Fernsehen, dann AfD

Seit einiger Zeit habe ich gelegentlich Gelegenheit, morgens oder vielmehr vormittags fernzusehen, das ganze Spektrum des ÖR und PF, von ARD/ZDF-»Morgenmagazin« über »Volle Kanne!« (mangels einer Susanne nicht mehr wie früher »Volle Kanne Susanne!«), »Verklag mich doch!« (?), eine Sendung, deren Namen ich nicht kenne und in der rundenbasiert unter vier Augen um alten Krempel gefeilscht wird (eine Frau wollte für die 50erjahre-Aschenbechersammlung ihres fürs Fernsehstudio zu faulen Ehegatten 180,– € haben, hallo. Das Erstgebot von 25,– € eines orange behosten Hippies mit selbstbelügender Langhaarfrisur war noch zu freundlich, die barsche 0-€-Ablehnung eines Frechians hingegen zu unwirsch), »Das große Backen!« (neulich hatten sie einen großen Dessert-Würfel aus lauter kleineren Würfeln von – es wurde per Lineal nachgemessen – exactamente 3,00 cm Kantenlänge zu backen. Die notorische Enie van de Meiklokjes bezeichnete sie als »Drei-mal-drei-Zentimeter-Würfel«, missächtlich der Quadratidiotie, dass drei mal drei cm über die Fläche nicht in den Raum hochkommen), »Frauentausch«, »Elterntausch« (?), »Sturm der Liebe«, »Sturm der Tausch« (Quatsch) oder eine Krimiserie mit dem notorisch oberdeutschen Christian Tramitz als kultur- und vor allem dialektfremder Kommisar in Niederdeutschland bis hin zu »X-Factor – Das Unfassbare« mit Commander Riker oder eher m e i n e m Jonathan Freaks, Quatsch: Frakes undsoweiter e. cetera.

Das einzige, was mich davon abhält, fernsehradikalisiert bei der nächstbesten Wahl AfD zu wählen, ist das 3sat-Alpenpanorama, im Rahmen dessen Webcams hinter Bauchbinden meteorologischer Daten sanft schwenkend Bergansichten zeigen. Aber, Freundinnen* und Freunde, ich sag es, wie es ist: Es wird nicht genügen. Dafür kommt es schon viel zu selten (?– kA, wie oft). Hält sie an, diese gelegentlich-vormittägliche fernsehschauerei, wähle ich bei der nächstbesten Gelegenheit AfD. Und ich kann dann noch nicht mal was dafür. Verklagt mich doch.

Der behende Eisenbahnsitznachbar

Was ich überhaupt nicht kann: Mir irgendwas Jackenartiges anziehen, ohne dabei mords raumgreifend mit teilweise ausgestreckten Armen im um- und vor allem schräg hinter mir liegenden Raum herumzukrapfen. Deswegen brauche ich dabei armlangen Sicherheitsabstand.

Neulich in der Fern-Eisenbahn saß am Fensterplatz neben mir ein Funktionsbekleideter, und urplötzlich hatte er über seinem Funktionsoberteil eine Funktionsjacke an, ohne dass er mich irgend berührt, ja geschweige denn dass ich den Anzug (hahaha, dieses Wort passt hier höchstens entfernt oder vielmehr überhaupt nicht, aber MaN wEiß jA wAs GeMeiNt iSt) bemerkt hätte.

Er war Saatgutvertreter aus der Agrarindustrie. Womöglich spielt das gar keine Rolle.

»Spaßtelefon«, »Straßenverkauf«

Dienstag, 26. November 2019. Das Bayern-1-Spaßtelefon – mein Radiowecker spielt diesen Sender momentan, weil er das gelegentlich sehr instabile und rauschende wo nicht flirrisierende Klassik Radio frequentiell benachbart –, das Bayern-1-, in Fachkreisen auch genannt »Bauern 1«, -Spaßtelefon jedenfalls (»Der lustigste Anschluss Bayerns«) lässt sich vernehmen, wie es bei einem Imbiss anruft, der, zwei (!) Zuhörer*innen sollen darauf hingewiesen haben, Straßenverkauf anbietet, und gibt vor, ja lolleralollol, eine Straße kaufen zu wollen. Man habe da, bestallt mit einem seltsam benamsten Übersetzer, einen arabischen Scheich zu vermitteln, der nun die angebotenen Straßen kaufen wolle. Im Hintergrund hören wir schlecht und schäbig rudimentär-klischeehaft imitiertes »Arabisch« (der goutierte, freilich verleugnete Rassismus), das vom seltsam benamsten (warum eigentlich?) Übersetzer »übersetzt« wiedergegeben wird, der vermittelnde Spaßtelefon-Telefonierer vermittelt, die angerufene Imbissmitarbeiterin indes beharrt bemitleidenswert insistierend darauf, es würden schlicht Speisen auf die Straße durchgereicht.

Nun ist es gewiss gähnenstreibend, sich über die ewige Reproduktion des Immergleichen im Formatradio und sonst wo zu mokieren. Doch sei hier dennoch angemerkt und getadelt oder vielmehr geschimpft: Freundinnen* und Freunde, seid beglückwünscht, dass ihr bei der Programmdirektion mit euren »Scherzanrufen« nach wie vor durchkommt – und bei euren Hörerinnen erst! Wie viele sich freuen, endlich auch mal dranzukommen bzw. dranbekommen zu werden (?), doch: Wir schreiben das Jahr 2 0 1 9 und die Bezeichnung »Straßenverkauf« prangt derart lange an den Speiseschnellstuben, dass sie sich höchstens noch metametameta- und/oder shitpostingmäßig auf Twitter komisch verarbeiten lässt (dort hießest du notabene vielkanals »SpaBtelefon«), das Ablaufdatum der gewöhnlichen Fehldeutung durch bewusstes Falschabbiegen an der Ambiguitätsgabel jedoch war ca. oder vielmehr exakt, sagen wir: 1995.

Warum ich das dennoch aufschreibe? Ich kenne Leute, die sich lachend über solche Scherzanrufe amüsieren. Deren Haltbarkeitsdatum: 1995.

Jetzt ist alles etwas mehr easy

Beste ~Investition~ 2019: SodaStream »Easy« – in der Gebrauchsanleitung: »die ›Easy‹« – für halbe Preis bei Lidl.

Dieses Angebot gab es Anfang Oktober. Dafür tat ich etwas, was ich schon seit vielen J a h r e n nicht mehr getan hatte: Ich ging extra früh zum Laden, um mir mein Produkt zu sichern.

Um 8.25 Uhr öffne ich durch mein bloßes Herannahen die Ladentüre, dann die am Ende des Windfangtunnels und stromere direktemang zu den Sonderangebotsregalreihen im hinteren Geschäftsbereich. Und was muss ich sehen? Im für die »Easy« vorgesehenen Fach steht noch genau 1 einziges Produkt! Daneben noch haufenweise Ersatzflaschen-Zweierpacks.

Als ich – ich sehe es auf dem Display des Kartenlesegeräts, an dem ich kontaktlos bezahle – um 8.31 Uhr an der Kasse stehe, denke ich: »Woah, das hätte auch in die Hose und ich ohne SodaStream nach Hause gehen können!« Die Bezeichnung »die ›Easy‹« kenne ich zu dem Zeitpunkt logischerweise noch nicht.

Offenbar räumten diese Schlawiner die Sonderangebotssachen schon am Vorabend in die Regale. Ein Vorgehen, das ich noch aus meiner Sonderangebots-Wahrnehmzeit kenne. Und das die Sparfüchs:innen offenbar immer noch beherzigen (?). Dass von 7.00–8.30 Uhr schon fast alle weggekauft worden wären, ich denke es nicht.

Etwas später fiel mir auf: LIDL schießt sich mit seinem Angebot ein bisschen auch selbst ein Bein. Denn während ich seit kurzem zuhause Flasche um Flasche aufsprudle und glücklich meinen Gaumen von Sprudel umgarnen, ja vielmehr umbitzeln lasse, werde ich künftig die Mineralwassertürme gleich rechts neben der Automatiktür des LIDL keines Hingriffs mehr bedenken.

LIDL wird aber von der höchsten Ebene bis hinunter ins Filialgefilde von absoluten Profis geleitet und geführt, ich mache mir jetzt keine Sorgen, dass die sich mit diesem tollen Angebot unbedacht und altruistisch selbst Schaden zufügen. Am Ende bin evtl. ich der Dumme. Aber wenn, dann der Dumme mit Sprudelwasser. Mensch, die ganze Zeit will ich »Mineralwasser« schreiben, aber bei kohlengesäuertem bloß Leitungswasser stimmt das ja gar nicht. Cheers!

PS: Im direkten Denkzitat oben verwende ich das literarische Stilmittel Zeugma. Ein bisschen schäme ich mich dafür und finde es scheiße. Aber es bot sich halt an und ist effizient. – Es lief übrigens so: »Hm, in diesem Text fehlt noch ein literarisches Stilmittel ☝️ Menschenskinder, was nehm ich da nur 🤔🤫🧐 AAH hier passt ja gerade ein… Moment, wie hieß das noch mal? *blättert im ›Handbuch Lyrik‹* ach ja, ein: Z e u g m a ! Ja sakrament schau her, gerade noch literarisch geworden, der Text 😅« LG an den Deutschlehrer Dirk Wippermann.

Salon intime: Freizeitausgabe

Hallo Freunde, wer sich schon immer mal gefragt hat: »Mensch, was ist denn Andreas eigentlich für ein Mensch?«: Nun, ich fuhr am 28.9. nach Frankfurt/M und traf mich mit Leuten aus der Facebook-Bubble, um auf einer vor Wochen reservierten Kegelbahn kegeln zu gehen. Ich hoffte auf »Gut Schub!« (?), schob aber sehr schlecht. Naja. Dennoch ein sehr schöner Abend.