Vergessene Kräuter

Vergessene Kräuter. Ja apropos, da kommt mir diese Anekdote an: Es muss um 2004 gewesen sein, als wir im Elternhaus eines Freundes, Arztsohn, in der Küche im Würzmittelfach der Hängezeile eine Flasche Maggi-artige Würze fanden. Ihre Marke war uns unbekannt und ihr Etikettendesign seltsam aus der Zeit gefallen.

Als wir sie hervorgeholt hatten, sie hatte hinten links in der Ecke gefristet, wo nicht gedarbt, begutachteten wir sie ergiebig und erschraken in schalkendem Erstaunen, so wie uns das MHD in die Augen fiel:  1 9 9 2 . I shit you not. Wir erinnern uns: es ereignete sich um 2004 und das braune Suppenaugmentativum hatte somit über 12 Jahre dort ausgeharrt.

Wir, wiederum der Arztsohn und ich, tändelten ein wenig herum, flachsten gar ob der womöglichen inzwischen völligen Giftigkeit dieses Maggi-Surrogats und rochen, nun schon sensationstrunken und zur Blödigkeit ent-, nein: begeistert, mit der vom Chemielehrer abgeschauten oder vielmehr eingetrichtert bekommenen Handzufächel-Methode – doch zu probieren traute sich letztlich keiner. Was taten wir beziehungsweise was ließ sich mit diesem Gwasch noch anstellen? Jung und keck, wie wir waren, stellten wir das Fläschchen einfach wieder zurück in seine Ecke und hofften, es würde weitere zwölf Jahre dort stehen und evtl ja auch länger.

(Andernorts, wo diese Anekdote in leicht anderer Gestalt erstveröffentlicht worden war, wurde bereits nachgefragt, aber ich meine, dass es mittlerweile nicht mehr möglich ist, nachzuschauen, ob das Würzfläschelchen noch immer herumsteht; mag doch schon eine oder vielleicht auch eine andere Küche die damalige ersetzt haben, wer weiß)

Kurz notiert (62)

Kran Chips
der Baustellen Snack

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Das ild in Frei.Wild ist deren uneingestandene, nein: unbewusste Kuschelrock-LP zwischen Störkraft und den Onkelz

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3 h – wenn aus dem nachmittäglichen Nickerchen ein astreiner Nicker wird

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FAKT: Annegret Kramp-Karrenbauer gehört der Reißverschlusshersteller und »Hidden Champion« YKK. Politik macht sie nur nebenbei und zu ihrem Gaudium und weil sie »die Welt zu einem besseren Ort machen« möchte.

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Die schlecht adressierte Postkarte

Weil von mir schon so manches grambehaftete Wort über die mitunter offensichtliche Zustellunlust der Deutschen Post, was Postkarten anlangt, fiel: Will ich sie heute auch mal lobend mit einem Beitrag bedenken. Denn neulich schrieb ich wohl auf eine Karte an Großmutter ihren Namen, ihre Straße und Hausnummer, darunter aber weder Postleitzahl noch Ort. Habe ich halt vergessen. Die unverschämt teure 60-Cent-Marke klebte ich aber drauf. Ankam die Karte trotzdem.

Wie Mutter soeben mitteilte, hatte ein Zettel an der Karte geklebt, auf dem stand, die Adressatin, Großmutter, möge sich doch mit dem Absender, also mir, in Verbindung setzen und ihn, also mich, bitten, zukünftig die Adresse komplett anzugeben; habe man doch erheblichen Aufwand betreiben müssen, um die korrekte Empfängerin ausfindig zu machen.

Und das finde ich nicht nur äußerst löblich, sondern auch sehr erstaunlich. Denn aus dem Stegreif würde ich bei einem solchen Fall vermuten, dass die Post eine derart rätselhaft adressierte Karte mangels Rücksendeadresse einfach wegschmeißt, und zwar nicht zu unrecht. »Ist doch nur eine Grußkarte und wenn die*der zu deppert ist, PLZ und Ort anzugeben, selber schuld, und jetzt geht’s weg, weil sich die restlichen Postberge kaum von alleine erledigen, außerdem ist in 7 Minuten Brotzeit.«

Jetzt freilich heißt meine Großmutter nicht Anneliese Müller oder Gerda Bauer und wohnt in der Hauptstraße 34 oder im Amselweg 3a, sondern verfügt über eine Namens- und Straßenkombination, die es recht viel öfter als die ihre nicht geben dürfte. Dass sich bei der Post jedoch überhaupt jemand hinhockt und detektiert: »Ja Menschenskinder, Frau […] in der […]straße […], laut Anrede offensichtlich liebe Oma und von ihrem Enkel angeschrieben, wo wohnt die bloß?! Da gehe ich doch glatt an den Computer, der ans Rechenzentrum mit den R I E S I G E N Adressdatenbanken angeschlossen ist, es wäre doch gelacht, wenn ich damit nicht schon heute um 5:34 Uhr meine gute Tat des Tages vollbringen könnte, dann können mich diese Wichser alle bis morgen wieder am Arsch lecken haha« – dass das jemand tut, findet meine ganze heute tagsüber angesammelte, noch ungespendete Anerkennung und Dankbarkeit *anerkenn anerkenn dankbare dankbare*

P.S.: Die Karte war übrigens eine der Stadt Schwarzenbach an der Saale, wo ich mit Freund M. das Erika-Fuchs-Haus, das Museum zu Ehr und Huld Dr. Erika Fuchs’, der kongenialen Übersetzerin der Donald-Duck-Comics, besucht hatte. Aber das ist eine andere Geschichte.

WIND und Peter Wieland

Diese beiden Autogrammkarten auf dem Trottoir, ich hätte sie so gerne mitgenommen. Ohne zu wissen, wer WIND und Peter Wieland überhaupt sind.

Peter Wieland – schon weil er so frappant an Leslie Nielsen erinnert, hätte ich seine Karte haben müssen. Aber es wäre falsch gewesen. Vielleicht hätte die Person, die sie verloren hatte – es war auf einem wohngebietnahen Trottoir –, zurückkommen und sie auflesen wollen. Vielleicht hat sie es schon getan. Ich wünsche es ihr.

(Als das Foto 24 Stunden alt war, ging ich abermals zum Fundort, und wenn die Karten noch dagelegen hätten, waren sie wohl nicht mehr gewollt worden und dann hätte ich sie einfach genommen hehe. Aber sie waren nicht mehr da.)