Entdecke Adenauer mit „Jupp“!

Denen ist doch – diesen Drunterkommentar abzuliken – auch schon alles wurscht.

Btw: Statt »Entdecke Adenauer mit „Jupp“!« wäre etwas wie »Entdecke Adenauer mit Hermann L. Gremliza!« angebracht, wo er beispielsweise über Gestalten wie den Nazi Hans Globke, Kanzleramtschef bzw. rechte Hand Adenauers im Kanzleramt sowie, jamei ›früher‹ halt, einer der beiden juristischen Kommentatoren der Nürnberger Rassegesetze unter den Nazis, erzählt. Aber Globke war ja nie in der NSDAP, wer könnte ihn als Nazi im Kanzleramt bezeichnen.

Tagebucheintrag

05.08.2019, 23:00 Uhr – Den 5. August 2019, ich hätte ihn nicht gebraucht. Nicht dass mir etwas Schlimmes widerfahren wäre oder sogar ein Haufen davon. Doch in der Rückschau wird er sich wie ein Fleck nix gewordene Mehlschwitze auf dem Tableau meiner Biographie erweisen. Gute Nacht

Horoskop des Hundes

05.08.2019 – Eine Frau und ein Mann, beide in den 50ern, fränkische Bierdimpfel und Schäufelefiesler, spazieren mit ihren beiden Hunden durch die Innenstadt. Sie unterhalten sich über Sternzeichen. Es geht gerade darum, welches davon im November aktuell sei. Sie sagt Steinbock, er Schütze, beide haben bestenfalls geringfügig recht, bis 22.11. regiert der Skorpion. Sie fragt nach dem Geburtsdatum des Hundes, anscheinend zum zweiten Mal, denn es kristallisiert sich, die ganze Tierkreiszeichenunterhaltung kreißt um den Hund. Dann aber schreitet er endlich wie nach vorne preschend und jedenfalls triumphierend, dennoch greinend ein: »Der is ka Fisch, ka Waaage, ka … … …


… …

ka Skorbjoohn…, der is a HUND!« Womit er es völlig verkackt. Sein Hund kann nun zehnmal ein Hund sein und keine etwa Materialisierung eines Sternzeichens – mit der so langen Pause, gierend, das restlos beliebige Sternzeichentripel aufzufüllen, verscheißt er es sich unumkehr- und planiert jegliche Autorität nicht revidierbar. Sollte das Gespräch irgend flirty gemeint sein, alle zart nach Amorbach weisenden Pflänzelchen schwärzen nun verbrannt die nunmehr tote Erde. Doppelte Niederlage: Mit dem Skorpion spricht er unwissend die Wahrheit und zerschießt sein Gestottere zur steindummen Unwahrheit. Ich scharwenzele, meinen Regenschirm balancierend, jungvergnügt nach vorneweg.

Bierbaum/Brinkmann

»Wie kann einer Bierbaum heißen und Dichter sein wollen!« Stefan George um die vorletzte Jahrhundertwende über den Münchner Schriftsteller Otto Julius Bierbaum. Looking at you,  R o l f  D i e t e r  B r i n k m a n n !

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(Bierbaum hatte eine abfällige Persiflage auf George verfasst, was diesem, in seiner weihrauchumflorten Dignität angerührt, Groll verursachte.)

Vergessene Kräuter

Vergessene Kräuter. Ja apropos, da kommt mir diese Anekdote an: Es muss um 2004 gewesen sein, als wir im Elternhaus eines Freundes, Arztsohn, in der Küche im Würzmittelfach der Hängezeile eine Flasche Maggi-artige Würze fanden. Ihre Marke war uns unbekannt und ihr Etikettendesign seltsam aus der Zeit gefallen.

Als wir sie hervorgeholt hatten, sie hatte hinten links in der Ecke gefristet, wo nicht gedarbt, begutachteten wir sie ergiebig und erschraken in schalkendem Erstaunen, so wie uns das MHD in die Augen fiel:  1 9 9 2 . I shit you not. Wir erinnern uns: es ereignete sich um 2004 und das braune Suppenaugmentativum hatte somit über 12 Jahre dort ausgeharrt.

Wir, wiederum der Arztsohn und ich, tändelten ein wenig herum, flachsten gar ob der womöglichen inzwischen völligen Giftigkeit dieses Maggi-Surrogats und rochen, nun schon sensationstrunken und zur Blödigkeit ent-, nein: begeistert, mit der vom Chemielehrer abgeschauten oder vielmehr eingetrichtert bekommenen Handzufächel-Methode – doch zu probieren traute sich letztlich keiner. Was taten wir beziehungsweise was ließ sich mit diesem Gwasch noch anstellen? Jung und keck, wie wir waren, stellten wir das Fläschchen einfach wieder zurück in seine Ecke und hofften, es würde weitere zwölf Jahre dort stehen und evtl ja auch länger.

(Andernorts, wo diese Anekdote in leicht anderer Gestalt erstveröffentlicht worden war, wurde bereits nachgefragt, aber ich meine, dass es mittlerweile nicht mehr möglich ist, nachzuschauen, ob das Würzfläschelchen noch immer herumsteht; mag doch schon eine oder vielleicht auch eine andere Küche die damalige ersetzt haben, wer weiß)

Kurz notiert (62)

Kran Chips
der Baustellen Snack

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Das ild in Frei.Wild ist deren uneingestandene, nein: unbewusste Kuschelrock-LP zwischen Störkraft und den Onkelz

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3 h – wenn aus dem nachmittäglichen Nickerchen ein astreiner Nicker wird

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FAKT: Annegret Kramp-Karrenbauer gehört der Reißverschlusshersteller und »Hidden Champion« YKK. Politik macht sie nur nebenbei und zu ihrem Gaudium und weil sie »die Welt zu einem besseren Ort machen« möchte.

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Die schlecht adressierte Postkarte

Weil von mir schon so manches grambehaftete Wort über die mitunter offensichtliche Zustellunlust der Deutschen Post, was Postkarten anlangt, fiel: Will ich sie heute auch mal lobend mit einem Beitrag bedenken. Denn neulich schrieb ich wohl auf eine Karte an Großmutter ihren Namen, ihre Straße und Hausnummer, darunter aber weder Postleitzahl noch Ort. Habe ich halt vergessen. Die unverschämt teure 60-Cent-Marke klebte ich aber drauf. Ankam die Karte trotzdem.

Wie Mutter soeben mitteilte, hatte ein Zettel an der Karte geklebt, auf dem stand, die Adressatin, Großmutter, möge sich doch mit dem Absender, also mir, in Verbindung setzen und ihn, also mich, bitten, zukünftig die Adresse komplett anzugeben; habe man doch erheblichen Aufwand betreiben müssen, um die korrekte Empfängerin ausfindig zu machen.

Und das finde ich nicht nur äußerst löblich, sondern auch sehr erstaunlich. Denn aus dem Stegreif würde ich bei einem solchen Fall vermuten, dass die Post eine derart rätselhaft adressierte Karte mangels Rücksendeadresse einfach wegschmeißt, und zwar nicht zu unrecht. »Ist doch nur eine Grußkarte und wenn die*der zu deppert ist, PLZ und Ort anzugeben, selber schuld, und jetzt geht’s weg, weil sich die restlichen Postberge kaum von alleine erledigen, außerdem ist in 7 Minuten Brotzeit.«

Jetzt freilich heißt meine Großmutter nicht Anneliese Müller oder Gerda Bauer und wohnt in der Hauptstraße 34 oder im Amselweg 3a, sondern verfügt über eine Namens- und Straßenkombination, die es recht viel öfter als die ihre nicht geben dürfte. Dass sich bei der Post jedoch überhaupt jemand hinhockt und detektiert: »Ja Menschenskinder, Frau […] in der […]straße […], laut Anrede offensichtlich liebe Oma und von ihrem Enkel angeschrieben, wo wohnt die bloß?! Da gehe ich doch glatt an den Computer, der ans Rechenzentrum mit den R I E S I G E N Adressdatenbanken angeschlossen ist, es wäre doch gelacht, wenn ich damit nicht schon heute um 5:34 Uhr meine gute Tat des Tages vollbringen könnte, dann können mich diese Wichser alle bis morgen wieder am Arsch lecken haha« – dass das jemand tut, findet meine ganze heute tagsüber angesammelte, noch ungespendete Anerkennung und Dankbarkeit *anerkenn anerkenn dankbare dankbare*

P.S.: Die Karte war übrigens eine der Stadt Schwarzenbach an der Saale, wo ich mit Freund M. das Erika-Fuchs-Haus, das Museum zu Ehr und Huld Dr. Erika Fuchs’, der kongenialen Übersetzerin der Donald-Duck-Comics, besucht hatte. Aber das ist eine andere Geschichte.

WIND und Peter Wieland

Diese beiden Autogrammkarten auf dem Trottoir, ich hätte sie so gerne mitgenommen. Ohne zu wissen, wer WIND und Peter Wieland überhaupt sind.

Peter Wieland – schon weil er so frappant an Leslie Nielsen erinnert, hätte ich seine Karte haben müssen. Aber es wäre falsch gewesen. Vielleicht hätte die Person, die sie verloren hatte – es war auf einem wohngebietnahen Trottoir –, zurückkommen und sie auflesen wollen. Vielleicht hat sie es schon getan. Ich wünsche es ihr.

(Als das Foto 24 Stunden alt war, ging ich abermals zum Fundort, und wenn die Karten noch dagelegen hätten, waren sie wohl nicht mehr gewollt worden und dann hätte ich sie einfach genommen hehe. Aber sie waren nicht mehr da.)

Hundi

Dieser kleine Racker grüßte mich gestern aufm Nachhauseweg vom Supermarkt und schon war der kaum erträglich lästige Samstagseinkauf (Kaufland, wo K laut Lautsprecherdurchsage für Kwalität steht) nicht mehr so schlimm

Spitzbuberei

32 Jahre hatte ich alt werden müssen, um im Januar dieses Jahres Sätze aufschreiben zu können wie diesen: »Dieser Anachronismus hat demnach den Zweck, zeitlich Disparates in einen situativen Zusammenhang zu bringen und damit kontrafaktisch auf eine realhistorische Entwicklung hinzuweisen.« Jetzt, mit inzwischen 33, beim Lesen der Druckfahne, muss ich durchaus schon schmunzeln über diese intellektualisierelnd-aufschneiderische Spitzbuberei. Stimmen tut sie dennoch wie sonst alles, was im kommenden November um dieses Zitat herum im »Jahrbuch der deutschen Schillergesellschaft« erscheinen wird.

Saskia

Die erste Saskia, die ich kannte, war – es war 1995 und ich 9 Jahre alt – Saskia Valencia in ihrer Rolle der Saskia Rother bei »Gute Zeiten, schlechte Zeiten« im Fernseh auf RTL (Aussprache Großeltern: »Rittl«) Saskia Saskiasaskia

Kurz notiert (60)

Hehemoth das biblische Gaudimonstrum 🦛

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»Der Jupp ist alles, was Derwall ist.«

Ludwig ›Die Katze von Cambridge‹ Wittgenstein, ›Tacticus logico-phußballicus‹, §1

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Einfach ein Menschenfreund: Kein Mensch ist Ill egal!

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Svarabhakti MC feat. Affrikata Bambaataa

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Skippy Super Chunk Peanut Butter (Extra Crunchy)

Die Erdnussbutter-Alternative aus dem Asiasupermarkt. Am 21.08., nach wochen-, ach was: monatelang ungestillter Erdnussbutter-Sehnsucht durchglückt gekauft, abends gleich probiert, tags darauf zweiter Kostlauf. Beide Male gleiches Ergebnis: Die Buttermasse ist angenehm butterig bzw. cremig, ja fast schon buttercremig. Cremiger und weniger zäh als z.B. das Konkurrenzprodukt von »Ültje«.Die Erdnussstückchen, die die Masse in angemessener oder vielmehr angenehmer Dichte bewohnen, kontrastieren sie hervorragend. Dieses Kontrastverhältnis evoziert (?) eine größere Spannung zwischen Masse und Stückchen als bei so manchem Wettbewerber. Gut: Skippy kleistert die Zahnzwischenräume nicht ganz so zu, wie es viele andere Buhler tun.

Schlecht, und das ist kein geringes Manko: Der Salzanteil. Der ist schmeckbar und zwar ungustiös niedriger als bei anderen Fabrikaten (z.B. »American Style«). Da muss leider nachgesalzen werden. Bestenfalls mit grobkörnigem Meersalz. Doch wer hat das schon daheim.

Insgesamt 5,8/10. Ach komm, weil sie mich aus schwerer Not erlöste: 6,1/10

LG euer Erdnussboutros Erdnussboutros-Ghali

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PS: Sehr gerne esse ich »peanut butter & jelly«, und zwar mit stückiger Kirschkonfitüre (hallo, Floris Biskamp lg). Fun fact und Kulinariktipp: Darüber rasple (erst schrieb ich »rapsle«, was sehr süß, aber auch sehr Lello-sprechgesangig klingt) ich gerne ein klein wenig Chiliflocken aus der Mühle. Klingt »ewww«, aber probiert’s es, dann gspürt’s es!

»A Gschicht über d’ Lieb«

»A Gschicht über d’ Lieb«, erster Gedanke: »Lasst’s euch nix verzapfen: Auch in Bayern sagt niemand einen solchen Vollquatsch wie ›d’ Lieb‹ statt ›die Liebe‹. Die Leute hier können auch nicht mal ›Ich liebe dich‹ sagen, weil das Hochdeutsch wäre und ›I liab di‹ wegen vollkommener Kartoffelackerität halt ausscheidet.«

Dann lese ich, der Film spiele in Baden-Württemberg und denke: »Wenn dort jemand tatsächlich ›d’ Lieb‹ sagt, ja dann Wiederschaun«

Kurz notiert (59)

Warum heißt in der Literaturwissenschaft French theory eigentlich French theory und nicht Théorie française

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An der Uni gibt wieder Quatsch mit SoSe

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Wenn man am Südpol steht, sieht man, egal in welche Himmelsrichtung man blickt, Aldi Nord

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FAKT: U2-Gitarrist The Edge heißt eigentlich Edgar Der. Seinen Künstlernamen verpassten ihm Gaudibuam beim Saufen auf einer ganz frühen U2-Deutschlandtournee

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Der Junggeselle und die Sprachphilosophie

In der Sprachphilosophie wie in der Semantik taucht als Beispiel für Bedeutung häufig das Beispiel »Junggeselle« auf, dessen Bedeutung dann mit »erwachsener unverheirateter Mann« angegeben wird.

Weil in diesen (wie überhaupt allen wissenschaftlichen) Disziplinen per erhobenem Zeigefinger großer Wert auf Präzision gelegt wird, sei hier präzisiert: »Junggeselle« heißt »erwachsener, noch nicht verheirateter Mann«. Denn »unverheiratet« schlösse ja auch Geschiedene und Witwer ein, und die würde man wohl kaum als Junggesellen bezeichnen.

Man stelle sich diesen Sprachgebrauch mal vor: »Do hintn am Stammtisch, der Schorsch, dem is sei Frau weggstorm, mit 89 Joah. Sakrament, des hätt a koana glaubt, dass da Schorsch mit 90 nomoi Junggsell werd! A so wia der seit zehn Joah sei Raucherlung raushuast. Ja vareck, Kaffäähaus, er is scho a zäher Hund, des sog i da! – Heiratn mog a aber nimmer, aber so schee wia mit 20 is as Junggsellndasein a nimmer, sogd a. I hob na ned gfragt, weil des duad ma ja ned, aber mid da Potenz werd’s wahrscheinlich nimmer goa so guad ausschaun, ’ha’ha! Und Altersinkontinenz is für de wenigsten a schoafmochnds Substitut. – Da Schorsch wieder a Junggsell, zefix! Du, do wenn unsere junga Burschn am Sonntag in da Friah um 6e von da Stanz hoam keman, is er scho wieder zwoa Stund wach und schaut Fernseh, weil a nimmer schloffa konn seit 4e.« Nein, nein, hier wäre der Ausdruck »Junggeselle« crass fehl am Platz.

So, jetzt wisst ihr’s!