Alumni

»Als Alumni sind Sie ein wertvoller Teil unserer großen […]-Familie – halten Sie den Kontakt zu ehemaligen Mitstudierenden und Lehrenden aufrecht.«

*zieht den Verantwortlichen dieser E-Mail die Ohrwascheln lang* » W i e  lautet der Nominativ Singular von ›Alumni‹?!«

»Alumnus! Alumnus!«

*lässt ein wenig lockerer* »Und  w a n n  benennt ihr euch gendersensibel um in ›Alumni/-ae/-a-Verein‹?«

»Hä wa…«

*zieht die Ohrwascheln wieder stärker an*

Kirmes-Geisterbahn: »The Conjuring – Die Heimsuchung«

The Conjuring – Die Heimsuchung, R: James Wan, Warner Bros. 2013.

»Conjuring ist alles andere als eine Geisterbahn, es ist ein spannender, intelligenter Film«, so der bekannte Filmkritiker im feinen Zwirn vor den Marx-Engels-Werken auf seinem Kanal im bekanntesten Online-Videoportal unserer Zeit – womit er von vorne bis hinten nicht recht hat.

Richtig ist vielmehr Folgendes: The Conjuring ist von Anfang bis Ende langweilig und ungruselig wie nur je ein fauler Budenzauber. Der gezeigte Exorzismus ist albern läppisch. Wirklich alles in dem Film ist schon mal dagewesen, bloß um Längen besser und vor allem: wirkungsvoll.

Worum geht’s? »Carolyn und Roger Perron ziehen mit ihren fünf Mädchen [lies: Töchtern] in ein Farmhaus in Rhode Island. Als sie einen verborgenen Kellerraum entdecken, ist es mit der Ruhe schnell vorbei. Unerklärliche Vorfälle erschrecken die Perrons und steigern sich zu regelrechtem Terror. Am Ende ihrer Kräfte, bittet Carolyn die Parapsychologen Ed und Lorraine Warren um Hilfe«, so Google über den Film, der auf einer wahren Begebenheit beruhen soll.

Ohne alles en detail durchzukritisieren: Die Gruseleffekte von Conjuring sind meines Erachtens am besten mit solchen in Kirmes-Geisterbahnen zu vergleichen –  alle wissen, was sie erwartet, bekommen es und können sich hinterher höchstens drüber wundern, dass sie doch das eine oder andere Mal erschrocken sind. Aus dem vernagelten Keller des Perron-Hauses hätte man so viel rausholen In den vernagelten Keller des Perron-Hauses hätte man so vieles an Gruselchocks hineinstecken können. Aber nein, spotlightartig beleuchtetes Hausrat-Gerümpel und ein paar gruselig kuckende Frauen-/Mädchengesichter scheinen den Verantwortlichen genug.

Selbst das Hitchcock-Zitat mit den Vögeln ist vollkommen ungruselig und läppisch und sogar ärgerlich, weil sinnlos. Die Gleichung allgemeines Gruselsetting + plötzlich herbeiflatternde Vogelschar = in den Adern gefrierendes Blut der Zuschauer*innen stimmt nicht, wenn ihre Umsetzung daherkommt wie der Blumen-Wasserspritztrick eines Clowns.

Die True-story-Nummer des Films ist nichts als quatschig. Das Dämonologen-Ehepaar Warren kommt mir gelinde gesagt doch sehr unglaubwürdig vor. Wenn sie in einem Uni-Hörsaal stehen und einem Auditorium, das ihnen allen Humbug unangezweifelt durchgehen lässt, von ihren Exorzismen und Geisterbegegnungen erzählen, wirken alle debil. Da ginge es ja in einem Wirtshaus im tiefsten bayerischen Wald kritischer und vernünftiger zu! Und wie leicht Lorraine ihren Ed immer unstimmen kann, wenn er den Exorzismus-Kram ohne sie machen will, weil ihm aufgrund schlechter Erfahrungen angst um ihr Leben ist – da soll der einzige und hinreichende Grund ein überzeugtes »God brought us together for a reason!« aus ihrer Hochzeitsnacht sein?! Lol. Und dann haben sie ihr heimisches Kabinett voller über die Jahre angesammelter, von bösen Geistern besessener Gruselgegenstände natürlich in ’nem normalen Zimmer im Parterre, an dem bloß ein Warnschild hängt und vor dem nicht drei tonnenschwere Eisentüren mit Wahnsinnsschlössern sind. Wo die kleine Tochter der Warrens dann lustig ein und aus gehen kann.

Schon das echte Ehepaar Warren (Dämonologen und Parapsychologen, hahaha) dürften waren waschechte Schwindel-Kasperle gewesen sein. Lachen muss ich über die Info, dass die leibhaftige Lorraine Warren als Beraterin am Filmset war. Bestimmt hat sie die meiste Zeit in einem Séparée-Zeltchen gehockt und ist gelegentlich in esoterisch flatternden Kleidern, von einem papiernen Schirmchem gegen die Sonne geschützt, übers Set gewandelt. Und die Perrons, die das in echt erlebt haben wollen, hatten, wenn ihr mich fragt, entweder kollektiv einen im Tee oder waren gabelhubwagenmäßig-haushohe Hochstapler gewesen.

Hier noch ein besonders albernes Zitat des eingangs erwähnten Filmkritikers: »Die Kinder [der Protagonistenfamilie] sind nicht getauft und die Eltern sind wohl aus der Kirche ausgetreten, sie zahlen keine Kirchensteuer.« In den USA gab es nie eine Kirchensteuer.

PS, weil’s ja ein Gaudi-Blog ist: Gedreht wurde The Conjuring übrigens in der Kondschurei.

Herbstaster, Quatsch: E-Scooter

Letzte Woche bin ich, late adopter wie stets, zum ersten Mal mit einem E-Scooter gefahren. Seit 2019 sind die Dinger, wie das Internet leider und richtig bemerkt: »aus deutschen Städten nicht mehr wegzudenken«. Könnte eins sie einfach wegdenken, wären die kreuz und quer herumliegenden E-Scooter all der Rüpelparker kein Problem.

Aber zurück zu letzter Woche: In eine Südstadt wollte ich fahren und dazu die U-Bahn nehmen. Einmal umsteigen, kein Problem. Aber! Wie die DB-App zeigt, will diese fränkische Großstadt für das benötigte Tagesticket stolze 8,20 € haben! Bloß 80 Cent weniger als das 9-€-Ticket sel.! Sogar die Niedersachsenhauptstadt, in der ich wohne, nimmt dafür nur 6,– €.

Latsche ich also, während ich mich gräme, zufällig an einem E-Scooter vorbei und denke, nimmste den, biste schneller und kost’ weniger. Doch Pustekuchen: 10 Minuten brauchte ich, ehe ich loskam, weil die eilig heruntergeladene und eingerichtete App erst allerhand Sperenzchen trieb. Wie bspw. ein 10teiliges Verkehrsquiz, das ich nicht weg-x-en konnte, wobei ich mir vorkam, als müsste ich erst eine theoretische Fahrerlaubnisprüfung ablegen. (Später fand ich heraus, dass man mit dem Quiz wohl Freiminuten erlangen kann.) App downloaden, Telefonnummer verifizieren, PayPal angeben, QR-Code scannen, losdüsen? Nicht mit diesem Anbieter.

Recht viel billiger als besagtes ÖPNV-Tagesticket war es denn auch nicht: ganze 70 Cent habe ich auf den drei Fahrten gespart, und das auch nur, weil mir als Neukunden ein bisserl was erlassen worden ist. Die Vorteile gegenüber der U-Bahn (z. B. keine Fußwege zu/von Stationen, keine Fahrzeitenbindung) wiegt das nicht auf.

Und ungemütlich ist das E-Scooten auch: Die kleinen Reifen, der schmale Lenker, das nicht zu leugnende Gewicht des Metallmonstrums, all das will im Zaum gehalten werden. Wie sanft dagegen eine*n ein Fahrrad trägt. Auf Kopfsteinpflaster schüttelt eine*n so ein Scooter ordentlich durch, mir wäre fast Nr. 5 (mein Smartphone) aus der Lenkerhalterung geflutscht. Obendrein fühlt es sich auf den meisten großstädtischen »Radwegen« und sonstigen Straßen auf einem windigen elektromotorisierten Tretroller nicht gerade sicher an. Die Aufforderung der App: »Tragen Sie beim Fahren einen Helm!«, ist da nur blanker Hohn, denn wer trägt einen Helm herum, wenn ihr*ihm der Gedanke e-zu-scooten kommt.

Nach diesen Fahrten habe ich nicht nur die App des Anbieters V** deinstalliert, vorher habe ich auch den Account gelöscht. Das hätte ich evtl. nicht gemacht, wenn es für alle Anbieter eine App gäbe statt für jeden eine Extraapp. Gäbe es eine einzige, würde ich mich vielleicht alle heiligen Zeiten dazu hinreißen lassen, einen Weg mal schnell e-zu-scooten. Aber auf die Bindung an die Firma *o* oder zusätzlich zu der von **i haufenweise weitere E-Scooterapps habe ich gkB.

Ohnehin, wenn es nach mir ginge: Sofort verbieten und aus dem Stadtbild verbannen, die Dinger! Was gerne bleiben darf: Leihfahrräder, die empfinde ich als echten Gewinn. Damit ist eins meiner Erfahrung nach wirklich schneller und günstiger, und wenn nicht, dann immerhin praktischer unterwegs als mit dem ÖPNV.

Nebenbei, was eins sich mal durch den Kopf gehen lassen kann: Warum sieht eins so gut wie nie Leihfahrräder herumstehen/-liegen, die nur von radikalegoistischen Widerlingen »geparkt« worden sein können?

nEu dEnKeN

Ist er das, der allerdümmste Einsatz der dummen, vulgärtransitiven Deppenphrase etwas neu denken, der Lieblings-Progressivvokabel der Marktradikalen, all jener, denen zur Verhinderung Abmilderung der Klimakatastrophe stets nur tEcHnoLoGiScHe LöSUnGeN einfallen, die letzten Endes doch nur den Zweck der Vermögensumverteilung von unten nach oben haben?

Freilich ist bei diesem Modesprech überhaupt nicht klar, was überhaupt gemeint sein soll. Klar, zunächst einmal, dass die Bau-Auflagen für waldnahe Siedlungen überdacht und nach ordentlich Gehirnanstrengung angepasst werden sollten. Doch das betrifft ja nur Siedlungen, die erst noch zu bauen wären. Und die schon bestehenden Waldrandsiedlungen? Sind die nicht mitunter akut bedroht, in Flammenmeeren unterzugehen? Was hilft es ihnen, wenn sie nEu gEdAcHt werden? Worauf sich die Formulierung in diesem Fall bloß beziehen kann, ist einzig ein Gott, dessen Gedanken unmittelbar Wirklichkeit werden und der bspw. Siedlungen von Wäldern ›weiter wegdenken‹ kann, um sie vor Waldbränden zu schützen. Und wir wollen doch nicht albern werden.

Braucht’s des? (2)

Unsere Waschmaschine kann nicht nur die üblichen Temperaturen 95, 60, 40, 30 °C und kalt, sondern bietet ein differenzierteres, wenngleich kleineres Spektrum: 90, 80, 70, 60, 50, 40, 30, 20 °C und kalt. Außer den üblichen Temperaturen habe ich noch nie eine verwendet. Mir wäre auch kein Pflegeetikett bekannt, das eine*n etwa zu Wäsche bei 50 oder 70 °C aufforderte. Warum die Maschine ›nur‹ 90 °C kann statt der standardmäßigen 95, dürfte mit dem 10er-System zu erklären sein.

Ob’s einen Unterschied macht, bezweifle ich forsch: Wie wir (?) während der Anfangszeit der Covid-19-Pandemie gelernt haben (?), als es ums Desinfizieren der Stoffmasken im Backofen ging, heizen viele Backöfen gar nicht zuverlässig auf die eingestellte Temperatur, sondern gibt es ordentlich Schwankungen nach oben und unten. Ob die Maschine nun 95 oder 90 °C anbietet, man wird in beiden Fällen mit irgendwas zwischen 80 und 100 °C rechnen müssen.

Dass die Maschine die dekadische Reihe nicht mit 10 °C vervollständigt, ist schade, liegt aber schlicht an der Kaltwassertemperatur aus der Leitung, die irgendwo zwischen 10 und 20 °C liegt.¹ Ob die Ingenieur*innen jemandem den Vogel zeigen und sagen mussten: »Wir haben schon genug zu konstruieren mit dem Heizstab, wir bauen doch nicht auch noch ein Kühlelement ein!«, bleibt offen.

¹ Während des Schreibens recherchierte ich kurz. Amerikanische Forscher*innen haben demnach herausgefunden, dass das Leitungswasser im Schnitt mit 14,2 °C aus der Leitung kommt. Was offenbar gar nicht so gut ist, da die Richttemperatur bei 10 °C liegt und die Abweichung nach oben schon Hygieneprobleme mit sich bringen kann (Legionellen, …).

Braucht’s des? (1)

Hier eine Liste normaler Geschwindigkeitsbegrenzungen in km/h: 30, 50, 60, 70, 80, 100, 120, 130 und idiotisch viele ∞, Quatsch: 1.079.252.820 km/h. In Niedersachsen begnügen sich die Verantwortlichen mit diesem Repertoire nicht, sie lassen bspw. auf einer Bundesstraße nahe Hannover auf einem überhaupt nicht langen Stück nur 90 km/h zu. Als ob man da nicht auch auf 80 beschränken könnte.

Und in Hannover-Stadt darf eins mancherorts nur max. 40 km/h schnell sein; jedenfalls in einem, hahaha, 1,8 km langen Teil einer »Umweltzone«, während meines Wissens im sonstigen Stadtgebiet mit Ausnahme von 30-km/h-Wohngebieten 50 km/h gepestet werden dürfen.

Eine innerörtliche Umweltzone, in der schneller als 30 km/h gefahren werden darf, hat diesen Namen nicht verdient. Bei 40 km/h ist das ungefähr so umweltfreundlich wie die TK-Pizza von neulich, die den Nutri-Score C hatte, gesund ist.

„Einfahrt“ freihalten

Möchte eins in einer großen Stadt in einem Wohnviertel einen Pkw parken,¹ hat es vor fast jedem Vielparteienhaus bei Strafe des Abgeschlepptwerdens eine Einfahrt, verschlossen zuallermeist von einem hölzernen Tore, freizuhalten. Aber seid mal ganz ehrlich: Hat jemals schon jemand auch nur ein einziges Mal einen Pkw o. ä. aus einem dieser Durchfahrtstore fahren sehen? Geschweige denn, dass eines dieser Tore überhaupt jemals geöffnet gewesen wäre? Also, ich will ja nicht unken. Mir scheint das dennoch ein ganz großer, kollektiv-klandestiner Schwindel zu sein, unke ich einfach mal.


¹ Der wie auch immer motorisierte Individualverkehr gehört imo, so weit es geht, abgeschafft und durch ÖPNV etc. ersetzt.

Unorthodoxie

Ich habe etwas Unorthodoxes getan. Ein Bild wollte ich aufhängen. Es ist ein Unikat auf kartonartig dickem Papier (hat das einen Namen?), stammt von der Künstlerin C. L. L. und war gerollt aufbewahrt worden.

Und ich sag’s jetzt einfach, was ich Unorthodoxes getan habe, um es glatt zu kriegen, weil dann ist es raus, und gesehen hat es eh niemand, die*der mich dafür zu verurteilen Autorität besäße, und auf diesem Blog ist es so gut verborgen wie Gebeichtetes im Beichtstuhl: Ich habe das Bild entrollt und – es tut mir nicht mal leid – es über Nacht – verurteilt mich doch! – UNTER – ich habe halt keinen die Werke der Kunst vergötzenden Kunstbegriff – EINEN – meine Güte, wer wollte sich im Jahre 2022 über so etwas überhaupt aufregen – TEPPICH GELEGT!

Richtig: In dem Zimmer, in dem es hängen soll, liegt ein Hochflorteppich von, ich glaube, 80×150 cm. Der ist mit so Befestigungsstreifen aus Gummi am Boden fixiert. An einer Längsseite löste ich diese Streifen vorsichtig, lupfte den Teppich etwas an und ließ das entrollte Kunstwerk unter dem Teppich verschwinden. Dann drückte ich die Befestigungsstreifen wieder an. Fertig. Zu meiner ›Verteidigung‹: Ich bin nicht noch extra auf dem Teppich herumgestiegen oder so, sondern habe ganz auf die plattglättende Wirkung des Teppichs vertraut. Am Morgen holte ich den Teppich wieder hervor, und voilà: war das Bild glatt. UND UNBESCHADET!