Was mein Leben reicher macht

Die Vorstellung, bei allen Beiträger*innen der ZEIT-Rubrik »Was mein Leben reicher macht« vorbeizufahren und ihnen eine Backpfeife zu geben für den bürgerlich-saturiert-distinktiven Mist, den sie allen Ernstes dort einsenden und der Woche für Woche auf der letzten ZEIT-Seite abgedruckt wird. (Note to self: Vielleicht auch mal in deren Redaktion Backpfeifen verteilen.)

Die armen Dummen, dummen Armen

Aus dem SPIEGEL 4/1972 zum Zusammenhang von elterlichem „Bildungsniveau“, i.e. Vermögen, und dem „Intelligenzgrad“ von Kindern:

„Die Fernseh-Dauer wird außerdem bestimmt vom Intelligenzgrad des Kindes und dem Bildungsniveau seiner Eltern. [Bildungswissenschaftler Georg] Schottmayer belehrt: »Eine kleine Gruppe der oberen Schichten und oberen Mittelschichten verharrt heute noch in einer ablehnenden Haltung gegenüber dem Fernsehen und weigert sich, ein Gerät zu kaufen.« Nach [dem Soziologen James] Halloran läuft der Empfänger »häufiger in Familien der Arbeiterklasse als in Familien, die der Mittelklasse angehören«. […] »Je dümmer der Schüler, um so länger sein Fernsehen«, resümieren Stückrath und [sein Kollege Fritz] Schottmayer, und Halloran bestätigt: »je begabter das Kind, um so weniger wird es fernsehen; das heißt: Der Begabtere erreicht den Sättigungspunkt früher.«“

Was in der FAZ imo passieren soll

Hoffentlich überlebt die FAZ lange genug, dass in ihrer Leserbriefrubrik »imo«, »imho«, »afaik« und gar »imao« die Anachronismen – wo nicht dinosaurierartigen Ungetüme! – »meines Erachtens« und »meines Wissens« verdrängen können. Und hoffentlich muss der Verein Deutsche Sprache das auch noch erleben! Den dorthinnigen Ein- bzw. Siegeszug von »tbh« fände ich auch schön tbh

Offenlegung

Bald 20 Jahre danach, und noch immer denke ich beim Anblick von Tagesschau-Sprecher Jens Riewa: »Ah, das ist doch der, der über die Schlagersängerin Michelle gesagt hat: ›Michelle ist im Bett eine Granate!‹« Menschenskinder, die »Bild«-Leserei in der Realschule hat mich schon auch was ramponiert.

(Seriöseren Boulevardmedien wie Dem Spiegel entnahm ich jetzt, dass Riewa das so nicht gesagt haben will; das sei nicht sein Sprachgebrauch.)

Das »RedaktionsNetzwerk Deutschland« über Israels »Iron Dome« – in Kindersprache

Während der letzten Attacken der Hamas auf Israel erläutert RND-Chefautor Matthias Koch im Artikel »Iron Dome: Eine Maschine verteidigt Menschen« das israelische Raketenabwehrsystem, mit dem feindliche Raketen noch in der Luft zerstört werden können. Und zwar mit einer im ganzen Text nachgerade kindischen, ja sogar dümmlichen Wortwahl.

Über die Explosionen am Himmel, wenn eine israelische Abfang- auf eine palästinensische Angriffsrakete trifft, schreibt er: »Das eigentümliche Piff-Paff am Nachthimmel wirkte wie ein Feuerwerk.« Nur dass Feuerwerk am Himmel bunt zu sein pflegt und in aller Regel allerlei schöne Formen wie Kugeln, Sterne oder Pusteblumenköpfe hervorbringt. Bloß »Piff-Paff« machen Böller – auch da würde niemand bei Trost von »Piff-Paff« sprechen/schreiben –, und wer seinen Kund*innen als Himmelsfeuerwerk nichts als feurige Böllerexplosionen böte, wäre wohl schnell auftragslos und insolvent. Doch unmittelbar darauf kinderquatscht Koch entsprechend weiter: »Phasenweise aber, wenn das Abwehrsystem an seine Kapazitätsgrenzen geführt werden sollte, steigerte sich der Lärm zu einem bedrohlichen Dauergeknatter.« Knattern, ja.

Für dem Anlass angemessen hält Koch weiter unten: »Die Firma feierte, während es über Ashkelon und Tel Aviv blitzte und knallte [ja Mensch, genau wie zu Silvester!], auf ihrer Webseite gerade ›zehn Jahre Iron Dome‹.« Auch (wahrscheinliche) Übersetzungen geraten geradezu silvestrig: »›Auf jeden Fall wurden da in den letzten Tagen viele Millionen Dollar verballert‹, sagt ein Insider.« Ist der Artikel etwa insgeheim eine Aufforderung an all die ›legitimen Israelkritiker*innen‹, »Brot statt Raketen!« in den Nahen Osten zu rufen?

Ein Professor der Münchner Bundeswehr-Hochschule würde sich einer solchen Kampagne wohl nicht anschließen, beherrscht den infantilen RND-Koch-Ton aber offenbar ganz von alleine, wenn er mit dem ganzen Gewicht seiner wissenschaftlichen Expertise analysiert: »›Wenn wir in Deutschland eine vergleichbare Raketenattacke erleben würden, stünden wir dumm da‹, sagt Carlo Masala, Professor für Internationale Politik an der Hochschule der Bundeswehr in München.«

Dem Text sei das Prädikat »Supi-lupi Schreibi-Schreibi« verliehen.

Arno Frank soll sich entschuldigen

ABER FÜR DEN AUSDRUCK »Fußball-Fatigue« ENTSCHULDIGST DU DICH GEFÄLLIGST, DU ALBERNER ALLITERATIONS-ARNO 😡😡😡


Beim SPIEGEL wird einfach jeglicher Sinn sturheil dem Stabreim-Zwang geopfert. >M<alefiz, >m<an >m<öchte >M<äuse >m<elken, >M<ensch >M<eier!

Und dann lese ich mir das auch noch durch. Z.B.: »Überhaupt hat das Vorübertreibenlassen der Veranstaltung den drolligen Effekt, dass die meiste Werbung überhaupt keinen Sinn ergibt. Normalerweise bleckt uns aus den Anzeigen nur das weiße Kampfgebiss von Jürgen Klopp entgegen, aber nun? Wer sind diese Leute? Warum freuen sie sich so? Will ich mit ihnen Chips futtern?« Wer in diesem Schmonzes einen Sinn erkennen kann, möge sich melden. Aber Hauptsache, sich von Bastian Sick gemerkt haben, dass es unbedingt »Sinn ergeben« heißt, und nicht »Sinn machen« (was halt gar nicht stimmt). Oben schrieb ich von Sinn-Opferung an den Stabreim-Zwang? Der SPIEGEL-Frank weiß schon nicht mal mehr, was Sinn ist, wenn er ihn hinschreibt.

Debattenjournalismus über E-Roller

Debattenjournalismus: »Davor, die Person vorschnell als gleichgültiges, rücksichtsloses, egoistisches Arschloch vorzuverurteilen, kann, darf und muss gemahnt und gewarnt werden! Bestimmt wollte sie nur an dieser abschüssigen Stelle den Verkehr etwas bremsen und beruhigen und regulieren. Und das ist doch eigentlich nichts Schlechtes. Hingegen wer meint, auch mitten in der Mitte des Wegs bzw. gar auf der vollen Wegbreite fahren oder gehen zu dürfen oder zu müssen, der ist der tatsächliche Gleichgolt, Rücksichts-Loser und Ergoman(n)e. Das wussten schon die alten Römer, wenn sie einen Ostrazismus abhielten.«

»Der Spiegel« erzählt aus einem »Bunte«-Interview mit Markus Söder

spiegel.de, 11.05.2021

»Noch harmloser kann Wahlkampf kaum daherkommen.« Belanglose Söder-Antworten aus einem »Bunte«-Interview kolportieren (z.B. entgegnet er auf eine grunddumme »Bunte«-Frage, von einer »Männerfreundschaft« zu Robert Habeck zu sprechen, sei dann doch »stark übertrieben«) – noch dümmer kann »Der Spiegel« kaum daherkommen.

Naja, in der Vergangenheit hat er schon oft bewiesen, dass er doch kann.

»Marktplatz – das Verbrauchermagazin des Deutschlandfunks«

Deutschlandfunk sendete am 25.03.2021 um 10:08 Uhr die Sendung Marktplatz – das Verbrauchermagazin des Deutschlandfunks.

Thema: »Wischtücher, Reinigungsmittel, Roboter – Frühjahrsputz mit System und Spaß«.
»Gesprächsgäste:
Kerstin Effers, Verbraucherzentrale NRW, Düsseldorf
Reiner Metzger, Stiftung Warentest, Berlin
Bernd Glassl, Industrieverband Körperpflege Waschmittel, Frankfurt
Jens Lönneker, Rheingold Salon, Köln
Am Mikrofon: Susanne Kuhlmann«.

Und das alles – Moderation, Expert*innen, Anrufer*innen – so sturheil und bierernst und ohne jede Scham, als hätte es Heino Jaegers Fragen Sie Dr. Jaeger (1976)* nie gegeben. Was für ein Wahnsinn!

Einer beispielsweise ruft beim Dlf-Marktplatz an und gibt Folgendes durch: Bücher- und sonstige Regale könne man absaugen, indem man über die Saugdüse einen Nylonstrumpf ziehe; so würde der Staub eingesaugt, nicht aber etwaige Kleinteile. Sein altes Transistorradio, auf dem oben Knöpfe fehlten, fege er mit einem alten Rasierpinsel ab, damit ginge der Staub und alles gut weg. Und wer es kennt: Bei der Autoinnenraumreinigung kommt man neben dem Gaspedal immer schlecht hin – dafür nehme man einfach eine alte Zahnbürste, damit geht es kinderleicht!

Die Moderatorin bedankt sich für die Tipps und fragt in die Expertenrunde, ob jemand etwas hinzuzufügen hätte. Zwei Sekunden Stille. Einer sagt dann, der Anrufer habe ja praktisch schon alles gesagt.

Damit wäre alles gesagt.

(* Vgl. z.B. Heino Jaeger: »Passkontrolle« (YouTube))