nEu dEnKeN

Ist er das, der allerdümmste Einsatz der dummen, vulgärtransitiven Deppenphrase etwas neu denken, der Lieblings-Progressivvokabel der Marktradikalen, all jener, denen zur Verhinderung Abmilderung der Klimakatastrophe stets nur tEcHnoLoGiScHe LöSUnGeN einfallen, die letzten Endes doch nur den Zweck der Vermögensumverteilung von unten nach oben haben?

Freilich ist bei diesem Modesprech überhaupt nicht klar, was überhaupt gemeint sein soll. Klar, zunächst einmal, dass die Bau-Auflagen für waldnahe Siedlungen überdacht und nach ordentlich Gehirnanstrengung angepasst werden sollten. Doch das betrifft ja nur Siedlungen, die erst noch zu bauen wären. Und die schon bestehenden Waldrandsiedlungen? Sind die nicht mitunter akut bedroht, in Flammenmeeren unterzugehen? Was hilft es ihnen, wenn sie nEu gEdAcHt werden? Worauf sich die Formulierung in diesem Fall bloß beziehen kann, ist einzig ein Gott, dessen Gedanken unmittelbar Wirklichkeit werden und der bspw. Siedlungen von Wäldern ›weiter wegdenken‹ kann, um sie vor Waldbränden zu schützen. Und wir wollen doch nicht albern werden.

Gestern Abend beim Bügeln

Gestern Abend beim Bügeln ließ ich den Fernseher laufen. Weil der Sommer vorbei ist, bügelte ich endlich den kleinen Berg Leinenhosen und -hemden, der seit ’ner Woche oder so darauf gewartet hatte. Was schaute ich mir nebenbei an? Berichterstattung zum Tode von Queen Elizabeth II. natürlich! Gleichwohl ich für die weltweite Abschaffung sämtlicher Monarchie und Adelsstände – noch wenn sie ›bloß‹ repräsentativer Natur sind – bin,¹ hat das Ableben dieser im Positiven wie Negativen Jahrhundertperson dennoch Aufmerksamkeit verdient. Meine beiden Highlights in der ARD-Sondersendung Brennpunkt:

(1) Das entzückend behämmerte Jackett meiner Lieblingskorrespondentin der Tagesschau, der wunderbar schrillen Annette Dittert:

Ich meine, wie sehr kann individuelle, extravagante Privatkleidung Nationalverbundenheit, Trauer und die eigene Exzentrik ausdrücken?

(2) Der Name der »ARD-Königshausexpertin« (allein, dass es sowas gibt): Leontine von Schmettow.

Weil er so schön ist, noch mal: Leontine von Schmettow.

Ich meine:  L e o n t i n e  – welch wunderbar aristokratisch-exzeptioneller Vorname! –  v o n  – dem Expertinnentum ist Zugehörigkeit der in Tat und Wahrheit Gräfin in dem Falle doch sehr von Vorteil! –  S c h m e t t o w  – wuchtig im Aufschlag wie Wittelsbach und Nassau, und mit stummem, allenfalls zart hauchgeformtem W doch sanft im Ausklang wie Windsor!

¹ Die Menschheit auf Dauer erhalten könnte meines Erachtens nur weltweiter Sozialismus. Weil der so schnell kaum zu haben sein dürfte, sollte es erstmal immerhin ubiquitäre Demokratie sein, aber keine »marktkonform«-kapitalistische. Am kapitalistischen Absolutismus geht die Menschheit, wir erleben es, zugrunde.

Die armen Dummen, dummen Armen

Aus dem SPIEGEL 4/1972 zum Zusammenhang von elterlichem „Bildungsniveau“, i.e. Vermögen, und dem „Intelligenzgrad“ von Kindern:

„Die Fernseh-Dauer wird außerdem bestimmt vom Intelligenzgrad des Kindes und dem Bildungsniveau seiner Eltern. [Bildungswissenschaftler Georg] Schottmayer belehrt: »Eine kleine Gruppe der oberen Schichten und oberen Mittelschichten verharrt heute noch in einer ablehnenden Haltung gegenüber dem Fernsehen und weigert sich, ein Gerät zu kaufen.« Nach [dem Soziologen James] Halloran läuft der Empfänger »häufiger in Familien der Arbeiterklasse als in Familien, die der Mittelklasse angehören«. […] »Je dümmer der Schüler, um so länger sein Fernsehen«, resümieren Stückrath und [sein Kollege Fritz] Schottmayer, und Halloran bestätigt: »je begabter das Kind, um so weniger wird es fernsehen; das heißt: Der Begabtere erreicht den Sättigungspunkt früher.«“

Was in der FAZ imo passieren soll

Hoffentlich überlebt die FAZ lange genug, dass in ihrer Leserbriefrubrik »imo«, »imho«, »afaik« und gar »imao« die Anachronismen – wo nicht dinosaurierartigen Ungetüme! – »meines Erachtens« und »meines Wissens« verdrängen können. Und hoffentlich muss der Verein Deutsche Sprache das auch noch erleben! Den dorthinnigen Ein- bzw. Siegeszug von »tbh« fände ich auch schön tbh

Offenlegung

Bald 20 Jahre danach, und noch immer denke ich beim Anblick von Tagesschau-Sprecher Jens Riewa: »Ah, das ist doch der, der über die Schlagersängerin Michelle gesagt hat: ›Michelle ist im Bett eine Granate!‹« Menschenskinder, die »Bild«-Leserei in der Realschule hat mich schon auch was ramponiert.

(Seriöseren Boulevardmedien wie Dem Spiegel entnahm ich jetzt, dass Riewa das so nicht gesagt haben will; das sei nicht sein Sprachgebrauch.)

Das »RedaktionsNetzwerk Deutschland« über Israels »Iron Dome« – in Kindersprache

Während der letzten Attacken der Hamas auf Israel erläutert RND-Chefautor Matthias Koch im Artikel »Iron Dome: Eine Maschine verteidigt Menschen« das israelische Raketenabwehrsystem, mit dem feindliche Raketen noch in der Luft zerstört werden können. Und zwar mit einer im ganzen Text nachgerade kindischen, ja sogar dümmlichen Wortwahl.

Über die Explosionen am Himmel, wenn eine israelische Abfang- auf eine palästinensische Angriffsrakete trifft, schreibt er: »Das eigentümliche Piff-Paff am Nachthimmel wirkte wie ein Feuerwerk.« Nur dass Feuerwerk am Himmel bunt zu sein pflegt und in aller Regel allerlei schöne Formen wie Kugeln, Sterne oder Pusteblumenköpfe hervorbringt. Bloß »Piff-Paff« machen Böller – auch da würde niemand bei Trost von »Piff-Paff« sprechen/schreiben –, und wer seinen Kund*innen als Himmelsfeuerwerk nichts als feurige Böllerexplosionen böte, wäre wohl schnell auftragslos und insolvent. Doch unmittelbar darauf kinderquatscht Koch entsprechend weiter: »Phasenweise aber, wenn das Abwehrsystem an seine Kapazitätsgrenzen geführt werden sollte, steigerte sich der Lärm zu einem bedrohlichen Dauergeknatter.« Knattern, ja.

Für dem Anlass angemessen hält Koch weiter unten: »Die Firma feierte, während es über Ashkelon und Tel Aviv blitzte und knallte [ja Mensch, genau wie zu Silvester!], auf ihrer Webseite gerade ›zehn Jahre Iron Dome‹.« Auch (wahrscheinliche) Übersetzungen geraten geradezu silvestrig: »›Auf jeden Fall wurden da in den letzten Tagen viele Millionen Dollar verballert‹, sagt ein Insider.« Ist der Artikel etwa insgeheim eine Aufforderung an all die ›legitimen Israelkritiker*innen‹, »Brot statt Raketen!« in den Nahen Osten zu rufen?

Ein Professor der Münchner Bundeswehr-Hochschule würde sich einer solchen Kampagne wohl nicht anschließen, beherrscht den infantilen RND-Koch-Ton aber offenbar ganz von alleine, wenn er mit dem ganzen Gewicht seiner wissenschaftlichen Expertise analysiert: »›Wenn wir in Deutschland eine vergleichbare Raketenattacke erleben würden, stünden wir dumm da‹, sagt Carlo Masala, Professor für Internationale Politik an der Hochschule der Bundeswehr in München.«

Dem Text sei das Prädikat »Supi-lupi Schreibi-Schreibi« verliehen.

Arno Frank soll sich entschuldigen

ABER FÜR DEN AUSDRUCK »Fußball-Fatigue« ENTSCHULDIGST DU DICH GEFÄLLIGST, DU ALBERNER ALLITERATIONS-ARNO 😡😡😡


Beim SPIEGEL wird einfach jeglicher Sinn sturheil dem Stabreim-Zwang geopfert. >M<alefiz, >m<an >m<öchte >M<äuse >m<elken, >M<ensch >M<eier!

Und dann lese ich mir das auch noch durch. Z.B.: »Überhaupt hat das Vorübertreibenlassen der Veranstaltung den drolligen Effekt, dass die meiste Werbung überhaupt keinen Sinn ergibt. Normalerweise bleckt uns aus den Anzeigen nur das weiße Kampfgebiss von Jürgen Klopp entgegen, aber nun? Wer sind diese Leute? Warum freuen sie sich so? Will ich mit ihnen Chips futtern?« Wer in diesem Schmonzes einen Sinn erkennen kann, möge sich melden. Aber Hauptsache, sich von Bastian Sick gemerkt haben, dass es unbedingt »Sinn ergeben« heißt, und nicht »Sinn machen« (was halt gar nicht stimmt). Oben schrieb ich von Sinn-Opferung an den Stabreim-Zwang? Der SPIEGEL-Frank weiß schon nicht mal mehr, was Sinn ist, wenn er ihn hinschreibt.