Gendern und das Deutsche

Gendern zerstöre die deutsche Sprache, plärren die Reaktionäre quer durchs Land bis in die allerhöchsten Feuilletons hinein – aber dass in dieser Quatschsprache z.B. »Maskenpflicht fallen lassen« und »Maskenpflicht aufheben« das Gleiche bedeuten, stört freilich wieder keine*n der sogenannten Kritiker*innen.

Das »RedaktionsNetzwerk Deutschland« über Israels »Iron Dome« – in Kindersprache

Während der letzten Attacken der Hamas auf Israel erläutert RND-Chefautor Matthias Koch im Artikel »Iron Dome: Eine Maschine verteidigt Menschen« das israelische Raketenabwehrsystem, mit dem feindliche Raketen noch in der Luft zerstört werden können. Und zwar mit einer im ganzen Text nachgerade kindischen, ja sogar dümmlichen Wortwahl.

Über die Explosionen am Himmel, wenn eine israelische Abfang- auf eine palästinensische Angriffsrakete trifft, schreibt er: »Das eigentümliche Piff-Paff am Nachthimmel wirkte wie ein Feuerwerk.« Nur dass Feuerwerk am Himmel bunt zu sein pflegt und in aller Regel allerlei schöne Formen wie Kugeln, Sterne oder Pusteblumenköpfe hervorbringt. Bloß »Piff-Paff« machen Böller – auch da würde niemand bei Trost von »Piff-Paff« sprechen/schreiben –, und wer seinen Kund*innen als Himmelsfeuerwerk nichts als feurige Böllerexplosionen böte, wäre wohl schnell auftragslos und insolvent. Doch unmittelbar darauf kinderquatscht Koch entsprechend weiter: »Phasenweise aber, wenn das Abwehrsystem an seine Kapazitätsgrenzen geführt werden sollte, steigerte sich der Lärm zu einem bedrohlichen Dauergeknatter.« Knattern, ja.

Für dem Anlass angemessen hält Koch weiter unten: »Die Firma feierte, während es über Ashkelon und Tel Aviv blitzte und knallte [ja Mensch, genau wie zu Silvester!], auf ihrer Webseite gerade ›zehn Jahre Iron Dome‹.« Auch (wahrscheinliche) Übersetzungen geraten geradezu silvestrig: »›Auf jeden Fall wurden da in den letzten Tagen viele Millionen Dollar verballert‹, sagt ein Insider.« Ist der Artikel etwa insgeheim eine Aufforderung an all die ›legitimen Israelkritiker*innen‹, »Brot statt Raketen!« in den Nahen Osten zu rufen?

Ein Professor der Münchner Bundeswehr-Hochschule würde sich einer solchen Kampagne wohl nicht anschließen, beherrscht den infantilen RND-Koch-Ton aber offenbar ganz von alleine, wenn er mit dem ganzen Gewicht seiner wissenschaftlichen Expertise analysiert: »›Wenn wir in Deutschland eine vergleichbare Raketenattacke erleben würden, stünden wir dumm da‹, sagt Carlo Masala, Professor für Internationale Politik an der Hochschule der Bundeswehr in München.«

Dem Text sei das Prädikat »Supi-lupi Schreibi-Schreibi« verliehen.

Kurz notiert (110)

einen Leserbrief an die SZ mit Dipl.-Ing. h.c. unterzeichnen und dann drucken die das wahrscheinlich auch noch

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»Bitte freimachen, falls Marke zuhanden« (M. Heidegger an J.-P. Sartre)

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»Hab, und gut« – die Maxime für ein gelungenes Leben

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Nach Kenntnisnahme verschiedenster Modelle: Das erste Hemd hat auch keine Taschen.

Bio(N)Tech

BioNTech – wer muss da nicht an den Sepultura-Song »Biotech Is Godzilla« (1993) denken? Textlich ein astreiner Deppensong, verfasst vom offenbaren Volldeppen Jello Biafra (Ex-Dead Kennedys und eines von Sepulturas »biggest idols«). Biafra haut darin die Verschwörungstheorie raus, Biotechnologie werde in finsterer Absicht für geheime Zwecke unserer »rulers« und der »corporations« betrieben. Das ganze gipfelt in der Zeile »Biotech Is AIDS« und schließt damit an an das nicht aus der Welt zu kriegende Hirngespinst, die CIA habe das HI-Virus erschaffen, um Homosexuelle und Afroamerikaner auszurotten.
Musikalisch aber ein recht guter Hardcore-Song für eine Thrash-Metal-Band 😃