»Man wird ja wohl noch träumen dürfen.«

In Katar an den WM-Spieltagspausen auf Skiern aus, Spitzenleistung deutscher Ingenieurskunst!, Spargelspitzen die Pisten in den Schneehallen hinunterdüsen – freilich, es ließe sich schon machen und verspräche auch eine Mordsgaudi, »aber die Naturfreunde kritisieren ja alles«, so ein ca. 80jähriger Typ im Zug auf den Hinweis seines ca. 50jährigen Gegenübers, seine, des 80jährigen, wohl relativ neue Pelletsheizung sei eine zukunftsträchtige Sache im Gegensatz zu Öl oder Gas. Man wünscht sich, die Kryonik wäre schon so entwickelt, dass man solche alten, recht bald biologisch erledigten Herren einfrieren und im dystopisch-cool klingenden Jahre 2095 wieder auftauen könnte, wenn die Umweltfreunde doch recht gehabt haben werden.

Pfannkuchen

12.06.2022 | Pfannkuchen heute – weil schon ewig nicht mehr gemacht und daher die Zutatenmengen vergessen – nach einem Rezept von sat1.de/ratgeber gemacht. Und was soll ich sagen: Das Privatfernsehen kann’s einfach (doch noch)!

PS: 36 musste ich werden und eine Schuhgröße größer kriegen (? – seit neuestem 46), um mir nach herzhaften Exemplaren statt erst einen Kirschmarmeladen-, dann einen Nutellapfannkuchen einfach gleich einen mit Kirschmarmelade + Nutella zu machen. Und dann noch einen.

PPS: »Pfannkuchen heute« guter Zeitschriftentitel imo. Mit Wendecover, Auslandsteil (feste Korrespondenten, die die Themen Crêpes, Palatschinken, Ahornsirup, Eierkuchen und Politik covern), Kolumne vom Himbeer-Toni, regelmäßigen Op-Eds von Susanne Fröhlich, Pro-&-Contra-Doppelseite von Richard David Precht und Thea Dorn, Markus Gabriels offenem Fortsetzungsessay »Warum Pfannkuchen eigentlich gar nicht existieren«, evangelischer EthiKulinarik mit Prof. Dr. Peter Dabrock, Paralipomena der Parerga zur Pfannosophie mit Svenja Flaßpöhler, Fortsetzungsroman »Five Pancakes of Montauk« von Daniel Kehlmann. Und Horoskop und Fernsehprogramm!

PPPS: »Business Puncake« lässt wohl nicht lange auf sich warten.

Bayern-Power gegen die Pandemie

Hu-bert Ai-wang-er gibt den Startschuss für die Produktion des bayerischen Impfstoffs BayVac. Neben mRNA soll das Bavariakzin, wie die Hersteller es liebevoll nennen, nichts als Wasser, Hopfen und Malz enthalten. Besonders wirksam soll es gegen migrantische Virusmutationen wie das England- oder das Südafrikavirus sein. Während der Starkbierzeit wird das Mittel den Namen Vakzinator tragen, 1,5 Mal so stark sein und als 1-Liter-Dosis verimpft.

Zum Komponieren des Marketingsongs »Gott mit Dir, Du Land des BayVac« will man die Biermösl Blosn verpflichten. »Die Biermösl Blosn gibt’s seit 2012 nicht mehr«, weigert sich Hans Well stellvertretend.

»Die-sen Kom-mu-nis-ten kann man es a-ber auch nicht recht ma-chen! Wo wir schon al-les an High-Tech und In-no-va-tion und Fi-nan-zie-rung ü-ber-neh-men. Vak-zi-niert wer-den wol-len sie dann a-ber frei-lich schon gleich, die-se Ba-zil-len«, ärgert sich Ai-wang-er auf Nachfrage.

Die Impfreihenfolge soll sich nach Parteizugehörigkeit, Spezltum und/oder heimatlicher Stammbaumlänge richten.

»Five Fingers«

Vibram, der Hersteller der im Alltagsgebrauch grenzdebil-depperten Zehenschuhe »Five Fingers«, sollte verpflichtet werden Handschuhe namens »Five Toes« zu produzieren. Meinetwegen – wenn’s seine reklameklamaukige Alliterierlust befriedigt – auch »Ten Toes«. Aber zur Strafe verpflichtet werden sollte er.

(In diesem Beitrag ist das Wort »Mauke« eingearbeitet.)

Die Spaghettieis-Legende

Spaghettieis wurde, so behauptet er es jedenfalls, vom Mannheimer Eisfabrikanten Dario Fontanella exactamente am 6. April 1969 erfunden (vgl. Wikipedia). Nun gut, wer wäre ich, das anzuzweifeln. Anzweifeln möchte ich aber Folgendes: In der Abteilung »Trivia« des besagten Wikipediaartikels heißt es: »Laut Dario Fontanella soll es in der Anfangszeit der Eisspezialität öfter zu Tränenausbrüchen bei Kindern gekommen sein, die einen Eisbecher wollten und keine Nudeln mit Tomatensauce.« Und naja, das klingt mir doch schon sehr dahergelogen oder jedenfalls konstruiert. Denn einerseits: Sooo dumm sind Kinder nun auch wieder nicht und waren es wohl auch in der Anfangszeit der Eisspezialität »Spaghettieis« kaum.

Und andererseits: Warum sollten Kinder nach der Anfangszeit dieser Eisspezialität nicht mehr geheult haben, weil sie ein Eis und keine Nudeln mit Soße gewollt hatten. Wenn dieser Wahrnehmungsfauxpas Vierjährigen in den 1960ern unterläuft, dann doch auch Vierjährigen in den 1990ern oder 2020ern, was Freunde. Heutzutagige Kinder machen doch keine erfahren wegwerfende Handbewegung und sagen: »Pfffft, das sind doch keine Nudeln! D a m i t führt ihr mich nicht hinters Licht, Leute *gähn* Das ist Spaghettieis, das gibt’s seit 50 Jahren schon ☝️🧐«

Ich glaube, Herr Fontanella ist einfach ein normaler Kaufmann, der seiner (angeblichen) Erfindung mit einer kleinen harmlosen Flunkerei ein gewisses Air verleihen wollte. Oder: »soll es … öfter zu Tränenausbrüchen bei Kindern gekommen sein« müsste eigentlich heißen: »soll es einmal [max. zweimal] zum Tränenausbruch eines Kindes gekommen sein, das aber schon ganz besonders falsch hingeschaut hatte und von seinen Geschwisterärschen dafür zeitlebens aufgezogen wurde«. Damit schaffst du es aber kaum in die Wikipedia-Trivia-Abteilung bzw. in den Mannheimer Morgen.

In diesen informationsunsicheren wie ‑umkämpften Zeiten sollten wir alle aufpassen, was wir glauben wollen und was nicht. Damit GuMo und einen tollen Tag, Leute👍