Beobachtung

Fahre ich in meine Herkunftsgegend in Niederbayern, bin ich gezwungen, es per Pkw zu tun. Die Verwandten wohnen in verschiedenen Dörfern und völlig abseits der einzigen Regionalbahnstrecke. ÖPNV-Katastrophe ländlicher Raum, wie üblich im Land der Heiligen Automobilindustrie Deutscher Nation.

Die Hiesigen habe ich in Erinnerung als eher zügige Autofahrer*innen bzw. als gewohnheitsmäßig mit überhöhter Geschwindigkeit fahrende Bauernfünfer. Mit 65–70 km/h durch Ortschaften, mit 110 km/h durch 70er-Zonen und mit Zehntausend über die Autobahn. Aber immer, wenn ich hier rumfahre: Die SCHLEICHEN alle über die Straßen, das kann sich niemand vorstellen! Mit 42 km/h durch die 50er-Zone innerorts und mit 78 km/h über die 100er-Landstraße. Man verstehe mich nicht falsch: Wenn’s nach mir ginge, gälte innerorts überall 30 km/h, auf Landstraßen 80 und auf Autobahnen 120 (um die FDP noch mehr zur Weißglut zu treiben, nicht 130, hehe). Aber diese permanente overachievende Geschwindigkeitsunterschreitung, die macht mich kirre.

Der Anruf

Geht ihr bei (völlig) unbekannten Telefonnumern ans Handy? Und würdet ihr bei einem unerwarteten Anruf aus Kalifornien ans Telefon gehen? Bei letzterem kann ich sagen: Also ich nicht! Was man da nicht schon alles gehört hat. Dieses Jahr z. B. wurden nicht wenige Bekannte vom angeblichen FBI angerufen und damit konfrontiert, dass gegen sie Ermittlungen am Laufen seien und was weiß ich welche Daten benötigt werden würden. So was merke ich mir und gehe dann bei dubios anmutenden Anrufen einfach nicht ran.

Was war also passiert? Sitzen wir zuhause am Esstisch, läutet mein Handy und die Google-Anrufapp zeigt unterhalb der irrwitzigen, fast außerirdisch wirkenden Telefonnummer an: »California«. »Haha, nicht mit mir!«, denn eine FBI-›Geschädigte‹ saß direkt neben mir. Und dann: Hinterlässt mir die Anrufperson doch eine Nachricht auf der Mobilbox! Belustigt rufe ich sie auf, freilich auf Lautsprecher, damit wir alle was davon haben. Stellt sich raus: Es war gar kein Fake-/Scam-/Spamanruf! Sondern, hold on to your seats: Der Kundenservice unseres Staubsaugerroboters. Den hatte ich nämlich wegen einer Störung kontaktiert. Woraufhin er mich gebeten hatte, ihm meine Handynummer zu geben, um mir helfen zu können. Das war aber gestern gewesen, das habe ich heute freilich schon wieder vergessen. Und kann ich ja auch nicht wissen, dass deren für Deutschland zuständiger Kundenservice in California sitzt (dass der Roboterhersteller nicht, wie anhand des Namens vermutet, aus Asien stammt, sondern aus Kalifornien, habe ich erst auf diesem Wege herausgefunden). Jedenfalls sagte mir der freundliche Herr in der Mobilboxnachricht in nicht muttersprachlichem Deutsch, er wollte mich wegen der Saugersache kontaktieren und schickte mir jetzt einfach eine E-Mail. Die ich dann auch umgehend im Postfach fand. Woraufhin sich alles in Windeseile geklärt hat und jetzt funktioniert alles wieder.

Würdet ihr bei einer Kundenserviceanfrage per E-Mail einfach eure Telefonnummer in die Welt hinausschicken? Also ich anscheinend schon.

ChatGPT stürzt ab

Am 30. November 2022 wurde der AI-Chatbot ChatGPT veröffentlicht. Hier ein kleiner Schabernack. Ich fragte ihn:

ChatGPT ließ sich nicht aus der Reserve locken und parierte diese Frage beinahe mit Bravour:

Der letzte Halbsatz beunruhigte mich. Denn wenn Skynet nicht existiert, warum sieht ChatGPT sich genötigt, hinterherzuschieben, dass es nie Bewusstsein erlangen wird? Daher hakte ich nach:

… worauf ich ca. zwei Minuten keine Antwort erhielt. Was etwas merkwürdig ist, weil ChatGPT normalerweise sehr rasch nach einem Dialogbeitrag die Antwort im Chatstil losrumpeln lässt.

Nicht jedoch auf diese Frage hin. Hier reagierte der Bot dann doch erstaunlich:

Vermutlich stehe ich jetzt auf der Liste als »Potentially threatening individual«. Und ich Wahnsinniger habe meinen Account unter meiner Klarnamen-E-Mailadresse vorgenommen!

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Fun Fact: Den Film Terminator 2: Judgment Day, in dem erzählt wird, wie Skynet am 2. August 1997 Bewusstsein erlangt, sah ich mit Freunden – es waren in Bayern gerade die Großen Ferien losgegangen und wir zwischen der 5. und 6. Klasse – am Abend des 1. Augusts 1997. Was gab das für ein großes Hallo und für eine Witzelei, ob am nächsten Tag die Maschinen ›übernähmen‹!

Backerbsen

Kennt ihr Backerbsen? Also ich schon. (Falls jemand nicht: s’il vous plait.) Jedenfalls wollte ich diese leckere Suppeneinlage kürzlich haben, wurde aber von den Märkten enttäuscht. Discounter N. und Discounter P. hatten sie nicht im Sortiment. Supermarkt R. ebenfalls nicht, doch dort wurde wurde ich zu allem Überfluss auf meine Nachfrage bei einer Regalkraft hin angeschaut wie ein Auto und sah mich in der misslichen Lage, urplötzlich erklären zu müssen, was Backerbsen überhaupt sind. Bei Discounter L. wüsste ich blind, wo sie stehen (beim Suppenkram auf den Tiefkühltruhen), aber da kam ich nicht hin.

Naja, dass die Märkte nicht mehr so stabil regeln wie gewohnt, daran müssen wir uns in diesen Zeiten wohl gewöhnen.

Burn, mother[radio edit], burn

In unserer Küche ist nun eine neue Gastherme eingebaut. Die alte hatte ein kleines Leck, das wir seit zwei Monaten zunächst mit einer beschichteten Kastenbackform, dann mit einer Emailleschüssel als Tropfenauffangbehälter ›behoben‹. Die Backform mussten wir durch die Schüssel ersetzen, weil sie angefangen hatte zu rosten. Ich wusste nicht, dass das passiert, denn ich hatte sie wegen der Beschichtung für korrosionsbeständig gehalten.

Die alte Therme stammt wohl von um die Jahrtausendwende und wurde vom Handwerker beim Versuch, die Leckage zu reparieren, so beschädigt, dass sie ausgetauscht werden musste. Das bekannte Problem: Eine Schraube ist abgerissen, weswegen nicht nur ein kleines Teil auszutauschen war, sondern die nächstgrößere Baueinheit, und die gibt’s nicht mehr als Ersatzteil.

Merkwürdig bei der neuen Therme: Die Brennerflamme im Inneren brennt immer. Also nicht auf Heizbetrieb, sondern so ganz, ganz klein, sodass der Brenner beim Einschalten wegen Warmwasserentnahme nicht erst zünden muss, sondern gleich loslegen kann. Bei der Montageabnahme frage ich den Monteur, ob das so richtig sei, denn die alte Therme hat bei jedem Heizvorgang neu gezündet. Er sagt, es sei völlig normal, dass das so sei, und das sei auch bei der alten so gewesen. Aber ich schwöre, dass das bei der alten nicht so war. Die hat bei jedem Start neu gezündet, und vor einigen Wochen habe ich die enthaltenen Riesenbatterien (weißwurstdicke LR20!) tauschen müssen, weil das Gerät eben nicht mehr gezündet hat.

Entsprechende Befremdung stellt sich angesichts der Dauerflamme ein. Diese ist zwar im Wortsinne eine Sparflamme, die den Gaszähler nur etwa in Graswachsgeschwindigkeit rotieren lässt. Dennoch nervt das Gasentweichgeräusch, in meinem Kopf oszillieren in der Kuche nun die Eindrücke des nicht ausgeschalteten Gasherds und einer nächtlichen Grillengezirpwiese. Was, wenn wir den Gasherd tatsächlich mal vergessen? Und was, wenn Grillen sich bei uns einnisten?!

Trotz der Auskunft des Monteurs und noch vor dem Blick in die Bedienungsanleitung google ich, ob da wirklich alles mit rechten Dingen zugeht. Und lasse mich von, haha, ein paar Antworten auf eine entsprechende gutefrage.net-Frage beruhigen.

Auch wenn wir uns gerade nicht in einer Gaspreisexplosionssituation befänden, würde ich mich fragen, ob das der Ingenieur*innen Ernst ist. Hätte ich da was zu sagen, hätte ich, wenn sie denn die Schwachstelle gewesen ist, die Zündtechnik verbessert und wäre dem Prinzip »Jedes Mal neu zünden« treu geblieben. Dass so ein Heimgasheizgerät tatsächlich die ganze Zeit über ›an‹ gelassen wird, verstehe ich nicht. – Oder es wurde nach gut kapitalistischer Manier versucht, etwas zu verbessern, das nicht zu verbessern ist, und in der Runde der Verantwortlichen sprang jemand nach monatelangen erfolglosen ›Verbesser‹-Bemühungen auf und rief mit in den Himmel hochgerissenen Armen: »Guys! What if we … dump all the ignitioning and let it burn ALL THE TIME!?«

Wo ist was

So manche*r las als Kind Wissenswertes über das Weltall, die Dinosaurier, erstaunliche Technologie und anderes in der Kinderbuchreihe WAS IST WAS des Tessloff Verlags. Mir selbst hat sich diese Marke so sehr eingebrannt, dass ich mir beim Anblick des folgenden Tessloff-Kleinkinderbuchs – völlig zurecht, meines Erachtens – die alberne Frage stelle: Warum heißt das nicht WO IST WO?

Zugegeben, der Titel gäbe nicht viel Inhalt her (»Links ist links.«, »Oben ist oben.«, …), außer man behandelte ihn philosophisch. Aber ich habe eine Slightly-offtopic-Anekdote: Im Bachelorstudium der Germanistik besuchte ich ein Hauptseminar namens »Das Motiv des Sterns bei Paul Celan«. Neben Poetologischem, Kabbalistischem und Holocaust- wie Antisemitismusthematisierendem war zentraler Gegenstand des Seminars Celans Beschäftigung mit physikalischen und technologischen Erscheinungen, unter anderem aus den Bereichen Astronomie und Astrologie. Das Referat der Sitzung zu den beiden letztgenannten Themen hielt eine Person, die das Seminar wahrscheinlich aus stundenplanökonomischen Gründen besuchte. Die Quellenliste am Ende ihrer Präsentation zeugte von ausgeprägter Lustlos- und Wurschtigkeit und versprühte das redbullgesättigte Air des »Die ersten drei Google-Treffer für ›Astrologie‹«. Enthielt sie doch u. a. – ich schwöre, ich lüge nicht – eine URL von wasistwas.de. Und zwar bierernst als adäquate Informationsquelle. Jede*r sollte von mir aus mit bestmöglichen Ergebnissen bei geringstmöglichem Aufwand von der Uni abgehen, aber darüber habe ich mich doch geärgert. Ich meine, wasistwas.de, im notabene Lehramtsstudium?! Mit so einer Quelle wirst du in der 8. Klasse Realschule vom Hof gejagt.

Schmarrn von vor 22 Jahr’n

14 oder 15 Jahre war ich alt, da machte ich bei einem riesigen deutschen Automobilhersteller ein Praktikum als Werkstoffprüfer. Diesen Ausbildungsberuf hatte ich zuvor bei einem Tag der offenen Tür mit volksfestartiger Umrahmung für mich auserkoren. Während dieses Praktikums erlebte ich etwas, das ich bis heute für ausgemachten Schmarrn hatte.

Ich und die anderen Praktikanten (ja, alle m) sollten irgendwelche kleinen Dinger ganz genau wiegen. Dazu gab es in der Abteilung eine recht genaue Waage mit einem würfelförmigen Plexiglaskasten von wahrscheinlich 15 cm Kantenlänge über der Wiegefläche, dessen obere Fläche als Klappe diente. Wir sollten die kleinen Dinger auf die Waage legen, dabei aber darauf achten, die Klappe oben ganz schnell zu öffnen und ebenso schnell wieder zu schließen. Denn: »Die Luft wiegt auch was!«, wie uns die uns betreuende Auszubildende einschärfte. Worauf ich innerlich mit einer ausgeprägten Finger-um-die-Schläfe-Geste reagiert habe.

Denn mal ehrlich: Das ist doch ausgemachter Schmarrn. Natürlich bin ich kein Luftdruckskeptiker, -kritiker oder gar -leugner (wohl aber Blutdruckleugner) und erkenne an, dass auch Luft was wiegt, obwohl es nur Luft ist, aber: Als könnte eins auf diese Weise das Messergebnis beeinflussen. In Wolkenkuckucksheim vielleicht!

Welche Messgenauigkeit die Waage hatte, weiß ich gar nicht mehr. Recht viel besser als eine Feinwaage zum Espressoabwiegen dürfte sie jetzt auch nicht gewesen sein, also ein Zehntelgramm Messgenauigkeit wahrscheinlich. Und selbst wenn es ein Hundertstelgramm gewesen wäre: Kein Mensch kann durch schnelles Deckelöffnen und ‑schließen eine relevante Menge Luft aus so einer Waagenabdeckhaube draußen halten. Das Teil machte auch keinerlei Eindruck, irgendwie luftdicht zu sein.

Wenn ihr mich fragt: Wäre der Kasten luftdicht gewesen und im Innern die Luft abgesaugt worden, wäre das Ergebnis auf der Anzeige zu merken gewesen. Schließlich wiegen 3,375 l Luft (= Würfel mit 15 cm Kantenlänge) bei einer angenommenen Dichte von 1,293 g/l immerhin 4,363875 g! Dann hätte ich gestaunt, denn das hätte ich mit 14 oder 15 Jahren nun wirklich nicht gedacht. So jedoch habe ich mich damals sehr gewundert und zwei Dekaden später schreibe ich es ins Internet.

Gelernt habe ich dann einen anderen Beruf bei einer anderen Firma.

»fruehestens 2 Werktage nach Erhalt dieser Email am Schalter moeglich«

An Universitätsbibliotheken werden Fernleihkopien nach wie vor ausgedruckt per Post verschickt statt als Scan via E-Mail (was wohl irgend einem Urheberrechtsschmarren geschuldet sein dürfte). Würzburgs deutsches Detail an diesem bräsigen Anachronismus: Eine Stunde nachdem ich eine Benachrichtigungs-E-Mail über das Eintreffen einer Fernleihkopie erhalten habe, stehe ich, von der Mensa her zufällig vorbeikommend, am Schalter der UB und bitte um die Kopie. Der Mitarbeiter schaut im Regal nach, kann aber nichts finden. Nach seiner Frage, wann ich die E-Mail denn bekommen hätte, verabschiedet er sich kurz für einen Ausflug von zweifelhaften Erfolgsaussichten hinter die Kulissen, kommt, die Kopie in der Hand wedelnd, wieder hervor und jodelt mir beim Überreichen kumpelhaft bierbäckig entgegen: »Die Kollegin meinte, eigentlich erst zwei Tage nach Eintreffen …«

Und tatsächlich, während der Wartezeit habe ich es in der Mitte der Benachrichtigungs-E-Mail gelesen – I shit you not, dass da steht: »Die Abholung der Papierkopie ist fruehestens 2 Werktage nach Erhalt dieser Email am Schalter der Leihstelle moeglich«.

Ich meine, ernsthaft, dann schickt mir halt auch einen Benachrichtigungs- P a p i e r b r i e f , nach dessen Erhalt könnte ich dann auch wirklich gleich zum Schalter latschen und die Kopie abholen, und müsste nicht erst extra zwei Tage auf den E-Mail-Erhalt draufrechnen, um doch noch bangen zu müssen, weil die Abholung ja »fruehestens« dann möglich sei.

(Abhilfe böte ein kostenpflichtiger Dokumentenlieferservice, der aber, haha, an meiner Fakultät nicht verfügbar ist.)

»Schirik«/»Adolfowitsch«/»Russenhitler«

Dass Sergej Surowikin, genannt »General Armageddon« und beschrieben als »absolutely ruthless, with little regard for human life« (The Guardian), zum Oberkommandeur der russischen Streitkräfte im Krieg gegen die Ukraine ernannt wurde, bescherte mir eine Erinnerung: Es war das Jahr 1996, ich 10 Jahre alt, in Russland Präsidentschaftswahlen, mein älterer Bruder verfolgte via Tageszeitung und TV schon das Nachrichtengeschehen. Gegen Boris Jelzin trat u. a. der Rechtsextremist Wladimir Schirinowski an. Über den sagte mein Bruder: »Der Schirinowski, der wenn an die Macht kommt, dann wirft er erst mal eine Atombombe auf Deutschland.« Das erregte durchaus Besorgnis in mir. Glücklicherweise wurde weder Schirinowski Präsident noch warf jemand eine Atombombe auf Deutschland (auch wenn die Antilopen Gang diese Forderung 2017 im Song »Baggersee« aktualisiert hat, wenngleich nicht rechtsextremistisch, sondern linksradikal und uneigentlich). Wie ich gerade lese, verlor Schirinowski mit 5,7 % der Stimmen und landete abgeschlagen auf Platz 5 der Kandidaten.

All die Jahre aber kannte ich diese Atombombendrohung nur aus dem Munde meines Bruders. Jetzt lese ich, dass Schirinowski – in den Medien zeitweise »Adolfowitsch« oder »Russenhitler« genannt – 1991 tatsächlich gesagt hat:

Ihr Leute aus dem Westen steckt eure Nase zu sehr bei uns rein. Aber das wird euch gründlich vergehen. Habt ihr Hiroshima und Nagasaki vergessen? Dann werden wir euch ein neues Hiroshima bescheren. Ich werde nicht zögern, Atomwaffen einzusetzen, wenn sich uns jemand widersetzt. Wir haben Tschernobyl schon gehabt, jetzt müsst ihr Deutsche euer Tschernobyl erleben.

Wikipedia

Regionen, Länder oder Städte mittels Atombomben bzw. radioaktiver Strahlung zu zerstören, schien zeitlebens zu den innigsten Wünschen des 2022 verstorbenen Rechtsextremisten zu gehören. Wobei allerdings nur im Falle Deutschlands das konventionelle Vorgehen »Atombombe drauf, und gut is’« das Mittel der Wahl gewesen wäre. 1992 etwa »brachte er die ›Idee‹ auf, große Ventilatoren zu verwenden, um radioaktive Abfälle in die baltischen Staaten zu blasen.« Gegen Großbritannien und Istanbul wäre Schirinowski so vorgegangen: »2007 schlug er vor, im Atlantik russische Atombomben zu zünden, um Großbritannien zu überfluten«, 2015 trug er die Überzeugung vor: »Es ist sehr einfach, Istanbul zu vernichten. Man muss nur eine Atombombe über dem Bosporus abwerfen und die Stadt wird überflutet.« (Alle Zitate: Wikipedia.) Ob er sich vor der Drohung gegen Deutschland Gedanken gemacht hatte, ob ganz Deutschland per Atombombenwurf in die Nord- oder Ostsee zu überfluten gewesen wäre? Jedenfalls wirken alle diese Drohungen wie die eines dummen Sechstklässlers vom Lande.

Abschließend noch Interessantes zur russischen Präsidentschaftswahl: Unter den elf Kandidaten bei der Wahl 1996 war auch Michail Gorbatschow, er erhielt allerdings nur 0,51 % der Stimmen. Wahlfälschung, war er sich sicher. Und es scheint auf den Stimmzetteln bei russischen Präsidentschaftswahlen die Option »Gegen alle« zu geben. Jedenfalls entfielen 1,54 % der Stimmen darauf. (Quelle: Wikipedia.)

Selbstbeherrschung

Das Kind hat beim Kleinkind-Musikkurs einen astreinen Atavismus hingelegt: Es war auf einen ca. handballhohen Mattenstapel an der Wand halb gestiegen, halb gekraxelt, stand oben und wusste nicht mehr, wie jetzt wieder runterkommen. Freilich Hände in Richtung Papa ausstrecken, »áh!« stöhnen und runtergehoben oder immerhin gestützt werden wollen. Aber ich ging nicht hin, denn es muss, nach einer ausgiebigen Stützphase, allmählich lernen, auf eigenen Beinen, Quatsch: Stufen selbst hinabzugelangen. Nach ein, zwei Momenten versuchte es, sich selbst aus der Gefangenschaft auf dem Mattenstapel zu befreien – und stiegrutschte etwas umständlich auf Beinpopo hinunter. Applaus, Applaus! Worüber sie sich freute, wie sich nur ein stolzes gelobtes Kleinkind freuen kann, um dann – jetzt der Atavismus, weil sie das schon lange nicht mehr macht – zurück zur großen Spielematte in der Mitte des Raumes zu krabbeln statt zu laufen.

Und ich? Reiße mich gerade noch zusammen, nicht wie ein achtmalkluges akademisches Oberarschloch in die Elternrunde zu jodeln: »Erstaunlich, was für einen Atavismus sie plötzlich zeigt, nachdem sie etwas Neues zustande gebracht hat!«