Eins, zwei, drei

Seit August war in der WG ein Hund. Sie lag im 3. Stock. Beim Hochlaufen wollte er immer schon die Wohnung im zweiten. »Der Hund kann nicht bis 3 zählen hehe 😅«

Seit Juni wohne ich in einer anderen Stadt. Die neue Wohnung nun liegt im zweiten OG. Nicht zum ersten Mal lief ich heute eins zuviel hoch ins dritte. »Wuff wuff wuff wuff wuff 2 wuffwuff hehe 🐶«

Halten statt besetzt sein

Gerade am Telefonieren dranne sein und plötzlich ein Klackern in der Leitung wahrnehmen. Normale denken sich dann – so sie es überhaupt als bedenkenswert empfinden –: »Hä?« und nichts weiter und gehen des weiteren Telefonates nach. Hinterher kriegt man mit: Das war ein zweiter Anruf! Eine arme Person versuchte, ein Telefonat zustandezubringen, und musste aber am unendlichen Freizeichen darben. Vielleicht sogar mehrmals, weil das laufende Telefonat etwas länger dauert.

Was für eine dumme Funktion! Früher, ja früher hätte ein Besetztzeichen schalmeit. Wollte man wen anrufen und hörte das, konnte man wissen: »Aha! Da wird gerade telefoniert! Also probiere ich es in 2/10/30 Minuten wieder!« Allen war geholfen. Die Telefonierenden konnten telefonieren, die es Versuchenden waren im Bilde.

Nur weil es die Technik möglich macht, quälen uns die Telefongesellschaften seit längerer Zeit ungefragt (!) mit dieser für Normaltelefonierer schwachsinnigen Funktion. Ja, könnte man sich diesen Service, wenn man ihn als Multi-Call-Fähige*r braucht, willentlich freischalten lassen oder dazubuchen, dann wäre mir das wurscht. Ich würde es eben nicht machen.

Im Leben käme ich nicht auf die Idee, einen laufenden Anruf zu »halten«, um nachzuhören, wer da noch so mit mir reden möchte. Weil hundert pro würde ich beide aus der Leitung schmeißen oder wasweißich. Wo sollte ich denn da überhaupt hindrücken?

Und wie sollte es erst meine Endachtziger-Großmutter, die von dieser Funktion ebenfalls vor ein paar Jahren ungefragt heimgesucht wurde. Die arme Frau lernte mühsam in jahrelanger Lernarbeit, wie sie Leute mit Kurzwahltasten anrufen kann. Und kein Mensch weiß, wie die Anklopffunktion wieder abgestellt wird bzw. umgestellt auf das womöglich ordinäre und altmodische, aber doch ungemein praktische Besetztzeichensystem. Ja Kruzifixsakrament!

(Dieser Beitrag entstand, weil ich, erst rund ⅓ der Erdenzeit meiner Großmutter hier herumwesend, heute betrübt feststellen musste, dass mein aktueller Mobilfunkanbieter es ebenfalls als meinen Telefonierwünschen entsprechend auffasst, niemandem mehr ein Besetztzeichen zu präsentieren, mir aber ominös in die Leitung zu klackern. Betet, chantet, spiritiert o.ä., dass ich das umgestellt kriege.)

aner

Seit gestern, coronabedingt erst fünf Wochen nach dem Umzug, bin ich eingetragener Hannoveraner. Dazu einige dies leicht ankätzelnde Fakten:

  • Mein Familienname wurde früher oft falsch von Hand- zu Maschinenschrift transkribiert, nämlich Luganer statt Lugauer. Das steht z.B. auf Schützenvereins-Trophäenscheiben meiner Eltern. Zu »Hannoveraner« passt »Luganer« aber ganz gut. But hey: no games with names!
  • Hannover liegt in Norddeutschland.
  • Tschüss ihr Saubayern hehe

eBay-Kleinanzeigen (2)

Mit welchen Zusätzen ihre Produktbeschreibung zum angenehmen Abverkauf führt:

»Nur Selbstabholung. Keine Mätzchen. Keine Sperenzchen.«

*

»Bitte nur freundliche Nachrichten mit einigermaßen erkennbaren Anredeformeln.«

*

»Bei bei übertriebenem ›Ich möcht ich möch ichmöcht‹ kann leider keine Reaktion erfolgen.‹«

*

»Bitte im Vorfeld keine Geschichten daherlügen. Auch keine Geschichtchen.«

*

»Keine Mätzchen. Keine Sperenzchen. Auch keine Kapriolen!«

*

»Auch keine Possen.«

*

»Bitte kommen, kucken, bei Gefallen Kohle rüberwachsen lassen, abtransportieren, abdampfen.«

*

»Kann leider nicht runter tragen helfen der Hund hat meinen einen Arm eingeschluckt und mit dem anderen muss ich rauchen außerdem wurde mir in Vietnam ein Bein weggeschossen und das andere hat ein Drogenboss in Pnom Penh als Trophäe aber fragen Sie nicht, du poah ey das war was! Also müssten sie die*den angekündigte*n XY mit dem dahergeliehenen Auto auch wirklich mitbringen.«

eBay-Kleinanzeigen (1)

Jede*r einzelne verdammte eBay-Kleinanzeigen-Kund*in 20 Min. vor vereinbartem Abholtermin: »Mein XY wo mir helfen wollte ist abgesprungen könnten Sie vielleicht disdas?!«

eBay-Kleinanzeigen ich zünde dich an und ziehe mich zurück in die Wälder.

Der Heizer

Lieber Franz Kafka,

 

hattest Du der Welt Deine Leiden mit Deinen Texten nicht schon genug heimgezahlt? Musste fast hundert Jahre nach Deinem Hinschied noch eine Deiner Figuren die WG-Waschmaschine zerstören?

 

Herzlichst, Dein
Andreas Maria Lugauer

 

Kleiderschrank; Verschwörungstheorie

Kürzlich von einer Privatperson einen Kleiderschrank abgelöst. Solide Mittelschicht, Doppelhaushälfte in ruhiger Familiengegend, zwei, drei Bakfietse in der Nachbarschaft, zwei kleine Kinder, Rasen im Garten heuer nicht so gut und wird wohl auch nicht mehr, aber was willste machen mit den Kindern, beim Nachbarn drüben schon ganz anders. Gemeinsamer Schrankabbau mit dem Verkäufer, Akkuschrauber Bosch, Ziploc für alle Schrauben und so. Lockeres Gespräch, Herkunft, was macht ihr, disdas. Nach 25 Minuten Thema Corona, logo, nee, keine Fälle in den eigenen Kreisen. Bei Minute 40 fallen sie dann, die magischen Worte:
»Ich bin ja kein Verschwörungstheoretiker, aber …«
… es sei auch nur ein Virus und auch nicht gefährlicher als andere Viren und vorstellbar sei es ja schon, dass da auch anderes dahinterstecke. Meine Freundin und ich wechseln unsichtbare Signale, das Gespräch wird woanders hingelenkt, ja wie machen wir jetzt am besten weiter mit dem Abbau, haha ja Ikea und die Schrankrückwände haha *lach* Er ist sehr hilfsbereit und geht gut zur Hand beim Einräumen ins Auto. Danke, tschüss!

Orangensaft; Norddeutschland

Seit kurzem wohne ich in Norddeutschland und schon entdecke ich die ersten Tollheiten. Z.B. dieses Orangensaftgebinde mit Fassungsvermögen  1 , 3 5  Liter  bzw.  6  3 / 4  P o r t i o n e n .

Wer denkt sich sowas aus. Welche total verrückten Überraschungen mag diese Region noch so bereithalten.

Leichte Wut aber walkt in mir hoch bei der Lektüre zweier Hinweise auf dem Etikett: »(Das Orangenblatt liegt hier nur fürs Foto und darf nicht in die Flasche.)« und die Klammerbemerkung in »Diese Flasche besteht zu mind. 30 % aus recyceltem Plastik. Bitte recycle sie wieder (erst austrinken).« Für wen hält der Hersteller seine Kund*innen.

Norddeutschland 1 – Andreas 1

Stüssy; Niederbayern

In meiner Jugend wollte ich Teil der Skatekultur sein. Skateboard fahren konnte ich nicht. Riefe Eric »Do a Kickflip!« Koston mir zu: »Do an Ollie!«, ich könnte heute noch nur verschämt weglachen. Aber Stunt Skates, auch genannt Aggressive Skates, also solche zum Grinden, hatte ich und ›stand‹ in der Alte-Leute-Dorfsiedlung auf von Vater zusammengedengelten Rails und Curbs auch den einen oder anderen Trick. Die etwa drei Jahre, die ich das machte, gingen gänzlich ohne Verletzung rum, obwohl ich die Skates derart läppisch locker schnürte, dass es »schnürte« heißen müsste und ich ohne Senkelöffnen raus- und reinsteigen konnte; weil ich wollte mich so gut es ging reinlegen können aufm Rail.

Im Straubinger Skateshop »77 Sunset Strip«, genannt Seventyseven, bewunderte ich in den Auslagen all die coolen Skateboard- und Klamottenmarken. Carhartt und Vans und Adio und wie sie nicht alle hießen. Und Stüssy.

Jetzt, 20 Jahre später, schauen Freundin und ich gerade Season 3 der Serie Fargo, worin einige wichtige Figuren den Nachnamen Stussy tragen. Ausgesprochen: [stassi]. Und es dämmert mir: Lag ich all die Jahre falsch mit der zumindest mental so getätigten Skateboardmarken-Aussprache [stüssi]? Ja. Indes die englische Wikipedia und das restliche Internet entgegen der Fargo-Aussprache sagen, es werde [stuːsi], also in etwa STOO-see ausgesprochen. Jedenfalls nicht [stüssi].

Mit 11, 12, 13, 14 Jahren aber wusste ich noch nicht um die im Englischen phonetisch bedeutungslosen Röck Döts wie in Motörhead, Mötley Crüe oder Queensrÿche. Und sagte eben, wie alle Normalen: [moutörhäd], [mötlai crü] und Queensrÿche kannte ich noch gar nicht. Woher auch.

»Die Bravo gabs bei uns am Dorf nicht«, antwortete der stellv. bayerische Ministerpräsident und ebenfalls in Niederbayern aufgewachsene Hubert Aiwanger kürzlich dem stalinistisch-genozidalen Sozenbengel Kevin Kühnert auf Twitter (zum Thread). »Wir waren sozusagen bewahrt von all dem, was Sie in Ihrer Jugend in Berlin aushalten mussten.« Woraufhin Kühnert, der ein bewunderns- wie beneidenswertes Twittergame fährt, das bekannte Söderfoto vorm FJS-Jugendzimmerposter postete mit dem Kommentar: »Bitter! Sie hatten also nie einen Bravo-Starschnitt an der Wand… 😥« Was den gesunden Volkskörper Aiwanger veranlasste zur Antwort: »Nein. Keine beklebten oder beschmierten Wände. Geweißelt.« Weil’s beim Hubert schon innen im Kinderzimmer aussehen und zugehen musste wie später im repressiv durchkonformierten Dorferscheinungsbild.

(Offenlegung: Die Bravo gab’s bei »uns« »am Dorf« schon, und zwar beim Loibl-Bäcker an der Hauptstraße sehrschräg gegenüber der Pfarrkirche, aber da standen solche interessant-aufklärerischen Dinge halt auch nicht drin.)

Verschwörung (1)

Einmal postete ich unbedarft wortspielelnd »Wer ist das Who-is-who der WHO«, und jetzt kommt raus: Bill Gates 🤡


Please note: Ich finde das Posting wegen Facebooks urschlechter Suchfunktion nicht mehr – da steckt bestimmt Bill Gates dahinter 😡😡😡

For  r e a l ?!

Was mir soeben, am 30. April im Jahre 2020 unseres Herrn Jesus Christus um 10:07 Uhr, im Alter von über 30 Jahren, bei der Lektüre auffiel: das Adjektiv real geht etymologisch zurück auf das lateinische Super-, i wo: Universalwort für praktisch alles, was ist: rēs ›Sache, Ding, Wesen, Angelegenheit, Ereignis, Erscheinung, Interesse, Vorteil, Rechtssache‹. Und das ist ja auch völlig logisch und komplett naheliegend! Ich überprüfte es freilich sogleich, entsprechend der Germanistenpflicht, im DWDS (Digitales Wörterbuch der Deutschen Sprache) und klar, logo, ist es auch so. Ich meine: Wortstamm re- + Adjektivsuffix -al und das Wort res, Akk. rem, Gen. rei – das k a n n ja nur nix wie zusammengehören!

Also manchmal frage ich mich schon, ob ich einfach ganz besonders deppert und integral bescheuert bin und allen anderen solche s i m p l i c i s s e s t e n Sachen von Haus aus klar sind, oder ob es bei denen im Hirnstüberl ebenso zappenduster ist wie bei mir bis eben, oder irgendwas dazwischen.

Meine drei zuletzt gesehenen Serien

Unbreakable Kimmy Schmidt (Netflix): Kimmy Schmidt und drei andere Frauen werden aus einem Bunker somewhere in Indiana befreit, wo sie von ihrem Entführer namens Richard Wayne Gary Wayne 15 Jahre lang festgehalten wurden. Die provinziell-naive Kimmy beginnt nach der Befreiung ein neues Leben in New York, wo sie mit dem Broadway-Wannabe Titus Andromedon eine WG bildet. Sehr, sehr lustig, äußerst hohe Pointendichte, alles andere als deep, aber angenehm weird, watcht sich leicht weg, kurz: hervorragende Sitcom, sei anempfohlen!

Fleabag (AmazPri): Wohl als Dramedy zu bezeichnen, wobei der Dramaanteil im Laufe der Serie starkes Übergewicht erhält. Fleabag ist die sympathische Hauptfigur (ob sie wirklich so heißt, wird nicht klar, weil in der ganzen Serie kein einziges Mal ihr Name fällt; Fleabag jedenfalls bedeutet ›a dirty and/or unpleasant person or animal‹ bzw. ›verwahrloster Streuner, Flohfänger; Ekel, Mistkerl, Mistvieh‹). Sie fickt, flucht, faucht raucht in einer Tour und kriegt ihr Leben nicht ›richtig‹ auf die Reihe. Somewhere in London betreibt sie ein kleines, erfolgloses Café, das sie mit ihrer besten Freundin gründete, die sich accidentally suizidierte. Die zweite Staffel kann eins sich imho schenken, die erste ist aber sehenswert (sind auch nur 6 Ep. à ~25 Min.).

Sherlock (Netflix): Ja leckt mich am Arsch, so was Nerviges wie Benedict Cumberbatch als Sherlock »Mr. Oberschlau hoch Tausend« Holmes habe ich ja noch nie gesehen! Wie er aus den winzigsten Details an Verstorbenen wie Lebenden beinahe komplette Lebensgeschichten rekonstruiert bzw. deduziert, soll seine extraordinäre (?) Auffassungsgabe zeigen, ist aber nur hanebüchen und albern geraten und, am schlimmsten: fürchterlich nervig. Das Feuilleton ›feiert‹ das freilich ›ab‹ und hält es für teilweise »perfekte [🙄] Unterhaltung«; das Publikum (meint: die Feuilleton-Schreiber*innen) würde Sherlocks Fähigkeiten bewundern und beneiden, obwohl er doch eingestandenermaßen – oh, er ist so selbstreflektiert! – ein »hochfunktionaler Soziopath« sei. Es ist halt dumm wie je. Aber das Feuilleton geilt sich auch an unerträglichen Oberarschlöchern und -widerlingen wie Frank und Claire Underwood aus House of Cards auf (brach ich nach einer Staffel ab); mei, die Qualitätspresse wähnt sich halt gerne als am Zentrum der Macht nuckeln dürfend. Ich jedenfalls sage: Sherlock »Hallo i bims ihr integral intellektualgemeinen Geistesmaden« Holmes, nein danke. Die literarischen Vorlagen Sir Arthur Conan Doyles habe ich nicht gelesen, Sir, und kann gar nicht beurteilen, inwieweit die Serienmacher ihnen folgen oder es selbst übertreiben, Sir. Nach nicht einmal 30 von 90 Min. der ersten Folge jedenfalls verlangte ich danach, auszuschalten. Das hätte ich nicht länger ausgehalten.

Die unmittelbar enttäuschte Freude

Einmal schaute ich in der Heimat bei einem Provinzfußballspiel der untersten oder zweituntersten Spielklasse zu. Ein Akteur der gegnerischen Mannschaft haute aus wasweißich 25 Metern mal voll drauf und der Ball flog viel- bzw. erfolgversprechend Richtung Tor. Ein gegnerischer Anhänger sah das Leder schon drin und sprang »SUPER!« jauchzend auf, musste aber sogleich, weil das Spielgerät dann doch über die Latte schwebte (?), ein enttäuschtes »FACK!« (mit sehr hellem a, bairisch für fuck) nachschieben, und das alles ging so schnell, dass »SUPER« und »FACK« beinahe oder praktisch ein Wort bildeten, und so denke ich seither bei unmittelbar enttäuschter, im Knospen erstickter Freude: »SUPER…FACK :/«

Also wie gesagt

Also wie gesagt: Es gibt nicht wenige Leute, die Äußerungen, denen nichts Geäußertes vorausgeht, anheben (?) mit »Also wie gesagt, …«. Mir scheint, als unterscheideten sie, gleich Kleinkindern, nicht zwischen sich und der äußeren Welt und unterstellten allen anderen, an ihren bloß innerlichen wie auch den Laut gewordenen Äußerungen ständig teilzuhaben. Aber wie gesagt: Es ist schön, dass sie damit Unrecht haben!

Le Salon du Fromage parisien et le Salon du Fromage

(For German version please click here.)

Le Salon du Fromage et des Produits Laitiers 2020 se déroule depuis le 23 Février à Paris. C’est un « Salon international pour les acheteurs professionnels de fromages et produits laitiers », bien entendu le « rendez-vous international des fromages de qualité ». Quand des gens en postent quelque chose sur Facebook, ils/elles créent un lien vers la page Facebook de ce blogue-ci, portant bêtement presque le même nom :

Je m’amuse depuis toujours d’avoir devancé les fromagers et fromageries avec la page FB (là j’avais spéculé il y a longtemps ce qui pourrait se passer si quelqu’un d’eux/elles n’aime pas ma page/mon blogue). L’évocation que j’aime le plus, c’est le post de « Prailu Selecta FOOD », parce qu’ils/elles ont même partagé ma page entière avec sa caricature de couverture bête d’un cow-boy :

À tous ceux/toutes celles qui sont mené(e)s vers moi par ce chemin : Soyez les Bienvenu(e)s, likez sans hésiter et bon appétit !

(Traduction en français : Julia Ingold. Divulgation : je parle à peine français.)

Die Pariser Käse-Messe und der Salon du Fromage

(For French version please click here.)

Seit gestern findet in Paris der Salon du Fromage et des Produits Latiers 2020 statt, die »Internationale Messe für professionelle Käufer von Käse und Milchprodukten«, das wohlgemerkt »Internationale Treffen für« notabene »Qualitätskäse«. Wenn Leute etwas darüber auf Facebook posten, markieren sie in ihren Beiträgen gerne die Facebook-Page des hiesigen, dummerweise fast gleich benamsten Blogs:

Es amüsiert mich seit je, den französischen Käseproduzenten und -ladenbetreiber*innen mit der FB-Page zuvorgekommen zu sein (hier stellte ich vor langer Zeit Überlegungen an, was passieren könnte, wenn jemandem von denen meine Page/mein Blog missfällt). Am besten unter den Erwähnungen gefällt mir der Post von »Prailu Selecta FOOD«, weil die gleich meine ganze Page mitsamt dem albernen Cowboy-Cartoon, der Titelbild der FB-Page ist, geteilt haben:

Allen, die auf diesen Wegen bei mir reinschauen: Grüß euch, herzlich hereingelikt und guten Appo!

»Satte Literschüssel«

Di., 18. Februar 2020, 16:22 Uhr: Soeben fiel mir bei, dass der Name »Satte Literschüssel« des Eigenbaumotorrads des »Werner«-Zeichners Rötger »Brösel« Feldmann dem Wort Satellitenschüssel assoniert bzw. daran anklingt. Joa, das war’s auch schon mit dem Infoteil dieses Beitrags, ich weiß nicht einmal, warum mir die Satte Literschüssel überhaupt durch den Kopf ging, es war während des Aufbrühens einer Tasse Früchteteemischung der Sorte »Wintertraum«. Vielleicht hilft er ja der einen oder anderen und ist mein »Lachgummi heißt Lachgummi, weil Gegenteil von Weingummi!«-Moment.

Drei Länder vs. ein Eck – ein Disput

LIL: die Hundertsiebzigtausend-Hansel-Stadt Basel hat d r e i Fernbahnhöfe, die von drei verschiedenen Ländern betrieben werden! Den Bahnhof Basel SBB (Centralbahnhof), den französischen Bahnhof Basel SNCF (Elsässerbahnhof) und den Badischen Bahnhof der DB (Basel Bad Bf). Klar, Dreiländereck => Dreifernbahnhofsstadt, könnte jetzt eingewandt werden. Dagegen würde ich argumentieren, es sei ja e i n Dreieck (?), in dem alles hübsch zusammenlaufen könnte. Warum also nicht den Schweizer Linien die ungeradzahligen Gleise – damit sie die 1 belegen können –, den französischen die geradzahligen und den deutschen die Primzahlen? Nicht bloß zur Gaudi oder gar zu meinem Privatgavdivm, sondern für den Frieden unter den Nationen. Werft die Maschinen an und macht es so!, meine Meinung

P.S.: LIL = lately I learned. TIL wäre gelogen und ich kann doch hier nicht einfach was daherlügen.

Der appe Knopf

Marke unkenntlich gemacht.

Und dann musste ich heute bei einer ärztlichen Untersuchung den Oberkörper entblößen. Nach dem Pullover zog ich das Poloshirt aus, und weil ich ein wenig hudelte, verließ der unterste der drei Knöpfe nicht nur das Knopfloch, sondern andererseits gleich auch noch die Knopfleiste. »Ah, da verabschiedet sich einer Ihrer Wertvollsten«, feixt der Arzt, wie er dem Knopf, ihn zu bergen, delfinesque hinterhertaucht und ihn am Patienteneck seines Schreibtisches ablegt. »Hahaha, ja«, bejahe ich lachend und tiriliere, die Calamität geradezurücken, dass die anderen beiden Knöpfe auch schon mal abgegangen gewesen wären, ich sie aber, merke ich mit meinen Handarbeitsfähigkeiten bauchhandelnd an, wieder angenäht hätte – wovon der Mediziner, so die Hoffnung, auf die Schlechtigkeit der Knopfbefestigung ab Werk schließen sollte.

Jetzt aber ach!, schießt es mir auf dem Nachhauseweg durch den Patientenkopf, denkt er gewiss, in welchen Lumpen ich bei ihm aufkreuze. Und mir schneidet die Befürchtung durchs Mark, aus der Hierarchie privat vs. gesetzlich noch downgegradet zu werden in die Kategorie »gesetzlich B« oder schlimmer. Dabei ist es gar kein billiger Lappen, sondern ein beim renommierten Warenhaus erworbenes Teil! Doch so armselig, wie es heute im Sprechzimmer performt hat – ich bin ganz ehrlich enttäuscht.

 

Übrigens: In Nullkommajosef war der Knopf wieder dran – wer auch mal einen appen hat, komme zu mir, ich nähe Dich aus der Patsche:

»unte«?!

Zärtliche zwölf Jahre war ich, da zog gegenüber, es war in der niederbayerischen Tundra oder vielmehr Plan-, Quatsch: Landwirtschaftsplanebene, eine Familie aus Mutter, Stiefvater und Kindern selbdritt von Franken herabsiedelnd ein. Als auffällig, bzw., ich war ja noch Kind und was wir nicht in einer Tour für Zeug daherredeten: außerirdisch markierte sie etwa der Umstand, dass sie für »nach unten« dialektal nicht wie normal »obe« [aww-be] sagten, sondern »unte«. Jetzt ist es so, dass ich seit drei Triaden selber in Franken lebe und noch nie, kein einziges Mal troff aus einem Munde das Wort »unte« unte. Du, ich glaube, die haben uns damals ganz schön was vorgespielt.

»Brief an die Leser«, TITANIC 2/2020

Mit meiner Liebsten war ich neulich im Wiener Kunstmuseum Albertina. Überaus zauberhaft war es dort. Unter anderem gab es eine umfangreiche Albrecht-Dürer-Ausstellung; was insofern ganz passend war, als Albrecht, der seine Bilder stets mit »Albert Dürer« unterschrieben hatte, nicht nur in derselben Stadt gelebt und gewirkt hatte, wie ich es tue, sondern mir auch ausweislich seines Selbstportraits optisch gleichgesehen hatte, wie notabene schon Jesus Christus.

Unangenehm am Museumsbesuch war nichts, außer – wie es mit dem so oftmaligen, wohl unvermeidlichen Ärgernis »Text im öffentlichen Raum« halt so ist – der an den Wänden dargebotene Text. Eine Formulierung ging ganz besonders albern (deswegen Albertina!) und tadelnswert an der anvisierten Sache vorbei. Aber wer bin ich, das der Albertina als Privatperson mitzuteilen und mir womöglich dort Unbill einzufangen? Nein, lieber schreibe ich ihr das unter dem Sammelpseudonym »Titanic« in der Rubrik »Briefe an die Leser«. Ab heute ohne Paywall im Museumsshop Handel.

Daherlügen

#ThrowbackThursday: In der Oberstufe schärft uns die Lehrerin im Vorbereitungskurs zur Seminararbeit u.a. ein: »Die Argumentation Ihrer Arbeit muss stimmig sein. Sie dürfen aber nicht einfach irgendwas daherlügen!« Heutzutage würden alle nur reflexhaft »OK Boomer« respondieren. Damals aber jault ein Kollege erfreut auf: »Ah, das muss ich mir aufschreiben!«, und begleitet seine Notiz mit halblauter Stimme: »DA – HER – LÜ – GEN NICHT.«

Nachrichten ausm IBIS (3)

(1) Es heißt IBIS Styles.
(2) Das Waschbecken ist recht stylish. Eine Schüssel oder womöglich sogar Bowl aus Glas mit Mosaikmuster, das s e h r großzügig verfugt ist. Blöd: Der Wasserhahn befindet sich etwas zu weit neben der Schüssel, der Strahl schießt oben am Bowlrand ein, sodass etwa beim Händewaschen unnötig Wasser auf den Waschtisch sprotzt.
(3) Die Tische im Frühstücksbuffetraum werden urflink abgeräumt, sobald eine Frühstückerpersoneneinheit den Platz verlässt. Das ist gut und schlecht. Fühlt sich’s doch, zurück mit dem Nachschub, so gegangenwordensein an.
(4) Es mag sich so lesen, als sei es hier nicht so schön. Das stimmt nicht. Gemeckert ist sich’s nur leichter und zugänglicher als gelobt.
(5) Der Blümchenfototeppich des Zimmers und der Steinwegfototeppich der Fluren seien zur Einordnung, Gewichtung, Bewertung den Leser*innen überlassen:


(Um den Jahreswechsel 2019/20 unternahm ich eine Reise nach Wien. Unter »Nachrichten ausm IBIS« gibt es einige ungeordnete Hoteleindrücke. Hier »Nachrichten ausm IBIS (1)« und hier »Nachrichten ausm IBIS (2)«.)

Nachrichten ausm IBIS (2)

Als wir im Hotel ankamen, war es bereits stockfinster. Am Morgen am Zimmerfenster dann dieser Ausblick:

Ja, da schmissen wir freilich die Tagespläne über den Haufen und gingen frohlockend ans Werk: »Heite grob ma Tote aus!« (Voodoo Jürgens [YouTube])


(Um den Jahreswechsel 2019/20 unternahm ich eine Reise nach Wien. Unter »Nachrichten ausm IBIS« gibt es einige ungeordnete Hoteleindrücke. Hier »Nachrichten ausm IBIS (1)«.)

Nachrichten ausm IBIS (1)

Um den Jahreswechsel 2019/20 unternahm ich eine Reise nach Wien. Unter »Nachrichten ausm IBIS« gibt es heute und in den folgenden Tagen einige ungeordnete Hoteleindrücke.

(1) Am Haartrockner muss der Ein-aus-Knopf, weil federbelastet, ständig gedrückt werden. Gute Trockenleistung, aber umständlich handzuhaben, v.a. bei Handwechsel.
(2) Der Fußboden ist eine Art Fototeppich mit Gänseblümchenmotiv.
(3) Die Toilette ist vom Zimmer mit einer Glasschiebetür abgetrennt, die 2 cm vor der Wand endet und so praktischen Durchlass für Gerüche und Geräusche aller Art bietet. Zumindest für letztere fehlt eine Absaugeeinrichtung.
(4) Hinter den beiden Kopfkissen ist je ein stuhlrückenartiges Holzbrett (Furnier) angebracht. Sitzposition zum Fernsehen: ✅
(5) Der Fernbedienung fehlt der Batteriefachdeckel und sTäNDiG dRäUT dEr BAtTriEveRLusT.
(6) Dem Türspion (!) korrespondiert an der Flurwand gegenüber der Feuermelder – mit einem langen dünnen »Staberl« (österr. für Stäbchen) ließe er sich durch den Spion hindurch auslösen. Aber warum.
(7) [vergessen, reiche ich bei Gelegenheit nach]
(8) Der Fototeppich im Flur, ein Steinwegmotiv, ist eine Zumutung.
(9) Torsun Burkhardt von Egotronic hatte als Profilbild mal die Ibis-Logopersiflage »I bims«.
(10) An der Wand hängt ein breitformatiges Großbild einer vermutlich Brückenaufhängung mit lauter Stahlseilen, die sich nach synoptischem Drüberschauen als aus urschlechter Perspektive fotografiertes Berühmt-Riesenrad ausm Wurstelprater entbirgt.
(11) Auf dem Doppelbett liegt dieses Kissen:

Sprengstoff

Zehn Minuten am Silvesterabend im böllerfreien Wien, und schon wollte ich zum Jahreswechsel nie wieder in Deutschland sein. Nicht diesen bundesrepublikanischen Straßensadisten und verhinderten Mördern ausgesetzt sein, sich wie in der Zivilisation fühlen, nicht ohne Unterlass vom Machismo und Chauvinismus und explodierenden Phallus die Trommelfelle erschüttert bekommen, nicht jedes halben Schrittes achtgeben müssen – hach!

Deutschland ist Krieg.

13:49 Uhr

Wenn ich zu einer ganz bestimmten Uhrzeit auf eine Digitaluhr schaue, denke ich: »Ah, jetzt ist wieder Die-norwegische-Black-Metal-Band-die-sich-nach-dem-Jahr-des-ersten-Pestausbruchs-in-Norwegen-benannt-hat Uhr!«

Sportsgeist in der Fittenumkleide

14.11.2019 – Heute morgen in der Umkleidekabine der Fitte wurde ich von einem mir unbekannten – wie ich meine, schon sagen zu dürfen: Kollegen, der tatenfroh, ja enthusiasmiert hereingestoben war, friedliebend grinsend per Handschlag begrüßt. Zwar wohl nur, weil er einen ihm Bekannten derart begrüßt hatte und mich scheint’s schlicht nicht excludieren wollte – aber immerhin, ey. Vollends baff war ich, als mir der dann schon muskelgurtumschnallte Frohlockfex vor dem Verlassen gen Fitnessmaschinenraum zur Verabschiedung noch einmal die Hand reichte. Zwar wohl wieder nur, weil er dies bei seinem Bekannten ebenfalls getan hatte, aber immerhin, ey. So stand ich denn auch leicht anenthusiasmiert auf meinem Gerät. Und gerade fällt mir auf, dass ich dabei und bis gerade eben gar nicht mehr an ihn dachte. Wie angenehm, das alles!

Autobahn, Tempolimit

Der folgende Beitrag ist nicht, wie sonst immer (fast) alles, dreist dahererfunden und grob zusammengelogen und komisch gemeint.

In den letzten Wochen bin ich – seit acht Jahren fast ausschließlich Eisenbahnfahrer – mal wieder Auto gefahren, darunter auch einige Autobahnfahrten. Und: Auf der Autobahn mehr als 130 km/h zu fahren ist Unsinn. Oft auch mörderischer Unsinn. Warum: Die allermeisten sind einfach zu dumm, schneller als 130 zu fahren. Deppert und dicht auffahren, den Vorderleuten unnötigen Stress machen, insgesamt nur für Aufruhr sorgen, dabei aber keine drei Sekunden Zeit gewinnen – nur Arschlöcher fahren so. Und auf den Autobahnen fahren sehr viele, viel zu viele wie Arschlöcher. Wie gemeingefährliche Arschlöcher obendrein.

Erlaubte Maximalgeschwindigkeit von 130 km/h, Geschwindigkeitsverstöße mit brutalen Geldstrafen und wenn nötig monatelangen Fahrverboten belegen – und es wäre eine Freude, auf deutschen Autobahnen zu fahren. Wie in zivilisierten Ländern mit max. 130 km/h oder weniger. Als jemand, der maximal 130 km/h fahren m ö c h t e , ist es hierzulande eine Tortur und gefährlich obendrein. Die deutsche Verkehrspolitik, ausschließlich Zuarbeiterin der Heiligen Automobilindustrie Deutscher Nation, hat den Arsch offen.

Wer sagt: »Dann fahr halt nicht Autobahn, wenn du es nicht aushältst. Oder wenigstens immer auf der rechten Spur. Und übrigens: dU BiSt mIt DeiNeR aUsbREmsEnDen LaNgsAmFAhrWeiSe dEr eiGeNTLicHe gEfaHreNHerD!«, hat auch den Arsch auf.

Babylonische Cursorverwirrung

Wenn man in MS Word in einen Text mit lateinischen Buchstaben hebräische Ausdrücke einfügt, muss der Cursor beim Durchsausen im lateinischen Text für »nach vorne« von links nach rechts und im hebräischen aber freilich von rechts nach links inklusive vorherigem erratischem Umspringen. Wie vielen Programmierer*innen bei dieser Programmieraufgabe wohl der Kopf geplatzt ist? (»Chef, wir haben wieder eine verloren…« – »Gott steh uns bei, schon die dritte in diesem Monat.«) Meiner wäre es jedenfalls. Bzw.: Hätte ich das programmieren müssen, ginge es wohl einfach nicht, Textmarkierungen schon Hundert Mal nicht. »Hä sorry ich check einfach nicht, wann der Cursor dann wo wie hinsoll – naja, das machen ja eh nicht so viele hehe« – »Okay, Lugauer, bis dieses Problem gelöst ist, lässt du das Ding in solchen Fällen einfach kontrolliert abstürzen. Und setz‘ schon mal eine Standardemail für entnervte Beschwerden auf.«

Flammekueche bzw. Tarte flambée

29.10.2019, 23 Uhr, die bedienende Person räumt das leergegessene riesige Holzbrett des papierdünnen, wie mit Schmandspray benetzten Flammkuchen-Seidenhauchs – mein Abenbrot – ab und fragt: »Hat’s gereicht?« Ich antworte: »Gut war’s!«, weil ich mit »Hat’s geschmeckt?« statt dieser gemeinen Frechheit gerechnet habe 😡😡😡️

Fernsehen, dann AfD

Seit einiger Zeit habe ich gelegentlich Gelegenheit, morgens oder vielmehr vormittags fernzusehen, das ganze Spektrum des ÖR und PF, von ARD/ZDF-»Morgenmagazin« über »Volle Kanne!« (mangels einer Susanne nicht mehr wie früher »Volle Kanne Susanne!«), »Verklag mich doch!« (?), eine Sendung, deren Namen ich nicht kenne und in der rundenbasiert unter vier Augen um alten Krempel gefeilscht wird (eine Frau wollte für die 50erjahre-Aschenbechersammlung ihres fürs Fernsehstudio zu faulen Ehegatten 180,– € haben, hallo. Das Erstgebot von 25,– € eines orange behosten Hippies mit selbstbelügender Langhaarfrisur war noch zu freundlich, die barsche 0-€-Ablehnung eines Frechians hingegen zu unwirsch), »Das große Backen!« (neulich hatten sie einen großen Dessert-Würfel aus lauter kleineren Würfeln von – es wurde per Lineal nachgemessen – exactamente 3,00 cm Kantenlänge zu backen. Die notorische Enie van de Meiklokjes bezeichnete sie als »Drei-mal-drei-Zentimeter-Würfel«, missächtlich der Quadratidiotie, dass drei mal drei cm über die Fläche nicht in den Raum hochkommen), »Frauentausch«, »Elterntausch« (?), »Sturm der Liebe«, »Sturm der Tausch« (Quatsch) oder eine Krimiserie mit dem notorisch oberdeutschen Christian Tramitz als kultur- und vor allem dialektfremder Kommisar in Niederdeutschland bis hin zu »X-Factor – Das Unfassbare« mit Commander Riker oder eher m e i n e m Jonathan Freaks, Quatsch: Frakes undsoweiter e. cetera.

Das einzige, was mich davon abhält, fernsehradikalisiert bei der nächstbesten Wahl AfD zu wählen, ist das 3sat-Alpenpanorama, im Rahmen dessen Webcams hinter Bauchbinden meteorologischer Daten sanft schwenkend Bergansichten zeigen. Aber, Freundinnen* und Freunde, ich sag es, wie es ist: Es wird nicht genügen. Dafür kommt es schon viel zu selten (?– kA, wie oft). Hält sie an, diese gelegentlich-vormittägliche fernsehschauerei, wähle ich bei der nächstbesten Gelegenheit AfD. Und ich kann dann noch nicht mal was dafür. Verklagt mich doch.

Der behende Eisenbahnsitznachbar

Was ich überhaupt nicht kann: Mir irgendwas Jackenartiges anziehen, ohne dabei mords raumgreifend mit teilweise ausgestreckten Armen im um- und vor allem schräg hinter mir liegenden Raum herumzukrapfen. Deswegen brauche ich dabei armlangen Sicherheitsabstand.

Neulich in der Fern-Eisenbahn saß am Fensterplatz neben mir ein Funktionsbekleideter, und urplötzlich hatte er über seinem Funktionsoberteil eine Funktionsjacke an, ohne dass er mich irgend berührt, ja geschweige denn dass ich den Anzug (hahaha, dieses Wort passt hier höchstens entfernt oder vielmehr überhaupt nicht, aber MaN wEiß jA wAs GeMeiNt iSt) bemerkt hätte.

Er war Saatgutvertreter aus der Agrarindustrie. Womöglich spielt das gar keine Rolle.

»Spaßtelefon«, »Straßenverkauf«

Dienstag, 26. November 2019. Das Bayern-1-Spaßtelefon – mein Radiowecker spielt diesen Sender momentan, weil er das gelegentlich sehr instabile und rauschende wo nicht flirrisierende Klassik Radio frequentiell benachbart –, das Bayern-1-, in Fachkreisen auch genannt »Bauern 1«, -Spaßtelefon jedenfalls (»Der lustigste Anschluss Bayerns«) lässt sich vernehmen, wie es bei einem Imbiss anruft, der, zwei (!) Zuhörer*innen sollen darauf hingewiesen haben, Straßenverkauf anbietet, und gibt vor, ja lolleralollol, eine Straße kaufen zu wollen. Man habe da, bestallt mit einem seltsam benamsten Übersetzer, einen arabischen Scheich zu vermitteln, der nun die angebotenen Straßen kaufen wolle. Im Hintergrund hören wir schlecht und schäbig rudimentär-klischeehaft imitiertes »Arabisch« (der goutierte, freilich verleugnete Rassismus), das vom seltsam benamsten (warum eigentlich?) Übersetzer »übersetzt« wiedergegeben wird, der vermittelnde Spaßtelefon-Telefonierer vermittelt, die angerufene Imbissmitarbeiterin indes beharrt bemitleidenswert insistierend darauf, es würden schlicht Speisen auf die Straße durchgereicht.

Nun ist es gewiss gähnenstreibend, sich über die ewige Reproduktion des Immergleichen im Formatradio und sonst wo zu mokieren. Doch sei hier dennoch angemerkt und getadelt oder vielmehr geschimpft: Freundinnen* und Freunde, seid beglückwünscht, dass ihr bei der Programmdirektion mit euren »Scherzanrufen« nach wie vor durchkommt – und bei euren Hörerinnen erst! Wie viele sich freuen, endlich auch mal dranzukommen bzw. dranbekommen zu werden (?), doch: Wir schreiben das Jahr 2 0 1 9 und die Bezeichnung »Straßenverkauf« prangt derart lange an den Speiseschnellstuben, dass sie sich höchstens noch metametameta- und/oder shitpostingmäßig auf Twitter komisch verarbeiten lässt (dort hießest du notabene vielkanals »SpaBtelefon«), das Ablaufdatum der gewöhnlichen Fehldeutung durch bewusstes Falschabbiegen an der Ambiguitätsgabel jedoch war ca. oder vielmehr exakt, sagen wir: 1995.

Warum ich das dennoch aufschreibe? Ich kenne Leute, die sich lachend über solche Scherzanrufe amüsieren. Deren Haltbarkeitsdatum: 1995.

Jetzt ist alles etwas mehr easy

Beste ~Investition~ 2019: SodaStream »Easy« – in der Gebrauchsanleitung: »die ›Easy‹« – für halbe Preis bei Lidl.

Dieses Angebot gab es Anfang Oktober. Dafür tat ich etwas, was ich schon seit vielen J a h r e n nicht mehr getan hatte: Ich ging extra früh zum Laden, um mir mein Produkt zu sichern.

Um 8.25 Uhr öffne ich durch mein bloßes Herannahen die Ladentüre, dann die am Ende des Windfangtunnels und stromere direktemang zu den Sonderangebotsregalreihen im hinteren Geschäftsbereich. Und was muss ich sehen? Im für die »Easy« vorgesehenen Fach steht noch genau 1 einziges Produkt! Daneben noch haufenweise Ersatzflaschen-Zweierpacks.

Als ich – ich sehe es auf dem Display des Kartenlesegeräts, an dem ich kontaktlos bezahle – um 8.31 Uhr an der Kasse stehe, denke ich: »Woah, das hätte auch in die Hose und ich ohne SodaStream nach Hause gehen können!« Die Bezeichnung »die ›Easy‹« kenne ich zu dem Zeitpunkt logischerweise noch nicht.

Offenbar räumten diese Schlawiner die Sonderangebotssachen schon am Vorabend in die Regale. Ein Vorgehen, das ich noch aus meiner Sonderangebots-Wahrnehmzeit kenne. Und das die Sparfüchs:innen offenbar immer noch beherzigen (?). Dass von 7.00–8.30 Uhr schon fast alle weggekauft worden wären, ich denke es nicht.

Etwas später fiel mir auf: LIDL schießt sich mit seinem Angebot ein bisschen auch selbst ein Bein. Denn während ich seit kurzem zuhause Flasche um Flasche aufsprudle und glücklich meinen Gaumen von Sprudel umgarnen, ja vielmehr umbitzeln lasse, werde ich künftig die Mineralwassertürme gleich rechts neben der Automatiktür des LIDL keines Hingriffs mehr bedenken.

LIDL wird aber von der höchsten Ebene bis hinunter ins Filialgefilde von absoluten Profis geleitet und geführt, ich mache mir jetzt keine Sorgen, dass die sich mit diesem tollen Angebot unbedacht und altruistisch selbst Schaden zufügen. Am Ende bin evtl. ich der Dumme. Aber wenn, dann der Dumme mit Sprudelwasser. Mensch, die ganze Zeit will ich »Mineralwasser« schreiben, aber bei kohlengesäuertem bloß Leitungswasser stimmt das ja gar nicht. Cheers!

PS: Im direkten Denkzitat oben verwende ich das literarische Stilmittel Zeugma. Ein bisschen schäme ich mich dafür und finde es scheiße. Aber es bot sich halt an und ist effizient. – Es lief übrigens so: »Hm, in diesem Text fehlt noch ein literarisches Stilmittel ☝️ Menschenskinder, was nehm ich da nur 🤔🤫🧐 AAH hier passt ja gerade ein… Moment, wie hieß das noch mal? *blättert im ›Handbuch Lyrik‹* ach ja, ein: Z e u g m a ! Ja sakrament schau her, gerade noch literarisch geworden, der Text 😅« LG an den Deutschlehrer Dirk Wippermann.

Salon intime: Freizeitausgabe

Hallo Freunde, wer sich schon immer mal gefragt hat: »Mensch, was ist denn Andreas eigentlich für ein Mensch?«: Nun, ich fuhr am 28.9. nach Frankfurt/M und traf mich mit Leuten aus der Facebook-Bubble, um auf einer vor Wochen reservierten Kegelbahn kegeln zu gehen. Ich hoffte auf »Gut Schub!« (?), schob aber sehr schlecht. Naja. Dennoch ein sehr schöner Abend.

Der absichtlich lustige Philosophieprofessor

Philosophie-Professor E. hält vor einigen Jahren eine Vorlesungsreihe zum Thema Erkenntnistheorie. In einer Sitzung geht es u.a. um optische Täuschungen. An die Schiefertafel malt er dazu die bekannte visuelle Illusion mit den zwei gleichlangen Strecken, deren eine an den beiden Enden nach außen zeigende Pfeilspitzen hat und deren andere nach innen zeigende Pfeilspitzen, was bewirkt, dass die eigentlich gleichlangen Strecken unterschiedlich lang aussehen.

»Können Sie mir sagen, was hier das Problem ist?«, fragt er die Zuhörerinnen (w*m). »Jò die Striche schaun unterschiedlich lang aus, sin awwa gleichlang!«, jodelt ein Kerl vergnügt und siegesgewiss nach vorn, ohne sein Aufgerufenwerden abzuwarten.

»Nein, die sind schon unterschiedlich lang – das hab’ ich extra gemacht, um den Witz zu machen  «, freut Professor E. sich diebisch zurück.

Allgemeine Heiterkeit, auch beim Falschantworter. Dann weiter nach Skript.

[extrem X-Factor voice: »Was glauben Sie: Hat sich diese Geschichte wirklich so zugetragen – oder ist sie… … von uns frei erfunden worden?« extrem Jonathan Frakes suspicios look]

Sprachnachricht

Folgende Sprachnachricht sprach gerade ein mittelalter Mann am Bahnsteig neben mir in sein Smartphone, und zwar mit einer seltsamen, befremdlich präzisionsheischenden Computerstimme (die Punkte im Transkript markieren Pausenzeitenlängen):
»Ich…fahre..jetzt..mit..der.Bahn..los…und…bin…um…14..Uhr..30…am.Germanischen..PUNKT…L.G…A*«
(* Name ist mir bekannt)

Beim explosionsartig aus seinem Mund herausgeschleuderten, sehr sehr affigen Amateurfunkprofi-»PUNKT« hätte ich beinah laut losgelacht. Er trägt weißes Haar, eine herbstlich-dunkelfesche Steppjacke und Blue Jeans (uff), Smartphonebedienung per Zrigefinger. Ganz der Typ für solch anachronistischen, yet topmodernen Sprachi-Gebrauch. Hoffentlich hat er einen schönen Nachmittach (im Germanischen Nationalmuseum, das er in der Nachricht meinte, etwa?) PUNKT L G Andi

[P.S.: Gut möglich, dass der Mann eine Sprache-zu-Text-Funktion benutzte. Dann finde ich es aber immer noch lustig. Ein körperliches Gebrechen, dass ihm diese Funktion notwendig gemacht hätte, konnte ich nicht erkennen.]

Lachen, nachdenken, Milch aufschäumen

Hallo Freunde ich wollte einfach mal wieder Bescheid sagen, dass meine Posts immer sowohl zum Lachen einladen als auch zum Nachdenken einreden wollen, und auch bekanntgeben, dass ich heute erstmals die Akkus meines Milchaufschäumers gewechselt habe, weil er demletzt einfach nicht mehr kraftvoll genug Schäum Power gehabt hatte; beim ersten Anschäumen danach schäumte ich fast über den Tassenrand hinaus du, du du du!

»Extra-große Familienpackung Klopapier«

Immer wenn eine bestimmte meiner drei Mitbewohner/innen ihre zwei Wochen WG-Einkaufsdienst hat, gibt es bei LIDL das gute dreilagige Klopapier in der XXL-Packung (20 Rollen statt bloß 10) und ich beneide sie, dass sie immer nur maximal einmal pro »Schicht« welches kaufen muss. Denn wenn ich Pech habe – bei mir gibt’s die XXL-Packung nie –, muss ich zweimal. Ich frag sie mal, wie sie sich mit der 20er-Packung an der Kasse fühlt.

(Zu den restlichen »Braindroppings« auf Torsten Gaitzschs Blog »Kybersetzung« geht’s – wie es in den Nullerjahren hieß – hier lang: http://www.kybersetzung.net/2019/09/brain-droppings-2000.html)

Fußmatte

Liebe Nachbarn, ich kenne euch kaum. Eine kleine Frage sei mir aber gestattet: Wie nämlich soll eins an eurer Tür ohne Schmerzen vorbeigehen oder zumindest, ohne zu versuchen die arme Fußmatte ordentlich vor die Türschwelle zu ziehen? Es geht nicht. Beides nicht. Es ist 01:22 Uhr. Klingeln ist keine Option. Ihr habt kein Licht mehr an. Achtet doch bitte in Zukunft wieder besser auf eure Mitmenschen.
Danke und liebe Grüße, Andreas

IT Success

»successfully bring ideas to the future of IT« steht auf dem T-Shirt eines Mannes, der vor mir auf der Fahr-, Quatsch: Rolltreppe steht. Es ist wohl ein Firmen-Shirt, aber seine Front kann ich nicht sehen. Successfully make sense to the grammar of this sentence ⁉️

Tagebucheintrag

05.08.2019, 23:00 Uhr – Den 5. August 2019, ich hätte ihn nicht gebraucht. Nicht dass mir etwas Schlimmes widerfahren wäre oder sogar ein Haufen davon. Doch in der Rückschau wird er sich wie ein Fleck nix gewordene Mehlschwitze auf dem Tableau meiner Biographie erweisen. Gute Nacht

Horoskop des Hundes

05.08.2019 – Eine Frau und ein Mann, beide in den 50ern, fränkische Bierdimpfel und Schäufelefiesler, spazieren mit ihren beiden Hunden durch die Innenstadt. Sie unterhalten sich über Sternzeichen. Es geht gerade darum, welches davon im November aktuell sei. Sie sagt Steinbock, er Schütze, beide haben bestenfalls geringfügig recht, bis 22.11. regiert der Skorpion. Sie fragt nach dem Geburtsdatum des Hundes, anscheinend zum zweiten Mal, denn es kristallisiert sich, die ganze Tierkreiszeichenunterhaltung kreißt um den Hund. Dann aber schreitet er endlich wie nach vorne preschend und jedenfalls triumphierend, dennoch greinend ein: »Der is ka Fisch, ka Waaage, ka … … …


… …

ka Skorbjoohn…, der is a HUND!« Womit er es völlig verkackt. Sein Hund kann nun zehnmal ein Hund sein und keine etwa Materialisierung eines Sternzeichens – mit der so langen Pause, gierend, das restlos beliebige Sternzeichentripel aufzufüllen, verscheißt er es sich unumkehr- und planiert jegliche Autorität nicht revidierbar. Sollte das Gespräch irgend flirty gemeint sein, alle zart nach Amorbach weisenden Pflänzelchen schwärzen nun verbrannt die nunmehr tote Erde. Doppelte Niederlage: Mit dem Skorpion spricht er unwissend die Wahrheit und zerschießt sein Gestottere zur steindummen Unwahrheit. Ich scharwenzele, meinen Regenschirm balancierend, jungvergnügt nach vorneweg.

Vergessene Kräuter

Vergessene Kräuter. Ja apropos, da kommt mir diese Anekdote an: Es muss um 2004 gewesen sein, als wir im Elternhaus eines Freundes, Arztsohn, in der Küche im Würzmittelfach der Hängezeile eine Flasche Maggi-artige Würze fanden. Ihre Marke war uns unbekannt und ihr Etikettendesign seltsam aus der Zeit gefallen.

Als wir sie hervorgeholt hatten, sie hatte hinten links in der Ecke gefristet, wo nicht gedarbt, begutachteten wir sie ergiebig und erschraken in schalkendem Erstaunen, so wie uns das MHD in die Augen fiel:  1 9 9 2 . I shit you not. Wir erinnern uns: es ereignete sich um 2004 und das braune Suppenaugmentativum hatte somit über 12 Jahre dort ausgeharrt.

Wir, wiederum der Arztsohn und ich, tändelten ein wenig herum, flachsten gar ob der womöglichen inzwischen völligen Giftigkeit dieses Maggi-Surrogats und rochen, nun schon sensationstrunken und zur Blödigkeit ent-, nein: begeistert, mit der vom Chemielehrer abgeschauten oder vielmehr eingetrichtert bekommenen Handzufächel-Methode – doch zu probieren traute sich letztlich keiner. Was taten wir beziehungsweise was ließ sich mit diesem Gwasch noch anstellen? Jung und keck, wie wir waren, stellten wir das Fläschchen einfach wieder zurück in seine Ecke und hofften, es würde weitere zwölf Jahre dort stehen und evtl ja auch länger.

(Andernorts, wo diese Anekdote in leicht anderer Gestalt erstveröffentlicht worden war, wurde bereits nachgefragt, aber ich meine, dass es mittlerweile nicht mehr möglich ist, nachzuschauen, ob das Würzfläschelchen noch immer herumsteht; mag doch schon eine oder vielleicht auch eine andere Küche die damalige ersetzt haben, wer weiß)

Die schlecht adressierte Postkarte

Weil von mir schon so manches grambehaftete Wort über die mitunter offensichtliche Zustellunlust der Deutschen Post, was Postkarten anlangt, fiel: Will ich sie heute auch mal lobend mit einem Beitrag bedenken. Denn neulich schrieb ich wohl auf eine Karte an Großmutter ihren Namen, ihre Straße und Hausnummer, darunter aber weder Postleitzahl noch Ort. Habe ich halt vergessen. Die unverschämt teure 60-Cent-Marke klebte ich aber drauf. Ankam die Karte trotzdem.

Wie Mutter soeben mitteilte, hatte ein Zettel an der Karte geklebt, auf dem stand, die Adressatin, Großmutter, möge sich doch mit dem Absender, also mir, in Verbindung setzen und ihn, also mich, bitten, zukünftig die Adresse komplett anzugeben; habe man doch erheblichen Aufwand betreiben müssen, um die korrekte Empfängerin ausfindig zu machen.

Und das finde ich nicht nur äußerst löblich, sondern auch sehr erstaunlich. Denn aus dem Stegreif würde ich bei einem solchen Fall vermuten, dass die Post eine derart rätselhaft adressierte Karte mangels Rücksendeadresse einfach wegschmeißt, und zwar nicht zu unrecht. »Ist doch nur eine Grußkarte und wenn die*der zu deppert ist, PLZ und Ort anzugeben, selber schuld, und jetzt geht’s weg, weil sich die restlichen Postberge kaum von alleine erledigen, außerdem ist in 7 Minuten Brotzeit.«

Jetzt freilich heißt meine Großmutter nicht Anneliese Müller oder Gerda Bauer und wohnt in der Hauptstraße 34 oder im Amselweg 3a, sondern verfügt über eine Namens- und Straßenkombination, die es recht viel öfter als die ihre nicht geben dürfte. Dass sich bei der Post jedoch überhaupt jemand hinhockt und detektiert: »Ja Menschenskinder, Frau […] in der […]straße […], laut Anrede offensichtlich liebe Oma und von ihrem Enkel angeschrieben, wo wohnt die bloß?! Da gehe ich doch glatt an den Computer, der ans Rechenzentrum mit den R I E S I G E N Adressdatenbanken angeschlossen ist, es wäre doch gelacht, wenn ich damit nicht schon heute um 5:34 Uhr meine gute Tat des Tages vollbringen könnte, dann können mich diese Wichser alle bis morgen wieder am Arsch lecken haha« – dass das jemand tut, findet meine ganze heute tagsüber angesammelte, noch ungespendete Anerkennung und Dankbarkeit *anerkenn anerkenn dankbare dankbare*

P.S.: Die Karte war übrigens eine der Stadt Schwarzenbach an der Saale, wo ich mit Freund M. das Erika-Fuchs-Haus, das Museum zu Ehr und Huld Dr. Erika Fuchs’, der kongenialen Übersetzerin der Donald-Duck-Comics, besucht hatte. Aber das ist eine andere Geschichte.

WIND und Peter Wieland

Diese beiden Autogrammkarten auf dem Trottoir, ich hätte sie so gerne mitgenommen. Ohne zu wissen, wer WIND und Peter Wieland überhaupt sind.

Peter Wieland – schon weil er so frappant an Leslie Nielsen erinnert, hätte ich seine Karte haben müssen. Aber es wäre falsch gewesen. Vielleicht hätte die Person, die sie verloren hatte – es war auf einem wohngebietnahen Trottoir –, zurückkommen und sie auflesen wollen. Vielleicht hat sie es schon getan. Ich wünsche es ihr.

(Als das Foto 24 Stunden alt war, ging ich abermals zum Fundort, und wenn die Karten noch dagelegen hätten, waren sie wohl nicht mehr gewollt worden und dann hätte ich sie einfach genommen hehe. Aber sie waren nicht mehr da.)

Spitzbuberei

32 Jahre hatte ich alt werden müssen, um im Januar dieses Jahres Sätze aufschreiben zu können wie diesen: »Dieser Anachronismus hat demnach den Zweck, zeitlich Disparates in einen situativen Zusammenhang zu bringen und damit kontrafaktisch auf eine realhistorische Entwicklung hinzuweisen.« Jetzt, mit inzwischen 33, beim Lesen der Druckfahne, muss ich durchaus schon schmunzeln über diese intellektualisierelnd-aufschneiderische Spitzbuberei. Stimmen tut sie dennoch wie sonst alles, was im kommenden November um dieses Zitat herum im »Jahrbuch der deutschen Schillergesellschaft« erscheinen wird.

Saskia

Die erste Saskia, die ich kannte, war – es war 1995 und ich 9 Jahre alt – Saskia Valencia in ihrer Rolle der Saskia Rother bei »Gute Zeiten, schlechte Zeiten« im Fernseh auf RTL (Aussprache Großeltern: »Rittl«) Saskia Saskiasaskia

Handball und Gewalt


Meine Güte, die Schrift auf diesem Plakat liest sich, als hätte mir jemand ein paar Handbälle ins Gesicht gepfeffert derart, dass es sich anfühlt wie Watschn mit Klodeckelpranken über die ganze Gesichtshälfte inklusive Augen.

Apropos: Es war in der 5. oder 6. Klasse, da erklärte uns der Sportlehrer während einer Handball-Übeeinheit irgendetwas. Mich interessierte das gerade nicht und ich blödelte nicht eben leise feixend herum. Plötzlich, ich stand recht nahe an der Wand, tat es dicht neben mir einen mordsdonnernden Einschlag – der Lehrer warf vor Wut seinen Handball mit voller Kraft nach mir, hätte er mich erwischt, wäre es das nicht nur mit meinem Genick gewesen. Ansonsten war er Werklehrer. Ein alles in allem freundlicher zwar, aber mit dieser Fächerkombi bist du einfach durch und durch ein richtiger Unhold.

 

Witz + Protokoll

Manfred Mann’s Orff Band

(Dieser Witz fiel mir kürzlich anlässlich der sogenannten Dad Rock Challenge einer lieben Facebookerin ein, die nach der dad-rockigsten Musikband fragte, von der man für gewöhnlich nur Radionummern/Singles kennt, um sich sadistisch-lustvoll deren komplette Diskographie anzuhören. Ich überlegte so: Menschenskinder, welche Band könnte ich denn da in die Drunterkommentare schreiben? Denn die allerallermeisten Dad Rock-Bands waren dort natürlich flugs notiert. Das Handy war beim spätabendlichen Einfall »Manfred Mann’s Earth Band« aber schon aus, und wie ich dann so im Bett liege und einschlafen will, schießt mir, freilich, »Manfred Mann’s Orff Band« ins prätraumale Gedankenbrackwasser. So wach bin ich noch, dass ich den klaren Gedanken »Ha, den muss ich mir merken und ins Internet reinschreiben!« hisse. Bloß wie merken? Wie oft schon hatte ich die leidvolle Erfahrung gemacht, dass mir kurz vorm Einschlafen oder, während ich nachm Aufwachen so dahinsimmere, Topwortspiele und andere Spitzenwitze eingefallen waren, die mir dann aber, wenn die erbarmungslosen Wachkategorien der Realität wieder instauriert, gleichwie entfallen waren. Dieses Mal suchte ich dem ein Schnippchen zu schlagen: Mit einer Mnemotechnik! Nie eine draufgehabt, also flugs eine zurechtgetapet. Ich stelle mir für jeden Bestandteil eine Person vor. Bei »Manfred« denke ich an den ehemaligen Nachbarn meiner Eltern, Manfred M., einen sehr freundlichen Michelin-Mitarbeiter. Bei »Mann« denke ich an, er ist der erstbeste, der mir einfällt, Thomas Mann. (Bitte nicht psychoanalysieren.) Bei »Orff« kommt nur Carl Orff in Frage, bombastisch-katastrophal untermalt von seiner Carmina Burana, schließlich bin ich schon in den Vorgärten der Träume. Bei – nicht vergessen! – »Band« denke ich an Facebookfreundin Judith S., die kürzlich drunterkommentarisch dazu aufforderte, man solle Band nur noch Musikband aussprechen (oder so ähnlich). Und was soll ich sagen? Es hat, man konnte es ja ganz oben schon sehen, geklappt! Wer bis hierher mitgelesen hat, versteht nun auch dies: Manfred M. Thomas Mann Carl Orff Judith S.)

Der Abstieg

Provinzfußball in Niederbayern um die Mitte der Nullerjahre, am letzten Spieltag Abstieg von der Kreisliga in die Kreisklasse. Niedergeschlagenheit, gar Verzweifelung in allen Gesichtern und Gelenken und unter die Schienbeinschoner hinuntergewuzelten Trikotstutzen; außer beim Gegner und seinen Fans, die eben nicht abgestiegen sind. Die sollen alle schauen, dass sie heimkommen, am besten gleich vom Platz weg und ohne noch mords Wasser wegzuduschen. »Diese Wichser, die!«, »der scheiß Schiri!«, »Ihr seid’s aber auch alle selber schuld, weil’s immer so sauft’s, obwohl wir am nächsten Tag Spiel haben!« – Analysen dieser Art verlassen so manche grantige Kehle, wohingegen andere ochsendumm herumsitzen und, wie’s scheint, in existenziell schwarze Abgründe schauen; bloß dass nicht mal mehr die zurückblicken. Drüben am Kinderspielplatz bauen zwei Buben ein kleines Schlammschloss, und während sie mit den Stäbchen ihrer Steckerleise die Burgfahnen hindrapieren oder eher hinimaginieren, muss der Papa am Sportheimeingang zurückgehalten werden, damit er nicht allen sofort eine aufstreiche, wie er erbost umherschleudert, »ihr Wichser alle!«

Jetzt muss man wissen, dass die Kreisliga in der dortigen Region die drittunterste Liga ist und die Kreisklasse die zweitunterste, unterfüttert nur noch von der zur A-Klasse schöngelogenen, in der vox populi nur Hammelklasse genannten Hammelklasse. »Ja Scheiße«, denken sich viele der für den Abstieg verantwortlichen Spieler, »in der Kreisklasse«, also der zweituntersten Klasse, »da mag ich nicht spielen – da bin ich ja viel zu gut dafür!«; sogar sehr viele von ihnen denken das und verlassen bis auf lumpige zwei Stammspieler samt und sonders den Verein, hin zu einem anderen, der zwar ebenfalls, und ohne dafür absteigen zu müssen, in der zweituntersten Spielklasse herumwest, aber im Gegensatz zum Absteiger seinen Akteuren für ihr fußballerisches Engagement Geld zahlt. Für ihr Engagement beim Aufstieg in die drittunterste Spielklasse, natürlich.

Connaisseusen und Connaisseuren übrigens ist klar, dass die Spieler wegen ihres Verhaltens mit Fug als Pleitegeier zu titulieren sind. Zumindest im ursprünglichen Wortsinne. Im Jiddischen, dem das Wort Pleite entstammt, bezeichnet die plejte die ›rettende Flucht (vor der Schuldhaft durch Gläubiger)‹, der plejtegeier bezeichnet im Jiddischen mithin den, der die rettende Flucht antritt oder –trat. Sage noch einmal jemand, es sei ein Schmarrn und Zeitverschwendung und zu nix gut, Fächer wie Jiddische Sprache, Kultur und Literatur zu studieren, womit ein Freund von mir gegenwärtig seine Biographie erledigt. (Bei Letzterem handelt es sich um ein Zitat von Max Goldt, um hier schriftstellerisch tadellos zu agieren.)

Hauptsponsor des Vereins, zu dem die alle abwanderten und hinwechselten, richtiggehend fahnenflüchteten, ist ein lokales Maschinenbauunternehmen, das freilich für den Weltmarkt produziert, und zwar ungetümhaft große Eisentanks und jeglichen Stahlbau, nach dem eines Herzen zu begehren vermag. Auf die »Internetseite« genannte Website gesurft, verrät uns die letzte News, die, notabene in den 1960er Jahren gegründete Firma habe im Jahre 2008 die Produktion in den neuen Montagehallen aufgenommen. Was mit den alten Hallen geschah, steht nirgends. Das Alter dieser latest news entspricht präzise dem historischen Charme, der dieser Website eignet. In der 2008 neu gewesenen Lackierkabine, so schneidet die News großtuerisch auf, könne man bis zu 17 Meter lange »Komponenten« genannte Bauteile lackieren und trocknen. Wie breit und hoch diese Komponenten sein dürfen, unterschlägt die News indessen. Wenn jedoch die Komponenten zwar 17 Meter lang, aber nur so dünne Stäbchen sein dürfen, wäre kaum jemandem geholfen. Lassen wir uns nicht beirren von dieser Unklarheit und nehmen wir an: Auch der Balken und die Pfosten eines Fußballtores ließen sich darin locker optisch veredeln, wie es aus Branchenmündern zu quellen pflegt. Schließlich umspannt etwa der Querbalken kaum siebeneinhalb Meter und täte in die Angeberanlage leicht zweimal hineinpassen. Die Balken und Pfosten könnten dann in den Firmenfarben Hellrot, Dunkelrot, Schwarz, Dunkelgrau, Hellgrau und Smaragd funkeln, und, wenn wir schon einmal angefangen haben mit dem corporate designen, warum nicht auch gleich den Namen der Firma draufschreiben beziehungsweise drauflackieren, ach was: draufedeln.

Denn die Präsentation des eigenen Firmennamens auf riesigen Bannern und Spielfeldbanden auf den Sportvereinsanlagen, auf den Trikots und irgendwelchen Vereinsdruckerzeugnissen ist der Zweck der finanziellen Unterstützung des Vereins, der sich im übrigen recht rührig um die von ihm verwendeten und vernutzten Spieler kümmert. Es fragt sich freilich: Wozu das alles? Wie viele Zuschauer*innen dachten bislang: »Ah, gut, dass da eine Stahlbaufirma auf ihre Künste aufmerksam macht, mir ist ja grad heut Vormittag mein Eisentank kaputtgegangen«, und schon fleddert beim Stahlbauer das Auftragsbuch aus, weil er gar nicht mehr hinterherkommt mit dem Umblättern und Hineinschreiben. – Stellen wir uns nicht naiver als nötig: Fraglos ist es dem Firmenchef hauptsächlich um Lokalprestige zu tun, markiert er doch den örtlichen, wo nicht den regionalen Oberjohn, wenn er es ist, mit dessen Name der Fußballclub sich beschriftet, das heißt präsentiert, i wo: schmückt. Da schauen die Maschinen- und sonstwas -Bauer der Industriegebiete vor den umliegenden Dörfern aber ganz schön dumm aus ihren klebrig-schwitzig-stinkenden Fertigblechbaufestungen. Schließlich kannst du den Hauptsponsor des Vereins durchaus als sowas wie den Vereinseigentümer betrachten. Wo kommen wir hin, wenn irgendetwas nicht irgendwem gehört, sondern diffus bloß einer kaum greiflichen Gemeinschaft? Ja, richtig, direktemang in den Sozialismus. Nein, nein, es lässt uns schon besser schlafen und ist am Ende auch gesünder, wenn wir den Besitz eines solchen Vereins immerhin ideell jemandem zuschreiben können. Und der hohe Herr wird sich gütig um alles und alle kümmern und auch mal ein Schweinernes und ein Freibier zur Verfügung stellen. Und der Konkurrenzeisenbieger kann zwanzig mal mit der Kundschaft in die Apalachen zum Helikopterskifahren fliegen – Fußballvereine sind da schon nochmal rarer.

Jetzt zurück zur Abstiegsmannschaft: Lumpige zwei Stammspieler aus der drittuntersten Klasse blieben wie gesagt in der zweituntersten erhalten, der restliche Kader wurde aus Material der vormaligen Reserve rekrutiert, neu hinzu kam niemand. Die Bilanz der Folgesaison: lauter Niederlagen, kein einziges gewonnenes Spiel, nur ein einziges Unentschieden – an diesem Spieltag reichte man die angestammte Plakette »Lachnummer der Liga« an den mit einem Remis vernichtet zurückgelassenen Nachbardorfverein weiter und feierte in dessen teils hellbraun gefliestem, teils dunkelbraun holzvertäfeltem Sportheim, als wäre der Super Bowl gewonnen worden. Am darauffolgenden Tag, ein Montag, fuhren frühs alle wieder zu ihren Arbeitsstellen und der ein oder andere erzählte in der Pause teils freudig, dass man vortags ein Unentschieden geschafft habe. Die Lackieranlage des Stahlbauers produzierte sturheil und ungerührt weiter für den Weltmarkt.


Text vorgetragen am 19.07.2019 im Rahmen der Live-Aufzeichung einer Folge von »Eisenbart & Meisendraht«; Videomitschnitt folgt


 

Die Erlanger und ihr Erwin Rommel

In Erlangen gibt es, wie in zwölf weiteren Ortschaften dieses Landes, nach wie vor eine Erwin-Rommel-Straße. Im dort ansässigen Studentenwohnheim entblödet man sich nicht, das sogenannte Rommelsommerfest zu feiern und brüstet sich auf der Website ferner:

»Das Erwin Rommel Wohnheim ist in Erlangen weithin bekannt für das Rommelsommerfest Anfang Juni, die ›Bronx‹ im Winter kurz nach dem ersten Schnee und für den Rommelfasching der Mitte Januar stattfindet. Diese Veranstal-tungen sind offen für alle Studenten der Uni Erlangen und machen jedes Jahr eine Menge Spaß!«

Hahaha, ein großer Spaß für alle und Spaßbremse, wer bei »Rommelfasching« etwa an Prinz Harry in der Naziuniform denkt (weil »Rommel war ja kein Nazi, weil er nie in der NSDAP war 😠 !«)

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Anlass dieses Posts: Mit einer Mehrheit aus CSU, Freien Wählern sowie AfD wurden in Fürstenfeldbruck zwei Petitionen zu Nazistraßennamen abgewiesen: »CSU und AfD tolerieren NS-Straßennamen« (Süddeutsche)

» u m s t r i t t e n «

Ob das journalistische Universal-Überschriftenwort »umstritten«, mit dem jede Gemeinheit und Verderbtheit und noch alle Unmenschlichkeit in den Schein der immerhin Diskussionswürdigkeit gerückt wird, ob dieses Unwort der zeitgenössische, schlichte Indicator der seit je wesenden Vernageltheit und Verrammeltheit und, ja, Imarschheit des Journalismus ist, diese Frage lässt sich ohne SPDiges Herumlavieren und brummdummes »Debattieren« beantworten mit: ja.

Neuerlicher Tiefpunkt der Umstrittenheiterei: Es gab laut dem »Historischen Bild des Tages« bei t-online – fasten your seatbelts –: »Hitlers umstrittenstes Flugzeug«.

Dass auch Hitler im eigenen Reich »umstritten« war, keine Frage; siehe Elser, Stauffenberg etc. Dass heutzutage sturheil wieder auf diese »Umstrittenheit« und mittlerweile mithin »Diskussionswürdigkeit« hingearbeitet wird – nun, es ist wohl nur noch eine Frage der Zeit, wann Hitler irgendwo qua Überschrift als »umstritten« bezeichnet wird. Sein tut er es schon.

(In der »Stadt der Reichsparteitage«, Nürnberg, wird dieser, pardon my french: Infodreck namens »Historisches Bild des Tages« schamlos auf den Infoscreens in den U-Bahnhöfen ausgestrahlt.)

Bilateral

28.05.2019 – »Das hab ich mit ihr bilateral abgesprochen und da hab ich euch jetzt erstmal rausgelassen.« Typ in der S-Bahn in sein Telefon. biLaTEraL?!
Jetzt Bock auf Suizidierung durch autogene Combustion.

Deutsche Post, was geht

»LU-GAU-ER?!«, höre ich durch die Gegensprechanlage, »Ja?!«, antworte ich erstaunt. »Paketpost, kannst du runterkommen?«, fragt er, und freilich kann ich. Unten angekommen, wartet er, Mitte 30 und dem – außer der Postbotenuniform – Erscheinungsbild nach Discogänger und Shishabarbesucher, auf mich, holt mit dem Arm weit zum Handshake aus und sagt eine langezogene Mischung aus Hey und Hallo – woraufhin ich verdattert einschlage und auf seine Frage: »Und, alles gut?« routiniert: »Jo, und selbst?« antworte. Dann »Unterschrift« auf dem elektronischen Kästchen, er noch »Ciao!« und ab.

Wurde bei der Deutschen Post etwa ein neuer Code of Conduct eingeführt?

Schlafensmüde

14.05.2019 – Im Tagebuch das Wort »schlafensmüde« benutzt, mich kurz gewundert, dass mir das ja schon  e w i g  nicht mehr in den Sinn gekommen war, und dann gesehen, dass es gar nicht im Duden steht oˍO Dabei ist es doch so schön!

Wie erklär’ ich’s bloß meinen Eltern?

Liebe FAZ-Rubrik »Wie erklär’ ich’s bloß meinen Eltern?«,

sobald auf einem Sharepic steht »wenn du zustimmst schick das Bild jeden deiner Kontakte«, dann leitet Mutter mir das per WhatsApp weiter. Auch Oster- und Weihnachtsgrüße in Form solcher Bilder bekomme ich weitergeleitet, obwohl ich in der Una Sancta nicht mal mehr Mitglied bin. Ich finde das alles schrecklich, auch wenn’s nur etwa fünfmal im Jahr vorkommt.

Was kann ich tun? Wie äußere ich mein Unbehagen, ja: meinen Unmut, ohne womöglich Traumata auszulösen? Ich wende mich an Dich, denn SZ-Magazin-Moralkapazität Dr. Dr. Dr., Quatsch: Dr. Dr. Rainer Erlinger befasst sich mit den Sorgen und Nöten von uns Kleinen ja nicht mehr. Und seinen »Ersatz« konsultiere ich im Leben nicht.

Liebe Grüße,
Handwerksmeister h.c. mult. Andreas Maria Lugauer

PS: Dass es Dich, liebe FAZ-Rubrik, gar nicht gibt, sondern nur Deinen – gewissermaßen – Sproß, die Rubrik »Wie erkläre ich’s bloß meinem Kind?«, würde ich übrigens auch gerne mit jemandem besprechen.

The Waschmaschinen Incident

25.04.2019 – Als ich Anfang des Jahres auf der Suche nach einer Wohnmöglichkeit für Berlin war, prahlte ich doch damit, in meiner WG schon mehrfach die Waschmaschine repariert zu haben, bzw. ich gab das als einen meiner Vorzüge aus.
Was soll ich sagen: Wo ich in Berlin momentan untergekommen bin, habe ich vorhin die Klospülung repariert. Und zwar das fragile, magische Kunststoffgerümpel eines in der Wand verbauten Spülkastens.
Wer jetzt will, dass ich auch mal bei ihr*ihm wohne: PM. Preise regelt der Markt.

04.05.2019 – In der WG, in der ich die kommenden zwei Wochen wohne, bin ich die ersten drei Tage alleine, weil die Mitbewohnerinnen hier und da und dort sind. Aus der Ferne erreichen mich Nachrichten, ob ich mich schon gut eingelebt hätte. Obzwar es diesen liebevollen und natürlich eher rhetorischen Nachfragen nicht angemessen wäre, möchte ich fast antworten: Freilich, weil wohnen kann ich gut. Denn, um Gerhard Polt aus einem Interview, in dem er unter anderem davon spricht, dass er gerne so vor sich hin schildkrötelt, zu zitieren: »Ich wohne gern.« (Interview: »›Ich sinnlose vor mich hin… und das mit Begeisterung!‹ Gerhard Polt spricht über die Langeweile.«)

06.05.2019 – Scheiße jetzt ist die Waschmaschine in der WG hier tAtSäChLiCh kaputt 😱 und jetzt fragt man freilich gleich mich weil ich mit meinen Reparierkünsten natürlich auch hier mords geprahlt hab aber ich hab keinen blassen Schimmer was es sein könnte 😫 Aber Moment Freunde, noch ist nichts entschieden! Hab erstmal empfohlen: Ausschalten, Netzstecker ziehen und warten weil ich bin Profi hehe
(»Fun« fact: Ich hatte das Reparier-Angeber-Posting vom 25.04. gescreenshottet und in die WG-Telegram-Gruppe (gibt’s, eh klar!) gestellt, weil lol nech. Und jetzt stehe ich da…)

08.05.2019 – Hallo Freunde, die Waschmaschine funktioniert wieder! Das Problem war eine Haarnadel feat. Haargummi, was beides im Flusensieb hing und den Abpumpmotor am abpumpen hinderte. Es war ein bisschen ein Geplätscher, bis das ganze Wasser erstmal rausgelaufen war, aber am Ende des Tages hindert mich kaum etwas an einer vernünftigen Reparatur und mit flinken Fingern habe ich die beiden Racker entfernt. Gerade läuft noch der erste Durchlauf nach ~the incident~, etwaige neuerliche Schwierigkeiten halte ich jedoch für äußerst unwahrscheinlich.
Liebe Grüße,
Handwerksmeister h.c. mult. Andreas Maria Lugauer

08.05.2019 – Update: Der erste Durchlauf verlief – wie erwartet – problemlos und jetzt kann wieder gewaschen werden, dass es sich gewaschen hat (?!)

Bügel: zugeklappt

Weil die Deutsche Post das Postkartenporto bald um 33,3% (!) von 45 auf 60 ct erhöht, möchte ich euch hier eine meiner liebsten Postkarten erzählen, die ich mal aufgab: Ihr Motiv ist ein Rattelschneck-Cartoon, zwei Männer mit Brille auf der Nase gehen darin ein Trottoir entlang, der eine hat aber die Brillenbügel noch zugeklappt, er sagt: »Hatte heute noch keine Zeit, die Bügel aufzuklappen«, und, ja, das war’s schon, ich warte jetzt die Entscheidung der Bundesnetzagentur über diese Schamlos-Erhöhung ab.

Klassikradio & Metallica

Auf BR Klassik spricht einer über eine Band seiner Jugend: Metallica. Denn auf Nachfrage der Moderatorin ›gesteht‹ er ein, auch Metal zu mögen. »Aber nicht dieses ganz krasse Zeug, natürlich.« Freilich geht es dann nur um »Nothing Else Matters«, Metallicas symphonisch unterlegten, hehe: Klassiker.

Der Typ (ich habe erst mitten im Interview reingekurbelt und weiß daher gar nicht, wer oder was er ist) erzählt dann – ganz Profimusikant – von der Entstehungsgeschichte dieses Songs. James Hetfield sei eben dieses einleitende Arpeggio eingefallen (bei dem er notabene nur ein paar leere Seiten anzupft), wusste aber nicht recht, was damit anfangen. »Also ging er damit zu seinem Perkussionisten, Lars Ullrich,« und dann blablabla.

James Hetfield, der Mann an der electronisch amplificirten κιθάρα (Kithara), und Lars Ullrich, der Perkussionist, genauer: der Meister über die Membranophone und broncenen Aufschlagidiophone (vulgär: Klangteller, straße: Becken) – wo kämen wir hin, wenn wir sie im Bildungsbürgerradio wahrheitsgemäß als lärmende Saufproleten describirten!

LG Andreas Maria Lugauer, Scriptor Populi et Libri Faciei

»Sohn, was ist nur los mit dir?«

»Sohn, was ist nur los mit dir? In deinem Alter waren andere schon Bundeskanzler von Österreich, haben das Leben von praktisch allen Menschen des Landes schlechter gemacht sowie unter anderem das Innenministerium und die Geheimdienste Neonazis überlassen – und du? Freust dich in meiner geburtstaglichen Kaffeerunde wie ein Blödian über Franz’ Versprecher ›Staubsaugerreporter‹?! Schämst du dich denn nicht!«
»Ja, freilich, schon… Aber sag: Der Staubsaugerreporter schnüffelt wohl jeden Dreck auf, lässt ihn dann aber doch einfach liegen, oder nicht :D«

Walter Benjamin’sche Hemmung

Nachts auf dem Nachhauseweg lag – ein selten Ding! – eine leere, tailliert eingedrückte Getränkedose auf dem Trottoir (Fanta normal). Ich hab sie leider nicht lässig weggekickt. Denn eine Hemmung hatte mich befallen wie Bart Simpson an der Zwille, als er graue Schuluniform tragen musste.

Die Hemmung wehte vom Paradiese her, die sich in meinen Flügeln verfangen hatte und so stark war, dass ich sie nicht mehr schließen konnte. Diese Hemmung trieb mich unaufhaltsam in die Zukunft, der ich den Rücken kehrte, während der Getränkedosenhaufen vor mir zum Himmel wuchs. Das, was wir den Fortschritt nennen, war diese Hemmung.

Gummipflege

01.04.2019, 22.44 Uhr: Gerade eben Zähne geputzt mit meiner noch neuen Oliver James-Bürste (siehe hier). Oliver James. Danach aus Jux und zum ersten Mal vom bislang ausschließlich benutzten Modus »Clean« über »White«, »Sensitive« und »Massage« runter auf »Gum Care« geschaltet und ein bisschen Gum care betrieben.
Meine Zahnpolitik lautet ab jetzt: Leave no gum behind!

Edel Bitter 70% Cacao

Bock auf Schokolade, aber nur noch Moser Roth Edel Bitter 70% Cacao* da 😩

Weint nicht um mich, ich bin schon längst tot.

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* Geschenk von Mutter. Kann man den uneingestandenen Hass auf die eigenen Kinder präziser und maliziöser, mithin schlechter sublimiert ausdrücken?

Spam-Mails

19.03.2019 – Leute sollen mir für ihre Vorträge bei einer Veranstaltung Dateien zuschicken. Damit ich sie auf eine Plattform uppen kann. Einige davon erreichen mich nicht. Ich frage nach. Sie schauen. Was mit den Mails passiert ist. Und da schau her. Im Spam-Ordner sind Benachrichtigungen. Die Mails konnten nicht zugestellt werden; im S p a m – Ordner.

Email-Anbieter von teilweise Weltrang hauen ihren Nutzer*innen solche Benachrichtigungen in den Spam-Ordner. Kein Mensch kriegt was davon mit. Kein Mensch kann etwas davon mitkriegen. Daher Nachfragen. Antworten. Suchereien. Ah jetzt. Nochmal. Hier bitte. Ja danke. Jetzt ist es da.

Es ist doch alles zum Verzweifeln vernagelt und brunzdumm schon auch.

Uni-Post

Immer wenn ein brief von der uni im postkasterl liegt sofort angst wegen irgendeiner Scheiße vorzeitig exmatrikuliert worden zu sein »Sie haben die credit leistungen gemäß bestimmung Nr. A38 nicht erbracht … disdas … deswegen sahen wir uns gezwungen, naja … freuen wir uns Ihnen mitteilen zu dürfen … auf ›Wiederschaun‹ jedenfalls!« Dann geklingel an der tür sofort abmarsch auf die insel der schrecken Oh nein! »aber insel der schrecken ist doch nur ein name!« puh…! »in echt ist es nur eine halbinsel« und dann machen dort flugsaurier und diverse boden-boden-untiere menschenjagd und niemand kann entkommen alle werden gefressen und sind beim verdaut werden noch teilweise bei bewusstsein ihr kennt das
bislang war’s noch immer bloß eine aufforderung der uni-bib ein buch das jemand reserviert hatte zurückzugeben – ja die uni-bib erlangen macht sowas noch per papierpost extra aber ich glaube die exmatrikulationsangst ist einkalkuliert und teil des überwachen und strafens damit niemand zu aufmüpfig wird hier und noch auf gedanken kommt
oh man mein leben ist so aufregend,

Wohnen kann ich gut

04.05.2019 – In der WG, in der ich die kommenden zwei Wochen wohne, bin ich die ersten drei Tage alleine, weil die Mitbewohnerinnen hier und da und dort sind. Aus der Ferne erreichen mich Nachrichten, ob ich mich schon gut eingelebt hätte. Obzwar es diesen liebevollen und natürlich eher rhetorischen Nachfragen nicht angemessen wäre, möchte ich fast antworten: Freilich, weil wohnen kann ich gut. Denn, um Gerhard Polt aus einem Interview, in dem er unter anderem davon spricht, dass er gerne so vor sich hinschildkrötelt, zu zitieren: »Ich wohne gern.«


Hinweis: Das angeführte Interview ist nach wie vor lesenswert: »›Ich sinnlose vor mich hin… und das mit Begeisterung!‹ Gerhard Polt spricht über die Langeweile«, https://sz-magazin.sueddeutsche.de/bayern/ich-sinnlose-vor-mich-hin-und-das-mit-begeisterung-78621.

Oliver James

Meine neue Schallzahnbürste ist von Oliver James. Nicht etwa von ordentlichen Dentalhygieneanbietern mit Phantasienamen wie Oral-B, Panasonic oder Philips. Nein: James, Oliver James.

In der Spitze 40.000 Vibrationen pro Minute macht sie laut Oliver James. Die Borsten sind wohlig weich. Das Putzgefühl erinnert an die Apparaturen, mit denen Zahnärztinnenhelfer (w*m) Zähne polieren. Geräuschmäßig meine ich, eine dieser windigen Drohnen mit Hochfrequenzrotoren im Mund zu haben. Alle dreißig Sekunden unterbricht der Timer die Vibrationen für einen Sekundenbruchteil, nach zwei Minuten schaltet er die Bürste ab. Bislang schaltete ich aber jedes Mal wieder ein, weil ich noch nicht fertig war. Merkwürdig: Mit dem vorigen Gerät schaffte ich es meist in unter zwei Minuten.

Fünf Modi »für 5 unterschiedliche Zahnputzerlebnisse« hält die Bürste vor: Clean, White, Sensitive, Massage, Gum Care. Mindestens drei davon braucht aber kein Mensch. Neben Clean höchstens alle heiligen Zeiten mal Sensitive, wenn man irgendwo empfindlich ist im Mundraum. Pluspunkt: Die Bürste merkt sich den aktuell gewählten Modus fürs nächste Mal, man muss nicht jedes Mal alle durchschalten.

Oliver James. Auf den Namen komme ich noch nicht klar. Oliver James. Es war nicht das teuerste Modell, Oliver James’ Design sagt aber an jeder abgerundeten Ecke, dass es zumindest so aussehen will. Schon mit dem edlen matten Schwarz und dem prunkvollen glänzenden Goldring oben am Kragen zum Andockzapfen für den Bürstenaufsatz bedeutet uns das Gerät: Entlehnt bin ich Schlafzimmerspielzeug gehobener Damen von Rang und Namen.

Na hoffentlich ist Oliver James nicht der Michael Kors der Mundhygiene.

Anmerkung: Nachdem dieser Beitrag entstanden war, erfuhr ich, dass Michael Kors keineswegs der Billo-Designer ist, für den ich ihn gehalten hatte. Dieser Eindruck rührte daher, dass in öffentlichen Verkehrsmittel meiner werktäglichen Wege geschätzt jede dritte junge Frau eine Handtasche dieses Designers über der Schulter hängen hat. »Mei, vielleicht wollen sie einfach nicht mehr nur gefälschte Louis Vuitton-Taschen mit sich führen, sondern lieber (zwar billige, aber eben) originale.« Und dann schau her: Erfuhr ich also, dass Michael Kors’ eigentlich auch 1000-€-Trümmer sind und die Taschen, die mir im Alltag begegnen, wohl auch zumeist Replikas sind. Aber sowas wie Ed Hardy würde im Schlusssatz des Beitrags einfach nicht passen.

Kreisverkehre

Der mit Abstand allergrößte Schmarrn sind doch Kreisverkehre mit Rechts-vor-links-Regelung. Es wundert mich jedes Mal aufs Neue, dass auf deren Inseln nicht stapelweise Autowracks von Vorfahrtsmissachtungsunfällen rumliegen, die teilweise noch rauchen bzw. gerade am explodieren sind und mitunter auch Personen beinhalten, weil die Rettung einfach nicht hinterherkommt. Statt dessen tun alle so, als seien Rechts-vor-links-Kreisverkehre das Normalste von der Welt und es funktioniert unverständlicherweise praktisch  r e i b u n g s l o s . Wem da die Vorfahrt genommen wird, merkt es in den meisten Fällen wohl nicht mal.

Dabei wäre es kinderleicht. Auf allen Kreisverkehren sollte gelten: »Wer auf der Kreisverkehrsfahrbahn ist: fahri-fahri, alle anderen: warti-warti.« Aber dann kommen wieder der ADAC und andere Schlauberger und rufen: »Gleichmacherei! Sozialismus! Gesunder Menschenverstand! Feurio!«

Naja, mir kann’s im Grunde wurscht sein, denn ich weiß in der ganzen Metropolregion Nürnberg-Fürth-Erlangen nur von einem einzigen Rechts-vor-links-Kreisverkehr (den am nach dem letzten Erlanger Nazi-Statthalter benannten Lorlebergplatz, Erlangen). Aber so kann’s ja wohl trotzdem nicht zugehen!!

#TohuwabohuDeutschland

Stille Lerninsel

An der wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Fakultät der Uni Erlangen weiß man noch, wie man ›freundlich‹ darauf hinweist, dass die Leute gefälligst ja ihre Mäuler halten. Mit vier Schildern auf einem Quadratmeter. Man widerspricht sich zwar – »stille Lerninsel« und »ausschließlich stille Arbeit« VS. »sprechen Sie leise« –, aber damit hat man den Vorteil, nur unliebsame Personen ausschließen zu müssen (»Könnt ihr nicht lesen, ihr Kanax? Da steht extra ›Keine Gespräche‹! Kein Wunder, könnt wohl kein Deutsch, was? Und jetzt raus mit euch Geschmeiß!« VS. »Oh, Verzeihung, dürfte ich Sie bitten, etwas leiser zu sprechen? Vielen Dank. Und, sagen Sie mal: Sie sind sehr hübsch – wollen wir vielleicht einen Kaffee trinken gehen? Mein Büro ist gleich da drüben, kommen Sie einfach rein, wenn Sie Lust haben. Ich würd mich sehr freuen, mon chérie! *zwinker-zwonker Luftkuss*«).

Hach, Wirtschafts»wissenschaftler« müsste man sein! *träum*

Guten Appo!

»Guten Appo!« für »Guten Appetit!« hielt ich bislang für eine Internet-Spaßabkürzung wie »GuMo«, »Gümchen« oder »DaSchö«. Als ich einen Februarabend in Frankfurt im Kreise teils professioneller Komiker*innen mit Internethintergrund verbrachte, freute ich mich, dass es dieses Kuriosum auch ins RL geschafft hat und amüsierte mich über seine herzhafte Verwendung bei Tische.

Tags darauf wurde ich vom Frankfurter Andreas Unteregge darüber aufgeklärt, dass es sich mitnichten um ein Internetkuriosum handle, sondern um eine in Hessen übliche Essensgrußformel. (Sogar mit Internetbelegen!) Lustig finde ich es jetzt allerdings immer noch, nur anders.

Für was immer an Lukullischem ihr euch heute noch genehmigt, wünsche ich euch jedenfalls von Herzen  g u t e n  A p p o !

Mein Maddin-Schneider-Moment

18.02.2018 – Heute im IC-Bordresraurant hinter Martin »Maddin« Schneider – dem Sat.-1-Comedien mit dem Trademark »Aschebeschä« für »Aschenbecher« –  angestanden. Unverkennbar zu erkennen war er nicht am Aussehen, denn er hat einen ganz normalen Rücken und überhaupt von hinten eine äußerst gewöhnliche Erscheinung, sondern an der Stimme. Er spricht ›in echt‹ genau so wie als Bühnenfigur, d.h. mit tiefhessischem Dialekt und großvolumigen Mundbewegungen, die etwa die »sch«-Laute so markant machen.

Angesprochen hab ich ihn freilich nicht. Nicht etwa wegen Starstruckedness oder so, sondern er soll ja wie jede*r andere seine Ruhe haben können. Und wenn mir das aber egal wäre: Was sagst du denn zu einem Comedien, den du zuletzt vor 13, 14 Jahren auf Sat. 1 gesehen hast und nie lustig fandest, weil bloße Komisierung von Dialekten zumeist dämlich und das Lachen darüber schäbig ist, im Falle von ostentativer geistiger Langsamkeit sowieso?

Fun Fact im vollen Wortsinne: »Schneider hat eine Zwillingsschwester namens Martina.« (Wikipedia) Die Zwillinge Martina und Martin also; da kommt Maddins »Humor« scheint’s nicht von ungefähr.

Doku-Kritik: »Doomsday Preppers« (National Geographic)

Bereits die ersten Prepper/innen in der allerersten Folge lassen mich ratlos zurück: Es heißt, sie bereiteten sich darauf vor, dass sich die Magnetpole der Erde umkehren – der Nord- wird zum Südpol und umgekehrt. Was, wie Herr Prep »believes«, Folgen zwischen schweren Erdbeben und Verschiebungen ganzer Kontinente zur Folge haben könne. Statistisch passiere es alle 400.000 Jahre und gegenwärtig seien wir schon ein ganzes Stück »drüber« (300.000 Jahre, wenn ich mich recht erinnere). Also lege Frau Prep mit ihrem Mann in Texas ein kleines (schusssicheres!) Reservat aus Überseecontainern an, in dem sie wohl 15–20 Jahre überleben können. 50 Stunden pro Woche verwendeten sie auf Essen Einkochen, Schießübungen, Austüfteln von Energieversorgungseinrichtungen (Wind, Sonne, Scheiße) etc.

Eine junge Frau von Mitte 20 aus Houston glaubt, in ihrem Leben komme es mal zum Zusammenbruch der Ölversorgung. Sie nennt es (bestimmt 13 Mal in ihren 15 Minuten): »When the shit hits the fan.« Daher halte sie in ihrer leider nur 56 m² großen Wohnung Nahrung, Wasser etc. für den Ernstfall vor, hauptsächlich allerdings einen gepackten Notfallrucksack, um zum Vehikel am unbekannten Ort außerhalb der Stadt zu wandern, »and then I go to Mexico«. Wenn die Ölversorgung erlegen sei, herrsche in der Stadt Chaos, Raub und Totschlag – »but I’m a machine«: vier Stunden pro Tag trainiere sie, sechsmal die Woche.

Was auffällt: die Alle-gegen-alle-Mentalität der gezeigten Prepper*innen. Sie wirken wie vollständig atomisierte Individuen einer Gesellschaft, die für sie schon pre-doomsday gar keine mehr ist. Wichtiges Prepping-Element: irrsinnig viele Waffen mit entsprechender Munition; die anderen sind stets und bloß Feinde, das eigene Überleben will rücksichts- und erbarmungslos geschützt werden. Mit einem apokalypseartigen Zusammenbrechen der kompletten Infrastruktur scheint für sie zugleich die Zivilisation aufgehoben zu sein. Man ist in ihren Augen dann offenbar nicht mehr Individuum, sondern nur noch Exemplar einer Gattung.

Dass Katastrophenszenarien eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe sind, bei denen es gilt, möglichst vielen Menschen das Über- und Weiterleben zu ermöglichen, spielt für sie keine Rolle. Präjudizierte Asozialität bestimmt ihre Vorbereitungen; um nicht zu sagen: in die Zukunft projizierte.

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Was ich mich beim Schauen fragte: Wie schaffen es Leute, in einer Tour Dokus anzuschauen? Klar, im Falle einer apokalyptischen (Natur-)Katastrophe würde ich, auf mich allein gestellt, aufgrund meiner durch-und-durch-zivilisierten Unbeholfenheit wohl keine drei Tage überleben. Beim Schauen solcher Dokus allerdings stürbe ich schon nach drei Stunden. Die sensationalisierenden, gar alarmistischen, aber ruhig und mit fester Stimme vorgetragenen Kommentare aus dem Off, die schnellen Schnitte, die teilweise willkürlichen illustrativen Bilder (in diesem Falle: beliebige Riots und das ein oder andere katastrophale Naturereignis), der leicht erkenn- und durchschaubare dramaturgische Aufbau, und über allem thronend das Bewusstsein darüber, praktisch alles Gezeigte unterliege einer gewissen Gemachtheit und der Ausdruck »Reality TV« lüge höchstens bei den Candid shots im Hintergrund nicht – das ist zu viel für mich.

Nach diesen 45 Minuten würde ich nicht behaupten, etwas über Prepper*innen zu wissen; höchstens etwas über die Sendung »Doomsday Preppers«.

Faktenmagazin Titanic

In der aktuellen Titanic-Ausgabe habe ich von Paula Irmschler und Ella Carina Werner gelernt, dass die Abkürzung WWF für »World Wide Fund for Nature« steht (04/2019, S. 30). Beim Lesen dachte ich: »Ich dachte, es stehe für ›World Wildlife Fund‹!« Ja, logo, ich denke den Konjunktiv freilich mit.

Flugs bei Wikipedia nachgeschaut und natürlich haben Irmschler und Werner recht: Seit 1986 und damit seit meinem Geburtsjahr heißt er statt »World Wildlife Fund« »World Wide Fund for Nature«. All die Jahre – im Unwissen gelebt!, und erst Satirikerinnen Irmschler und Werner entstellen mir die Wirklichkeit zur Kenntlichkeit!

Tagesschau.de hingegen – und darum dieses Posting – schreibt fröhlich »World Wildlife F o u n d a t i o n « vor sich hin (https://www.tagesschau.de/ausland/wal-plastik-105.html). Aber wen juckt’s, weithin ist doch eh schon alles bummswurscht und vermaledeit vernagelt bis zum Geht-nicht-Mehr.

Immerhin schmunzeln musste ich, erinnerte es mich doch daran, wie ein tm3-Kommentator einst die »World Wrestling Federation« im vollen vom Kampfgeschehen gefluteten Überschwange als »World Wrestling Foundation« bezeichnet hatte – und ich dabei an die »Foundation für Recht und Verfassung« aus der Serie Knight Rider hatte denken müssen, woraus sich freilich sogleich die Vorstellung der »World Wrestling Foundation für Recht und Verfassung« mit Michael Knight als Oberwrestler für die Unterdrückten ergeben hatte.

Kaffeepulver w/o Kaffeefilter

Einkaufen in Fremdsupermärkten ist ja per se ein Abenteuer; die Anordnung des Sortiments nicht zu kennen und dennoch alles zu erwischen, was man braucht, eine Aufgabe, die mitunter viel Zeit erfordert.

Dass der »Kaufland«-ähnliche »Marktkauf« mitten in Nürnberg es allerdings fertigbringt, alles an Kaffeepulver und Anverwandtem im Untergeschoss einzuregalen, die Kaffeefilter hingegen im Erdgeschoss, halte ich für Verrat an der kapitalistischen Idee.

Beobachtungen aus der Fitte

In den Fitnessvideos auf den Entertainment Screens bei McFIT werden weibliche Brüste auf dieselbe Art und Weise ins Bild genommen wie bei »Star Trek:TNG«-Folgen zu Lebzeiten Gene Roddenberrys.

(Beliebtes »Stilmittel«, Quatsch: sehr häufig eingesetzter lüsterner Male-gaze-Quatsch in den ersten paar TNG-Staffeln: Schnitt, Kamerafahrt über Brüste, eigentliche Szene. Auch »gerne genommen«: Gesicht-und-Ausschnitt-Aufnahmen von Deanna Troi a.k.a. Marina Sirtis.)

***

Neulich übte in einem solchen Video ein Bodybuilder alleine in einer alten leerstehenden Industriehalle. An den Wänden vereinzelt Graffiti. Häufig zu sehen an der Rückwand: der Schriftzug »ACAB«. – Ich meine, Low carb schön und gut, aber ist »All carbs are bastards« nicht ein unangebrachter Generalverdacht?

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aktu Playlist:

aufm Rudergerät Heino Jaeger, »Lebensberatungspraxis Dr. Jaeger«, »Alkoholprobleme in Dänemark«, »Wie sieht’s bei euch aus«
Heinz Strunk, »Trittschall im Kriechkeller«

aufm Crosstrainer The Prodigy, »The Fat of the Land«
Justice, »Audio, Video, Disco«
Pygmalion, »Supersymmetry« (instrumentaler Prog Metal, Anspieltipp)

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Die Entertainment Screens laufen noch mit Windows 7. Kürzlich hängte sich einer auf und man konnte anschließend der Hochfahrroutine zuschauen.

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Ich mag nicht mehr.

So, das war’s, ich schreibe ab jetzt nix mehr. Kein Wort. Können mich alle mal kreuzweise am Arsch, ehrlich.

Warum? Vor einiger Zeit wünschte ich in einem kleinen Text allen Leuten, die bei manuellen U-Bahn-Türen nur eine der beiden Türhälften öffnen, Höllenstrafen an den Hals. Für mehr Reichweite als hier auf meinem Blog sagte ich ihn sogar im vergangenen November in der Lokalradiosendung »Eisenbart und Meisendraht« durch (siehe hier).

Und was passiert? Spätestens, allerspätestens seit der Radiosendung öffnen nicht mehr nur manche, sondern ausnahmslos A L L E nur eine der Türhälften. Und das ist entweder Absicht oder Strafe Gottes, weil es freilich hybrid ist, hier auf Erden Höllenstrafen zu verteilen. Flammen sollen ihre feisten Händchen und Fußsohlen bezüngeln bis in alle Ewigkeit! Ich aber schweige fortan.

Bone chillin’ Gruselgeschichte zur Nacht

29.01.2019. Heute bat ich jemanden um eine kleine Hilfe, und weil ich nicht einfach »Hilfst du mir bitte?« schreiben wollte, bat ich um »HALP!« Was, wie ich ergänzte, in einer Simpsons-Episode gestrandete Kinder als Hilferuf für Flieger in den Sand am Strand schreiben und, wie ich ferner anmerkte, in der deutschen Synchronfassung merkwürdigerweise als »Hilpe!« vorgelesen würde. Jedenfalls müsse ich – wie ich bei STOP-Schildern wegen eines lustigen Internetbildchens eines Straßenbaufails grundsätzlich »Sotp« denke – beim Ausdruck »Hilfe« immer »Halp« oder »Hilpe« denken. (»Wie umständlich kann man um eine kleine Hilfe bitten?«)

Der um Hilfe Gebetene erinnerte sich dieser Episode; sowie auch derjenigen, in der Homer Simpson Jesus um Hilfe rufen will, aber »Rette mich, Jebus!« plärrt. Beziehungsweise, wie der Gebetene meinte, dass es in der deutschen Fassung aus unerfindlichen Gründen heiße: »… Jemus«.

Jetzt, freilich, Jebus oder Jemus, hin oder her, mir schoss jedenfalls ein Text durch den Kopf, den ich mal zum Themenkomplex Homer Simpson und Jebus geschrieben hatte, und ich beschied ihm den Link.

Und jetzt – leckt mich am Arsch, ey! – kommt’s: Geh’ ich hernach ins Facebook rein, zeigt es mir eine Memory für einen Beitrag von vor genau einem Jahr an, und um welchen handelt sich’s? (Naja, das riecht jetzt jede*r zehn Meter gegen den Wind…) DEN HOMER SIMPSON JEBUS TEXT !!

Jens Mander

Kürzlich wurde ich darauf aufmerksam gemacht, dass ich noch einen Account beim Streaming-Anbieter »last.fm« hatte. Seit ich ihn eingerichtet hatte, nutzte ich ihn jedoch so gut wie gar nicht. Weswegen ich ihn denn bei der neuerlichen Erinnerung daran auch löschte.

Was ich immer lustig fand: meinen last.fm-Nick, JensMander1. (Finde ich auch heute noch lustig tbh)

Wie der zustande kam und warum ich den lustig finde? Nun: »Jens Mander«, das war einmal der »Beispielname«, den die Windows-Installationsroutine anzeigte, wenn man aufgefordert wurde, einen Benutzernamen einzugeben. »Wtf«, dachte ich damals, »haben die Angst, dass Installierende ihren Namen nicht wissen könnten?! Und wie in Herrgottsnamen kommen die auf diesen sagenhaft unscheinbaren, ja wirklich nach ~nichts~ klingenden Namen ›Jens Mander‹?!?!«

Zum Aschermittwoch: Zwei Bekenntnisse aus einer sehr dummen Kindheit

(1) Es muss die Fußball-WM der Herren ’94 in den USA gewesen sein, ich demnach in der zweiten Klasse, als ich erstmals mit der Kampagne »Keine Macht den Drogen« der Bundesregierung konfrontiert wurde. Ihr einprägsamer Schriftzug in weißen Großbuchstaben über magentafarbenem Querbalken und vor schwarzem Hintergrund prägte sich mir ein: »KEINE MACHT DEN DROGEN«. Nur: Ich verstand nicht, was das bedeuten solle. Denn nach meiner »Lesart« war »MACHT« ein Verb, »KEINE« das Subjekt und »DEN DROGEN« – schlicht falsch! Denn Akkusativ bzw. »wen oder was?« von »Drogen« wäre ja eindeutig »DIE DROGEN«.

Bloß: Selbst wenn dort gestanden hätte »KEINE MACHT DIE DROGEN« – das wäre zwar (nach meiner Lesart) grammatisch richtig gewesen, aber semantisch hätte es kaum was gebracht. Ich konnte mit diesem Slogan so oder so nichts anfangen, seine Bedeutung blieb mir verwehrt. Aber ja mei, manchmal stehst halt aufm Schlauch, nicht wahr. Jemanden zu fragen traute ich mich nicht; und das war wohl auch besser so, denn da hätte ich in der kleingeistigen Provinz ganz schön dumm ausgeschaut, wenn ich mich mit dieser Stupidität geoffenbart hätte.

Bis mir eines Tages – ich kann ihn zeitlich leider überhaupt nicht eingrenzen, auch nicht durch eine Fußball-WM – plötzlich der imperativische Modus der Aussage klar wurde und ich verstund: den Drogen solle keine Macht eingeräumt werden. Na sauber!, dachte ich, das ist ja auch nicht viel besser als das ewige genäselte »Drogen sind schlimm, Kinder, mmkay, nehmt keine Drogen, mmkay!« des Schulpsychologen Mr. Mackay aus »South Park«.

Die Kampagne jedenfalls, so weiß Wikipedia, verfehlte ihre Ziele krachend, von Drogen hielt sie offenbar kaum jemanden ab, die Leute gewährten ihnen weiterhin Macht nach Lust und Laune. Aber ob es außer mir noch andere gab, die eine solch desolate, ja desaströse Lese- und Interpretationsfehlleistung hinlegten?

(2) An der Bushalte, es dürfte Frühjahr/Sommer/Herbst der dritten oder vierten Klasse gewesen sein, warteten wir am frühen Nachmittag auf Herrn Weinzierl mit seinem kleinen Gemeindeschulbus, um zum Nachmittagssport gefahren zu werden. Jedes Kind begrüßte ihn beim Einsteigen mit »Griaß Gohd, Herr Weinzierl!« und verabschiedete ihn beim Aussteigen mit »Pfüa Gohd, Herr Weinzierl!« – und zwar unironisch. Er war einer der Dorflandwirte mit Hof an der Dorfstraße, an die 60 Jahre alt und alles in allem eine großväterlich freundliche Respektsperson. Hochdeutsch sprechende Kinder, die »Grüß Gott!« und »Auf Wiedersehen!« gesagt hätten, gab es nicht. Wie ausgewachsene Beamt*innen stellten wir unsere Sportsackerl in einer Reihe zum Bordstein der Bushalte auf, und zwar in der Reihenfolge unseres Eintreffens. In dieser Reihenfolge stiegen wir dann in den Bus ein. Wer unter den ersten drei war, stand zwar womöglich unnötig lange an der Bushalte herum – Bushalte war aber eh meist eine Gaudi –, hatte allerdings Chancen auf einen der drei Sitze in der ersten Reihe, vorne beim »Bufffahrer«.

Idiotisch grobes Gedränge, Geschiebe, Gezerre und Gefluche beim Einsteigen, das gab es erst ab den weiterführenden Schulen. – Ach so, bevor ich mich hier in Allgemeinerinnerungen verfranse, ich wollte doch ein Bekenntnis aus einer sehr dummen Kindheit bekennen: Ich und zwei Mitschülerinnen (w/m), Mrs. und Mr. Oberschlau, stritten uns bei einer dieser Wartereien auf den Bus zum Nachmittagssport um irgendwas, ich weiß nicht mehr, was. Dabei verstand ich irgendeinen Ausdruck, den sie altgescheit benutzten, nicht. Ja mei, was soll ich sagen: manchmal stehst halt aufm Schlauch, nicht wahr. Die beiden sahen das nicht so und verspotteten mich als begriffsstutzig.

Und was soll ich sagen: Den Begriff »begriffsstutzig« verstand ich auch nicht. Ich hatte ihn noch nie zuvor gehört. Schon phonetisch war ich völlig auf dem falschen Dampfer: »bechriststutzig« war das Sinnvollste, was ich Ministrant mir zusammenreimen konnte – sie hatten den Ausdruck sehr schludrig-nachlässig ausgesprochen und noch einen dieser Milchzahnsprachfehler, die dann mit den Zweiten verschwinden –, aber auch das ergab keinen Sinn.

Der Streit war mittlerweile vergessen, jetzt lachten sie mich aus, weil ich den Begriff »begriffsstutzig« nicht kannte und nicht verstand. Immerhin begriffen sie nicht, dass ich mich durch die Begriffsstutzigkeit am Begriff »begriffsstutzig« – in Grundschuldiktion: als turbobegriffsstutzig erwiesen hatte.

Im Sportunterricht war alles wieder vergessen. Aber der Ausdruck »begriffsstutzig« ließ mich lange nicht los. Wiederum mochten Jahre in den Kalender gezogen sein, ehe sich mir seine Bedeutung erschloss.

Alte Leute

Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg: Am Personal-/Bibliothekseingang steht ein älteres Paar und rätselt, wo der richtige Eingang, der zum Museum, sei. Ich, gerade von der Kaffeepause kommend, nähere mich der Szenerie. Als ich das Paar passiere, dreht sich dessen Frau zu mir und sagt:

»Wo ist denn hier der Eingang zum Museum«

Blank dergestalt, kein »Entschuldigung bitte, …«, kein »Verzeihen Sie …« oder ähnliches. Nachdem ich ihnen Auskunft gab, ziehen sie ab, ohne sich zu bedanken oder gar zu verabschieden.

Kneipe »Café Express«, Nürnberg: Eine dreiköpfige Bluesrockband gibt ein Konzert. Es ist nicht nur voll, sondern geht eng her im Gastraum. Nach der Show räumen die Musikanten (»Doc Knotz, Keili Keilhofer [sic] [und ein Dritter, Name vergessen]«) ihr Instrumentarium ins Auto raus. Mit Freunden stehe ich nahe des Eingangs um den nicht mehr besetzten Kassen-Stehtisch.

Eines der Bandmitglieder, weißhaarig und um die 60, nähert sich mit einem Riesentrum in der Hand, ich halte ihm selbstverständlich die Türe auf. Er geht vorbei, ohne sich zu bedanken oder sonst wie sich äußernd. Als er wieder reinkommt, stößt er Freund Mattes, der unglücklich im Eingansbereich steht (es ist schlicht kein Platz), wortlos die Faust ins Kreuz und will ihn wegdrücken. Wir wundern uns über so viel Unverschämt- und Mundfaulheit.

Als er mit der Basstrommel auf dem Weg nach draußen ist, öffne ich ihm abermals die Türe. Wieder latscht er vorbei, ohne einen Ton zu sagen oder anderweitig Beachtung zu zeigen. Ich bescheide ihm: »Da kann man fei danke sagen«, woraufhin er zurückschnauzt: »Naa komma ned!«, zu Deutsch: »Nein, kann man nicht!«

Sauna: Eine ältere Frau, stets im leopardenen Louis-Vuitton-Bademantel auf ihrem Louis-Vuitton-Handtuch im Liegestuhl rumlungernd, ist während des Aufgusses in einer Tour dabei, ihrem Mann irgendwelche Sachen ins Ohr zu labern. Das nervt mich, denn ich bin der Ansicht, es gebe nur recht Weniges, was man während eines zehnminütigen Aufgusses unbedingt mitteilen müsste und nicht bis nach dessen Ende warten könne. Aber wer bin ich, da gleich rumzumosern.

Als sie nach dem Aufguss – fast alle verlassen die Kabine, unter anderem sie und ich bleiben noch ein wenig hocken –, komplett alle Rücksicht fahren lässt und daherlabert, als befänden wir uns im musikdurchwogten Wirtshaus, bitte ich freundlich darum, ob wir nicht noch eine kleine Schweigeminute einlegen könnten, sei doch die Sauna ein Ruhebereich.

Woraufhin ihr nichts Besseres einfällt, als mich anzuraunzen, das stimme überhaupt nicht, in der Sauna dürfe man außerhalb des Aufgusses ganz normal reden. Dass andere davon gestört sein könnten, kommt ihr scheint’s nicht in den Sinn. Der Sinnlosigkeit des Gesprächs eingedenk entgegne ich ihr: »Darüber können wir jetzt gerne streiten, aber bitte schweigend.«

Ihr passt das merklich gar nicht, aber weil ihr wohl kein Konter einfällt, ist sie endlich still.

Wenn ihr mich fragt: Alte Leute sind ganz schöne Wichser, und irgendjemand sollte ihnen mal wieder Manieren beibringen.

»Aber das kann man erstens so krass gar nicht sagen und zweitens stimmt es überhaupt nicht!« Doch. Und doch.

Gewiss, die Klage über die Alten mag alt sein, alt wie die Menschheit gar. Der alte Hesiod z.B., einer der ersten Menschen überhaupt, sagte schon: »Ich habe keine Hoffnung mehr für die Zukunft unseres Volkes, wenn sie von den leichtfertigen Alten von heute abhängig sein sollte. Denn diese Alten sind ohne Zweifel unerträglich, rücksichtslos und altklug. Als ich noch jung war, lehrte man uns gutes Benehmen und Respekt vor den Eltern. Aber die Alten von heute wollen alles besser wissen.«

Augen- und ohrenscheinlich, ach was: alle-Sinnen-scheinlich (sie stinken ja auch so! Außerdem schmecken sie fürchterlich und fühlen sich grauenhaft an) hat diese Klage nichts von ihrer Aktualität eingebüßt. Ob es schlimmer geworden ist, lässt sich ad hoc nicht beantworten. Sicher ist nur: So, wie es zum Wohle aller eine gute Idee wäre, alten Leuten von Zeit zu Zeit eine erneute Führerscheinprüfung abzuverlangen, scheint es sinnvoll, für nach dem Erwerbsleben eine erneute Schulpflicht einzuführen. Wo die Leute von gestern an die Erfordernisse von heute herangeführt werden.

Mein erstes YouTube-Video

Übrigens erinnere ich mich noch an das allererste Video, das ich auf YouTube sah. Es ist leicht zu merken, denn es ist ein Musikvideo, in dem sich praktisch alles vor zwei blutverschmierten gefliesten Wänden abspielt: «Bleed for Me» von Legion of the Damned aus dem Jahre 2006.

Drauf gestoßen bin ich einem Chatraum bei ChatCity (wo es wohl auch schon mal besser lief: «am 16.12.2018 um 18:34:55 waren 428 NICKs eingeloggt». Erstaunlich immerhin, dass es das noch gibt). Ich unterhielt mich mit einem Typen über Metal und er schrieb irgendwann, dass er Legion of the Damned gut fände. Ich kannte die Band bis dahin nicht. Daher frug er – es war exakt der zitierte Wortlaut –: «Magste legion hören?», und schickte, ohne meine Antwort abzuwarten, den YT-Link.

Gleich draufgeklickt natürlich, ohne zu wissen, wohin mich das führen würde. Und schon polterte aus den PC-Boxen niederländischer Thrash Metal und wischte der Sänger im Video über den blutverschmierten Boden. (Freilich hatte ich nicht gedacht: «Ah, niederländischer Thrash Metal!» tbh. Das habe ich soeben erst recherchiert.)

Als ich zurück zum Tab des Chatraums wechselte, wusste ich nicht, wie mir geschah. Denn obwohl ich den Tab gewechselt hatte, lief im Hintergrund noch die Musik! Das kannte ich noch nicht und erstmal wusste ich nicht, was ich tun sollte. Als der Song durch war, hörte es dann auf; Autoplay gab es damals noch nicht, und wenn, dann hätte es der Script-Blocker locker unterbunden.

Bald darauf divete ich deep in all den Schmarrn, der auf YouTube ausgestellt wird und fand auch heraus, dass es normal ist, dass Videos im Hintergrund weiterlaufen. Heutzutage bin ich kaum noch auf YouTube, es ist einfach nicht mehr mein ‹Ding›.

Magste legion hören? https://m.youtube.com/watch?v=zWyihNFbOzo
(15 Sekunden langen eigentlich, dann hat man alles gesehen/gehört.)