Kirmes-Geisterbahn: »The Conjuring – Die Heimsuchung«

The Conjuring – Die Heimsuchung, R: James Wan, Warner Bros. 2013.

»Conjuring ist alles andere als eine Geisterbahn, es ist ein spannender, intelligenter Film«, so der bekannte Filmkritiker im feinen Zwirn vor den Marx-Engels-Werken auf seinem Kanal im bekanntesten Online-Videoportal unserer Zeit – womit er von vorne bis hinten nicht recht hat.

Richtig ist vielmehr Folgendes: The Conjuring ist von Anfang bis Ende langweilig und ungruselig wie nur je ein fauler Budenzauber. Der gezeigte Exorzismus ist albern läppisch. Wirklich alles in dem Film ist schon mal dagewesen, bloß um Längen besser und vor allem: wirkungsvoll.

Worum geht’s? »Carolyn und Roger Perron ziehen mit ihren fünf Mädchen [lies: Töchtern] in ein Farmhaus in Rhode Island. Als sie einen verborgenen Kellerraum entdecken, ist es mit der Ruhe schnell vorbei. Unerklärliche Vorfälle erschrecken die Perrons und steigern sich zu regelrechtem Terror. Am Ende ihrer Kräfte, bittet Carolyn die Parapsychologen Ed und Lorraine Warren um Hilfe«, so Google über den Film, der auf einer wahren Begebenheit beruhen soll.

Ohne alles en detail durchzukritisieren: Die Gruseleffekte von Conjuring sind meines Erachtens am besten mit solchen in Kirmes-Geisterbahnen zu vergleichen –  alle wissen, was sie erwartet, bekommen es und können sich hinterher höchstens drüber wundern, dass sie doch das eine oder andere Mal erschrocken sind. Aus dem vernagelten Keller des Perron-Hauses hätte man so viel rausholen In den vernagelten Keller des Perron-Hauses hätte man so vieles an Gruselchocks hineinstecken können. Aber nein, spotlightartig beleuchtetes Hausrat-Gerümpel und ein paar gruselig kuckende Frauen-/Mädchengesichter scheinen den Verantwortlichen genug.

Selbst das Hitchcock-Zitat mit den Vögeln ist vollkommen ungruselig und läppisch und sogar ärgerlich, weil sinnlos. Die Gleichung allgemeines Gruselsetting + plötzlich herbeiflatternde Vogelschar = in den Adern gefrierendes Blut der Zuschauer*innen stimmt nicht, wenn ihre Umsetzung daherkommt wie der Blumen-Wasserspritztrick eines Clowns.

Die True-story-Nummer des Films ist nichts als quatschig. Das Dämonologen-Ehepaar Warren kommt mir gelinde gesagt doch sehr unglaubwürdig vor. Wenn sie in einem Uni-Hörsaal stehen und einem Auditorium, das ihnen allen Humbug unangezweifelt durchgehen lässt, von ihren Exorzismen und Geisterbegegnungen erzählen, wirken alle debil. Da ginge es ja in einem Wirtshaus im tiefsten bayerischen Wald kritischer und vernünftiger zu! Und wie leicht Lorraine ihren Ed immer unstimmen kann, wenn er den Exorzismus-Kram ohne sie machen will, weil ihm aufgrund schlechter Erfahrungen angst um ihr Leben ist – da soll der einzige und hinreichende Grund ein überzeugtes »God brought us together for a reason!« aus ihrer Hochzeitsnacht sein?! Lol. Und dann haben sie ihr heimisches Kabinett voller über die Jahre angesammelter, von bösen Geistern besessener Gruselgegenstände natürlich in ’nem normalen Zimmer im Parterre, an dem bloß ein Warnschild hängt und vor dem nicht drei tonnenschwere Eisentüren mit Wahnsinnsschlössern sind. Wo die kleine Tochter der Warrens dann lustig ein und aus gehen kann.

Schon das echte Ehepaar Warren (Dämonologen und Parapsychologen, hahaha) dürften waren waschechte Schwindel-Kasperle gewesen sein. Lachen muss ich über die Info, dass die leibhaftige Lorraine Warren als Beraterin am Filmset war. Bestimmt hat sie die meiste Zeit in einem Séparée-Zeltchen gehockt und ist gelegentlich in esoterisch flatternden Kleidern, von einem papiernen Schirmchem gegen die Sonne geschützt, übers Set gewandelt. Und die Perrons, die das in echt erlebt haben wollen, hatten, wenn ihr mich fragt, entweder kollektiv einen im Tee oder waren gabelhubwagenmäßig-haushohe Hochstapler gewesen.

Hier noch ein besonders albernes Zitat des eingangs erwähnten Filmkritikers: »Die Kinder [der Protagonistenfamilie] sind nicht getauft und die Eltern sind wohl aus der Kirche ausgetreten, sie zahlen keine Kirchensteuer.« In den USA gab es nie eine Kirchensteuer.

PS, weil’s ja ein Gaudi-Blog ist: Gedreht wurde The Conjuring übrigens in der Kondschurei.

2 Gedanken zu “Kirmes-Geisterbahn: »The Conjuring – Die Heimsuchung«

  1. Danke für diese Einschätzung, die sich mit der meinigen von damals deckt! Zum Glück erinnere ich mich kaum noch an Details. Meinen eigenen Notizen entnehme ich zumindest, dass Teil 2 etwas besser war.
    PS: Wer ist denn der eingangs nicht genannte Filmkritiker???
    PPS: Einen Absatz hast du aus Versehen doppelt eingefügt. (Spuk)

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    1. Vielleicht schaue ich Teil 2 dann doch noch. Eigentlich wurde ich vor dem Conjuring-Franchise eher gewarnt. Ein Freund meinte sogar: »Und schau dir nie die spin-offs von conjuring (the nun und annabelle) an, die sind«, hahaha, »richtiger Dreck«.

      Bei dem Filmkritiker handelt es sich um W*lfg*ng M. Schm*tt.

      Und merci für den Hinweis auf den doppelten Absatz! Den habe ich nun getilgt. Geschuldet ist er dem Texteditor der WordPress-Androidapp, in der der Beitrag entstanden war und der fürchterlich hakelig ist (Absätze sind darin keine Absätze, sondern »Blöcke«, und die Arbeit mit Text»blöcken« ist mitunter sehr frustrierend). Ich hatte mich schon gewundert, warum der Text am Ende gar so lang gewesen war.

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