Der behende Eisenbahnsitznachbar

Was ich überhaupt nicht kann: Mir irgendwas Jackenartiges anziehen, ohne dabei mords raumgreifend mit teilweise ausgestreckten Armen im um- und vor allem schräg hinter mir liegenden Raum herumzukrapfen. Deswegen brauche ich dabei armlangen Sicherheitsabstand.

Neulich in der Fern-Eisenbahn saß am Fensterplatz neben mir ein Funktionsbekleideter, und urplötzlich hatte er über seinem Funktionsoberteil eine Funktionsjacke an, ohne dass er mich irgend berührt, ja geschweige denn dass ich den Anzug (hahaha, dieses Wort passt hier höchstens entfernt oder vielmehr überhaupt nicht, aber MaN wEiß jA wAs GeMeiNt iSt) bemerkt hätte.

Er war Saatgutvertreter aus der Agrarindustrie. Womöglich spielt das gar keine Rolle.

»Spaßtelefon«, »Straßenverkauf«

Dienstag, 26. November 2019. Das Bayern-1-Spaßtelefon – mein Radiowecker spielt diesen Sender momentan, weil er das gelegentlich sehr instabile und rauschende wo nicht flirrisierende Klassik Radio frequentiell benachbart –, das Bayern-1-, in Fachkreisen auch genannt »Bauern 1«, -Spaßtelefon jedenfalls (»Der lustigste Anschluss Bayerns«) lässt sich vernehmen, wie es bei einem Imbiss anruft, der, zwei (!) Zuhörer*innen sollen darauf hingewiesen haben, Straßenverkauf anbietet, und gibt vor, ja lolleralollol, eine Straße kaufen zu wollen. Man habe da, bestallt mit einem seltsam benamsten Übersetzer, einen arabischen Scheich zu vermitteln, der nun die angebotenen Straßen kaufen wolle. Im Hintergrund hören wir schlecht und schäbig rudimentär-klischeehaft imitiertes »Arabisch« (der goutierte, freilich verleugnete Rassismus), das vom seltsam benamsten (warum eigentlich?) Übersetzer »übersetzt« wiedergegeben wird, der vermittelnde Spaßtelefon-Telefonierer vermittelt, die angerufene Imbissmitarbeiterin indes beharrt bemitleidenswert insistierend darauf, es würden schlicht Speisen auf die Straße durchgereicht.

Nun ist es gewiss gähnenstreibend, sich über die ewige Reproduktion des Immergleichen im Formatradio und sonst wo zu mokieren. Doch sei hier dennoch angemerkt und getadelt oder vielmehr geschimpft: Freundinnen* und Freunde, seid beglückwünscht, dass ihr bei der Programmdirektion mit euren »Scherzanrufen« nach wie vor durchkommt – und bei euren Hörerinnen erst! Wie viele sich freuen, endlich auch mal dranzukommen bzw. dranbekommen zu werden (?), doch: Wir schreiben das Jahr 2 0 1 9 und die Bezeichnung »Straßenverkauf« prangt derart lange an den Speiseschnellstuben, dass sie sich höchstens noch metametameta- und/oder shitpostingmäßig auf Twitter komisch verarbeiten lässt (dort hießest du notabene vielkanals »SpaBtelefon«), das Ablaufdatum der gewöhnlichen Fehldeutung durch bewusstes Falschabbiegen an der Ambiguitätsgabel jedoch war ca. oder vielmehr exakt, sagen wir: 1995.

Warum ich das dennoch aufschreibe? Ich kenne Leute, die sich lachend über solche Scherzanrufe amüsieren. Deren Haltbarkeitsdatum: 1995.

Five »Fingers« (2)

Stellt euch bitte in allen möglichen Situationen Leute in Zehenschuhen vor, aber als ganz normale Schuhe mit Schuhzehen vorne dran vor. Z.B.

– die Ärztin mit Gummiclogs
– die Böhsen Onklez
– die Standesbeamtin in Halbhohen
– Oliver Kahn in Torwartschuhen
– Nazis beim Abhitlern
– Jan Ulrich
– Lars Ulrich
– die Ballerina
– das gesamte MoMa-Team um Jörg Meuthen
– den Waldarbeiter
– Gorgoroth bei der Black Mass Kraków
– Angela Merkel beim G20 Summit
– Götz Kubitschek im Lehnenholzstuhl in Schnellroda
– den Babadook
– Justin Troudeau beim Besuch bei Queen Elizabeth II
– den Polizisten beim Verprügeln des Linksextremisten in die 70% Schwerbehinderung
– die Grundschullehrerin beim Kinder-Zusammenscheißen
– Dieter Zetsche auf der IAA neben einem Straßenpanzer
– den Pfaffen am offenen Grab
– Dieter Nuhr beim verbotenen Aussprechen der Wahrheit in der ARD
– Helmut Kohls Geliebte beim GV nach der Sauna
– Jesus Christus am Kreuz
– den Typen vom Domino Day auf RTL
– Darth Vader beim Laser Schwer Fight mit Obi-Wan Kenobi
– Linda de Mol beim Verheiraten von Ulla Kock am Brink mit Steven Gätjen

Abortekel

Zahl des Tages laut U-Bahn-Infoscreen: »91% der Deutschen ekeln sich vor der Benutzung öffentlicher Toiletten.« Das dürften präzis jene 91% sein, wegen deren ekelhafter Toilettenhinterlassenschaft sich 91% der Deutschen vor der Benutzung öffentlicher Toiletten ekeln.