»Nicezeit«

Grundgütiger.

Und dann ist es freilich keine ordinäre Eisdiele, sondern ein EiSkOnzEpT. Auf der Webseite prahlt das Konzept als erstes mit seiner »Philosophie« (»UNSER EIS IST HAUSGEMACHT, HANDGEMACHT UND MIT LIEBE KREIERT.«) und stellt dann sich selbst bzw. »Unser Konzept« vor: »Wir probieren, rühren, probieren… bis uns das Ergebnis ein Lächeln ins Gesicht zaubert.« Die dennoch industrialistisch »Eisproduktion« genannte Eisherstellung findet im, ist doch klar: »Eislabor« statt.

Aber das ist noch nicht alles. Plärrt einer*m die Seite recht weit unten doch entgegen: »KANN NICEZEIT AUCH IN ESPRESSO?WIR SAGEN: JA!«
Nachgerade philosophisch, aber ohne diesmal damit zu prahlen, argumentiert das Konzept schlüssig und einwandfrei: »Wer Premium-Eis kreiert, sollte auch Premium-Espresso ziehen.«

SAGT MAL HABT IHR DAUERHAFTEN GEHIRNFROST?!

(Sie brechen mich so viel früher zum Reaktionär, als es mir irgendwie lieb sein kann – doch was tun.)

Fahrgeräusche

Der Hyundai IONIQ macht beim Rückwärtsfahren sanft warnend »🎵bimm… 🎵bimm… 🎵bimm…«, so dass es die Leute außerhalb des Fahrzeugs noch hören. Müsste ich damit rückwärts fahren, würde ich AURASTEN und dann NIE MEHR RÜCKWÄRTS FAHREN

»Chocomel – ein Original«

Wenn ein Getränk sich bescheiden und vor allem kollegial »ein Original« nennt, ist meine Sympathie ihm sicher. Es erinnert mich an die herzerwärmende Aufschrift über einer Nürnberger Dönerbude: »Ein Besonderes unter den Besten«.
Gesehen habe ich dieses Schokoladengetränk am 4.5.21 zum ersten Mal, im Kühlregal einer Tankstelle. Weniger süß als die Mitbewerber aus den Getränkekartons und Flaschen – was ich sehr begrüße –, aber auch etwas »dünner« – was ich weniger begrüße –. 7,7/10

Dem Rotkehlchen, Vogel des Jahres 2021

Beim Betrachten der heimischen Rotkehlchen-Tasse – die sich nicht in diesem Haushalt befindet, weil das possierliche Tierchen (?) zum Vogel des Jahres 2021 gewählt wurde – fällt mir auf, dass ich diesem Siegertier schon mal ein Gedicht gewidmet habe. Der Einfachheit halber sei es hier zitiert:

»Rotkehlchen
Trinken aus
Sektkelchen
Essen gern
Enkelchen
Werden ge-
Tötelchen
Mit einem
Beielchen.
«

Dass ein Allerweltsgetier wie das Rotkehlchen Vogel des Jahres werden kann, liegt zuvörderst daran, dass der Titel dieses Jahr nicht einfach vom NABU vergeben wurde, sondern zum 50. Aktions-Jubiläum per Bevölkerungswahl. Und der Bevölkerung fällt freilich kein gesichtsloserer Piepmatz als das Rotkehlchen ein. Bzw. doch, belegen die weiteren Topplätze unter den 307 Arten nämlich: 2. Rauchschwalbe, 3. Kiebitz, 4. Feldlerche, 5. Stadttaube, 6. Haussperling, 7. Goldregenpfeifer, 8. Blaumeise, 9. Eisvogel, 10. Amsel. Gähn! (Not-so-fun-fact: 1992 wurde das Rotkehlchen schon mal Vogel des Jahres, damals vom NABU gekürt. Gähn!)

Mein Favorit aus der Liste der bisherigen Vögel des Jahres ist übrigens der Pirol (1990). Er heißt und ist von allen Ausgezeichneten imho am schönsten und dieses Mal nur 35. geworden.

Meine persönliche Hitliste 2021 (in Klammern die tatsächliche Platzierung):

  1. Sumpfläufer (307); gerne als Sum-pfläufer auszusprechen
  2. Spornpieper (306); Mords den Jieper auf Spornpieper?!
  3. Rohrschwirl (305); wer rohrschwirlt, hat’s leichter?
  4. Skua (304); klingt wie ein merkwürdiges Musiksubgenre
  5. Rohrammer (282); der Rohrammer ist nicht zimperlich und stößt dem Nachwuchs das Essen stets ungegart und mit Schmackes in den Rachen
  6. Dunkler Sturmtaucher (263) / Dunkler Wasserläufer (297); death to all but metal
  7. [n.v. wg. Doppelbeleg. Pl. 6]
  8. Orpheusspötter (274); pfeift Orpheus beim Verlassen der Unterwelt hämisch hinterher, will sich dessen hinter ihm der Unterwelt entsteigende Gemahlin Eurydike schnappen, die aber von Hermes endgültig ins Reich der Toten verbracht wird, weil Orpheus sich nicht an das Verbot der Persephone hält, sich nach der Gemahlin umzusehen; eine Geschichte, die der Orpheusspötter seither von allen griechischen Dächern pfeift
  9. Gryllteiste (189) / Tordalk (128); so könnten skandinavische Metalmusiker heißen
  10. [n.v. wg. Doppelbeleg. Pl. 10]
  11. Ortolan (81); klingt wie Medizin

 

Ein letztes Mal Honig-Salz-Mandel

Ein fiktionaler Brief, auf den ich für immer vergeblich warte, an den ich aber kürzlich gleich zweimal erinnert wurde:

»Lieber Andreas Maria Lugauer,

es schreibt Ihnen Andreas Ronken [😃], meines Zeichens Geschäftsführer der Alfred Ritter GmbH & Co. KG. Im Namen des Unternehmens möchte ich mich für die Unannehmlichkeiten, die Ihnen mit der Falschbeschriftung unserer Honig-Salz-Mandel-Schokolade ›Honig-Salz-Mandel‹ entstanden sind, entschuldigen.

Es tut uns leid, dass Sie endlose Auseinandersetzungen mit so vielen Leuten führen mussten, die partout nicht einsehen wollten, dass und warum die Schokoladensortenerläuterung ›mit Honig und Salz verfeinerten, gerösteten Mandeln‹ falsch war. Es tut uns leid, dass diese Leute es auch dann noch nicht kapierten, als Sie ihnen auf einem Blatt Papier mit verschiedenfarbigen Finelinern eine Phrasenanalyse mit allen Phrasenebenen der besagten Erläuterung aufmalten, aus der zweifelsfrei hervorging, warum es wenn dann ›mit mit Honig und Salz verfeinerten, gerösteten Mandeln‹ heißen müsste. Es tut uns leid, dass es für uns aus marketingtechnischer Perspektive wurscht war, dass das mit nur einem ›mit‹ falsch war.

Bzw. ehrlich gesagt war uns das selbst nicht so ganz klar und wir waren ganz zufrieden mit der Aufschrift, aber der Depperlsohn eines unserer Manager hat Germanistik studiert und uns glaubhaft versichert, dass Sie recht haben.

Seien Sie getröstet und gewiss haben Sie es schon gesehen: Mittlerweile ist der Aufdruck geändert zu ›mit Honig und Salz verfeinerte, geröstete Mandeln‹. Wir hoffen, Sie damit zufriedenstellen zu können. Ganz wollen wir auf die Erläuterung nicht verzichten, nicht dass noch jemand am Ende nicht weiß, was ihn bei der Sorte ›Honig-Salz-Mandel‹ erwartet.

Als kleine Aufmerksamkeit finden Sie anbei den aktuellen Prospekt mit all unseren momentan vertriebenen Ritter-Sport-Sorten. Wir hoffen, dass auch für Sie wieder viel dabei ist und wünschen quadratisch-praktisch-gutes Genießen!

Zum Beschlusse eine kleine freundliche Bitte: Sollte Ihnen abermals auffallen, dass sich bei uns das Fehlerteufelchen eingeschlichen hat, wenden Sie sich doch an unseren Kundenservice. Dort hilft man Ihnen schnell und unbürokratisch weiter und Sie brauchen sich nicht mit der Social-Media-Intelligenzia herumzuschlagen.

Hochachtungsvoll, Ihr
Andreas Ronken [😃]
Geschäftsführer der Alfred Ritter GmbH & Co. KG

PS: Wenn Sie diesen Brief jemandem zeigen, klagen wir die Scheiße aus Ihnen heraus.«