Selbstbeherrschung

Das Kind hat beim Kleinkind-Musikkurs einen astreinen Atavismus hingelegt: Es war auf einen ca. handballhohen Mattenstapel an der Wand halb gestiegen, halb gekraxelt, stand oben und wusste nicht mehr, wie jetzt wieder runterkommen. Freilich Hände in Richtung Papa ausstrecken, »áh!« stöhnen und runtergehoben oder immerhin gestützt werden wollen. Aber ich ging nicht hin, denn es muss, nach einer ausgiebigen Stützphase, allmählich lernen, auf eigenen Beinen, Quatsch: Stufen selbst hinabzugelangen. Nach ein, zwei Momenten versuchte es, sich selbst aus der Gefangenschaft auf dem Mattenstapel zu befreien – und stiegrutschte etwas umständlich auf Beinpopo hinunter. Applaus, Applaus! Worüber sie sich freute, wie sich nur ein stolzes gelobtes Kleinkind freuen kann, um dann – jetzt der Atavismus, weil sie das schon lange nicht mehr macht – zurück zur großen Spielematte in der Mitte des Raumes zu krabbeln statt zu laufen.

Und ich? Reiße mich gerade noch zusammen, nicht wie ein achtmalkluges akademisches Oberarschloch in die Elternrunde zu jodeln: »Erstaunlich, was für einen Atavismus sie plötzlich zeigt, nachdem sie etwas Neues zustande gebracht hat!«

2 Gedanken zu “Selbstbeherrschung

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