Orangensaft; Norddeutschland

Seit kurzem wohne ich in Norddeutschland und schon entdecke ich die ersten Tollheiten. Z.B. dieses Orangensaftgebinde mit Fassungsvermögen  1 , 3 5  Liter  bzw.  6  3 / 4  P o r t i o n e n .

Wer denkt sich sowas aus. Welche total verrückten Überraschungen mag diese Region noch so bereithalten.

Leichte Wut aber walkt in mir hoch bei der Lektüre zweier Hinweise auf dem Etikett: »(Das Orangenblatt liegt hier nur fürs Foto und darf nicht in die Flasche.)« und die Klammerbemerkung in »Diese Flasche besteht zu mind. 30 % aus recyceltem Plastik. Bitte recycle sie wieder (erst austrinken).« Für wen hält der Hersteller seine Kund*innen.

Norddeutschland 1 – Andreas 1

Bad Heizung Fliesen Experte

Warum für seine Installationsfirma so zurückhaltend Reklame machen mit Frauen in Dessous, die offenbar von den schwanzartigen, feuchtigkeitsspendenden Armaturen an- und aufgegeilt sind? Sanitäreinrichtung rund ums feuchte Nass könnte mann doch auch mit hart absquirtenden orgasmierenden Pornodarstellerinnen bewerben.

»Frischecreme«

Nennt mich einen alten Hagestolz, aber meine erste Assoziation zu »Frischecreme« wäre etwas zum ins Gesicht Schmieren. Irgendwie erfrischt fühlte ich mich nach dem Verzehr dieser immerhin nicht übel schmeckenden »Creme« jedenfalls nicht. Sein tut sie Sauerrahm (82 %) mit Radieschen, Karotten und einigen lebensmitteltechnologisch notwendigen Zutaten; und Sauerrahm ist doch nichts, womit eins irgendwie Frische verbände! Bold move von der Food Industry mal wieder.

Joe Kaeser, primus inter pares

»One of 384.000 dedicated Siemens employees worldwide.« Weil er wahrscheinlich aber das 384.000fache einer durchschnittlichen Siemenslerin verdient, braucht er gar nicht so bescheiden zu sein und darf sich ruhig als primus inter pares bezeichnen wie der most dedicated citizen of the Roman Empire: Kaiser Augustus.

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»Der Begriff primus inter pares wurde unter Kaiser Augustus eingeführt, um seine Stellung im römischen Staatsgefüge zu beschreiben (siehe auch Prinzipat). Augustus wollte mit dieser Bezeichnung seine Unterordnung unter die republikanischen Institutionen unterstreichen; de facto jedoch war er unumschränkter Herrscher.« (Lateinunterricht bzw. Wikipedia)

Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin

Dass das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin so heißt, wie es heißt, obwohl es einen Bernhard Nocht weder je gab noch gibt, liegt an mir: Das zuständige Benamungskomitee fragte mich, nach wem es sein Tropenmedizininstitut benennen sollte. Ich antwortete: »Bernhard Nicht«, denn er war der erstbeste Tropenmediziner, der mir einfiel. Weil ich das aber per WhatsApp tat, kam statt »Nicht« freilich »Nocht« an. Zeit, auf die Korrekturleiste zu tippen, blieb nicht. Hatte doch das Komitee erst mords hudlerisch nachgefragt, als nur noch fünf Minuten bis zum großen unaufhaltsamen Start der Corporate-Design-Artikel-und-Schilder-Maschinen verblieben waren. Wie üblich hatten sie das Entscheidende aufgeschoben bis zum Schluss.

Gut, dass Bernhard Nicht das nicht mehr erleben muss. Er war kein solcher Renommist, ja Aufpudler, wo nicht Selbstapotheotiker wie etwa Dietmar Hopp, dessen SAP-Firmensitz allen Ernstes und schamlos an der Dietmar-Hopp-Allee liegt und der die zu seinem Otium aufspielenden Fußballer eine Zeitlang durchs Dietmar-Hopp-Stadion jagte wie weiland die Caesaren ihre Gladiatoren. Mit Hopp wiederum schließt sich der Kreis dieses Postings in zwei Richtungen (?): Natürlich Corona, weil Hopp daran verdient, indem sein anthroposopisches Unternehmen Curevac an einem Impfstoff dagegen forscht, und natürlich – Hitler, der ebenfalls zu Lebzeiten sich nicht schämte, durch Adolf-Hitler-Straßen und über Adolf-Hitler-Plätze sich karren zu lassen, ja vielmehr danach gierte.

Hier noch eine Liste weiterer häufiger Vertipper:
– gegebeb statt gegeben
– Ohil statt Phil
– i h statt ich
– su statt du
– rotlackierte CDU statt SPD
– Elm statt Flo
– süd statt ruf
– Christian Dristen