DER SPIEGEL und sein »Volk«

Falls noch jemand bezweifelt, dass DER SPIEGEL ein deutschnationales Scheißblatt ist: Er sähe so gerne wieder »ein Volk«.

(»Jetzt übertreib’ halt nicht gleich, so ist das doch gar nicht gemeint«, sagen sie zu mir. Aber dass beim SPIEGEL niemandem der Anklang von »ein Volk« zu »Ein Volk, ein Reich, ein Führer« auffällt, die*der dann riefe: »Stoppt die Maschinen! Das können wir nicht in die Regale legen!«, es spricht imho Bände.

Was Wunder aber auch. › D a s deutsche Leitmedium‹ hielt etwa im vergangenen August eine interne Veranstaltung für die Mitarbeiter:innen als Zwischenbilanz der Zusammenlegung von Print- und Online-Redaktion von 2018 ab. Auf der Präsentation stand:

»Eine Redaktion,
eine Marke,
ein Haus«.

Twitter*innen mussten auf das über die dreifache Anapher »Ein(e)« grüßende »Ein Volk, ein Reich, ein Führer« hinweisen. Darüber wurde dann auch noch gestritten.

Jetzt ist der Vorwurf freilich nicht der, dass es absichtliche versteckte Nazi-Zitate sind. Sondern bloß (LOL) der, dass beim SPIEGEL alle dafür Verantwortlichen zu dumm sind, diese Parallele zu erkennen, einzuschreiten und eben was anderes, Unverfängliches hinzuschreiben. Was bei einer internen Redaktionszusammenlegung nicht so schwer zu formulieren sein dürfte.

Aber nein: Es muss »Eine Redaktion, eine Marke, ein Haus« sein. (Was in all seiner Marketingsprechhaftigkeit ohnehin tautologisch ist, aber beim SPIEGEL jemanden auf die Notwendigkeit von kultiviertem (!) Sprachgefühl hinzuweisen… ach ach!, ich ginge darüber zugrunde.

Daran erinnert mich auch dieses SPIEGEL-Zitat aus diesem Artikel: »Die Fusion (Projekt Orange — intern liebevoll ›Agent Orange‹ genannt) ist letztlich ein riesiges Modernisierungsprojekt.« Jesusmariaundjosef!, »Agent Orange«, wie diese verkommenen Menschen ihre Fusion so »liebevoll« nennen, ist zur Hölle nochmal das Entlaubungsmittel, das in Vietnam zur Kriegführung eingesetzt wurde. Ja geht’s gfälligst her und holt’s euch euer Watschn ab, ihr Deppen.)

Wer über die Kontinuitäten von der Nazi-Zeit in die SPIEGEL-Redaktion und andere Unsäglichkeiten, die in diesem Magazin seit seiner Gründung stattfinden, lesen will, kaufe sich die Ausgabe 9/2019 des konkret-Magazins. Dieser Volks- und Einheitsschmarrn, er ist noch ein später Auswuchs dieser Kontinuität.)

Interview²

Werner Herzog interviewt Alexander Kluge, während Alexander Kluge Werner Herzog interviewt – dann explodiert alles in durchdringendem Wohlgefallen 😊😊😊

Selig sind, die von den Armen nehmen, um den Reichen zu geben

Skandal bei der Katholischen Kirche: Der Vatikan kaufte von für Arme gespendetem Geld (»Peterspfennig«) Luxusimmobilien in London. Der Papst findet das »eine hässliche Sache«. Bei allem Amusement über die grunddumme Schockiertheit angesichts dieses korrupten Vorgangs in dieser ihren vorgeblichen Daseinszweck so fundamental misserfüllenden, letztlich sturheil kapitalistische Ziele verfolgenden »Seelenheils«einrichtung interessiert mich nur eines: Was wohl mein Lieblingshofberichterstatter der Katholiken, Matthias Drobinski von der Süddeutschen Zeitung, dazu sagt?

Es relotiust auch in Jungle World

Nun, in diesem Jungle-World-Artikel (Die Hölle von Breendonk, 39/2019) wird zwar nicht die Organisation »Breaking the Silence« mittels des aktuell schäbigsten aller Euphemismen, »umstritten«, zur »umstrittenen Organisation ehemaliger Soldaten, die Kritik an der israelischen Besatzungspolitik übt« (Den Aktionsradius erweitern. Die Kunstszene Jerusalems, Jungle-World-Dschungel 37/2019) schöngelogen, dennoch fühlte ich mich bei diesem Texteinstieg schon wieder, als läse ich den DER SPIEGEL.

Björn Höcke bricht ZDF-Interview ab und droht

15.09.2019, ZDF: »Höcke bricht ZDF-Interview ab und droht.«
»Es geht um Sprache und NS-Begriffe. Erst beantwortet Björn Höcke die kritischen Fragen. Dann brechen er und sein Sprecher das Interview ab. Höcke droht mit ›massiven Konsequenzen‹.« (Das komplette Video ist hier zu sehen.)

[Der folgende Kommentar zu diesem Video ist in keiner Hinsicht komisch gemeint. Er ist für diesen Blog, auf dem ich eigentlich ausschließlich komische Texte veröffentliche, nicht geeignet. Aber es ist wichtig, ihn auch außerhalb von Facebook zugänglich zu machen. In Thüringen hat die AfD kürzlich 25% der Stimmen erhalten.]

Mir macht dieses Video angst. Denn Höcke ist durch und durch Nazi, und als Nazi ist er – das ist jetzt ein bizarres Chapeau: hochprofessionell. Wie er sich äußert, was er äußert (vor allem aber wie), auch im Zusammenspiel mit seinem Mitarbeiter, er kann das, vom faschistischen Standpunkt aus betrachtet, sehr, sehr gut.

Höcke ist eine Figur, auf die eine Äußerung Walter Benjamins zuläuft: »Der Faschismus […] sucht sein Heil darin, die Massen zu ihrem Ausdruck (beileibe nicht zu ihrem Recht) kommen zu lassen.« (Kunstwerkaufsatz) Und Höcke ist die Figur, auf die die gesamte AfD, auch wo sie sich noch so bürgerlich und als bloß enttäuschte CDU gibt, zustrebt und wegen der die gesamte Partei mit Recht als Nazi-Partei zu bezeichnen ist. Höcke war nicht aus der Partei ausgeschlossen worden.

Die kaum verhohlene Drohung am Ende, dieses »manifeste Problem« zwischen Interviewer und Höcke könne für jenen »massive Konsequenzen« haben, zumal Höcke noch zu einer »interessanten politischen Figur in diesem Land« werden könne, diese Drohung kommt von einem Mörder im Wartestand.

Was das ZDF wohl mal wieder nicht erkennt: Noch in dem Interview, in dem es Höcke mit seinen »Mein Kampf«-artigen Äußerungen und seiner gesamten Wesensverwandtschaft mit den Nazis konfrontiert, verhält sich Höcke exakt in derselben Weise. Die Drohung am Ende, von ihr kann er sich jederzeit bequem distanzieren, sie ist letztlich eine brutale, lebensgefährliche Drohung wie jene, die die Nazis Wirklichkeit werden gelassen hatten. Es ist eine Nazi-Drohung. Das ZDF lässt sich von Höcke in diesem Interview vorführen. Die Veröffentlichung wird Höcke nicht schaden, im Gegenteil.

Mit Rechten redet man nicht. Man kann sie durch solche konfrontativen Interviews nicht entzaubern, auch nicht durch eine skandalisierte Veröffentlichung wie diese. Man hat Rechte nur daran zu hindern, was sie tun wollen: Anderen Menschen Leid zufügen und sie willkürlich töten. Dafür braucht man nicht mit ihnen zu diskutieren.

Angst macht mir dieses Video, weil so vieles auf eine mittelfristige Machtübernahme durch die AfD hindeutet. Dann morden sie wieder. Höcke ist massenkompatibel.


Nachtrag, da im Anschluss an dieses Interview von einigen Seiten, häufig von bürgerlichen Journalisten, Verständnis für Höckes Reaktion geäußert wurde:

Verständnis für Höcke?

Die Erfolge der AfD in den Länderparlamenten, auf kommunaler Ebene und im Bundestag, zuletzt Kooperation über Kooperation mit der AfD seitens der CDU, die Wahl eines hessischen NPD-Mannes zum Ortsvorsteher, der Kopfschuss-Mord am hessischen Regierungspräsidenten (!) Lübcke (wem zähle ich das eigentlich alles auf?), NSU-2.0-Faxe an per Polizeicomputer ermittelte Faxnummer, Prepper-/Neonazi-Netzwerke mit Polizisten-/Bundeswehrler-Beteiligung, sächsische Polizisten, die sich mit NSU-Uwe-Namen in Einsazlisten eintragen etc. etc. etc. etc. – die Nazis sind im Gewand der AfD schon wieder im Anmarsch.

Sie müssten für jede Straftat konsequent bestraft werden. Ansonsten konsequente Isolation. Würden die rechtsstaatlichen Mittel angewendet, hätte das, so zu hoffen, abschreckende Wirkung und die Rechtsextremen/Neonazis würden nicht beinahe unbehelligt tun und lassen, was sie wollen. Dass das nicht passiert, macht mir angst.

Den Höckes schon vor diesem höchst unvollständig aufgezählten Hintergrund irgend an Verständnis entgegenzubringen (z.B. wegen vermeintlich unfairer Behandlung durchs ZDF), es macht mich zornig.

eScooter

Welches Level an Arschlappigkeit muss man eigentlich haben, um im Zusammenhang mit eScootern als Privatperson/Journo/Politiker*in/Geschäftler*in auch nur ~irgendwas~ von wegen Reduktion des Autoaufkommens in Städten ins Internet oder sonstige Medien hineinzumeinen
Ich möchte mir, wie irr daran geworden, die Haare vom Kopf krapfen