Kritik am Symposium »Ästhetik nach Adorno«, eine Replik

Na freilich kannst du auf dem Symposium »Ästhetik nach Adorno« (21.–23.6.2019, Berlin, Link zur Website) ein Flugblatt namens »Ästhetik nach Adorno« ein Flugblatt namens »Unter der Ästhetik liegt die Erfahrung – Zum Symposium ›Ästhetik nach Adorno‹« (Link zum PDF) auslegen, in dem du Kritik an der Veranstaltung kundtust. Wenn du deine – stellenweise noch so triftigen – kritischen Äußerungen allerdings zwischen Zitate von Adorno und Benjamin oben sowie deinem nicht angegebenen Namen unten presst und das Flugblatt in unbeobachteten Momenten verhuscht auf die Sitze legst – dann sinkt das samt und sonders von Kritik herab zur blind vorgetragenen Religion, zum apostolischen Eifer. Dann bist du letztlich nichts anderes als etwa die Zeugen Jehovas, die in den Fußgängerzonen dieser Welt mit ihren Aufstellern zum ›Gespräch‹ einladen, worin sie dir dann die alleinige Wahrheit des Überirdischen verkünden werden. Mit dem Unterschied, dass Zeugen Jehovas immer noch persönlich auftreten und ihre Wahrheiten nicht bloß anonym irgendwo hinlegen.

Es mag einer gewissen Empathie geschuldet sein, dass du dich um die Weiterlesen

Komikkritik: Nein. Quarterly

Akademiker*innen scheinen Eric Jarosinskis »Nein. Quarterly« (er über sich auf Twitter hinter einer Adorno-Vignette: »A Compendium of Utopian Negation«) mitunter innig zu lieben. Aber warum? Weil es in der »Zeit« erscheint?

Ich habe keine Ahnung, was ich damit anfangen soll. Lacht man da drüber? Lässt man sich »zum Nachdenken anregen«? Mich jedenfalls berührt es in seiner Trockenheit und Sprödigkeit so sonderbar unangenehm, dass ich nur weg will davon. Was es – wie Profilbild und Gehabe implizieren sollen – mit Kritischer Theorie im Speziellen oder Dialektik im Allgemeinen zu tun haben soll, bleibt mir verschlossen.

»Die Zeit« beschreibt seine Sachen als »abgründige Sinnsprüche«, die auf Twitter Zehntausende Follower fänden, und freut sich, seine Printkolumne drucken zu dürfen.

Mir kommt das nur vor wie Reiswaffeln pur ohne dazu was trinken zu dürfen.

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NB: Lesenswert dazu ist die Humorkritik aus TITANIC 9/2015: http://www.titanic-magazin.de/humorkritik/2015/september/hk/mein_bloeder_zwilling-8

Steckt euch alle an!

Werbekampagne der DAK, Nov./Dez. 2018

»Gelacht wird darüber, daß es nichts zu lachen gibt. … Das versöhnte Lachen ertönt als Echo des Entronnenseins aus der Macht, das schlechte bewältigt die Furcht, indem es zu den Instanzen überläuft, die zu fürchten sind. Es ist das Echo der Macht als unentrinnbarer. Fun ist ein Stahlbad. Die Gesundheitsindustrie verordnet es unablässig.« (Horkheimer/Adorno: Dialektik der Aufklärung, GS 3, S. 162)

Kritische Neckereien

Was antwortete Max Horkheimer, wenn man ihn mit »Mach’s gut!« verabschiedete? »Mach’s Horkheimer!«

Adorno, freilich vom Frankfurter-Schulrektor nicht sich unterbuttern lassend und nie um eine zusätzliche dialektische Wendung verlegen, pflegte daraufhin jovial feixend zu antworten: »Gut, Horkheimer, Paulaner!«

»Ein Sauhund, der Teddy!«, dachte Horkheimer in den Entstehungstagen der Dialektik der Aufklärung danach oft, »da juble ich jetzt, wenn er nicht herschaut, einen Widerspruch in die Dialektik der Aufklärung rein, den nicht einmal er bemerkt bzw. kapiert respektive eventuell noch zur bestimmten Negation emporretten kann hehe.«

Ob’s ihm gelungen ist, das bleibt sein Geheimnis, ebenso wie ob’s ihm Adorno nicht womöglich wissentlich hatte durchgehen lassen.

Zurichtung

Weihnachtsgeschenk

»… gegen all das uns Auferlegte, gegen das, was die Welt aus uns gemacht hat und noch in unendlich viel weiterem Maß aus uns machen will. Etwas anderes als die Reflexion darauf bleibt uns nicht, und der Versuch, von vornherein im Bewußtsein seiner objektiven Ohnmacht dagegen anzugehen; …« Adorno: Probleme der Moralphilosophie (1963), Frankfurt a.M. 1996, S.249.

Radio Marx

Übrigens: Ich übernehme den Nürnberger Lokalradiosender afk max und benenne ihn um zu afk MARX.

Programm sieht dann so aus, dass einfach pausenlos aus den Marx-Engels-Werken vorgelesen wird, nämlich chronologisch MEW-Bd. 1, 2 …, 44 und wieder von vorne. Und zwar mit Verve!

Zwischendurch, wie es sich für einen Radiosender gehört, Nachrichten, z.B. «Ist der Sozialismus schon verwirklicht? Der Blick ausm Fenster sagt: Nein», «Löst sich der Staat schon selbst auf? Auch nein», Börsenkurse, Rohstoffpreise (Tee, Weizen, Leinwand etc.) + tagesaktuelle Zustandsbeschreibung des revolutionären Subjekts.

Vorstellbar wären auch Zuschauerquizze mit unterschiedlich schwierigen Fragen wie «Bestimmt das Bewusstsein das Sein oder das Sein das Bewusstsein?», «Was steht in MEW 14 auf S. 59 in Z. 32–35?», «Wie viel wog Karl Marx’ Kopfbehaarung?»

Sonntags um 12 Uhr dann für eine Stunde Musik. Playlist:
– Madonna: «Materialistic Girl»
– Metallica: «Welcome Home (Proletarian)»
– Notorious B.I.G.W.F. Hegel: «Phenamanahlogy of Spirit»
– Faith No More in Chains
– Alice (Still) in Chains
– Freestyle Agitrap von Dialektikal
– ansonsten Historic-Materialistic Metal, Progressive Produktivkraft Metal

So könnt’s klappen mit der Agitation der Massen!