Heiratsantrag (2)

Noch ist es nicht zu spät, dass Alice Schwarzer und Gesine Schwan einander ehelichen und fortan als Alice und Gesine Schwarzer-Schwan durchs Leben gehen. Nicht nur namentlich, sondern auch geburtsjährisch würde es mit Alice (*1942) und Gesine (*1943) gut passen. Und in politischer Hinsicht wäre es ein starkes Plädoyer für eine Neuauflage der Großen Koalition aus CDU (Alice) und Gesine (SPD). Case closed.

Exsultate! Jubilate!

Na, kuck an, überrascht die WordPress-App mich gestern mit folgender Notification:

Aus dem Stegreif, muss ich gestehen, hätte ich nicht zu sagen gewusst, der wievielte Jahrestag es war. Das interessiert mich natürlich, und so klicke ich drauf:

Einfach einen Account zu haben ist also eine »Errungenschaft«, haha.

Sogleich rechne ich aus fällt’s mir ein: Seit 2016 betreibe ich diesen Blog hier. Es war gerade vorlesungsfreie Zeit zwischen fünftem und sechstem Semester. Vielleicht schaue ich sogar nach, beim Schreiben welcher Hausarbeiten ich mit der Bloggründung prokrastiniert habe. Ganz stolz bin ich übrigens auf die Namensfindung. »Salon du Fromage« fiel mir in Nürnberg auf dem Kornmarkt, dem Platz vor der Bibliothek des Germanischen Nationalmuseums, ein. Dort trank ich in Lern-/Arbeitspausen immer Kaffee aus dem YMCA- bzw. CVJM-Café gegenüber (vgl. Nahteufelerfahrung). Denn der war einerseits sehr billig und andererseits am nächsten gelegen. Überhaupt floss ein nicht unwesentlicher Teil meiner kreativen Energie während des Studiums in Quatsch. Der Untertitel des Blogs, »Der Große Diesbezügliche«, stammt aus einem Facebookpost, der da lautete: »Ich will in die Geschichte eingehen als Der Große Diesbezügliche bitte helft mir dabei«. Und das wird einerseits passieren, weil mir andererseits tatsächlich geholfen wird.

Kurz notiert (131)

Nemon Nomen est omen: Der bekannte Schlafforscher Nino Talem – wer kennt ihn nicht! Z. B. aus zahlreichen Spiegel-Lebenshilfe-Quatschtexten – heißt rückwärts übrigens Melat Onin!

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Seit bekannt ist, dass das Brainser Quellwasser für Mineraltherapien (»Stahlbad«) geeignet ist, darf der Ort Bad Brains heißen

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Elfmeter-Krimi aber als Whodunnit weil niemand weiß wer geschossen hat

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Plüschige Metzgerversion eines Dystopie-Action-Klassikers: Mett-Max: Furry Road

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Berg, der neue Passbilder machen lässt

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Kleine Konzertgeschichte

Das folgende Listicle kursiert auf Social Media, für meine treue Käser Leserschaft fülle ich es hier aus nebst Anmerkungen:

1. First concert: Black Label Society (Rock im Park, 2002). Als Bub von 15 Jahren, der auf System of a Down wartete, hauten mich die Double-Bass-Drums von den Socken.

2. Last concert: [irgendwas im Jahre 2020, seit Beginn der Pandemie war ich auf keinem mehr]

3. Worst concert: Uncle Acid and the Deadbeats (München, 2018). Das schlechteste Publikum, das ich je erleben musste. Obwohl UAadD stellenweise durchaus tanzbaren Doom Metal spielen (»Hätten die Beatles Doom gemacht, hättem sie so geklungen?«), standen alle nur stiernackig festgewurzelt da und verschränkten die Arme. Ihren Smash Hit »Mt. Abraxas« verbriet die Band an vierter Stelle, die Playlist geriet zum faden Brei, der Vocoder-Gesang von Uncle Acid nervte live, obwohl er das auf Platte nicht tut. Irgendwelche Unterhaltungsanstalten machte bühnenseits niemand. Irgendwann ging ich ganz nach hinten und trank ein Bier nach dem anderen und hoffte, dass es bald vorbei sei.

4. Loudest concert: Godspeed You! Black Emperor (München, 2015). Spätestens, seit sie auf dem Promozettel zu Luciferian Towers »No export to Israel« stehen hatten, habe ich die Band nicht mehr angehört. Auch wenn sie mir bei dem Auftritt mit einem Song, der später auf diesem Album veröffentlicht wurde, eines meiner schönsten Konzerterlebnisse beschert haben.

5. Best concert: Mastodon (München, 2014). Den Opener »Tread Lightly« hatte ich am Bierstand noch geweissagt – was nicht schwer war, weil’s der Opener der damals aktuellen CD war –, und er klang dann auch, wie erwartet, als drösche ein 40-Tonner mit 110 km/h von hinten durchs Backdrop. Die Setlist war von vorne bis hinten super und dramaturgisch gekonnt kuratiert (?). Dass sie »The Last Baron« nicht gespielt haben, verzeihe ich ihnen nie. Wie auch, dass sie es bei keinem der anderen Auftritte, bei denen ich zugegen war, taten.

6. Seen the most: Mastodon oder Graveyard (Schweden) oder sogar Kadavar.

7. Most surprising: Claus Caraut a.k.a. Lukas Münich bot bei einem Auftritt in einer Fürther Kneipe auf meinen Zuruf hin Roland Kaisers »Santa Maria« aus dem Stegreif dar, und zwar mit Strophen.

8. Happy I got to see: Die Nürnberger Instrumental-Progressive-Metal-Band Pygmalion, die sich mittlerweile bedauerlicherweise aufgelöst hat. Das Musikmagazin Visions hatte ihre selbstbetitelte EP zum Demo des Monats gekürt und das Album »Supersymmetry« sehr wohlwollend besprochen. So tolle, mitreißende Metalsongs ganz ohne Gesang habe ich sonst noch nirgends gehört. Die beiden CDs sind Kunstwerke. Aber kaum ist was Kunst, ist’s dem Publikum schon zu fad.

9. Wish I could have seen: Queen oder Walther von der Vogelweide.

Frühkinder-Überförderung

»Finde den Fehler!«, werden die ›Leser*innen‹ dieses Bilderbuchs ab 18 Monaten aufgefordert. Denn »2 Tiere wurden vertauscht«. Weil der FISCHER Duden Kinderbuch Verlag nicht mal im Kleinkinderbuch ohne die Prüfung von Fehlererkennungskompetenz auskommt.

Spoiler: Der Fehler.

Auch wenn das manchen leistungsorientierten Turboeltern viel zu spät sein mag: Im Normalfall können Kinder diesen Fehler etwa im Alter von 6 Jahren erkennen, wenn sie schon einige Zeit des Lesenlernens hinter sich haben. Zuvor können ihnen die merkwürdigen Zeichen unter den Tieren zurecht völlig wumpe sein.

Finde selber den Fehler, FISCHER Duden Kinderbuch Verlag!

Kann Karate: Cobra Kai

Was mich davon abgehalten hatte, Cobra Kai (2018–, YouTube, mittlerweile Netflix) zu kucken? Zunächst good old-fashioned ein Vorurteil. »Cobra Kai?! Das ist doch bestimmt so eine deutsche Müllserie über einen Typen namens Cobra Kai. Zur Hölle damit, das sehe ich mir nicht an!«, hatte ich bei Netflixens Aufdrängversuchen gedacht. Dass ich die Karate-Kid-Filme, die die Serie fortschreibt, gesehen hatte, war viel zu lange zurückgelegen, als dass ich mich erinnert hätte, dass Cobra Kai der Name des ›bösen‹ Dojos ist, in dem der ›Bösewicht‹ Johnny Lawrence vom Imperator-Palpatine-artigen, vietnamgeschädigten Sensei John Kreese miese Tricks und Gnadenlosigkeit à la dark side of the force beigebracht bekommt. Um dann vom ›Gutewicht‹ Daniel LaRusso – der vom popkulturell allseits bekannten, Master-Yoda-artigen Mr. Miyagi nach Art der light side of the force in die Karatekunst eingewiesen wird – im Finale des Regionalturniers per (verbotenem?) Kranich-Kick umgehauen zu werden.

Vor kurzem brauchte ich irgendeinen Netflixquatsch, der mich immer mal wieder eine halbe Stunde schlicht unterhielt. Und dann klickte ich auf Cobra Kai. Die erste Folge hätte mich dann beinahe für immer von der Serie ferngehalten. Denn sie vermittelt den Eindruck, als sei die Serie platter 80er-in-Reminiszenzen-schwelg-Kack, der sich ähnlich ostentativ wenig ernst nimmt wie der unerträgliche Comedy-Horror-Mist Ash vs. Evil Dead (2015–2018, Amazon). Als hätten die Produzent*innen versucht, aUgEnzWiNkErNd ein 80er-Karateserien-Revival zu drehen. Was ich fürchterlich anstrengend fand. Beim Nostalgieschmarren Stranger Things etwa hatte ich mich durch die erste Staffel gequält, um zumindest zu erfahren, wie sie ausgeht. Was ich schon wieder vergessen habe. Nach S2E1 hatte ich endgültig kein Bock mehr, weil »Dig-Dug-Spielautomat« hier, »Coca Cola« da – solchen »früher war alles besser«-Schmonzes ver-, ja: verachte ich, weil’s früher nicht besser war und uns diese ewige Leier um eine bessere Zukunft bringt.

Dann beging ich den ›Fehler‹, mir doch die zweite Cobra-Kai-Folge anzusehen, und die zog mich in den Bann. Es macht unglaublich viel Spaß zu sehen, wie Karate-Kid-›Bösewicht‹ Johnny Lawrence in seiner Lebensmitte (live long and prosper!) bei seinem Versuch gezeigt wird, seinen vom »Strike first! Strike hard! No mercy!«-Dojo Cobra Kai verkorksten Lebensweg zu begradigen und alte Fehler zu beheben, zuvörderst bei sich selbst. Er belebt das alte Dojo wieder und will daraus eine zeitgemäße Karateschule ohne die alte Unmoral machen. Ebenso spaßig ist es, wie Karate-Kid-Protagonist Daniel LaRusso als erfolgsverwöhnter Luxusautohaus-Besitzer in North Hollywood mit Vorzeigefamilie und -leben als einer gezeigt wird, der sich immer auf der guten Seite wähnt und sich daher gar nicht vorstellen kann, auch mal daneben zu liegen. Was er aufgrund seines mitunterigen Tunnelblicks nicht selten tut.

Bisweilen ist die Serie gleichwohl etwas grob. Johnny Lawrence bietet sich dar als in den Achtzigern hängengebliebener Vorgestriger. Was eleganter zu zeigen wäre als dergestalt, dass er das Internet niemals benutzt hat, URLs buchstabiert als »… full stop c, o, m« und seinen neu angeschafften Gebrauchtlaptop zurückbringt, weil »the battery went out«, ohne je das Ladekabel angeschlossen zu haben. Meine Güte, das ist selbst für Comedy zu albern. Bei seinem ersten Schüler, Miguel Diaz, gelang den Macher*innen das besser: Johnny findet zeitgenössische Musik freilich kacke und lässt nur Heavy Metal von vor 30 Jahren gelten. Miguel hört, weil er davon nie gehört hat, mal rein, und äußert Johnny seine Begeisterung, er sei sofort »hooked« gewesen und »went fully down the rabbit hole«, wie junge Leute heute so reden.

Ein bisserl zäh wird’s dann schon, alle bislang fünf Staffeln zu kucken, bspw. weil Figuren sich kaum entwickeln, die Handlung mitunter arg schablonenhaft ist und die Hauptdarsteller William Zabka (Johnny Lawrence) und Ralph Macchio (Daniel LaRusso) alles andere als feinziseliert nuanciert schauspielern spielen. Dass weder der eine noch der andere nach der Karate-Kid-Reihe Nennenswertes geschaffen hätte, nimmt nicht wunder. Der Handlungsverlauf überrascht an kaum einer Stelle, pflichtbewusst werden die Konflikte nach Schema F abgearbeitet.

Aber Spaß macht’s trotzdem. Verklagt mich doch, ich kann Karate. Wer bis hierher alles durchgelesen hat, macht jetzt 200 Liegestütze.