Kennst du niederbayerische Diözesen?

Am stolzesten beim Aiwanger-Telefonterror in TITANIC 09/2021 bin ich übrigens hierüber: Im Gespräch mit Theo Waigel jubilierte ich auf seine Frage, in welcher Diözese denn Aiwangers Wohnort läge, nach etwa drei Sekunden Schockstarre »… das ist Freising bei uns« ins Telefon.

Bei dieser Frage dachte ich im ersten Moment, jetzt wäre es vorüber und Waigel »hätte« mich. Aber weil Aiwangers Wohnort meines Wissens irgendwo in der Nähe von Landshut liegt, versuchte ich es aufs Geratewohl mit dem nächstgelegenen Ort, der Zentrum einer Diözese sein k ö n n t e . Und traf ins Schwarze, ha!

Wie ich nachträglich nachgeschlagen habe, stimmt Freising zwar gar nicht – Aiwanger gehört zur Diözese Regensburg –, aber auf bayerische Diözesen musst du erstmal kommen, selbst wenn du in der Diözese Regensburg aufgewachsen bist und bis 16 Ministrant warst.

Wahlempfehlung (🤯) (1)

Für Unentschlosse/Wechselwähler*innen: Mit #FreieWähler unter Hubert Aiwanger im Bundestag als neuer Krawall-Kleinfraktion bzw. Satrapen des gesunden Menschenverstands komme ich womöglich noch ins Fernsehen?

#ichbinaiwanger

ABBA-Tribute*

Nach überraschend veröffentlichtem neuen ABBA-Album: Die Tributeband A*Teens tritt jetzt auch wieder auf, diesmal als A*Dults.

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Problem-Absatzmarkt Ostdeutschland: An sächsischen Schulen dürfen auf Weisung des Kultusministeriums weder A*Dults noch die alten Alben der A*Teens gespielt werden. Wo kommen wir hin, wenn einfach versteckt gegendert wird.

Di_ch

Endlich ist die niedersächsische Kommunalwahl vorbei. Jetzt verschwinden endlich all die SPD-Plakate mit dem so unvorteilhaft gesetzten »dich«. Normale, die daran vorbeimüssen, martern die doch nur immerzu mit der Frage, ob da nicht eigentlich »dilch«, »dirch«, »dioch«, »dlech«, »drach« oder sonstwas teilweise Kopfverdecktes steht.

Vom ewiggestrigen Klaue

»Anders als heutige Jungakademiker glauben, die diese Satiren als Verspottung eines gedrechselten Jargons goutieren, handelt es sich bei dieser Überzeichnung um eine Würdigung, um die Reverenz an Menschen, die von gestern und eben deshalb dem Heute überlegen sind.« (Magnus Klaue: »Einer von gestern. 80. Geburtstag von Eckhard Henscheid«, tagesspiegel.de vom 14.09.2021)

Von Profi- bzw. Alt- resp. Superakademiker Magnus Klaue geburnt – meint er mich, dann habe ich wohl alles richtig gemacht. Wenn er tatsächlich glaubt, diese Menschen »von gestern« seien »dem Heute überlegen«, geht es letztlich doch wieder nur um ihn selbst. Er weiß eben noch, wie man gestern spazieren ging, um nicht zu sagen ergebnisoffen flanierte, und latscht nicht einfach dumm herum wie die Heutigen. Genau solche Selbstglorifizierung qua Sich-gleich-Machen mit den Säulenheiligen griff Henscheid – der etwa Adornos Schriften immer sowohl affirmierte als auch angriff – mit seiner Kritische-Theorie-Rezeption stets an. Klaue wird das bei mir halt nicht lesen oder hören wollen.

Schlagermove

Andy Grote* lässt den Song »Schlagermove« von Oidorno nicht aus dem Netz löschen, obwohl darin gut vernehmlich und mehrfach »Selbst Andy Grote geht zum Schlagermove / … / Was für ein Idiot!« zu hören ist. Aber alle, die sich das streamenderweise anhören, bekommen wahrscheinlich Hausbesuch von einer Einheit kriegsausgerüsteter Polizei-Cyborgs.

* Hamburgs Innensenator, SPD. Kürzlich bekam ein Hamburger Besuch von der Polizei, weil er im Juni unter einen Grote-Tweet kommentiert hatte: »Du bist so 1 Pimmel«

Reminiscing Einschulung

Aufs Datum genau heute vor elf Jahren wurde ich auf dem Nürnberger Hermann-Kesten-Kolleg eingeschult, wo ich mein Abitur nachgeholt habe. Als ich zwei Mitschülern in einer Pause mal dahererzählte, die geläufige Abkürzung dieser Schule, HKK, hätte bis 1945 für »Hakenkreuzkolleg« gestanden, erntete ich cum una voce ein erstauntes: »Echt jetz?!«

»Fabian oder Der Gang vor die Hunde« (Dominik Graf)

[zuerst erschienen in konkret 8/21]

Auf ihrem live gestreamten Spaziergang über eine Berliner Coronaleugner-Demo im vergangenen Sommer meint Fernsehmoderatorin Dunja Hayali mehrfach, Menschen »wirklich von ganz rechts bis ganz links« sehen zu müssen. Für »ganz links« hält sie demzufolge wohl rechte esoterische Hippies in Pluderhosen. Die autonome Antifa jedenfalls war nicht vor Ort. Wo sich Rechtsextreme tummeln, muss in diesem Land sofort auch vorm Linksextremismus gewarnt werden, denn der demokratiefundierenden Hufeisentheorie zufolge bedrohen beide »unsere Art zu leben«.

In die Kinos passt da gut die Verfilmung eines satirischen Kästner-Romans, mit der dieser »vor dem Abgrund warnen (wollte), dem sich Deutschland und damit Europa näherten«. Kästner mag die historische Erfahrung der Wirkungslosigkeit von Satire gefehlt haben, heutzutage braucht niemand mehr so naiv zu sein.

Außer dem »Tatort«- und »Polizeiruf 110«-Regisseur Dominik Graf, der den »Fabian« zwar nicht in die Gegenwart transponiert, ihn aber in dieser für noch die Blindesten gut sichtbar vertäut: Eingangs begleiten wir in einer Berliner U-Bahnstation der Jetztzeit zeitgenössisch schlecht gekleidete Personen über den Bahnsteig, durch den Tunnel und, ein Hakenkreuzplakat passierend, die Treppe hoch, und befinden uns oben im Jahre 1931, wo ein Weltkriegsversehrter dem am Geländer lehnenden Jakob Fabian sein Leid klagt. Mitten im Film laufen Figuren – ein bedeutungsschwangerer und mit acht Filmsekunden wenig subtil einmontierter Anachronismus – auch noch über Stolpersteine.

Niemand soll nachdenken müssen, ob Kästners Roman über die heutige Zeit noch etwas zu sagen hätte. Wenn Fabian, der sich überlegen dünkende bloße Beobachter der Verhältnisse, die Nazis hasst, für die kommunistische Agitation seines Freundes Stephan Labude aber nur Spötteleien und distanzierende Ironie übrighat, hängt die Leinwand voller Hufeisen, und die allermeisten können beruhigt sein.

*

Deutschlands Künstlerhoffnung unserer Mütter, unserer Väter, Hauptdarsteller Tom Schilling hat ein anderes Problem des Films zwar verstanden, wenn er im Interview radebrecht: »Es ist gerade bei Roman-Verfilmungen manchmal so’n bisschen tricky, weil es wirkt dann doch alles sehr geschrieben. Und manchmal ist es besonders, da knallt es so raus, wenn man so Drehbücher hat, wo dann manche Sätze original sind aus dem Kästner-Text und manche halt vom Drehbuchautor. Das hörst du immer, das ist ’n ganz anderer Sound und so. Und dass das irgendwie zusammenfindet, dass man da den richtigen Ton findet als Schauspieler, das ist total schwierig.«

Der Film offenbart aber, dass es Schilling (wie auch seinen Kolleg*innen) bei aller Einsicht dann doch zu schwierig war. Einerseits lassen die Drehbuchschreiber ihre Figuren häufig Original-Sätze aus dem Roman aufsagen, etwa solche Fabians über Berlin: »Hinsichtlich ihrer Bewohner ist diese riesige Stadt aus Stein längst ein Irrenhaus. Im Osten residiert das Verbrechen, im Zentrum die Gaunerei, im Norden das Elend, im Westen die Unzucht, und in allen Himmelsrichtungen wohnt der Untergang.« Andererseits motiviert sich Labude, sich endlich zur gefürchteten Abgabe seiner Habilitationsschrift durchzuringen, als wäre er frisch gecoachter Marketinghanswurst im Coworking-Space: »Mit dir schaff’ ich das. Wir geben das gemeinsam ab. Jetzt!« Fabian: »Jaa!« Labude: »Jaaa!«

Aber wie soll ein zehnfacher Grimme-Preisträger wie Graf, der das Drehbuch mitverantwortet, sich Kästners Sprache auch anders annähern. »Fabian« krankt daran, dass Graf unbedingt eine emphatisch-literarische Literaturverfilmung sehr nah am Buch und doch »frei nach dem Roman« machen wollte – was seiner Ansicht nach zu bewerkstelligen ist, indem man der Vorlage allerhand Passagen wörtlich entnimmt und ansonsten drumherumzukästnern versucht. Wer sich diese Romanverfilmung ansieht, soll das Gefühl haben, das Buch gelesen zu haben. Doch am Ende klingt alles, wie deutscher Fernsehfilm nun mal klingt.

Die Off-Erzählstimmen, aufgeteilt in eine männliche und eine weibliche, sagen zumeist ebenfalls Originalsätze auf und erzählen uns entweder das, was zu zeigen man zu faul oder unfähig war, oder das, was wir ohnehin schon sehen. »Schaperstraße«, liest der Erzähler das Straßenschild mit der Aufschrift »Schaperstraße« vor und nagelt uns mit der »4« auch noch die gezeigte Hausnummer ins Hirn. Warum? Damit noch die Unkonzentriertesten (C. Lindner) sofort kapieren, dass Fabians Liebespartnerin Cornelia Battenberg im selben Haus ein Zimmer mietet wie er.

*

Überhaupt: die Frauen im Film. Ein Feuilletonist kann selbsttrunken formulieren, »Fabian oder Der Gang vor die Hunde« sei »eine große, verzweifelte, zum Verzweifeln schöne Liebesgeschichte«, weil Graf die im Roman gar nicht derart präsente Liebesgeschichte zum zentralen Gegenstand aufbläht. Auch reibt er uns dick vor die Augen, wie sich Battenberg, die Rechtsreferendarin bei der Filmgesellschaft, dem Filmmogul Edwin Makart an den Hals und ins Bett wirft. Trägt sie im Film den Wunsch, Schauspielerin zu werden, schon mit ins Referendariat, ist es im Buch der lüsterne Makart, der ihr eine große Rolle anbietet.

Kästner lässt Battenberg das Geschlechterverhältnis diagnostizieren: »Wir sollen weinen, wenn ihr uns fortschickt. Und wir sollen selig sein, wenn ihr uns winkt. Ihr wollt den Warencharakter der Liebe, aber die Ware soll verliebt sein. Ihr zu allem berechtigt und zu nichts verpflichtet, wir zu allem verpflichtet und zu nichts berechtigt, so sieht euer Paradies aus.« Graf legt diese Worte Labude – als fast habilitierter Mann zum Urteilen freilich qualifizierter – in den Mund: »Was wir wollen, ist der Warencharakter der Liebe. Aber die Ware soll verliebt sein in uns.« Und die Selbstkritik ehrt ihn noch.

Keine der Frauenfiguren kommt im Film anders weg denn als verkommenes, verlottertes Weib – mit Ausnahme der guten Mutter Fabians. Für sie erfindet das Drehbuch wesentlich mehr Anteil und Funktion, die Marienhaft-Moralische vom Dresdner Umland soll die luziferischen Berlinerinnen kontrastieren. Wie reaktionär.

Schilling empfiehlt den Film unter anderem »allen, die ein Herz haben, oder so« und »allen, die gerne Filme gucken«. Jawoll, ihnen viel Vergnügen damit.

Empirische Medienwissenschaft

Diejenige Wissenschaft, die mich bei der Beschäftigung stets etwas dümmer gemacht hat, ist die (fast) ausschließlich empirisch arbeitende Medienwissenschaft. Nie habe ich da auch nur einen klugen Gedanken, oder gar einen Gedanken überhaupt gelesen. Immer nur Collagen aus Statistiken, Marktanteilen, Umfragen und Sendungs-, nein: Formatbeschreibungen.

Leute, die sich wissenschaftlich mit beispielsweise Talkshows oder anderem TV-Müll auseinandersetzen, sind immer exakt so dumm wie diese Formate selbst. Ihr größtes und logischerweise ungelöstes Problem ist, ob sie in ihren Aufsatz- und Buchkacken nun »Reality-TV«, »Reality TV« oder »reality tv« schreiben sollen.

Alles, was solche Medienwissenschaftler*innen können, ist, sich mit Schlüsselbändern drei USB-Sticks um den Hals hängen und in ihren PowerPoint-Präsentationen mit Abbildungen aus Hans Meisers »Notruf« die Folien nicht mit Maus oder Tastatur weiterschalten wie Normale, sondern mit einem Presenter zum Herumlatschen incl. Laserpointer, und freilich haben sie strebermäßig immer geladene Batterien drin, die sie, wenn leer, in den Boxen nach den Discounterkassen entsorgen.

Jemand hat ihnen mal erzählt, dass in den USA polizeiliche Verfolgungsjagden im Fernseh gezeigt werden, und davon haben sie auch mal was auf Videokassette gesehen. Tragen tun sie hässliche Sakkos oder Blazer und statt Frisuren haben sie einfach gestutzten Haarwuchs. Fressen tun sie zwischendurch Fertigsandwiches aus durchsichtigen keilförmigen Plastikschachteln vom Yorma’s am Bahnhof, die sie in der Früh nachm Aussteigen aus der S-Bahn mit Kopfhörern in den Ohren und zwei USB-Sticks um den Hals gekauft haben.

Ihre Schuhe sind bestenfalls so Lederschaluppen zum Reinschlüpfen oder widerliche Deichmannpflunzen mit viel zu langen Schnürsenkeln. In ihren Texten differenzieren sie erstmal bzw. systematisieren und dann sagen sie, das gehört dazu und das gehört dazu, und ein Fazit braucht’s gar nicht, denn es ist ja schon alles aufgeschrieben.

Statt dass sie Wahlwerbespots als das bezeichnen, was sie sind – höchst alberner und leerer Lug und Trug und als bloße Form ihr sich selbst anklagender Inhalt –, und so behandeln, wie sie es verdienen – mit völliger Nichtbeachtung –, hocken sie sich alle vier Jahre hin und schreiben Analysen darüber, wie Christian Lindner in Schwarz-Weiß macht und warum Die Grünen immer so extrem unästhetische Plakate mit vorne und hinten nicht zusammenpassenden Farben machen.

Kleine und Kleinstparteien existieren nur, weil Medienwissenschaftler*innen ihnen auch mal 0,01–4,9 % Platz in ihren Texten und Vorträgen einräumen. Am allerschlimmsten sind sogenannte Medienethiker. Sie haben mal eine Vorlesung Moralphilosophie ins linierte Schulheft geschrieben und das Buch »Ethik für Dummies« wegen des schönen Umschlags im Regal stehen. Den Rest haben sie sich mit Blinkist-Zusammenfassungen draufgeschafft.

Deswegen sagen sie in die Fernsehkamera »Was der und der macht, ist moralisch natürlich problematisch, aber es ist nicht verboten«, und was wolltste da machen, nech. Auf ihren Windows-Desktops mit der grünen Wiese sieht es aus wie Sau, weil noch Verknüpfungen von lauter alten Studi-Präsentationen herumliegen.

Auf ihren Tagungen müssen fünfmal so viele Bahlsen-Gebäckschälchen herumstehen als anderswo, auf Tellerchen oder in anderes Porzellan brauchst du die nicht umzuschichten, weil sie nur an Schoko, Fett und Zucker interessiert sind. Als ›Kaffee‹ kannst du ihnen irgendeine viel zu dünne oder viel zu dicke teerige Brühe in die ekligen Kannen schütten, sie saufen ihn gleichwie aus ›abgespülten‹ Tassen mit Alträndern unten drin.

Die Teebeutel kannst du wieder mitnehmen und das heiße Wasser in den Ausguss gießen, aber der eine da hat sich schon mal ne Tasse Grünen gebrüht (und den Beutel dann neben den fehlenden Mülleimer geschlonzt, wo er heute noch klebt). In jedem ihrer Texte steht Jürgen Habermas’ »Strukturwandel der Öffentlichkeit« im Literaturverzeichnis. Die zwei Stellen, die sie daraus indirekt zitieren, sind, mit einem gelben und einem lilanen Page-marker versehen, zum Aufschlagen bereit.

In den Lustigen Taschenbüchern fanden sie die Mickey-Mouse-Geschichten immer am tollsten. Noch in den Dissertations-Verteidigungen fragen sie die Prüflinge nach dem Unterschied zwischen Struktur und System, weil sie in den mündlichen Proseminar-Prüfungen noch nicht genug Spaß daran hatten.

Die Medienwissenschaft ist die Fach-gewordene SPD. Sie tut zwar so, als sei ihr einziges Anliegen die Erkenntnis, was sie progressiv mache. Aber eigentlich ist sie bloße »Wissenschaft« wie z. B. die sogenannten Wirtschaftswissenschaften, und daher rotlackierte CDU.

Haindling, »Bayern«

»Bayern, des samma mir
Bayern und des bayrische Bier!
Bayern und des Reinheitsgebot
Des is unser flüssiges Brot!«,
singt die bayerische und heimattümelnde Gruppe Haindling seit vielen Jahren. Was sich seit je gleich selbst erledigt, denn: Nein, »des Reinheitsgebot« ist nicht euer »flüssiges Brot«.
Mut zum Crucifix-, Quatsch: Kreuzreim, damit würd’s hinhaun!

Wer es noch nicht kennt oder einen Ohrwurm braucht: https://youtu.be/1OWzjP8UTH4

Topthema »schlecht abreißende Küchenrolle«

Grundsätzlich gilt: Je mehr bio eine Küchenrolle ist, desto schlechter ist sie perforiert, ergo lässt sie sich je bioer, desto schlechter abreißen.
Und das hat seinen Grund: Trennt eins ein Blatt aufmerksam und mit Bedacht ab, reißt es nicht ein – Stichwort: Achtsamkeit. Hingegen krapft jemand ungestüm am Rollenende herum wie so ein bayerischer Vizeminis… bzw. niederbayerischer Saubauer, flirrt freilich nix wie Fetzenstreifen herum.
Einen Dienst an der Menschheit wollen die antroposophischen Schlechtperforierer tun. Achtet mal drauf.

Bayerische »Sommer«ferien

In Bayern finden die Sommerferien stets von Ende Juli bis Mitte September statt. Den schönsten Teil des Sommers hocken die Schüler*innen noch in der Schule, es ist schon Notenschluss gewesen, es werden nur noch Filme gekuckt, demütigende Sport»feste« abgehalten, niemand scheißt sich mehr was und nach vier Stunden ist hitzefrei; vorher schwitzen alle die Schule voll, dass die Wände feucht werden.

Warum das so ist? Damit die Schüler*innen im Agrar- und Bauernfreistaat Bayern im August bei der Ernte helfen können. »Aber für die Ernte schickt der Landwirt seine Fahrzeuge und Maschinen doch mittlerweile vom Bett aus per iPad auf die Felder, da brauchen doch keine Kinder mehr einen Pflug zu ziehen oder sich mit Dreschflegeln zu verprügeln!«

Als ein Großteil der Kultusminister, in deren Bundesländern die Sommerferien in gegenseitiger Abstimmung jedes Jahr wann anders stattfinden, letztes Jahr darauf drängten, Bayern solle sich an diesem flexiblen Sommerferienterminsystem beteiligen, beschied sie der bayerische Landesvater Markus Söder mit ca. den fränkelnden Worten: »Des ham wir scho immer so gmocht. Des basst scho und des bleibt etzadla auch so.«

Merwürdig, dass aus so vielen Schüler*innen irgendwann doch CSU-Wähler*innen werden. Naja, dann weiterhin viel Spaß im Freibad bei wechselhaften 19 °C und ab Ende August gar nicht mehr.

Urban

»Tut mir leid, Sie können nicht in unser Dorf ziehen.«
»Aber warum das denn nicht? Da ist dieses leerstehende Haus, ich hab die Kohle – mehr als alle anderen Interessenten sogar! Also warum sollte ich nicht herziehen dürfen?«
»Na, denken Sie doch mal scharf nach, Herr U r b a n .«

K1 zur Lage der SPD

K1 (8 W.) heute beim Frühstück beiläufig: »Also wenn die SPD zu alter s o z i a l demokratischer, wo nicht gar sozialistischer Stärke von vor 1914 (Kriegskredite!) bzw. 1875 (Gothaer Programm! Siehe Marx‘ »Kritik des Gothaer Programms«) zurückfindet, könnte es klappen mit K a n z l e r Scholz! Aber dann lad‘ ich euch zum Wahlsieg fei schon alle in den Paulanergarten ein!«

Der Rauchwarnmelder-Boomer

Zwei von fünf Rauchwarnmeldern sponnen und sandten in einer Tour willkürlich Warntöne, obwohl weit und breit kein Rauch zu detektieren war. Kommt also heute einer von der Rauchwarnmelder-Vermietfirma. Um die 60, durch und durch kartoffeliger Boomer, bestimmt im Schrebergarten gestern sieben Pils bei der Deutschland-Niederlage. Im Wohnzimmer steht er auf der Leiter und fragt: »Hat die Decke ein Maler gestrichen oder Sie selber? Wenn Sie selber, will ich nix sagen.« »Ich selber«, entgegne ich, und freilich interessiert mich, was er denn so brennend nicht sagen wolle: »Warum, sieht sie denn so schlecht aus?« Natürlich hält er es nicht aus und mir sofort einen Vortrag, wie so eine Decke richtig zu streichen sei, damit keine Übergänge zu sehen sind. Das habe er von einem Maler gelernt, »der wollte dann gleich, dass ich bei ihm als Geselle arbeite 😃 Hab ich aber nicht gemacht, weil is‘ nich‘ mein Metier.«
Sein Metier ist offensichtlich auch der Umgang mit Kund*innen nicht. Beurteilst du nämlich eine selbstgestrichene Decke als schlecht, hält dich jemand womöglich (zurecht) für einen Boomer-Wichser.
Auf die Frage nach dem Maler kam er wohl überhaupt erst, weil die Wände so extrem praecise und meisterpreiswürdig schön gestrichen sind. Dass Deckenstreichen meine Hassarbeit ist, bei der ich nach 2 m² keinen Bock mehr habe, weil mir trotz Verlängerung pausenlos der Arm halb abfällt und, ach was: -fault, kann er sich bei seinem vom Himmel gefallenen Gesellenblick doch eigentlich denken.

Schon gewusst? 💡

Wenn es draußen warm ist, ist es für den Körper kälter, als wenn es kalt ist, weil wenn die warme Luft auf den Körper prallt, muss dieser nicht extra die »Heizung« einschalten, um sich zu wärmen, sondern kann bequem alles einfach geschehen und gewähren lassen. Ideal ist daher eine Außentemperatur von 36,5 °C, da kann der Körper dann in die anstrengungslose Homöostasis schalten. ☝🧐💡

Milchglas

FAKT: In jedem Rahmen wächst zunächst das Milchglas. Im Zeitrahmen vom 6. bis 30. Monat fällt das Milchglas komplett aus und wird nach und nach durch das bleibende Glas ersetzt. Ausgeschlagenes, erkranktes oder abgestorbenes bleibendes Glas kann durch Drittglas aus Gold, Keramik, Blei (beliebt in Kirchen) oder Amalgam ersetzt werden. Das Glasfleisch ist auch immer sorgfältig zu pflegen, denn es wächst nicht nach und ist praktisch der Aktionsartikel des Rahmens: wenn weg, dann weg.

Fahrgeräusche

Der Hyundai IONIQ macht beim Rückwärtsfahren sanft warnend »🎵bimm… 🎵bimm… 🎵bimm…«, so dass es die Leute außerhalb des Fahrzeugs noch hören. Müsste ich damit rückwärts fahren, würde ich AURASTEN und dann NIE MEHR RÜCKWÄRTS FAHREN

Ganz und gar nicht komisch: Die »Hilfsgemeinschaft auf Gegenseitigkeit der Angehörigen der ehemaligen Waffen-SS e. V.« (HIAG)

Im zweiten Band von Marie Marcks’ gezeichneter Autobiografie, Schwarz-weiß und bunt (München: Frauenbuch Verlag 1989), lese ich in ihren Berichten vom USA-Jahresaufenthalt 1957 über Nachrichten aus der BRD: »Die KPD wurde als verfassungsfeindlich verboten, ehemalige SS-Angehörige hingegen schlossen sich legal zur HIAG zusammen. Den Kindern, sonst nett aufgenommen, wurde ab und zu ›Nazi‹ nachgerufen.« HIAG? Davon habe ich ja noch nie gehört. Wikipedia weiß:

»Die Hilfsgemeinschaft auf Gegenseitigkeit der Angehörigen der ehemaligen Waffen-SS e. V. (HIAG) wurde 1951 als ›Traditionsverband‹ in Deutschland begründet. Die Gründer, Funktionäre und Redner waren verschiedene Offiziere der Waffen-SS. Der Bundesverband löste sich 1992 auf, regionale Organisationen existieren aber vereinzelt weiter. Die HIAG wurde zeitweilig als rechtsextremistisch vom Verfassungsschutz beobachtet und war bei der Bevölkerung und in den Medien ab den 1960er Jahren zunehmend umstritten.« Umstritten sein und Beobachtung durch den VS machen Rechtsextremen das Leben extrem schwer, man kennt es. »Eines der erklärten Ziele der HIAG war die Änderung der gesellschaftlichen und juristischen Wahrnehmung der Angehörigen der Waffen-SS als normale Soldaten.«

Na servus. Außerdem: »Die HIAG hatte von ihrer Gründung bis in die 1970er Jahre nicht nur erheblichen Einfluss im Netzwerk der Soldaten- und Traditionsverbände, sondern pflegte auch intensive Kontakte zu den im Deutschen Bundestag vertretenen Parteien. Sie erreichte so für die ehemaligen Angehörigen der Waffen-SS deren ›Rehabilitierung‹ und uneingeschränkte Rentenversorgung, während die Parteien im Gegenzug hofften, durch solche Zugeständnisse die Mitglieder und Anhänger der HIAG in die demokratische Gesellschaft zu integrieren und ihre Wählerstimmen zu gewinnen. Erst in den 1980er Jahren kam es zur Distanzierung: CDU-Bundestagsabgeordnete beendeten ihre Mitarbeit; die SPD beschloss die Unvereinbarkeit, da die HIAG ›dazu beiträgt, nationalsozialistisches Gedankengut zu vertreten bzw. zu verharmlosen‹.« Danke, SPD, dass ihr schon nach 30 Jahren die Unvereinbarkeit mit einem Verein zur Rehabilitierung ehemaliger Waffen-SSler beschließt! Was euer Vorzeigemitglied und Waffen-SS-Mann Günter Grass da wohl gedacht haben mag?

Weiter lese ich, zu den Waffen-SS-Männern gehörte u.a. ein gewisser »Otto Beisheim (Metro-Mitbegründer, Unternehmer): 1. SS-Panzer-Division ›Leibstandarte SS Adolf Hitler‹«. Einleitend weiß dessen Wikipedia-Eintrag: »Otto Beisheim (* 3. Januar 1924 in Vossnacken bei Essen; † 18. Februar 2013 in Rottach-Egern) war ein deutsch-schweizerischer Kaufmann, Unternehmer und Mitgründer des Metro-Konzerns.« Erst unter »Leben« heißt es im Abschnitt »Zweiter Weltkrieg«: »Im Oktober 1942 trat Beisheim freiwillig der Waffen-SS bei und diente zeitweise als SS-Sturmmann (entspricht Gefreiter) in der SS-Division Leibstandarte Adolf Hitler an der Ostfront.« In Berlin steht seit 2004 fröhlich das Beisheim Center, »Otto Beisheim ließ es für 463 Millionen Euro errichten.« Dass der Bauherr und Namensgeber Waffen-SS-Mann war, davon weiß der hübsche Beisheim-Center-Eintrag freilich nichts.

Und nichts davon, aber auch gar nichts, erfährt man z.B. im bayerischen Geschichtsunterricht. Dass die BRD von ihrer Gründung an in Politik, Wirtschaft, Juristerei etc. von Nazis durchsetzt war, denen ein bequemes Auskommen verschafft wurde, während die Überlebenden von Holocaust und Porajmos sowie die Opfer und deren Hinterbliebene nach wie vor menschenunwürdig behandelt wurden, darüber lernt niemand etwas. Stattdessen bekommen die Schüler*innen etwas von »Entnazifizierung« und Wirtschaftswunder unter Adenauer und Erhard vorgelogen. Um etwas vom realen Dreck zu erfahren, musst du konkret o.ä. lesen, oder eben bei Marcks drüberstolpern. Es ist doch alles so verkommen.

Naja, ein bisschen weiterlesen könnte eins hier: https://en.wikipedia.org/wiki/HIAG

»Chocomel – ein Original«

Wenn ein Getränk sich bescheiden und vor allem kollegial »ein Original« nennt, ist meine Sympathie ihm sicher. Es erinnert mich an die herzerwärmende Aufschrift über einer Nürnberger Dönerbude: »Ein Besonderes unter den Besten«.
Gesehen habe ich dieses Schokoladengetränk am 4.5.21 zum ersten Mal, im Kühlregal einer Tankstelle. Weniger süß als die Mitbewerber aus den Getränkekartons und Flaschen – was ich sehr begrüße –, aber auch etwas »dünner« – was ich weniger begrüße –. 7,7/10

Josef aus Kastelruth

Die Bürgermeister der Gemeinde Kastelruth, des namensgebenden Ortes der Kastelruther Spatzen, von 1952 bis 1980 hießen:
  • Josef Egger: 1952–1956
  • Josef Trocker: 1956–1969
  • Josef Fulterer: 1969–1974
  • Josef Gasser: 1974–1980

Bonus, weil Premiumname:

  • Vinzenz Karbon: 1980–2004

Das »RedaktionsNetzwerk Deutschland« über Israels »Iron Dome« – in Kindersprache

Während der letzten Attacken der Hamas auf Israel erläutert RND-Chefautor Matthias Koch im Artikel »Iron Dome: Eine Maschine verteidigt Menschen« das israelische Raketenabwehrsystem, mit dem feindliche Raketen noch in der Luft zerstört werden können. Und zwar mit einer im ganzen Text nachgerade kindischen, ja sogar dümmlichen Wortwahl.

Über die Explosionen am Himmel, wenn eine israelische Abfang- auf eine palästinensische Angriffsrakete trifft, schreibt er: »Das eigentümliche Piff-Paff am Nachthimmel wirkte wie ein Feuerwerk.« Nur dass Feuerwerk am Himmel bunt zu sein pflegt und in aller Regel allerlei schöne Formen wie Kugeln, Sterne oder Pusteblumenköpfe hervorbringt. Bloß »Piff-Paff« machen Böller – auch da würde niemand bei Trost von »Piff-Paff« sprechen/schreiben –, und wer seinen Kund*innen als Himmelsfeuerwerk nichts als feurige Böllerexplosionen böte, wäre wohl schnell auftragslos und insolvent. Doch unmittelbar darauf kinderquatscht Koch entsprechend weiter: »Phasenweise aber, wenn das Abwehrsystem an seine Kapazitätsgrenzen geführt werden sollte, steigerte sich der Lärm zu einem bedrohlichen Dauergeknatter.« Knattern, ja.

Für dem Anlass angemessen hält Koch weiter unten: »Die Firma feierte, während es über Ashkelon und Tel Aviv blitzte und knallte [ja Mensch, genau wie zu Silvester!], auf ihrer Webseite gerade ›zehn Jahre Iron Dome‹.« Auch (wahrscheinliche) Übersetzungen geraten geradezu silvestrig: »›Auf jeden Fall wurden da in den letzten Tagen viele Millionen Dollar verballert‹, sagt ein Insider.« Ist der Artikel etwa insgeheim eine Aufforderung an all die ›legitimen Israelkritiker*innen‹, »Brot statt Raketen!« in den Nahen Osten zu rufen?

Ein Professor der Münchner Bundeswehr-Hochschule würde sich einer solchen Kampagne wohl nicht anschließen, beherrscht den infantilen RND-Koch-Ton aber offenbar ganz von alleine, wenn er mit dem ganzen Gewicht seiner wissenschaftlichen Expertise analysiert: »›Wenn wir in Deutschland eine vergleichbare Raketenattacke erleben würden, stünden wir dumm da‹, sagt Carlo Masala, Professor für Internationale Politik an der Hochschule der Bundeswehr in München.«

Dem Text sei das Prädikat »Supi-lupi Schreibi-Schreibi« verliehen.

Kurz notiert (111)

Die ach so cultivirten Conditor*innen schauen im Fernsehen am liebsten TARTE

*

Dialektwissnschoft – oafach a pfundige Sach 👍

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Die Lumberjack-WM wurde wegen Corona auch dieses Jahr abgesägt

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Ich komme heute Nacht, wenn du schläfst, in dein Zimmer und verbreitere unrechtmäßig deinen Content.

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YouTube-Causa »Prahlvideo ›Malerkanten‹«

23.05.2021 | Na servus: Ein Video, in dem ich schamlos mit den Malerkanten in unserer Küche herumprahle, wurde von irgendwem gemeldet und daraufhin von der Fa. YouTube mit der Altersfreigabe »ab 18« versehen. Wahrscheinlich, weil die Kanten einfach zu scharf sind und das Video deswegen too sexy?!

31.05.2021 | Na servus: Irgend jemand von der Fa. YouTube hat sich mein »Prahlvideo ›Malerkanten‹«* nochmal genau angesehen und ist zum Schluss gekommen, dass es sich doch nicht um 18+-Content handelt. So richtig stellt mich das nun aber auch nicht zufrieden – sind meine Malerkanten etwa nicht scharf genug?! Und jetzt, wo die Ü18-Restriktion weg ist, finde ich das Video prompt nicht mehr so auratisch. Oder erotisch? Gleichviel. Ein Sieg gegen einen Goliath, der sich einfach nicht wie ein Sieg anfühlen will.

Hu-bert und die schwe-ren Schin-ken

25. Juni 2021: Hu-bert Ai-wang-er rühmt sich auf Twitter, dass ihm der Kamm schwillt, weil im Allgäu MiT bAyEriScHeN fÖrDeRmiTtELn ein Mobilfunkmast aufgestellt wird. Der komplette Rest der ganzen Welt schickt sich deswegen hämische 😂-Nachrichten übers hyperschnelle Mobilnetz, den Hu-bert erreicht davon aber freilich nichts, weil niemand seine Quix-Nummer hat. Daher ficht ihn das auch gar nicht an, und so zeigt er noch stolz her, was er dem Landkreis Oberallgäu und der Stadt Immenstadt – quasi orbi et urbi –, in die goldenen Bücher bzw. »schweren Schinken« (Hub. Aiw., Schweinezüchter) dichtet:

»Dem Landkreis
Oberallgäu
eine gute Zukunft!
Wunderschöne Heimat
tüchtiger Menschen!
Hubert Aiwanger
Juni 2021«

»Immenstadt alles
gute für die Zukunft,
der Kommunalpolitik
allzeit gute Entscheidungen
für die Bürgerinnen
und Bürger!
Juni 2021
Hubert Aiwanger«

Er redet nicht nur stets, ohne vorher zu überlegen, irgendeinen vor Ressentiments berstenden Dünnfug daher, er schreibt freilich auch so.

https://twitter.com/HubertAiwanger/status/1408466614480211974

Gendern und das Deutsche

Gendern zerstöre die deutsche Sprache, plärren die Reaktionäre quer durchs Land bis in die allerhöchsten Feuilletons hinein – aber dass in dieser Quatschsprache z.B. »Maskenpflicht fallen lassen« und »Maskenpflicht aufheben« das Gleiche bedeuten, stört freilich wieder keine*n der sogenannten Kritiker*innen.

Das »RedaktionsNetzwerk Deutschland« über Israels »Iron Dome« – in Kindersprache

Während der letzten Attacken der Hamas auf Israel erläutert RND-Chefautor Matthias Koch im Artikel »Iron Dome: Eine Maschine verteidigt Menschen« das israelische Raketenabwehrsystem, mit dem feindliche Raketen noch in der Luft zerstört werden können. Und zwar mit einer im ganzen Text nachgerade kindischen, ja sogar dümmlichen Wortwahl.

Über die Explosionen am Himmel, wenn eine israelische Abfang- auf eine palästinensische Angriffsrakete trifft, schreibt er: »Das eigentümliche Piff-Paff am Nachthimmel wirkte wie ein Feuerwerk.« Nur dass Feuerwerk am Himmel bunt zu sein pflegt und in aller Regel allerlei schöne Formen wie Kugeln, Sterne oder Pusteblumenköpfe hervorbringt. Bloß »Piff-Paff« machen Böller – auch da würde niemand bei Trost von »Piff-Paff« sprechen/schreiben –, und wer seinen Kund*innen als Himmelsfeuerwerk nichts als feurige Böllerexplosionen böte, wäre wohl schnell auftragslos und insolvent. Doch unmittelbar darauf kinderquatscht Koch entsprechend weiter: »Phasenweise aber, wenn das Abwehrsystem an seine Kapazitätsgrenzen geführt werden sollte, steigerte sich der Lärm zu einem bedrohlichen Dauergeknatter.« Knattern, ja.

Für dem Anlass angemessen hält Koch weiter unten: »Die Firma feierte, während es über Ashkelon und Tel Aviv blitzte und knallte [ja Mensch, genau wie zu Silvester!], auf ihrer Webseite gerade ›zehn Jahre Iron Dome‹.« Auch (wahrscheinliche) Übersetzungen geraten geradezu silvestrig: »›Auf jeden Fall wurden da in den letzten Tagen viele Millionen Dollar verballert‹, sagt ein Insider.« Ist der Artikel etwa insgeheim eine Aufforderung an all die ›legitimen Israelkritiker*innen‹, »Brot statt Raketen!« in den Nahen Osten zu rufen?

Ein Professor der Münchner Bundeswehr-Hochschule würde sich einer solchen Kampagne wohl nicht anschließen, beherrscht den infantilen RND-Koch-Ton aber offenbar ganz von alleine, wenn er mit dem ganzen Gewicht seiner wissenschaftlichen Expertise analysiert: »›Wenn wir in Deutschland eine vergleichbare Raketenattacke erleben würden, stünden wir dumm da‹, sagt Carlo Masala, Professor für Internationale Politik an der Hochschule der Bundeswehr in München.«

Dem Text sei das Prädikat »Supi-lupi Schreibi-Schreibi« verliehen.

Kurz notiert (110)

einen Leserbrief an die SZ mit Dipl.-Ing. h.c. unterzeichnen und dann drucken die das wahrscheinlich auch noch

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»Bitte freimachen, falls Marke zuhanden« (M. Heidegger an J.-P. Sartre)

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»Hab, und gut« – die Maxime für ein gelungenes Leben

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Nach Kenntnisnahme verschiedenster Modelle: Das erste Hemd hat auch keine Taschen.

Bio(N)Tech

BioNTech – wer muss da nicht an den Sepultura-Song »Biotech Is Godzilla« (1993) denken? Textlich ein astreiner Deppensong, verfasst vom offenbaren Volldeppen Jello Biafra (Ex-Dead Kennedys und eines von Sepulturas »biggest idols«). Biafra haut darin die Verschwörungstheorie raus, Biotechnologie werde in finsterer Absicht für geheime Zwecke unserer »rulers« und der »corporations« betrieben. Das ganze gipfelt in der Zeile »Biotech Is AIDS« und schließt damit an an das nicht aus der Welt zu kriegende Hirngespinst, die CIA habe das HI-Virus erschaffen, um Homosexuelle und Afroamerikaner auszurotten.
Musikalisch aber ein recht guter Hardcore-Song für eine Thrash-Metal-Band 😃

Arno Frank soll sich entschuldigen

ABER FÜR DEN AUSDRUCK »Fußball-Fatigue« ENTSCHULDIGST DU DICH GEFÄLLIGST, DU ALBERNER ALLITERATIONS-ARNO 😡😡😡


Beim SPIEGEL wird einfach jeglicher Sinn sturheil dem Stabreim-Zwang geopfert. >M<alefiz, >m<an >m<öchte >M<äuse >m<elken, >M<ensch >M<eier!

Und dann lese ich mir das auch noch durch. Z.B.: »Überhaupt hat das Vorübertreibenlassen der Veranstaltung den drolligen Effekt, dass die meiste Werbung überhaupt keinen Sinn ergibt. Normalerweise bleckt uns aus den Anzeigen nur das weiße Kampfgebiss von Jürgen Klopp entgegen, aber nun? Wer sind diese Leute? Warum freuen sie sich so? Will ich mit ihnen Chips futtern?« Wer in diesem Schmonzes einen Sinn erkennen kann, möge sich melden. Aber Hauptsache, sich von Bastian Sick gemerkt haben, dass es unbedingt »Sinn ergeben« heißt, und nicht »Sinn machen« (was halt gar nicht stimmt). Oben schrieb ich von Sinn-Opferung an den Stabreim-Zwang? Der SPIEGEL-Frank weiß schon nicht mal mehr, was Sinn ist, wenn er ihn hinschreibt.

Debattenjournalismus über E-Roller

Debattenjournalismus: »Davor, die Person vorschnell als gleichgültiges, rücksichtsloses, egoistisches Arschloch vorzuverurteilen, kann, darf und muss gemahnt und gewarnt werden! Bestimmt wollte sie nur an dieser abschüssigen Stelle den Verkehr etwas bremsen und beruhigen und regulieren. Und das ist doch eigentlich nichts Schlechtes. Hingegen wer meint, auch mitten in der Mitte des Wegs bzw. gar auf der vollen Wegbreite fahren oder gehen zu dürfen oder zu müssen, der ist der tatsächliche Gleichgolt, Rücksichts-Loser und Ergoman(n)e. Das wussten schon die alten Römer, wenn sie einen Ostrazismus abhielten.«

Kurz notiert (109)

FAKTEN: Die Stadt Herne hieß bis zur Erfindung der QWERTZ-Tastatur Gerne und der Fußballstar Gorst Grubesch ist ihr Prophet

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Warum heißt es Shouter einer Hardcore-Band und nicht Schlägersänger

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Geschäftsidee: Babys durch die Luft transportieren mit Seilwindeln❔❓

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Deutscher Kriegsminister Heiko Mars❔❓

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Spargelernte

»Guten Tag 😃 Kann ich Ihnen vielleicht bei der Spargelernte behilflich sein 😃«
»Oh, klar, gern! Voll nett von dir, dass du fragst 😃🤝 dann brauch ich’s nicht ganz allein zu machen! Aber umsonst brauchst du’s fei nicht tun, ich geb dir dann auch was, logo!«

Kurz notiert (108)

Triff uns wie wir vor den Stadtwerken stad twerken

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Warum heißt es Karaoke-Bar und nicht Stimmlokal

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Horrorsturz mit dem Skateboard weil Schuhe der Marke Stephen King’s éS an den Füßen

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Mit geübten Handgriffen aber solchen die schon ewig in der U-Bahn befestigt sind und daher schon viel Erfahrung haben

Blutdruck messen

Blutdruck messen ist doch auch so eine faule Wissenschaft der Zeiger geht die ganze Zeit hin und her und insgesamt runter und wenn die Messperson keine Lust mehr hat denkt sie sich irgendeines von den in der Berufsschule gelernten Zahlenpaaren aus und sagt ou ou ou da müssen wir zum Blutdrucksenker greifen ich sag dem Doktor Bescheid oder ou ou ou so niedrig sind sie nicht die ganze Zeit müde oder bei gar keinem Bock einfach alles paletti und tschüs
Lassts euch nix erzählen Blut hat immer den gleichen Druck abhängig vom Umgebungsluftdruck und Blutdruckmesser sind wie the machine that goes beep

Zukunftsforscher Mathías Horxxx

Der Zukunftsforscher Matthias Horx hieß ursprünglich Matthias Horst. Dass er nicht auch gleich seinen Vornamen zu Mathías hat ändern lassen, ärgert ihn bis heute, aber er wollte die dann echt nicht schon wieder nerven. Heute wünscht er sich auch ein zweites oder gar drittes x für den Nachnamen. Vielleicht macht e

»Der Spiegel« erzählt aus einem »Bunte«-Interview mit Markus Söder

spiegel.de, 11.05.2021

»Noch harmloser kann Wahlkampf kaum daherkommen.« Belanglose Söder-Antworten aus einem »Bunte«-Interview kolportieren (z.B. entgegnet er auf eine grunddumme »Bunte«-Frage, von einer »Männerfreundschaft« zu Robert Habeck zu sprechen, sei dann doch »stark übertrieben«) – noch dümmer kann »Der Spiegel« kaum daherkommen.

Naja, in der Vergangenheit hat er schon oft bewiesen, dass er doch kann.

Olaf »alle Chancen« Scholz

Neue Presse Hannover, 8./9.5.21

Olaf. »Chancen, dass sie am Ende vorn« liegen, haben auch Die Grauen, Die Violetten und – so sie denn (wieder) antreten – die Magdeburger Gartenpartei oder Die Gerade Partei*. Herumposaunen würden aber selbst die das nur, wenn sie ähnlich hemmungslos den FDP- bzw. liberalen Quatschbegriff der »Chancengleichheit«, mit der schon alles seinen rechten und gerechten Gang ginge, akzeptierten.

* Teilte unter @dieGERADE häufig Welt– und FAZ-Artikel und kommentiert drüber: »Was soll man dazu sagen nichts« oder »Was soll man dazu sagen nichts Grüße« und scheute sich auch nicht, auch mal das große Ganze in einem Tweet zu analysieren und in Bausch und Bogen abzuurteilen: »Es geht alles drunter, drüber,keiner hat eine Lösung für unsere Probleme,alle kämpfen um Wähler Quote Macht,aber keiner hat Ahnung wie wir unsere großen Fehler lösen,die Regierung hat Sie gemacht,tut es weiter ohne auf die Bürger zu hören,so kann sich AfD Rechts Ost freuen leider«.

Dem Rotkehlchen, Vogel des Jahres 2021

Beim Betrachten der heimischen Rotkehlchen-Tasse – die sich nicht in diesem Haushalt befindet, weil das possierliche Tierchen (?) zum Vogel des Jahres 2021 gewählt wurde – fällt mir auf, dass ich diesem Siegertier schon mal ein Gedicht gewidmet habe. Der Einfachheit halber sei es hier zitiert:

»Rotkehlchen
Trinken aus
Sektkelchen
Essen gern
Enkelchen
Werden ge-
Tötelchen
Mit einem
Beielchen.
«

Dass ein Allerweltsgetier wie das Rotkehlchen Vogel des Jahres werden kann, liegt zuvörderst daran, dass der Titel dieses Jahr nicht einfach vom NABU vergeben wurde, sondern zum 50. Aktions-Jubiläum per Bevölkerungswahl. Und der Bevölkerung fällt freilich kein gesichtsloserer Piepmatz als das Rotkehlchen ein. Bzw. doch, belegen die weiteren Topplätze unter den 307 Arten nämlich: 2. Rauchschwalbe, 3. Kiebitz, 4. Feldlerche, 5. Stadttaube, 6. Haussperling, 7. Goldregenpfeifer, 8. Blaumeise, 9. Eisvogel, 10. Amsel. Gähn! (Not-so-fun-fact: 1992 wurde das Rotkehlchen schon mal Vogel des Jahres, damals vom NABU gekürt. Gähn!)

Mein Favorit aus der Liste der bisherigen Vögel des Jahres ist übrigens der Pirol (1990). Er heißt und ist von allen Ausgezeichneten imho am schönsten und dieses Mal nur 35. geworden.

Meine persönliche Hitliste 2021 (in Klammern die tatsächliche Platzierung):

  1. Sumpfläufer (307); gerne als Sum-pfläufer auszusprechen
  2. Spornpieper (306); Mords den Jieper auf Spornpieper?!
  3. Rohrschwirl (305); wer rohrschwirlt, hat’s leichter?
  4. Skua (304); klingt wie ein merkwürdiges Musiksubgenre
  5. Rohrammer (282); der Rohrammer ist nicht zimperlich und stößt dem Nachwuchs das Essen stets ungegart und mit Schmackes in den Rachen
  6. Dunkler Sturmtaucher (263) / Dunkler Wasserläufer (297); death to all but metal
  7. [n.v. wg. Doppelbeleg. Pl. 6]
  8. Orpheusspötter (274); pfeift Orpheus beim Verlassen der Unterwelt hämisch hinterher, will sich dessen hinter ihm der Unterwelt entsteigende Gemahlin Eurydike schnappen, die aber von Hermes endgültig ins Reich der Toten verbracht wird, weil Orpheus sich nicht an das Verbot der Persephone hält, sich nach der Gemahlin umzusehen; eine Geschichte, die der Orpheusspötter seither von allen griechischen Dächern pfeift
  9. Gryllteiste (189) / Tordalk (128); so könnten skandinavische Metalmusiker heißen
  10. [n.v. wg. Doppelbeleg. Pl. 10]
  11. Ortolan (81); klingt wie Medizin

 

Missstand!

Missstand: Auf Klassikradiosendern wird zuviel gelabert.

Außer Nachrichten und Titelansagen sollte dort außerhalb der Stücke niemand etwas ins Mikrofon sprechen dürfen.

Anders ausgedrückt: Wenn die nicht alle bald ihr Maul halten, beschwere ich mich beim Intendanten, dem Herrn Joachim Knuth (NDR), und drohe mit dauerhafter Abwanderung nach Spotify. »Das schwöre ich euch.«

Was »NDR Kultur« sich oft leistet, es ist ja nicht auszuhalten und anzuhören. Jazz und Tango und was nicht alles auch soll ebenfalls woanders laufen. Der ›Alternative‹ »Klassik Radio« mit ihrer noch dazu Werbung kann von mir aus die Sendelizenz entzogen werden und sie kann aus dem Äther verschwinden.

Süßer nie klingen

»5 Klingen 😂«, lachte ich früher, »so ein Schmarrn! Irgendwann haben die Rasierer wohl 17 Klingen, weil die Hersteller jede Saison eine neue dazuerfinden, denn sie wissen ja sonst nicht, wie sie ihr Produkt ›verbessern‹ sollen.« Mir kamen ja die drei Klingen meines Modells bereits etwas albern vor.

Was ich aber eben, nach den elf Jahren Nassrasierpause und 3-Klingen-Einweg-Wiedereinstieg, mit meinem neuen 5-Klingen-Rasierer erlebt habe, war nicht weniger als eine Offenbarung. Wie leicht er gleitet, wie glatt alles wird, wie wenig Schnittgefahr überhaupt besteht – ich müsste mich schon sehr anstrengen, um mich weiterhin zu schneiden.

*kann gar nicht mehr erwarten, bis 6, 7, 8 und mehr Klingen Standard werden*

Böshe Onklez

Stark auch, wie sehr sich die Böhse-Onklez-Liedzeile »Wür sünd der Stachöl / üm Aasch der Natioon!« bis heute bewahrheitet. Noch bei jeder Corona-MPK muss irgendwann ein armer Tropf kleinlaut eingestehen: »Und ja, die Böhsen Onkelz piesacken uns auch immer noch. Nach wie vor wissen wir nicht, wie wir ihnen Herr werden können.«

ABUS gegen die räuberischen Reinigungskräfte

Die Firma ABUS weiß, wo die Gefahren lauern: »Wird ein Schließzylinder mit Sicherungskarte ausgegeben, dann darf ein Nachschlüssel beim Händler nur bei Vorlage der Sicherungskarte in Auftrag gegeben werden. Geben Sie zum Beispiel einen Haustürschlüssel an Ihre Reinigungskraft heraus, können Sie sicher sein, dass diese den Schlüssel nicht nachmachen lassen kann.« Was wieder nicht dasteht: Bedenkenlos können Sie solche Schlüssel auch an CDU- oder CSU-Abgeordnete, Aufsichtsräte, Professor*innen, Polizist*innen oder katholische Würdenträger herausgeben!

Ein letztes Mal Honig-Salz-Mandel

Ein fiktionaler Brief, auf den ich für immer vergeblich warte, an den ich aber kürzlich gleich zweimal erinnert wurde:

»Lieber Andreas Maria Lugauer,

es schreibt Ihnen Andreas Ronken [😃], meines Zeichens Geschäftsführer der Alfred Ritter GmbH & Co. KG. Im Namen des Unternehmens möchte ich mich für die Unannehmlichkeiten, die Ihnen mit der Falschbeschriftung unserer Honig-Salz-Mandel-Schokolade ›Honig-Salz-Mandel‹ entstanden sind, entschuldigen.

Es tut uns leid, dass Sie endlose Auseinandersetzungen mit so vielen Leuten führen mussten, die partout nicht einsehen wollten, dass und warum die Schokoladensortenerläuterung ›mit Honig und Salz verfeinerten, gerösteten Mandeln‹ falsch war. Es tut uns leid, dass diese Leute es auch dann noch nicht kapierten, als Sie ihnen auf einem Blatt Papier mit verschiedenfarbigen Finelinern eine Phrasenanalyse mit allen Phrasenebenen der besagten Erläuterung aufmalten, aus der zweifelsfrei hervorging, warum es wenn dann ›mit mit Honig und Salz verfeinerten, gerösteten Mandeln‹ heißen müsste. Es tut uns leid, dass es für uns aus marketingtechnischer Perspektive wurscht war, dass das mit nur einem ›mit‹ falsch war.

Bzw. ehrlich gesagt war uns das selbst nicht so ganz klar und wir waren ganz zufrieden mit der Aufschrift, aber der Depperlsohn eines unserer Manager hat Germanistik studiert und uns glaubhaft versichert, dass Sie recht haben.

Seien Sie getröstet und gewiss haben Sie es schon gesehen: Mittlerweile ist der Aufdruck geändert zu ›mit Honig und Salz verfeinerte, geröstete Mandeln‹. Wir hoffen, Sie damit zufriedenstellen zu können. Ganz wollen wir auf die Erläuterung nicht verzichten, nicht dass noch jemand am Ende nicht weiß, was ihn bei der Sorte ›Honig-Salz-Mandel‹ erwartet.

Als kleine Aufmerksamkeit finden Sie anbei den aktuellen Prospekt mit all unseren momentan vertriebenen Ritter-Sport-Sorten. Wir hoffen, dass auch für Sie wieder viel dabei ist und wünschen quadratisch-praktisch-gutes Genießen!

Zum Beschlusse eine kleine freundliche Bitte: Sollte Ihnen abermals auffallen, dass sich bei uns das Fehlerteufelchen eingeschlichen hat, wenden Sie sich doch an unseren Kundenservice. Dort hilft man Ihnen schnell und unbürokratisch weiter und Sie brauchen sich nicht mit der Social-Media-Intelligenzia herumzuschlagen.

Hochachtungsvoll, Ihr
Andreas Ronken [😃]
Geschäftsführer der Alfred Ritter GmbH & Co. KG

PS: Wenn Sie diesen Brief jemandem zeigen, klagen wir die Scheiße aus Ihnen heraus.«

»Marktplatz – das Verbrauchermagazin des Deutschlandfunks«

Deutschlandfunk sendete am 25.03.2021 um 10:08 Uhr die Sendung Marktplatz – das Verbrauchermagazin des Deutschlandfunks.

Thema: »Wischtücher, Reinigungsmittel, Roboter – Frühjahrsputz mit System und Spaß«.
»Gesprächsgäste:
Kerstin Effers, Verbraucherzentrale NRW, Düsseldorf
Reiner Metzger, Stiftung Warentest, Berlin
Bernd Glassl, Industrieverband Körperpflege Waschmittel, Frankfurt
Jens Lönneker, Rheingold Salon, Köln
Am Mikrofon: Susanne Kuhlmann«.

Und das alles – Moderation, Expert*innen, Anrufer*innen – so sturheil und bierernst und ohne jede Scham, als hätte es Heino Jaegers Fragen Sie Dr. Jaeger (1976)* nie gegeben. Was für ein Wahnsinn!

Einer beispielsweise ruft beim Dlf-Marktplatz an und gibt Folgendes durch: Bücher- und sonstige Regale könne man absaugen, indem man über die Saugdüse einen Nylonstrumpf ziehe; so würde der Staub eingesaugt, nicht aber etwaige Kleinteile. Sein altes Transistorradio, auf dem oben Knöpfe fehlten, fege er mit einem alten Rasierpinsel ab, damit ginge der Staub und alles gut weg. Und wer es kennt: Bei der Autoinnenraumreinigung kommt man neben dem Gaspedal immer schlecht hin – dafür nehme man einfach eine alte Zahnbürste, damit geht es kinderleicht!

Die Moderatorin bedankt sich für die Tipps und fragt in die Expertenrunde, ob jemand etwas hinzuzufügen hätte. Zwei Sekunden Stille. Einer sagt dann, der Anrufer habe ja praktisch schon alles gesagt.

Damit wäre alles gesagt.

(* Vgl. z.B. Heino Jaeger: »Passkontrolle« (YouTube))

C O M P L I A N C E

Das Wort COMPLIANCE-Verfahren klingt so schön schön, ich will mich darin einwickeln und auch so ein COMPLIANCE-Verfahren gegen mich starten lassen

#reichelt #julianreichelt #compliance


Na da schau her: »Das Compliance-Verfahren gegen Reichelt hat laut Springer keine Anhaltspunkte für sexuelle Belästigung oder Nötigung ergeben.« (Zeit Online)

TSCHICK BLURB GRMPF

Warum ich Wolfgang Herrndorfs entzückenden Roman »Tschick« um ein Haar nicht gelesen hätte? Weil mich die 15 (!) Blurbs gleich nach dem Umschlag so aufgeregt haben. Am schlimmsten ist der von Christine Westermann. Der erste Satz klingt so komplett ausgedacht, er macht mich noch heute stocknarrisch.Slightly off-topic: Als Rocko Schamoni in der WDR-Sendung »Zimmer frei!« mit Götz Alsmann und der notorischen Christine Westermann zu Gast war, sagte er während der intimen Fragerunde mit Christine W., er wate eigentlich kontinuierlich durch das Blumenbeet der Depression. Woraufhin ihr nichts Besseres einfiel, als zu fragen: »Aha… und welche Farbe haben diese Blumen?« ACH DU MEINE GÜTE.

Kurz notiert (106)

Einen festangestellten Einbrecher suchen und ein überdurchschnittliches Einstiegsgehalt + top Aufstiegsmöglichkeiten bieten

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LastFM das Güteraufzugsradio

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*lernt klassischen Gesang, um unserem lieben lebensspendenden Stern bei schönem Wetter Solarien singen zu können*

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»Verzeihung, aber Ihre Kunst ist so schlecht, die können Sie höchstens Zahnärzten für die Decke überm Behandlungsstuhl verkaufen.«

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Nach dem Boxen

Doof fand ich Boxen erst, als ich mit 13 und 14 Jahren die erstausgestrahlten ersten beiden Staffeln von South Park aufgenommen habe. Die liefen kindgerecht samstags im RTL-Nachtprogramm. Übertrug RTL an solchen Abenden Boxveranstaltungen, wurden die Sendetermine der Serie extrem unzuverlässig; weit schlimmer, als wäre sie unmittelbar nach Wetten, dass…?! ausgestrahlt worden. Bis die endlich mal zu Potte kamen, sich die Fressen zu polieren und anschließend im Ring voller Krimineller und Halbweltler sich auf den Schultern tragen zu lassen!

Programmieren und am nächsten Morgen ansehen war also nicht. Eine Taste für manuelles Aufnehmen hatte der Videorekorder nur am Gerät selbst, nicht auf der immerhin gut achtzigtastigen Fernbedienung. Um während des Aufnehmens die Werbung rauszuschneiden, stob ich bei Reklamebeginn vom Sofa auf den Teppich, drückte die vergleichsweise saukleine Aufnahmetaste, die auch noch schützend eingefasst war, und wartete, bis ich die Aufnahmetaste wieder drücken konnte.

Im Anschluss schaute ich vielleicht noch einen Erotik- oder gar einen Sexfilm auf Kabel 1 oder Vox. (Siehe den Text »Blue Velvet – Verbotene Blicke«.) Nach welchen Kriterien der Programmanzeiger Fernsehwoche zwischen Erotik- und Sexfilm unterschied, ich weiß es bis heute nicht.

Im montäglichen Schulsport wollte ich mich einmal an den Allercoolsten der Klasse ankumpeln. Er, ein early adopter, hatte bereits oben inselartig blondierte Haare, mit Gel aufgestellt, und mit 14 sogar schon die erste Alkoholvergiftung hinter sich sowie gewiss Geschlechtsverkehr am laufenden Band! Ich frug ihn also nach einer besonders coolen und besprechenswerten South-Park-Episode ganz angespannt, ob er sie am Wochenende auch gesehen hätte. Was er uninteressiert beschied mit: »Ach, ich hab die alle schon auf DVD …«, und sich anderen zuwendete. Was ihn in meinem Ansehen nur noch mehr steigen ließ, weil WAHNSINN, ein DVD-PLAYER! Wahrscheinlich auch Premiere und früher einen elektrisch betriebenen Bulldog zum Draufsitzen und durch den ein Dreiviertel Fußballfeld großen Garten Fahren und ein Tastentelefon, um auf Kabel 1 bei Hugo mitspielen zu können.

Als Hugo einmal auf dem Stadtplatz meiner niederbayerischen Heimatstadt gastierte, durfte ich nicht hin, weil ich irgend einen Mist gebaut hatte. Oder weil »morgen ist Schule, da fahren wir doch nicht um 19 Uhr in die Stadt zu so einem Zeug!«, ich weiß es nicht mehr genau.

›Autonomes‹ Fahren

Es tut doch in der Seele weh, dass der next step des motorisierten Individualverkehrs, das autonome Fahren, den Namen autonomes Fahren trägt und nicht den korrekten automatisiertes Fahren. Ein Sensibling wie Adorno, der sich noch trefflich über Intellektualgemeinheiten wie das griechisch-lateinische Mischwort Automobil ärgern konnte – und das auch nicht gerade zurückhaltend kundtat –, hätte wohl einen geharnischten Brief an die Automobilverbände und -hersteller bzw. gleich ans SZ-Feuilleton geschrieben, dass diese Fahrzeuge sich ja wohl nicht, wie uns die Rede von der Autonomie solcher PKWs vorgaukelt, selbst das Gesetz gäben, sondern, ähnlich der in Homers Ilias sich selbst öffnenden Türen des Olymp, bloß von selbst sich bewegten.

Kurz notiert (105)

Spielt ausschließlich Synopsen der bekanntesten Hits berühmter Bands: Medleÿ Crüe

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Sich mit Familie Trost anfreunden, um Zeit in ihrem Haus verbringen und das Telefon mit »Bei Trost – 😂« entgegenzunehmen zu können
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Polizeiwache, die ihren Verhörraum »Vernehm-Bar 🤣« nennt
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Warum heißt es Epistemologie und nicht Wunderwelt Wissen