Klima»wandel«? Klimakatastrophe!

»Global heating« statt »global warming«, »climate emergency, crisis or breakdown« statt »climate change« – der britische Guardian empfiehlt seinen Journalist*innen in seinem »house style guide« seit kurzem adäquatere Ausdrücke für die Klimakatastrophe (Artikel: Why the Guardian is changing the language it uses about the environment).

Mit diesen Alternativausdrücken zu »Klimawandel« könnt’s aber auch bei hiesigen Lärm- und Krawallmedien wie Spiegel Online klappen:
– Klimapokalypse
– Klimagate
– Klim-Krieg (?)
– Klimargeddon (Bibel und Hollywood!)
– Klimaterloo
– Klimhavarie (mit stummem h aber = schwierig)
– Klima-Kill
– Klima-Koller
– Zum-Kotz-Klima
– Klima-Kacke
– Kill-Klima
– Klimaquark (es ist doch eh schon alles wurscht)
– Klimbumm (hä?)
– Hitlerklima

»Ich bereue nicht«

nordbayern.de über den 1. FC Nürnberg (aktuell letzter Tabellenplatz, die letzten 18 von 25 Spielen keines gewonnen, müsste ab jetzt ungefähr jedes der kommenden neun Spiele gewinnen; steigt heuer zu praktisch 💯% wieder ab): »Trotz der nächsten Pleite: Der Club gibt nicht auf«.

Screenshot nordbayern.de, 11.03.2019

Lustig wär’s immerhin, wenn der Verein vermeldete: »So, Freunde, das wird heuer nix mehr. Wir geben auf! Die drei Punkte der verbleibenden Spiele bekommt einfach gleich immer der Gegner. Wir zocken bis zur Sommerpause ›FIFA 19‹ und schauen, ob wir da was reißen können bzw. wer der Beste von uns ist. Die BuLi-Entwicklung verfolgen wir entspannt bei Bier und Schafkopf im Fernseh auf Sky. Im Sommer bereiten wir uns dann auf die kommende Zweitligasaison vor. Dort drunten heißen wir dann übrigens bis zum nächsten Wiederaufstieg 2. FC Nürnberg hehe.«

Aber wo sollten die Leute dann ihr Geld bei einem sicheren Absteiger zum Fenster rausschmeißen hintragen? Wo sich mit Leichtbier einen ansaufen? Wo sollten die Ultras ihre Schlägereien austragen und gleißend helle Schmuggelware anzünden? Wie einsam, unbehelligt, gar unbelästigt sollen sich die unbeteiligten ÖPNV-Gäste vorkommen, wenn eigentlich Heimspiel wäre?

Nein, nein, es ist schon besser so, dass der Club »bei allem Frust weit davon entfernt [ist], bereits die weiße Fahne zu hissen« (nordbayern.de, ebd.).

PS: Im Frühjahr 2014 wurde anlässlich der »Aufholjagd« vom Tabellenkeller eine Fan-Kampagne unter dem Titel »Ich bereue diese Liebe nicht« gestartet. Zu erreichen war sie unter der URL http://www.ich-bereue-nicht.de sowie auf der offiziellen Seite des 1. FC Nürnberg unter http://www.fcn.de/ich-bereue-nicht (siehe hier). Welch unselige Abkürzung! Warum? Rudolf Hess in seinem Schlusswort beim Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozess: »Ich bereue nichts!« Aber so viel Geschichtsbewusstsein, von diesem keineswegs unbekannten Hess-Ausspruch schon mal gehört zu haben, kannst du ja von niemandem verlangen. Immerhin: Beide URLs sind mittlerweile nicht mehr aufrufbar.
(Notabene: Gegen den Slogan »Ich bereue diese Liebe nicht« ist kaum was einzuwenden. Freilich: Als ob es an Liebe etwas zu bereuen gäbe; man sucht sie sich ja nicht aus. Aber die Verkürzung auf »ich-bereue-nicht« finde ich unsäglich.)

Satiremagazine stellen sich vor (1)

Mailverlauf, bitte erst unten lesen, dann oben:

(für größere Ansicht clicken)

Haha, wie lustig, Eulenspiegel!

Ich: «Entschuldigung, Eulenspiegel, wie hoch ist denn eure Auflage?»
Dr. Mathias Wedel, Eulenspiegel-Chefredakteur: «Geschätzt zwei Millionen. Und Gruß» (*) hehe topkek lel 🤣 i bims der Eulenspiegel-Chef 🤣 immer lustig trotz Doktor weil Satiriker als Beruf, magst noch einen hören dann frag mich noch was! Und seit wann schreiben die Herren Studierend/*_Innen schon vor 10 Uhr Emails 😂 die faulen Nichtsnutze stehen doch immer erst um 17 Uhr auf und gehen dann in die Kneipe um sich Geschlechtskrankheiten zu holen

Martin Sonneborn traf’s mal ziemlich gut, als er den Eulenspiegel als «larmoyantes Witzblatt» bezeichnete. Freche Hundskrüppeln obendrein, möchte ich nach dieser unverschämten, nachgerade saublöden Antwort auf eine kleine, ernstgemeinte Frage hinzufügen. (Bei der Redaktion hatte ich übrigens nur deswegen nachgefragt, weil weder vom Verlag noch vom Vertrieb des Blattes eine Antwort gekommen war.)

Kein Vergleich dazu das Herzblatt Titanic, bekanntermaßen berüchtigt für seine «Menschenverachtung» (viele Leute über viele Titanic-Autor/innen)! Dort fragte ich per Mail beim Titanic-Verlag nach der Anzahl der Hefte, die wegen verbotener Inhalte nicht mehr in der ursprünglichen Gestalt verkauft werden dürfen, sowie nach den nirgends angegebenen Herausgebern, und bekam von Christoph Dittrich eine freundliche Antwort auf beide Fragen.
Und als ich mich kürzlich beklagte, meine Mitbewohner/innen hätten meine Titanic 10/2017 verschlampt (seitdem lege ich gelesene Ausgaben nicht mehr zur Lektüre aus, ha!), und nachfragte, ob sie mir auf Rechnung ein Ersatzexemplar schicken könnten, meinte Boris Kitzov sinngemäß: «Geh weiter, freilich schicken wir eins raus, gleich morgen, bezahlen brauchst Du freilich nix, altes Abonnenten-Haus! Cheers!» (Sie schreibt immer «Cheers!» Zuvor nahm sie mich übrigens erst mal auf den Arm, weil ich nach dem Heft 10/2018 gefragt hatte.) Und zwei Tage nach meiner Mail konnte ich mit dem Heft die Lücke im Ordner schließen.

Satirendichter Juvenal meinte einmal: Es ist schwierig, keine Satire zu schreiben. Wenn ich mir den aktuellen Eulenspiegel und diese Mail ihres Chefredakteurs anschaue, gilt in diesem Falle: Es ist schwierig, keine Peinlichkeit zu begehen.

* For those who do not know: Titanic-Auflage ca. 100.000, Eulenspiegel (nach älterer Quelle) ca. 110.000

Intercity-Expreß

Der folgende Witz fiel mir (kein Witz) heute Nacht im Traum ein:

Die Nürnberger U-Bahnlinie U1 verbindet die Städte Nürnberg und Fürth miteinander. Fachleute bezeichnen sie auch als Intercity-Expreß.

(In einem Folgetraum, ich weiß nicht, ob ich zwischendurch wach war, gab ich sogar damit an, was mir im Traum (!) für ein guter Witz eingefallen sei, was ausgiebig beschulterklopft wurde.
Jetzt hingegen, nach der ganzen Träumerei, schäme ich mich für diesen «Witz» eher, als daß ich Grund zum Angeben sähe. Denn dieser «Witz» könnte Weiterlesen