Die besten Frauen

Indikatoren des Patriarchats: Die besten und berühmtesten Köchinnen – einer weithin als solche aufgefassten Frauentätigkeit –, sind Männer, die besten und berühmtesten Friseurinnen ebenfalls: Männer. Erfolgsköchinnen wie Sarah Wiener hingegen sind funktional maskulinierte Frauen wie Angela Merkel oder Ursula von der Leyen. Dass dieser EU-Kommissionspräsidentinnenschaft und jener Kanzlerinnenschaft irgendetwas Emanzipatorisches oder gar Feministisches eignete außer der Winzigkeit, dass Frauen heutzutage Männerrollen einnehmen dürfen – wehe, sie lassen sich ihre Periode anmerken, und ihre Periodenhygieneprodukte bezahlen sie mal schön selber! –, oder dass die Gesellschaft auch nur ein Gran weiblicher würde dadurch, so ernsthaft können das nur die Damen und Herren von FAZ über SZ und taz bis runter zu den Provinzkäseblättern in ihren Artikeln glauben.

Ich glaube, auch die beste Frauenfußballerin könnte nur ein Mann sein.

Meine drei zuletzt gesehenen Serien

Unbreakable Kimmy Schmidt (Netflix): Kimmy Schmidt und drei andere Frauen werden aus einem Bunker somewhere in Indiana befreit, wo sie von ihrem Entführer namens Richard Wayne Gary Wayne 15 Jahre lang festgehalten wurden. Die provinziell-naive Kimmy beginnt nach der Befreiung ein neues Leben in New York, wo sie mit dem Broadway-Wannabe Titus Andromedon eine WG bildet. Sehr, sehr lustig, äußerst hohe Pointendichte, alles andere als deep, aber angenehm weird, watcht sich leicht weg, kurz: hervorragende Sitcom, sei anempfohlen!

Fleabag (AmazPri): Wohl als Dramedy zu bezeichnen, wobei der Dramaanteil im Laufe der Serie starkes Übergewicht erhält. Fleabag ist die sympathische Hauptfigur (ob sie wirklich so heißt, wird nicht klar, weil in der ganzen Serie kein einziges Mal ihr Name fällt; Fleabag jedenfalls bedeutet ›a dirty and/or unpleasant person or animal‹ bzw. ›verwahrloster Streuner, Flohfänger; Ekel, Mistkerl, Mistvieh‹). Sie fickt, flucht, faucht raucht in einer Tour und kriegt ihr Leben nicht ›richtig‹ auf die Reihe. Somewhere in London betreibt sie ein kleines, erfolgloses Café, das sie mit ihrer besten Freundin gründete, die sich accidentally suizidierte. Die zweite Staffel kann eins sich imho schenken, die erste ist aber sehenswert (sind auch nur 6 Ep. à ~25 Min.).

Sherlock (Netflix): Ja leckt mich am Arsch, so was Nerviges wie Benedict Cumberbatch als Sherlock »Mr. Oberschlau hoch Tausend« Holmes habe ich ja noch nie gesehen! Wie er aus den winzigsten Details an Verstorbenen wie Lebenden beinahe komplette Lebensgeschichten rekonstruiert bzw. deduziert, soll seine extraordinäre (?) Auffassungsgabe zeigen, ist aber nur hanebüchen und albern geraten und, am schlimmsten: fürchterlich nervig. Das Feuilleton ›feiert‹ das freilich ›ab‹ und hält es für teilweise »perfekte [🙄] Unterhaltung«; das Publikum (meint: die Feuilleton-Schreiber*innen) würde Sherlocks Fähigkeiten bewundern und beneiden, obwohl er doch eingestandenermaßen – oh, er ist so selbstreflektiert! – ein »hochfunktionaler Soziopath« sei. Es ist halt dumm wie je. Aber das Feuilleton geilt sich auch an unerträglichen Oberarschlöchern und -widerlingen wie Frank und Claire Underwood aus House of Cards auf (brach ich nach einer Staffel ab); mei, die Qualitätspresse wähnt sich halt gerne als am Zentrum der Macht nuckeln dürfend. Ich jedenfalls sage: Sherlock »Hallo i bims ihr integral intellektualgemeinen Geistesmaden« Holmes, nein danke. Die literarischen Vorlagen Sir Arthur Conan Doyles habe ich nicht gelesen, Sir, und kann gar nicht beurteilen, inwieweit die Serienmacher ihnen folgen oder es selbst übertreiben, Sir. Nach nicht einmal 30 von 90 Min. der ersten Folge jedenfalls verlangte ich danach, auszuschalten. Das hätte ich nicht länger ausgehalten.

»Bild« probiert Porno-Spam

Einem BILD-Redakteur reichen der Pornokonsum und die viel zu anonymen Puffbesuche nicht mehr. Er sucht Sex bei Porno-Accounts auf Twitter. Erst mal geil chatten, dann hart ficken.

Nach wenigen Minuten der erste Erfolg: »Hiiii, wie geht es Dir?«, schreibt die junge »Sherry« ihn an. Dem Sex-Schwein schwillt sofort die Hose.

Ein paar Nachrichten später steht fest (höhö): Sie ist feucht wie saftige Aprilwiesen am Morgen. Und wohnt in seiner Stadt.

Sie verabreden sich. Abends soll gefickt werden, in einem Billighotel am Stadtrand. Die Adresse gibt sie ihm durch, er soll um 20 Uhr vor dem Eingang warten. Sie würden sich dann ja am Aussehen erkennen.

Ansonsten keine Sperenzchen. Bezahlung vorab, sie schickt eine Email mit den Daten.

Statt der erhofften Lust dann der Frust: Laptop kaputt – Virus via Bitcoin-Email! Und 500 € weg! (Bitcoin-Email)

Die Polizei nimmt den Fall auf. Machen könne man da wohl nix, teilt man ihm mit. Die Beamten grinsen ihn süffisant an.

Den Ärger baut der Lustmolch ab, indem er auf PornHub zu allen möglichen »Teen Anal Destruction«-Videos masturbiert und sich via schnell mit verwichst-klebrigen Fingern hingerotztem BILDplus-Artikel als unerschrockener Investigativreporter aufplustert.

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Lesen Sie morgen bei BILDplus: »BILD hat es ausprobiert: Das passiert, wenn man auf PornHub ›Geile Hausfrauen aus deiner Stadt wollen Sex‹-Werbungen anklickt«

»Besorgte Bürger«

Die Medien sollen sich bitte ein anderes Hauptinstrument zur Inhaltsvermittlung suchen als Sprache. Mit der können sie einfach nicht umgehen. Als hätte es die jahrelang zu »besorgten Bürgern« schöngeredeten Protofaschist*innen von Pegida bis AfD(-Wähler*innen) nie gegeben.

Nürnberg: OB-Stichwahl

Screenshot: nordbayern.de-Startseite, 16.3.2020

OB-Stichwahl in Nürnberg: Thorsten Brehm (SPD, links), der Amstinhaber Ulrich Maly (SPD) nachfolgen möchte, tritt gegen Marcus König (CSU, rechtsaußen rechts) an. Die Nürnberger Nachrichten fragen per Kommentar: »Wem trauen die Wähler mehr Führungskraft zu?« Sie fragen rhetorisch, denn die Bildauswahl zeigt mit Königs Macher-Geste und Brehms ehrfürchtig-staundendem Auszubildenden-Blick, wem die NN mehr Führungskraft zutrauen und die Wähler*innen zutrauen sollen.

 

»wogegen«

Screenshot: Startseite »Neues Deutschland«, 10.3.2020

»Frauen sehen heute immer zehn Jahre jünger aus, als sie sind, wogegen Männer zehn Jahre älter sind, als sie aussehen« – d.h. vice versa, dass Männer zehn Jahre jünger aussehen, als sie sind, und Frauen zehn Jahre älter sind, als sie aussehen – wogegen weswegen der Sinn der einen Gegensatz ausdrückenden Subjunktion »wogegen« zusammenraucht oder vielmehr auseinanderstäubt zu nichts. Ja ja, Sprache – beherrschte eins sie, es könnte zum Beispiel Journalist*in werden, oder sollte sogar.

(Die ambiguische und womöglich gesuchte, wo nicht angezielte Subjunktion wäre gewesen »während«, welche sowohl Gleichzeitigkeit als auch Gegensätzlichkeit ausdrückt, beides in dem Falle uneigentlich.)

Vom Salon (verspätet)

FAZ Nr. 15/2020, 18.01.2020, S. 6

Das Impeachment-Verfahren gegen Donald Trump, FAZ,

sei laut Deinem Artikel »Eröffnung mit ernster Zeremonie«¹ mit ernster Zeremonie eröffnet worden. Der »Seargant of Arms« habe die anwesenden Senator*innen dabei »unter Androhung einer Inhaftierung« dazu aufgefordert, zu schweigen – wie es »die althergebrachten Regeln« eben vorsähen. Diese Maßnahme wundert uns nicht, wenn wir lesen, was da so vor sich geht: »Alterspräsident Chuck Grassley, der 86 Jahre alte Republikaner aus Iowa, wünschte [dem Obersten Verfassungsrichter John] Roberts Gottes Segen und wies ihm dann seinen Sessel zu. Dieser vereidigte dann die Senatoren.« Denn wo Sessel Senatoren vereidigen, ist Haftandrohung das Mittel der Wahl, diese vom Losprusten abzuhalten.

Verdrückt sich sein Lachen: Salon du Fromage


¹ Sat.: »Eröffnung mit ernster Zeremonie«, FAZ Nr. 15/2020, 18.01.2020, S. 6