Geschröpft

Neulich wurde ich geschröpft. Und zwar mit Ankündigung. D. h. ich wurde gefragt: »Wurden Sie schon mal geschröpft?« Ich verneinte, und schon ging’s los. Wo befand ich mich? Auf einer Liege in einer Physiotherapiepraxis.

Der ganze Vorgang erstaunte mich doch sehr. Denn ich hatte schröpfen bislang nur im Sinne von ›jemandem mit List oder Geschick unverhältnismäßig viel Geld abnehmen‹ gekannt. Dass das ein Heilverfahren ist, war mir nicht bekannt gewesen.

Jetzt ist die Frage: Warum ergeht es solchen seit alters bekannten Heilverfahren so, dass sie metaphorisch nur für Negatives gebraucht werden? Mit dem Aderlass ist es das gleiche. Der mag zwar medizinisch Quatsch sein – wobei er in der wissenschaftlichen Medizin bei einigen wenigen Krankheitsbildern noch angewandt wird –, ist aber metaphorisch herabgesunken zu ›Einbuße, spürbarer Verlust‹. Irgendwelche Sprachwissenschaftler*innen und Hobbysprachhistoriker*innen werden’s wissen.

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