»Marktplatz – das Verbrauchermagazin des Deutschlandfunks«

Deutschlandfunk sendete am 25.03.2021 um 10:08 Uhr die Sendung Marktplatz – das Verbrauchermagazin des Deutschlandfunks.

Thema: »Wischtücher, Reinigungsmittel, Roboter – Frühjahrsputz mit System und Spaß«.
»Gesprächsgäste:
Kerstin Effers, Verbraucherzentrale NRW, Düsseldorf
Reiner Metzger, Stiftung Warentest, Berlin
Bernd Glassl, Industrieverband Körperpflege Waschmittel, Frankfurt
Jens Lönneker, Rheingold Salon, Köln
Am Mikrofon: Susanne Kuhlmann«.

Und das alles – Moderation, Expert*innen, Anrufer*innen – so sturheil und bierernst und ohne jede Scham, als hätte es Heino Jaegers Fragen Sie Dr. Jaeger (1976)* nie gegeben. Was für ein Wahnsinn!

Einer beispielsweise ruft beim Dlf-Marktplatz an und gibt Folgendes durch: Bücher- und sonstige Regale könne man absaugen, indem man über die Saugdüse einen Nylonstrumpf ziehe; so würde der Staub eingesaugt, nicht aber etwaige Kleinteile. Sein altes Transistorradio, auf dem oben Knöpfe fehlten, fege er mit einem alten Rasierpinsel ab, damit ginge der Staub und alles gut weg. Und wer es kennt: Bei der Autoinnenraumreinigung kommt man neben dem Gaspedal immer schlecht hin – dafür nehme man einfach eine alte Zahnbürste, damit geht es kinderleicht!

Die Moderatorin bedankt sich für die Tipps und fragt in die Expertenrunde, ob jemand etwas hinzuzufügen hätte. Zwei Sekunden Stille. Einer sagt dann, der Anrufer habe ja praktisch schon alles gesagt.

Damit wäre alles gesagt.

(* Vgl. z.B. Heino Jaeger: »Passkontrolle« (YouTube))

C O M P L I A N C E

Das Wort COMPLIANCE-Verfahren klingt so schön schön, ich will mich darin einwickeln und auch so ein COMPLIANCE-Verfahren gegen mich starten lassen

#reichelt #julianreichelt #compliance


Na da schau her: »Das Compliance-Verfahren gegen Reichelt hat laut Springer keine Anhaltspunkte für sexuelle Belästigung oder Nötigung ergeben.« (Zeit Online)

Bärenstark, tagesschau-Faktenfinder!

Als könnte »Kinder in der Corona-Krise« nicht durch Beliebiges ersetzt werden.

*

Und sinnvolles Deutsch kann da auch wieder niemand: »Im Februar hatte das Hamburger Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) den zweiten Teil seiner COPSY-Studie vorgestellt, an der mehr als 1000 Kinder und Jugendliche und mehr als 1600 Eltern teilgenommen hatten. Besonders aufschlussreich ist, dass mehr als 80 Prozent der Beteiligten bereits im Juni 2020 bei der ersten Umfrage mitgemacht hatten.« Der letzte Satz müsste lauten: »Besonders aufschlussreich ist die Studie, weil …«

Quelle: https://www.tagesschau.de/faktenfinder/corona-kinder-jugendliche-101.html

Faszination Cineasmus

Deutschlandfunk-Interview mit einem Autoren letzte Woche: »Sie sind ja auch Cineast …«
Autor: »Ja, also, ob ich Cineast bin, weiß ich gar nicht, aber ich kuck schon gerne Filme.«

Max Goldt monierte einmal die schlechte Angewohnheit von Journalist*innen, Leute, die halt an irgendwas Interesse haben, zu fragen: »Aha, was f a s z i n i e r t sie denn an …?«

Ab- vs. angehalftert

Das selten und nur fachspezifisch vorkommende Gegenteil des journalistischen Alltagsworts abgehalftert ist übrigens nicht *gehalftert, sondern angehalftert ☝️ »Der angehalfterte Star/Schauspieler/Privatdetektiv/Astronaut/Virologe/Facebooker/Bundespräsident« klingt aber auch nicht besonders nett imo

Ganz hübsch fände und ausnahmsweise gerne läse ich einen Spiegel-Artikel unter der Überschrift: »Benedikt XVI. und Franziskus: Der große Vergleich des abgehalfterten und des angehalfterten Papstes«. Ach, und übrigens, am 20.01. werden Joe Biden und Kamala Harris zu Präsident und Vizepräsidentin der USA angehalftert. Hoffentlich lässt Trump sich schließlich doch wehrlos abhalftern. Dass mit Sandra Ciesek einer Kollegin Christian Drostens das Podcastmikro im Kampf gegen das Virus angehalftert wurde, war auch eine gute Entscheidung, da konnnten die leider immer noch angehalfterten Sexisten vom Spiegel noch so katastrophal schäbig daherinterviewen. Welcher Rechtsradikale nach der Abhalfterung Horst Seehofers als Innenminister angehalftert wird, steht auch noch in den Sternen. Aber auch die dann womöglich angehalfterten Mehrheitseigner Bündnis 90/Die Grünen dürften da, siehe Boris Palmer, keine Anhalfterungsschwierigkeiten haben.

Die arbeitenden Reifen

Der Sportteil unbewusst über den Status des Menschen: »Ohne Topzeiten zu produzieren, wählte der 35-Jährige [Lewis Hamilton] während des ersten Renndrittels häufig einen leicht weiteren Weg durch die Kurven und half den Reifen so, länger auf hohem Niveau zu arbeiten.« (Jo Herold auf tagesschau.de)

Seelenlose Gummidinger zeigen, wie arbeiten und funktionieren zu unmittelbar austauschbaren Synonymen erstarrt sind. Wenn obendrein der Rennfahrer seinen Rennreifen zur Arbeit auf hohem Niveau hilft, ist nicht die Vermenschlichung der Reifen vollendet, sondern die Verdinglichung des Fahrers.