»Krust und Schübel«

Es lief so:»Ja, schön’n guten Tach hier aufm Gewerbeamt. Das ist Herr Schübel, ich bin Herr Krust und wir wollten gerne ein Gewerbe anmelden.«
»Was denn für eins?«
»Eine Buchhandlung wollen wir aufmachen nämlich.«
»Ja, na gut. Wie soll die denn heißen?«
»So wie wir: Krust und Schübel
»Buchhandlung Krust und Schübel, wie klingt das denn? Was glauben Sie, wer sich da drin ein Buch kaufen will? Das sach ich ihnen: keiner. Krust und Schübel – damit machen Sie am besten eine Bäckerei auf oder werden DJ-Duo oder reüssieren als Stuckateurs-Meister.«
»Hahaha, Sie sind ja gut! Bäcker, DJs, Stuckateure – wir wollen aber eine B u c h h a n d l u n g aufmachen. Tss… Stuckateure – mein Opa war Stuckateur, das reicht doch. Außerdem braucht kein Mensch mehr Stuckateure, wo das doch eh alles Styroporprofile sind nurmehr.«
»Na, da ham wer’s doch: dann wird’s ein Stuckateur-Gewerbe. Das war zwar eher mehr nur ein Witz, aber wenn der Oppa schon Stuckateur war und ihr so einen passenden Partner-Geschäftsnamen habt, denn passt das doch wunderbar.«
»Hä, spinnen Sie? Wie sollen wir beide denn in Stuck machen? Wir sind B u c h h ä n d l e r , keine so Putzbatzler!«
»Dann lernen Se’s halt, kann ja nich so schwer nich sein – bei d e m Namen wer’n Se sich vor Engagements nicht retten können.«
»Okay.«

Autobahn, Tempolimit

Der folgende Beitrag ist nicht, wie sonst immer (fast) alles, dreist dahererfunden und grob zusammengelogen und komisch gemeint.

In den letzten Wochen bin ich – seit acht Jahren fast ausschließlich Eisenbahnfahrer – mal wieder Auto gefahren, darunter auch einige Autobahnfahrten. Und: Auf der Autobahn mehr als 130 km/h zu fahren ist Unsinn. Oft auch mörderischer Unsinn. Warum: Die allermeisten sind einfach zu dumm, schneller als 130 zu fahren. Deppert und dicht auffahren, den Vorderleuten unnötigen Stress machen, insgesamt nur für Aufruhr sorgen, dabei aber keine drei Sekunden Zeit gewinnen – nur Arschlöcher fahren so. Und auf den Autobahnen fahren sehr viele, viel zu viele wie Arschlöcher. Wie gemeingefährliche Arschlöcher obendrein.

Erlaubte Maximalgeschwindigkeit von 130 km/h, Geschwindigkeitsverstöße mit brutalen Geldstrafen und wenn nötig monatelangen Fahrverboten belegen – und es wäre eine Freude, auf deutschen Autobahnen zu fahren. Wie in zivilisierten Ländern mit max. 130 km/h oder weniger. Als jemand, der maximal 130 km/h fahren m ö c h t e , ist es hierzulande eine Tortur und gefährlich obendrein. Die deutsche Verkehrspolitik, ausschließlich Zuarbeiterin der Heiligen Automobilindustrie Deutscher Nation, hat den Arsch offen.

Wer sagt: »Dann fahr halt nicht Autobahn, wenn du es nicht aushältst. Oder wenigstens immer auf der rechten Spur. Und übrigens: dU BiSt mIt DeiNeR aUsbREmsEnDen LaNgsAmFAhrWeiSe dEr eiGeNTLicHe gEfaHreNHerD!«, hat auch den Arsch auf.

Babylonische Cursorverwirrung

Wenn man in MS Word in einen Text mit lateinischen Buchstaben hebräische Ausdrücke einfügt, muss der Cursor beim Durchsausen im lateinischen Text für »nach vorne« von links nach rechts und im hebräischen aber freilich von rechts nach links inklusive vorherigem erratischem Umspringen. Wie vielen Programmierer*innen bei dieser Programmieraufgabe wohl der Kopf geplatzt ist? (»Chef, wir haben wieder eine verloren…« – »Gott steh uns bei, schon die dritte in diesem Monat.«) Meiner wäre es jedenfalls. Bzw.: Hätte ich das programmieren müssen, ginge es wohl einfach nicht, Textmarkierungen schon Hundert Mal nicht. »Hä sorry ich check einfach nicht, wann der Cursor dann wo wie hinsoll – naja, das machen ja eh nicht so viele hehe« – »Okay, Lugauer, bis dieses Problem gelöst ist, lässt du das Ding in solchen Fällen einfach kontrolliert abstürzen. Und setz‘ schon mal eine Standardemail für entnervte Beschwerden auf.«

Flammekueche bzw. Tarte flambée

29.10.2019, 23 Uhr, die bedienende Person räumt das leergegessene riesige Holzbrett des papierdünnen, wie mit Schmandspray benetzten Flammkuchen-Seidenhauchs – mein Abenbrot – ab und fragt: »Hat’s gereicht?« Ich antworte: »Gut war’s!«, weil ich mit »Hat’s geschmeckt?« statt dieser gemeinen Frechheit gerechnet habe 😡😡😡️

Kleiner Reminder:

Das schönste deutschsprachige Onomatopoetikon für einen gut vernehmlichen sonoren Darmwind ist »pfrööööt«. Erstmals gelesen habe ich es in einem Rattelschneck-Cartoon. Ob einer der beiden es erfunden hat, keine Ahnung; das ist imho auch die falsche Frage.

DER SPIEGEL und sein »Volk«

Falls noch jemand bezweifelt, dass DER SPIEGEL ein deutschnationales Scheißblatt ist: Er sähe so gerne wieder »ein Volk«.

(»Jetzt übertreib’ halt nicht gleich, so ist das doch gar nicht gemeint«, sagen sie zu mir. Aber dass beim SPIEGEL niemandem der Anklang von »ein Volk« zu »Ein Volk, ein Reich, ein Führer« auffällt, die*der dann riefe: »Stoppt die Maschinen! Das können wir nicht in die Regale legen!«, es spricht imho Bände.

Was Wunder aber auch. › D a s deutsche Leitmedium‹ hielt etwa im vergangenen August eine interne Veranstaltung für die Mitarbeiter:innen als Zwischenbilanz der Zusammenlegung von Print- und Online-Redaktion von 2018 ab. Auf der Präsentation stand:

»Eine Redaktion,
eine Marke,
ein Haus«.

Twitter*innen mussten auf das über die dreifache Anapher »Ein(e)« grüßende »Ein Volk, ein Reich, ein Führer« hinweisen. Darüber wurde dann auch noch gestritten.

Jetzt ist der Vorwurf freilich nicht der, dass es absichtliche versteckte Nazi-Zitate sind. Sondern bloß (LOL) der, dass beim SPIEGEL alle dafür Verantwortlichen zu dumm sind, diese Parallele zu erkennen, einzuschreiten und eben was anderes, Unverfängliches hinzuschreiben. Was bei einer internen Redaktionszusammenlegung nicht so schwer zu formulieren sein dürfte.

Aber nein: Es muss »Eine Redaktion, eine Marke, ein Haus« sein. (Was in all seiner Marketingsprechhaftigkeit ohnehin tautologisch ist, aber beim SPIEGEL jemanden auf die Notwendigkeit von kultiviertem (!) Sprachgefühl hinzuweisen… ach ach!, ich ginge darüber zugrunde.

Daran erinnert mich auch dieses SPIEGEL-Zitat aus diesem Artikel: »Die Fusion (Projekt Orange — intern liebevoll ›Agent Orange‹ genannt) ist letztlich ein riesiges Modernisierungsprojekt.« Jesusmariaundjosef!, »Agent Orange«, wie diese verkommenen Menschen ihre Fusion so »liebevoll« nennen, ist zur Hölle nochmal das Entlaubungsmittel, das in Vietnam zur Kriegführung eingesetzt wurde. Ja geht’s gfälligst her und holt’s euch euer Watschn ab, ihr Deppen.)

Wer über die Kontinuitäten von der Nazi-Zeit in die SPIEGEL-Redaktion und andere Unsäglichkeiten, die in diesem Magazin seit seiner Gründung stattfinden, lesen will, kaufe sich die Ausgabe 9/2019 des konkret-Magazins. Dieser Volks- und Einheitsschmarrn, er ist noch ein später Auswuchs dieser Kontinuität.)

Fernsehen, dann AfD

Seit einiger Zeit habe ich gelegentlich Gelegenheit, morgens oder vielmehr vormittags fernzusehen, das ganze Spektrum des ÖR und PF, von ARD/ZDF-»Morgenmagazin« über »Volle Kanne!« (mangels einer Susanne nicht mehr wie früher »Volle Kanne Susanne!«), »Verklag mich doch!« (?), eine Sendung, deren Namen ich nicht kenne und in der rundenbasiert unter vier Augen um alten Krempel gefeilscht wird (eine Frau wollte für die 50erjahre-Aschenbechersammlung ihres fürs Fernsehstudio zu faulen Ehegatten 180,– € haben, hallo. Das Erstgebot von 25,– € eines orange behosten Hippies mit selbstbelügender Langhaarfrisur war noch zu freundlich, die barsche 0-€-Ablehnung eines Frechians hingegen zu unwirsch), »Das große Backen!« (neulich hatten sie einen großen Dessert-Würfel aus lauter kleineren Würfeln von – es wurde per Lineal nachgemessen – exactamente 3,00 cm Kantenlänge zu backen. Die notorische Enie van de Meiklokjes bezeichnete sie als »Drei-mal-drei-Zentimeter-Würfel«, missächtlich der Quadratidiotie, dass drei mal drei cm über die Fläche nicht in den Raum hochkommen), »Frauentausch«, »Elterntausch« (?), »Sturm der Liebe«, »Sturm der Tausch« (Quatsch) oder eine Krimiserie mit dem notorisch oberdeutschen Christian Tramitz als kultur- und vor allem dialektfremder Kommisar in Niederdeutschland bis hin zu »X-Factor – Das Unfassbare« mit Commander Riker oder eher m e i n e m Jonathan Freaks, Quatsch: Frakes undsoweiter e. cetera.

Das einzige, was mich davon abhält, fernsehradikalisiert bei der nächstbesten Wahl AfD zu wählen, ist das 3sat-Alpenpanorama, im Rahmen dessen Webcams hinter Bauchbinden meteorologischer Daten sanft schwenkend Bergansichten zeigen. Aber, Freundinnen* und Freunde, ich sag es, wie es ist: Es wird nicht genügen. Dafür kommt es schon viel zu selten (?– kA, wie oft). Hält sie an, diese gelegentlich-vormittägliche fernsehschauerei, wähle ich bei der nächstbesten Gelegenheit AfD. Und ich kann dann noch nicht mal was dafür. Verklagt mich doch.

»WiR hAbeN fEhLeR gEmAChT«

Screenshot aus: Zentrum für politische Schöhnheit (https://politicalbeauty.de/)

»WiR hAbeN fEhLeR gEmAChT – z.B. den, dass es uns, den hUmANisTeN vom Zentrum für politische Schönheit [?], nie um irgend eine Sache, sondern stets um uns, die hUmANisTeN vom Zentrum für politische Schönheit, ging.«

Dass sie sich für dieses StartUp-uns-ist-alles-wurscht-Hauptsache-fancy-Balken-Layout nicht schämen oder immerhin zu blöd sind, ich begreife es nicht. Sie behaupten doch immer, sie seien kÜnStLEr, weisen sich aber schon textgestalterisch als bloße neoliberal narcissists aus. (Okay, das ist eigentlich kein Widerspruch lol)

Warum es problematisch ist, sich selbst positiv als etwas (wie als »Humanist«) zu setzen: »Ich gebrauche hier den Ausdruck Humanität ungern, denn er gehört zu den Ausdrücken, die die wichtigsten Sachen, auf die es ankäme, dadurch schon, daß sie ausgesprochen werden, dingfest machen und verfälschen. Ich habe den Begründern der Humanistischen Union, als sie mich aufgefordert haben, einzutreten, gesagt: ›Ich würde, wenn ihr Club eine inhumane Union hieße, vielleicht bereit sein, einzutreten, aber in eine, die sich selbst humanistisch nennt, könnte ich nicht eintreten.‹ […] Soweit es auf der subjektiven Seite heute überhaupt so etwas wie eine Schwelle, wie eine Unterscheidung zwischen dem richtigen und dem falschen Leben gibt, ist sie wohl am ehesten darin zu suchen, ob man blind nach außen schlägt – und sich selber und die Gruppe, zu der man gehört, als Positives setzt und das, was anders ist, negiert –, oder ob man statt dessen in der Reflexion auf die eigene Bedingtheit lernt, auch dem sein Recht zu geben, was anders ist, und zu fühlen, daß das wahre Unrecht eigentlich immer genau an der Stelle sitzt, an der man sich selber blind ins Rechte und andere ins Unrechte setzt.« (Theodor W. Adorno: Probleme der Moralphilosophie (1963), hrsg. von Thomas Schröder, in: Theodor W. Adorno: Nachgelassene Schriften. Abteilung IV: Vorlesungen, Bd. 10, hrsg. vom Theodor W. Adorno Archiv, Frankfurt a.M. 1996, S. 250 f.)

Der behende Eisenbahnsitznachbar

Was ich überhaupt nicht kann: Mir irgendwas Jackenartiges anziehen, ohne dabei mords raumgreifend mit teilweise ausgestreckten Armen im um- und vor allem schräg hinter mir liegenden Raum herumzukrapfen. Deswegen brauche ich dabei armlangen Sicherheitsabstand.

Neulich in der Fern-Eisenbahn saß am Fensterplatz neben mir ein Funktionsbekleideter, und urplötzlich hatte er über seinem Funktionsoberteil eine Funktionsjacke an, ohne dass er mich irgend berührt, ja geschweige denn dass ich den Anzug (hahaha, dieses Wort passt hier höchstens entfernt oder vielmehr überhaupt nicht, aber MaN wEiß jA wAs GeMeiNt iSt) bemerkt hätte.

Er war Saatgutvertreter aus der Agrarindustrie. Womöglich spielt das gar keine Rolle.

»Spaßtelefon«, »Straßenverkauf«

Dienstag, 26. November 2019. Das Bayern-1-Spaßtelefon – mein Radiowecker spielt diesen Sender momentan, weil er das gelegentlich sehr instabile und rauschende wo nicht flirrisierende Klassik Radio frequentiell benachbart –, das Bayern-1-, in Fachkreisen auch genannt »Bauern 1«, -Spaßtelefon jedenfalls (»Der lustigste Anschluss Bayerns«) lässt sich vernehmen, wie es bei einem Imbiss anruft, der, zwei (!) Zuhörer*innen sollen darauf hingewiesen haben, Straßenverkauf anbietet, und gibt vor, ja lolleralollol, eine Straße kaufen zu wollen. Man habe da, bestallt mit einem seltsam benamsten Übersetzer, einen arabischen Scheich zu vermitteln, der nun die angebotenen Straßen kaufen wolle. Im Hintergrund hören wir schlecht und schäbig rudimentär-klischeehaft imitiertes »Arabisch« (der goutierte, freilich verleugnete Rassismus), das vom seltsam benamsten (warum eigentlich?) Übersetzer »übersetzt« wiedergegeben wird, der vermittelnde Spaßtelefon-Telefonierer vermittelt, die angerufene Imbissmitarbeiterin indes beharrt bemitleidenswert insistierend darauf, es würden schlicht Speisen auf die Straße durchgereicht.

Nun ist es gewiss gähnenstreibend, sich über die ewige Reproduktion des Immergleichen im Formatradio und sonst wo zu mokieren. Doch sei hier dennoch angemerkt und getadelt oder vielmehr geschimpft: Freundinnen* und Freunde, seid beglückwünscht, dass ihr bei der Programmdirektion mit euren »Scherzanrufen« nach wie vor durchkommt – und bei euren Hörerinnen erst! Wie viele sich freuen, endlich auch mal dranzukommen bzw. dranbekommen zu werden (?), doch: Wir schreiben das Jahr 2 0 1 9 und die Bezeichnung »Straßenverkauf« prangt derart lange an den Speiseschnellstuben, dass sie sich höchstens noch metametameta- und/oder shitpostingmäßig auf Twitter komisch verarbeiten lässt (dort hießest du notabene vielkanals »SpaBtelefon«), das Ablaufdatum der gewöhnlichen Fehldeutung durch bewusstes Falschabbiegen an der Ambiguitätsgabel jedoch war ca. oder vielmehr exakt, sagen wir: 1995.

Warum ich das dennoch aufschreibe? Ich kenne Leute, die sich lachend über solche Scherzanrufe amüsieren. Deren Haltbarkeitsdatum: 1995.