Selig sind, die von den Armen nehmen, um den Reichen zu geben

Skandal bei der Katholischen Kirche: Der Vatikan kaufte von für Arme gespendetem Geld (»Peterspfennig«) Luxusimmobilien in London. Der Papst findet das »eine hässliche Sache«. Bei allem Amusement über die grunddumme Schockiertheit angesichts dieses korrupten Vorgangs in dieser ihren vorgeblichen Daseinszweck so fundamental misserfüllenden, letztlich sturheil kapitalistische Ziele verfolgenden »Seelenheils«einrichtung interessiert mich nur eines: Was wohl mein Lieblingshofberichterstatter der Katholiken, Matthias Drobinski von der Süddeutschen Zeitung, dazu sagt?

eScooter

Welches Level an Arschlappigkeit muss man eigentlich haben, um im Zusammenhang mit eScootern als Privatperson/Journo/Politiker*in/Geschäftler*in auch nur ~irgendwas~ von wegen Reduktion des Autoaufkommens in Städten ins Internet oder sonstige Medien hineinzumeinen
Ich möchte mir, wie irr daran geworden, die Haare vom Kopf krapfen

Die Erlanger und ihr Erwin Rommel

In Erlangen gibt es, wie in zwölf weiteren Ortschaften dieses Landes, nach wie vor eine Erwin-Rommel-Straße. Im dort ansässigen Studentenwohnheim entblödet man sich nicht, das sogenannte Rommelsommerfest zu feiern und brüstet sich auf der Website ferner:

»Das Erwin Rommel Wohnheim ist in Erlangen weithin bekannt für das Rommelsommerfest Anfang Juni, die ›Bronx‹ im Winter kurz nach dem ersten Schnee und für den Rommelfasching der Mitte Januar stattfindet. Diese Veranstal-tungen sind offen für alle Studenten der Uni Erlangen und machen jedes Jahr eine Menge Spaß!«

Hahaha, ein großer Spaß für alle und Spaßbremse, wer bei »Rommelfasching« etwa an Prinz Harry in der Naziuniform denkt (weil »Rommel war ja kein Nazi, weil er nie in der NSDAP war 😠 !«)

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Anlass dieses Posts: Mit einer Mehrheit aus CSU, Freien Wählern sowie AfD wurden in Fürstenfeldbruck zwei Petitionen zu Nazistraßennamen abgewiesen: »CSU und AfD tolerieren NS-Straßennamen« (Süddeutsche)

Der Gazetteur

»Als Backöfen: Deutsche Bahn vermietet Waggons an Bäckereien« – dergestalt wäre diese als »Witz« missverstandene bloße Postillonesque immerhin nicht so unangenehm ungelenk geschrieben.

Über das steindumme »Praktisch.« ist kein Wort mehr zu verlieren als »steindumm«. Wer nichts drüberzukommentieren hat, soll es halt bleiben lassen, und sich nicht vom Nasenring der bloßen Möglichkeit wie ein geknechtetes Rindviech umherziehen lassen. (Wobei: Der Dumme bin hier eigentlich ich; höre ich doch nicht auf die per Punkt unbewusst hingedübelte Empfehlung, doch an Ort und Stelle aufzuhören zu lesen.)

Davon abgesehen: Wie lange ist dieser bedauerliche 50-°C-Vorfall in einem ICE nun schon wieder her? Um niemandem eine Googelei aufzuzwingen: Es war im Juli 2010, d.h. vor n e u n Jahren. Dass es ansonsten sommers bei zwei bis drei (2–3!) % der ICE-Klimanlagen zu Störungen kommt, kann nur für Trottel ein zu versatirendes Ärgernis darstellen.

»Der Gazetteur« sollte es imho ganz bleiben lassen, auch die ankumpelnde Drunterkommentiererei auf Twitter. Und sich dann eine Weile lang schämen, dass er mit dem »Postillon« die schaumstoffharte bzw. Gummischwert-Kopie der US-amerikanischen Satireseite »The Onion« kopiert. – »Der Gazetteur«, der Adabei des Onlinehumors.

PS: Das Komma im Slogan des Gazetteurs, es ist wahrscheinlich auch Satire: »Der Gazetteur. Bringt Tatsachen, statt Nachrichten.«

 

» u m s t r i t t e n «

Ob das journalistische Universal-Überschriftenwort »umstritten«, mit dem jede Gemeinheit und Verderbtheit und noch alle Unmenschlichkeit in den Schein der immerhin Diskussionswürdigkeit gerückt wird, ob dieses Unwort der zeitgenössische, schlichte Indicator der seit je wesenden Vernageltheit und Verrammeltheit und, ja, Imarschheit des Journalismus ist, diese Frage lässt sich ohne SPDiges Herumlavieren und brummdummes »Debattieren« beantworten mit: ja.

Neuerlicher Tiefpunkt der Umstrittenheiterei: Es gab laut dem »Historischen Bild des Tages« bei t-online – fasten your seatbelts –: »Hitlers umstrittenstes Flugzeug«.

Dass auch Hitler im eigenen Reich »umstritten« war, keine Frage; siehe Elser, Stauffenberg etc. Dass heutzutage sturheil wieder auf diese »Umstrittenheit« und mittlerweile mithin »Diskussionswürdigkeit« hingearbeitet wird – nun, es ist wohl nur noch eine Frage der Zeit, wann Hitler irgendwo qua Überschrift als »umstritten« bezeichnet wird. Sein tut er es schon.

(In der »Stadt der Reichsparteitage«, Nürnberg, wird dieser, pardon my french: Infodreck namens »Historisches Bild des Tages« schamlos auf den Infoscreens in den U-Bahnhöfen ausgestrahlt.)

»1939: Als die Nazis das Mutterkreuz stifteten«

»1939: Als die Nazis das Mutterkreuz stifteten
Sie gilt als die Vorzeigemutter des ›Dritten Reichs‹. Magda Goebbels wird am 21.05.1939 von den Nationalsozialisten das Mutterkreuz verliehen. Im Volk hieß er [sic] auch ›Kaninchenorden‹.«

2019: Rechtsradikale/-extreme übernehmen weltweit die Parlamente. Die t-online-news am U-Bahn-Infoscreen gedenken am 21.05. in vorauseilendem Gehorsam – denn noch ist die Macht nicht übernommen – der »Vorzeigemutter« Magda Goebbels wie des NS-Mutterordens so vollkommen kritiklos und illustrieren so fröhlich mit einem Bild der Verleihung, als regierte die NSDAP bis heute.

Die Nazis sind mittlerweile, da ihre Erben an der Schwelle stehen, zum Info-Jux, zum Wartepausenfüller zwischen der Kelly Family und Stefan Effenbergs Fußballexperten-Kommentar herabgesunken. Einzig ein Scherzchen aus dem Volke (»Kaninchenorden«) traut man sich dieser Tage, anders als damals, öffentlich zu zitieren. Die Zeiten haben sich eben geändert.

Freilich, im zugehörigen Artikel vom 21.05.2019 auf der Website (man muss dafür auf der t-online-Startseite fast ganz nach unten scrollen!) informiert man dann im Stile eines Oberstufen-Geschichtsreferats: »Für Hitler und die Nationalsozialisten müssen Frauen vor allem eine Funktion erfüllen, diese besteht darin, möglichst viele Kinder zu gebären. Im Sinne des NS-Rassenwahns natürlich nur solche, die ›deutschblütig‹ sind, und keineswegs ›erbkrank‹. Für das Hirngespinst eines ›Großgermanischen Reichs‹, das durch Krieg und Gewalt entstehen soll, braucht der ›Führer‹ Soldaten, besser gesagt Kanonenfutter.« Etc. etc.

Man soll sich nicht für dumm verkaufen lassen: Dieses Kurzreferat zum »Historischen Bild« des Tages ist noch besser verborgen als das unlesbare, pardon: kaum lesbare Kleingedruckte unter Großbildschirmwerbungen. Was hängen bleibt, ist die Infoscreen-»Info«.

Flughafen Daxing

»Flughafen Daxing«, aber in Oberbayern

»Ja griaß Eana, bitte zwoa Moi Memmingen–Daxing, bittschen! […] Ja… […] Ja…! […] Sie, hean’s: Mitm Auto braucherten mir vo Memmingen noch Daxing über zwoa Stund’, dös wär uns vui z’langsam!«