen den man zum Verkauf anbietet

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Per Anhalter durch die Galaxis, aber als Name eines Adligen

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Ich gründe eine Ingenieurs-NGO und nenne sie EngiO

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Netflix and chill VS Kochen und barebacken

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Toptrend: Salz

Über den Himalaya-Salz-Trend sind superhippe people übrigens schon hinweg und beim M. Night Shyamalan Salz angelangt – da glaubt man erst die ganze Zeit, es sei Salz, und am Ende ist es doch was völlig anderes, womit niemand gerechnet hätte! (Zucker, grobes Koks, grobes Stevia, Gift, getrocknete Farbe, …) Ein großer Spaß und ein tolles Gesprächsthema fürs friends meet-up!

Guten Appo!

»Guten Appo!« für »Guten Appetit!« hielt ich bislang für eine Internet-Spaßabkürzung wie »GuMo«, »Gümchen« oder »DaSchö«. Als ich einen Februarabend in Frankfurt im Kreise teils professioneller Komiker*innen mit Internethintergrund verbrachte, freute ich mich, dass es dieses Kuriosum auch ins RL geschafft hat und amüsierte mich über seine herzhafte Verwendung bei Tische.

Tags darauf wurde ich vom Frankfurter Andreas Unteregge darüber aufgeklärt, dass es sich mitnichten um ein Internetkuriosum handle, sondern um eine in Hessen übliche Essensgrußformel. (Sogar mit Internetbelegen!) Lustig finde ich es jetzt allerdings immer noch, nur anders.

Für was immer an Lukullischem ihr euch heute noch genehmigt, wünsche ich euch jedenfalls von Herzen  g u t e n  A p p o !

Mein Maddin-Schneider-Moment

18.02.2018 – Heute im IC-Bordresraurant hinter Martin »Maddin« Schneider – dem Sat.-1-Comedien mit dem Trademark »Aschebeschä« für »Aschenbecher« –  angestanden. Unverkennbar zu erkennen war er nicht am Aussehen, denn er hat einen ganz normalen Rücken und überhaupt von hinten eine äußerst gewöhnliche Erscheinung, sondern an der Stimme. Er spricht ›in echt‹ genau so wie als Bühnenfigur, d.h. mit tiefhessischem Dialekt und großvolumigen Mundbewegungen, die etwa die »sch«-Laute so markant machen.

Angesprochen hab ich ihn freilich nicht. Nicht etwa wegen Starstruckedness oder so, sondern er soll ja wie jede*r andere seine Ruhe haben können. Und wenn mir das aber egal wäre: Was sagst du denn zu einem Comedien, den du zuletzt vor 13, 14 Jahren auf Sat. 1 gesehen hast und nie lustig fandest, weil bloße Komisierung von Dialekten zumeist dämlich und das Lachen darüber schäbig ist, im Falle von ostentativer geistiger Langsamkeit sowieso?

Fun Fact im vollen Wortsinne: »Schneider hat eine Zwillingsschwester namens Martina.« (Wikipedia) Die Zwillinge Martina und Martin also; da kommt Maddins »Humor« scheint’s nicht von ungefähr.

Liedinterpretation »MfG«

Idee für eine Lied-Interpretation: »MfG« von den Fantastischen Vier, aber statt der ganzen verschiedenen Abkürzungen immer nur »tbh«.
Grund: Diese wichtigste – und noch wichtiger: schönste Abbreviatur aller Zeiten und Sprachen haben die vier Stuttgarter TBHurensöhne einfach weggelassen!

Hier schon mal die Lyrics zum Lernen:

tbh, tbh und tbh
tbh, tbh und tbh
tbh, tbh und tbh
tbh, tbh – ihr könnt mich mal
tbh, tbh und tbh
tbh, tbh und tbh
tbh, tbh und tbh
tbh, tbh, tbhh
tbh, tbh und tbh
tbh, tbh und tbh
tbh, tbh und tbh
tbh, tbh – ojemine
tbh, tbh und tbh
tbh, tbh und tbh
tbh, tbh und tbh
tbh, tbh – is’ nich’ OK

tbh mit freundlichen Grüßen, die Welt liegt uns zu Füßen
Denn wir stehen h, wir gehen h, für ein Leben voller h und h
Bevor wir fallen, fallen wir lieber h

tbh, tbh und tbh
tbh, tbh und tbh
tbh, tbh und tbh
tbh, tbh, hahaha
tbh, tbh und tbh
tbh, tbh und tbh
tbh, tbh und tbh
tbh, tbh – tatütata
tbh, tbh und tbh
tbh, tbh und tbh
tbh, tbh und tbh
tbh, tbh, olé, olé
tbh, tbh und tbh
tbh, tbh und tbh
tbh, tbh und tbh
tbh in tbh is’was ich dreh’

tbh mit freundlichen [etc.]

Doku-Kritik: »Doomsday Preppers« (National Geographic)

Bereits die ersten Prepper/innen in der allerersten Folge lassen mich ratlos zurück: Es heißt, sie bereiteten sich darauf vor, dass sich die Magnetpole der Erde umkehren – der Nord- wird zum Südpol und umgekehrt. Was, wie Herr Prep »believes«, Folgen zwischen schweren Erdbeben und Verschiebungen ganzer Kontinente zur Folge haben könne. Statistisch passiere es alle 400.000 Jahre und gegenwärtig seien wir schon ein ganzes Stück »drüber« (300.000 Jahre, wenn ich mich recht erinnere). Also lege Frau Prep mit ihrem Mann in Texas ein kleines (schusssicheres!) Reservat aus Überseecontainern an, in dem sie wohl 15–20 Jahre überleben können. 50 Stunden pro Woche verwendeten sie auf Essen Einkochen, Schießübungen, Austüfteln von Energieversorgungseinrichtungen (Wind, Sonne, Scheiße) etc.

Eine junge Frau von Mitte 20 aus Houston glaubt, in ihrem Leben komme es mal zum Zusammenbruch der Ölversorgung. Sie nennt es (bestimmt 13 Mal in ihren 15 Minuten): »When the shit hits the fan.« Daher halte sie in ihrer leider nur 56 m² großen Wohnung Nahrung, Wasser etc. für den Ernstfall vor, hauptsächlich allerdings einen gepackten Notfallrucksack, um zum Vehikel am unbekannten Ort außerhalb der Stadt zu wandern, »and then I go to Mexico«. Wenn die Ölversorgung erlegen sei, herrsche in der Stadt Chaos, Raub und Totschlag – »but I’m a machine«: vier Stunden pro Tag trainiere sie, sechsmal die Woche.

Was auffällt: die Alle-gegen-alle-Mentalität der gezeigten Prepper*innen. Sie wirken wie vollständig atomisierte Individuen einer Gesellschaft, die für sie schon pre-doomsday gar keine mehr ist. Wichtiges Prepping-Element: irrsinnig viele Waffen mit entsprechender Munition; die anderen sind stets und bloß Feinde, das eigene Überleben will rücksichts- und erbarmungslos geschützt werden. Mit einem apokalypseartigen Zusammenbrechen der kompletten Infrastruktur scheint für sie zugleich die Zivilisation aufgehoben zu sein. Man ist in ihren Augen dann offenbar nicht mehr Individuum, sondern nur noch Exemplar einer Gattung.

Dass Katastrophenszenarien eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe sind, bei denen es gilt, möglichst vielen Menschen das Über- und Weiterleben zu ermöglichen, spielt für sie keine Rolle. Präjudizierte Asozialität bestimmt ihre Vorbereitungen; um nicht zu sagen: in die Zukunft projizierte.

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Was ich mich beim Schauen fragte: Wie schaffen es Leute, in einer Tour Dokus anzuschauen? Klar, im Falle einer apokalyptischen (Natur-)Katastrophe würde ich, auf mich allein gestellt, aufgrund meiner durch-und-durch-zivilisierten Unbeholfenheit wohl keine drei Tage überleben. Beim Schauen solcher Dokus allerdings stürbe ich schon nach drei Stunden. Die sensationalisierenden, gar alarmistischen, aber ruhig und mit fester Stimme vorgetragenen Kommentare aus dem Off, die schnellen Schnitte, die teilweise willkürlichen illustrativen Bilder (in diesem Falle: beliebige Riots und das ein oder andere katastrophale Naturereignis), der leicht erkenn- und durchschaubare dramaturgische Aufbau, und über allem thronend das Bewusstsein darüber, praktisch alles Gezeigte unterliege einer gewissen Gemachtheit und der Ausdruck »Reality TV« lüge höchstens bei den Candid shots im Hintergrund nicht – das ist zu viel für mich.

Nach diesen 45 Minuten würde ich nicht behaupten, etwas über Prepper*innen zu wissen; höchstens etwas über die Sendung »Doomsday Preppers«.

Kurz notiert (34)

Zugriff aber als mit der Gitarre die Eisenbahn nachahmen

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Don’t be fooled by the rocks that I got /
Amstel Amstel Jenny from the Block

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Maulkorb aber als Bastgefäß in das man reinschimpft

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Revengaboys: Boom Boom Boom Boom (I Shoot You in Your Room)

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Versehen aber als bloß gedichtete Bünde fürs Leben

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Unvernutztes Phrasengerümpel betreffend Griechenland

Griechenland, die Wiege der Demoskopie

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Griechenland, die Wiege der Demi Moore

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Griechenland, die Wiege der Demiurgen

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Griechenland, die Liege der Demarkation

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Griechenland, die Wiege des Demokraniel-Pascal Zorn*
(* lies: Sokrates)

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Griechenland, die Wie geht der Demonstranten

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Griechenland, die Biege der Demantoiden* (* gibt’s echt)

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Griechenland, die Stiege der Temparatur

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Griechenland, die Mine der Stenographie

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Nachdem diese kleine Facebook-Postingserie einigen Wirbel aufwirbelte und für Unmut sorgte bis hin zur Ferndiagnose Schlaganfall, hier meine Stellungnahme:

Es handelt sich um ein, mittlerweile erfolgreich abgeschlossenes, Projekt der EU-Komission (🇪🇺!) und des Rechercheverbundes NDR, WDR und Süddeutsche Zeitung. Ziel war es, einerseits junge Menschen bzw. Menschen jeden Alters wieder für die Demokratie zu begeistern und andererseits in einer Art Open-Source-Projekt neue Phrasenräume für den zuletzt arg altbackenen Journalismusbetrieb auszukundschaften.

Ersteres hat sehr gut geklappt. Viele Menschen haben positiv auf die Aktion reagiert. Aber auch die Ablehnung und die Wut (bis hin zum Hass?) sind wichtige Reaktionen im Demokratiebildungsprozess. Denn dadurch sehen wir Europäerinnen und Journalistinnen (je w*m), dass Potential vorhanden ist.

Zweiteres, die Phrasenraumerkundung, hat sangwermal zumindest keinen negativen Ertrag gebracht. Aber insgesamt halt gar keinen. Gedacht war das Störfeuer der Aktions-Postings als kreativer Impuls zum Weiter- und Neudenken, zum Boundaries-Pushen. Hier haben sich EU-Komission (🇪🇺!) und der Rechercheverbund WDR, NDR, SZ leider in der Bubble verwählt. Zwar wurde die Zielgruppe (alle Alterstufen) erreicht, aber die berechtigten (!) Kreativerwartungen wurden krachend untererfüllt.

Beide Institutionen schicken jetzt eine cross mixed Arbeitsgruppe in einen Bildungs Campus im Schwarzwald und lassen sich von ihr eine neue Content Strategie entwerfen.

Offenlegung: Ich habe bei der Aktion ordentlich abgesahnt (🇪🇺-Fördertöpfe!), bin aber jetzt raus aus der Nummer.

Abschließend soll ich euch lieb Grüßen von den Institutionen! Andreas

Martin Suter, Romanautor und »Dichter«

Wer einmal – pardon my french – wirklich ~beschissene~ Lyrik lesen will, besuche den Twitter-Account des Schweizer Schriftstellers Martin Suter.

Nach ein wenig Durchgescrolle frage ich mich ernsthaft, ob Suter seine ›Gedichte‹ ernsthaft twittert, oder ob ich einen (oder mehrere?) Ironielayer nicht gette:

»Die US Präsidentenwahl
Hat der Welt den Nerv getötet.
Sogar der Mond ist vom Skandal
Deutlich sichtbar leicht errötet.«

Gemeint ist in diesem am 21. Januar 2019 veröffentlichten Gedicht der an diesem Datum aufgrund einer totalen Sonnenfinsternis rot erscheinende, sogenannte »Blutmond«. Dass der Mond mit dem Erröten fast genau zwei Jahre zu spät dran ist – Trump wurde am 20.01.2017 inauguriert – und dass sich seit Trumps Amtseinführung vier weitere Mondfinsternisse ergeben haben (eine davon nicht sichtbar), ja mei, was soll’s, wenn’s uns halt grad so ein schönes Gedichtlein zum Twittern hergibt.

Zumal Suter ja jeden Mondschmarrn, noch so einen, der monatlich auftritt wie etwa ein fast (!) voller Mond, verarbeitet:

»Eine stille Winternacht,
Die Welt wie unbewohnt.
Und über diese Stille wacht
Ein fast voller Mond.«
(20. Januar 2019)

Gehen wir davon aus, dass er es ihm ernst ist mit seinen ›Gedichten‹: Dann handelt sich nicht nur um Banalitäten ersten Ranges, die nur aufgrund der Reimwörter aneinandergeleimt werden können, sondern, was noch vorher wehtut, um Gedichte, die mindestens in jedem dritten Vers derart holpern, wie man es allerhöchstens Onkel Erwin bei Gelegenheitsgedichten zum Geburtstag o.ä. nachsehen würde; zumindest, wenn man schon vier Bier getrunken hat.

»Ich bin auf einem weissen Berg.
So hoch liegt überall der Schnee,
Dass ich gar nicht darüber seh.
Bin wieder wie als Kind ein Zwerg.«
(19. Januar 2019)

Martin Suter, hoch oben aufm Berg, noch höher nur der Schnee, der ihn ringsum überragt, so dass er nicht mehr »darüber« sieht (der dritte Vers passt nicht, Q.E.D.). Wahrscheinlich hat ihm jemand eine Schneise durch die Schneemassen geschaufelt, durch die er jetzt durchlatscht. Weil wenn der Herr Dichter auf dem meterhoch eingeschneiten Berg umherwandeln will, soll er das natürlich tun können müssen. Wo kämen wir schließlich hin, wenn er, wie jeder andere Mensch auch, einfach vernünftigerweise im Tal bleiben müsste. Was, wenn ihm eine Winterwanderung wie diejenige Goethes auf den Brocken im Harz verwehrt bliebe, aus der immerhin dessen »Harzreise im Winter« hervorging, die seinen Dichterruhm ja nunmal endgültig besiegelte? Nein, das kann niemand wollen, und deswegen schicken wir die Schneekatze hoch, metertiefe Schneisen zu pflügen. Und dass Suter sich darin dann fühlt nicht wie ein Halbgott, sondern wieder zwergenhaft wie ein Kind (richtig: Kleinkind), damit muss er entweder selber klarkommen, oder er dreht selbst das noch ins Poetische rüber.

Anderntweets macht er sich manchmal Sorgen:

»Wenn wir uns bereits am Morgen
Schon auf den Abend freuen,
Mache ich mir manchmal Sorgen,
Dass wir es einst bereuen.

Denn viel länger wirkt das Leben,
Wenn wir von dem dazwischen,
Uns ein wenig Mühe geben,
Auch etwas zu erwischen.«
(16. Januar 2019)

Von der unerträglich stümperhaften Form abgesehen: Da macht er sich also manchmal, während er sich am Morgen so richtig schön auf den Abend freut, Sorgen, eben dies irgendwann mal zu bereuen. Freilich macht er sich dabei nicht immer Sorgen, oder hört gar einfach auf, sich am Morgen auf den Abend zu freuen. Denn so tief scheint die ›Erkenntnis‹, dass das Leben »viel länger wirkt« (?!), wenn er sich den ganzen Tag über, von morgens bis abends, nur »ein wenig Mühe« gibt, »etwas« davon »zu erwischen«, nicht zu rühren, dass es ihn beim Sich-Sorgen-Machen immer aus der Sorgenbahn trägt oder er es halt gleich ganz bleiben lässt und stattdessen versucht, was vom Leben – das sich verhuschelt-wuzelig zu entziehen scheint wie ein Eichhörnchen – zu erwischen.
Und worauf freut er sich eigentlich, unser Herr Dichter? Auf den Flug der Minerva etwa, die diesen bekanntlich erst abends startet? Ohne die Antwort apodiktisch vorwegnehmen zu wollen, stelle ich sachte zur Diskussion: Wohl kaum.

Faktenmagazin Titanic

In der aktuellen Titanic-Ausgabe habe ich von Paula Irmschler und Ella Carina Werner gelernt, dass die Abkürzung WWF für »World Wide Fund for Nature« steht (04/2019, S. 30). Beim Lesen dachte ich: »Ich dachte, es stehe für ›World Wildlife Fund‹!« Ja, logo, ich denke den Konjunktiv freilich mit.

Flugs bei Wikipedia nachgeschaut und natürlich haben Irmschler und Werner recht: Seit 1986 und damit seit meinem Geburtsjahr heißt er statt »World Wildlife Fund« »World Wide Fund for Nature«. All die Jahre – im Unwissen gelebt!, und erst Satirikerinnen Irmschler und Werner entstellen mir die Wirklichkeit zur Kenntlichkeit!

Tagesschau.de hingegen – und darum dieses Posting – schreibt fröhlich »World Wildlife F o u n d a t i o n « vor sich hin (https://www.tagesschau.de/ausland/wal-plastik-105.html). Aber wen juckt’s, weithin ist doch eh schon alles bummswurscht und vermaledeit vernagelt bis zum Geht-nicht-Mehr.

Immerhin schmunzeln musste ich, erinnerte es mich doch daran, wie ein tm3-Kommentator einst die »World Wrestling Federation« im vollen vom Kampfgeschehen gefluteten Überschwange als »World Wrestling Foundation« bezeichnet hatte – und ich dabei an die »Foundation für Recht und Verfassung« aus der Serie Knight Rider hatte denken müssen, woraus sich freilich sogleich die Vorstellung der »World Wrestling Foundation für Recht und Verfassung« mit Michael Knight als Oberwrestler für die Unterdrückten ergeben hatte.

Kaffeepulver w/o Kaffeefilter

Einkaufen in Fremdsupermärkten ist ja per se ein Abenteuer; die Anordnung des Sortiments nicht zu kennen und dennoch alles zu erwischen, was man braucht, eine Aufgabe, die mitunter viel Zeit erfordert.

Dass der »Kaufland«-ähnliche »Marktkauf« mitten in Nürnberg es allerdings fertigbringt, alles an Kaffeepulver und Anverwandtem im Untergeschoss einzuregalen, die Kaffeefilter hingegen im Erdgeschoss, halte ich für Verrat an der kapitalistischen Idee.

Kurz notiert (32)

Die übelriechenden Verdächtigen

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Ausgelassene Besucher, aber als welche aus denen durch Erhitzen der Fettanteil herausgelöst wurde

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*eröffnet eine Fußpflegepraxis und nennt sie Lukas Podologski* naja

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Im örtlichen Stahlwerk ereignete sich gestern ein Abbeizunfall mit mehreren Verätzten

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Fachterminus mal Fachterminus gibt Fachterplus

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»Wunderzahnbürste«

Seit kurzem gibt es eine neue »Wunderzahnbürste«, die den Verbraucherinnen (w*m) Zahnreinigung in nur 10 Sek. verspricht. Und das geht so: unförmiges, zahnschienenartig geformtes Ding, das an Mikroskopaufnahmen von winzigen Ekeltierchen erinnert, in den Mund schieben, die geräteinterne Zahnpastazuführung (!) aktivieren, Gerät einschalten, 10 Sek. dumm schauen, fertig!

Allerdings: Diejenigen, die die »Wunderzahnbürste« bereits ausprobieren konnten, sind überhaupt nicht zufrieden (hier bei ~🚀fUTurEzOnE🚀~ nachzulesen: »Keine Putzleistung: Nutzer kritisieren Wunderzahnbürste Amabrush« https://futurezone.at/produkte/keine-putzleistung-nutzer-kritisieren-wunderzahnbuerste-amabrush/400315764). Der Hersteller sagt, das stimme alles überhaupt nicht, was da kritisiert werde, und außerdem handle es sich ja um ein neues Produkt, das eben noch verbesserungswürdig sei. Kommt aus Österreich und klingt sehr nach FPÖ übrigens.

Als ich von diesem Quatsch zum ersten Mal hörte, musste ich sofort an die Simpsons denken:
Moe: »Mit dieser Fritteuse kannst du einen ganzen verdammten Ochsen in 20 Sekunden frittieren!«
Homer: »In z w a n z i g S e k u n d e n ?! ICH WILL IHN ABER JETZT!!!«

Kurz notiert (31)

Die Dozierenden, aber als Vorne und Hinten eines gschaftlhuberischen Kurzvortrags

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*gründet im bayer. Landkreis Miesbach die Ortschaft Frostbitten, nur um dort jedes Jahr ein Black-Metal-Festival veranstalten zu können*

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Thunfisch VS Lhassenfisch

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Webdesigner, aber im Teppichbusiness

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Bund der Steuerzahler, aber am Gemüsestand

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