Das »RedaktionsNetzwerk Deutschland« über Israels »Iron Dome« – in Kindersprache

Während der letzten Attacken der Hamas auf Israel erläutert RND-Chefautor Matthias Koch im Artikel »Iron Dome: Eine Maschine verteidigt Menschen« das israelische Raketenabwehrsystem, mit dem feindliche Raketen noch in der Luft zerstört werden können. Und zwar mit einer im ganzen Text nachgerade kindischen, ja sogar dümmlichen Wortwahl.

Über die Explosionen am Himmel, wenn eine israelische Abfang- auf eine palästinensische Angriffsrakete trifft, schreibt er: »Das eigentümliche Piff-Paff am Nachthimmel wirkte wie ein Feuerwerk.« Nur dass Feuerwerk am Himmel bunt zu sein pflegt und in aller Regel allerlei schöne Formen wie Kugeln, Sterne oder Pusteblumenköpfe hervorbringt. Bloß »Piff-Paff« machen Böller – auch da würde niemand bei Trost von »Piff-Paff« sprechen/schreiben –, und wer seinen Kund*innen als Himmelsfeuerwerk nichts als feurige Böllerexplosionen böte, wäre wohl schnell auftragslos und insolvent. Doch unmittelbar darauf kinderquatscht Koch entsprechend weiter: »Phasenweise aber, wenn das Abwehrsystem an seine Kapazitätsgrenzen geführt werden sollte, steigerte sich der Lärm zu einem bedrohlichen Dauergeknatter.« Knattern, ja.

Für dem Anlass angemessen hält Koch weiter unten: »Die Firma feierte, während es über Ashkelon und Tel Aviv blitzte und knallte [ja Mensch, genau wie zu Silvester!], auf ihrer Webseite gerade ›zehn Jahre Iron Dome‹.« Auch (wahrscheinliche) Übersetzungen geraten geradezu silvestrig: »›Auf jeden Fall wurden da in den letzten Tagen viele Millionen Dollar verballert‹, sagt ein Insider.« Ist der Artikel etwa insgeheim eine Aufforderung an all die ›legitimen Israelkritiker*innen‹, »Brot statt Raketen!« in den Nahen Osten zu rufen?

Ein Professor der Münchner Bundeswehr-Hochschule würde sich einer solchen Kampagne wohl nicht anschließen, beherrscht den infantilen RND-Koch-Ton aber offenbar ganz von alleine, wenn er mit dem ganzen Gewicht seiner wissenschaftlichen Expertise analysiert: »›Wenn wir in Deutschland eine vergleichbare Raketenattacke erleben würden, stünden wir dumm da‹, sagt Carlo Masala, Professor für Internationale Politik an der Hochschule der Bundeswehr in München.«

Dem Text sei das Prädikat »Supi-lupi Schreibi-Schreibi« verliehen.

Das »RedaktionsNetzwerk Deutschland« über Israels »Iron Dome« – in Kindersprache

Während der letzten Attacken der Hamas auf Israel erläutert RND-Chefautor Matthias Koch im Artikel »Iron Dome: Eine Maschine verteidigt Menschen« das israelische Raketenabwehrsystem, mit dem feindliche Raketen noch in der Luft zerstört werden können. Und zwar mit einer im ganzen Text nachgerade kindischen, ja sogar dümmlichen Wortwahl.

Über die Explosionen am Himmel, wenn eine israelische Abfang- auf eine palästinensische Angriffsrakete trifft, schreibt er: »Das eigentümliche Piff-Paff am Nachthimmel wirkte wie ein Feuerwerk.« Nur dass Feuerwerk am Himmel bunt zu sein pflegt und in aller Regel allerlei schöne Formen wie Kugeln, Sterne oder Pusteblumenköpfe hervorbringt. Bloß »Piff-Paff« machen Böller – auch da würde niemand bei Trost von »Piff-Paff« sprechen/schreiben –, und wer seinen Kund*innen als Himmelsfeuerwerk nichts als feurige Böllerexplosionen böte, wäre wohl schnell auftragslos und insolvent. Doch unmittelbar darauf kinderquatscht Koch entsprechend weiter: »Phasenweise aber, wenn das Abwehrsystem an seine Kapazitätsgrenzen geführt werden sollte, steigerte sich der Lärm zu einem bedrohlichen Dauergeknatter.« Knattern, ja.

Für dem Anlass angemessen hält Koch weiter unten: »Die Firma feierte, während es über Ashkelon und Tel Aviv blitzte und knallte [ja Mensch, genau wie zu Silvester!], auf ihrer Webseite gerade ›zehn Jahre Iron Dome‹.« Auch (wahrscheinliche) Übersetzungen geraten geradezu silvestrig: »›Auf jeden Fall wurden da in den letzten Tagen viele Millionen Dollar verballert‹, sagt ein Insider.« Ist der Artikel etwa insgeheim eine Aufforderung an all die ›legitimen Israelkritiker*innen‹, »Brot statt Raketen!« in den Nahen Osten zu rufen?

Ein Professor der Münchner Bundeswehr-Hochschule würde sich einer solchen Kampagne wohl nicht anschließen, beherrscht den infantilen RND-Koch-Ton aber offenbar ganz von alleine, wenn er mit dem ganzen Gewicht seiner wissenschaftlichen Expertise analysiert: »›Wenn wir in Deutschland eine vergleichbare Raketenattacke erleben würden, stünden wir dumm da‹, sagt Carlo Masala, Professor für Internationale Politik an der Hochschule der Bundeswehr in München.«

Dem Text sei das Prädikat »Supi-lupi Schreibi-Schreibi« verliehen.

Arno Frank soll sich entschuldigen

ABER FÜR DEN AUSDRUCK »Fußball-Fatigue« ENTSCHULDIGST DU DICH GEFÄLLIGST, DU ALBERNER ALLITERATIONS-ARNO 😡😡😡


Beim SPIEGEL wird einfach jeglicher Sinn sturheil dem Stabreim-Zwang geopfert. >M<alefiz, >m<an >m<öchte >M<äuse >m<elken, >M<ensch >M<eier!

Und dann lese ich mir das auch noch durch. Z.B.: »Überhaupt hat das Vorübertreibenlassen der Veranstaltung den drolligen Effekt, dass die meiste Werbung überhaupt keinen Sinn ergibt. Normalerweise bleckt uns aus den Anzeigen nur das weiße Kampfgebiss von Jürgen Klopp entgegen, aber nun? Wer sind diese Leute? Warum freuen sie sich so? Will ich mit ihnen Chips futtern?« Wer in diesem Schmonzes einen Sinn erkennen kann, möge sich melden. Aber Hauptsache, sich von Bastian Sick gemerkt haben, dass es unbedingt »Sinn ergeben« heißt, und nicht »Sinn machen« (was halt gar nicht stimmt). Oben schrieb ich von Sinn-Opferung an den Stabreim-Zwang? Der SPIEGEL-Frank weiß schon nicht mal mehr, was Sinn ist, wenn er ihn hinschreibt.

»Der Spiegel« erzählt aus einem »Bunte«-Interview mit Markus Söder

spiegel.de, 11.05.2021

»Noch harmloser kann Wahlkampf kaum daherkommen.« Belanglose Söder-Antworten aus einem »Bunte«-Interview kolportieren (z.B. entgegnet er auf eine grunddumme »Bunte«-Frage, von einer »Männerfreundschaft« zu Robert Habeck zu sprechen, sei dann doch »stark übertrieben«) – noch dümmer kann »Der Spiegel« kaum daherkommen.

Naja, in der Vergangenheit hat er schon oft bewiesen, dass er doch kann.

C O M P L I A N C E

Das Wort COMPLIANCE-Verfahren klingt so schön schön, ich will mich darin einwickeln und auch so ein COMPLIANCE-Verfahren gegen mich starten lassen

#reichelt #julianreichelt #compliance


Na da schau her: »Das Compliance-Verfahren gegen Reichelt hat laut Springer keine Anhaltspunkte für sexuelle Belästigung oder Nötigung ergeben.« (Zeit Online)

Bärenstark, tagesschau-Faktenfinder!

Als könnte »Kinder in der Corona-Krise« nicht durch Beliebiges ersetzt werden.

*

Und sinnvolles Deutsch kann da auch wieder niemand: »Im Februar hatte das Hamburger Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) den zweiten Teil seiner COPSY-Studie vorgestellt, an der mehr als 1000 Kinder und Jugendliche und mehr als 1600 Eltern teilgenommen hatten. Besonders aufschlussreich ist, dass mehr als 80 Prozent der Beteiligten bereits im Juni 2020 bei der ersten Umfrage mitgemacht hatten.« Der letzte Satz müsste lauten: »Besonders aufschlussreich ist die Studie, weil …«

Quelle: https://www.tagesschau.de/faktenfinder/corona-kinder-jugendliche-101.html

Katachresen-Alarm

Nach langem Weg durch die Wüste fast verdurstet zur Oase gelangen und denken: »Geil, hier muss ich besonders wenig abgeben!« So funktioniert die Metapher »Steueroase«, die deswegen keine ist.

Ab- vs. angehalftert

Das selten und nur fachspezifisch vorkommende Gegenteil des journalistischen Alltagsworts abgehalftert ist übrigens nicht *gehalftert, sondern angehalftert ☝️ »Der angehalfterte Star/Schauspieler/Privatdetektiv/Astronaut/Virologe/Facebooker/Bundespräsident« klingt aber auch nicht besonders nett imo

Ganz hübsch fände und ausnahmsweise gerne läse ich einen Spiegel-Artikel unter der Überschrift: »Benedikt XVI. und Franziskus: Der große Vergleich des abgehalfterten und des angehalfterten Papstes«. Ach, und übrigens, am 20.01. werden Joe Biden und Kamala Harris zu Präsident und Vizepräsidentin der USA angehalftert. Hoffentlich lässt Trump sich schließlich doch wehrlos abhalftern. Dass mit Sandra Ciesek einer Kollegin Christian Drostens das Podcastmikro im Kampf gegen das Virus angehalftert wurde, war auch eine gute Entscheidung, da konnnten die leider immer noch angehalfterten Sexisten vom Spiegel noch so katastrophal schäbig daherinterviewen. Welcher Rechtsradikale nach der Abhalfterung Horst Seehofers als Innenminister angehalftert wird, steht auch noch in den Sternen. Aber auch die dann womöglich angehalfterten Mehrheitseigner Bündnis 90/Die Grünen dürften da, siehe Boris Palmer, keine Anhalfterungsschwierigkeiten haben.

»Gärtners kritischem Sonntagsfrühstück« zum Ende

Vor zwei Monaten schrieb Stefan Gärtner in seiner wöchentlichen Titanic-Kolumne »Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück«: »Wer mehr als eine Hose hat (und ich habe gewiss sieben), darf sich immer fragen, ob der Gegenwert der spätestens dritten nicht bei der Flüchtlingshilfe anzulegen gewesen wäre«. Jetzt ging mir vor kurzem von meinen vier Hosen eine kaputt und so evident scheinen mir Gärtners hypotaxenschlagende Argumentationen seit je, dass ich mich frage, ob ich mir, trotz seiner eingestandenermaßen sieben, moralisch gesehen überhaupt eine neue kaufen darf.

Mit der heutigen Ausgabe endet seine Kolumne nach sieben bzw. zehn Jahren. All den Angegriffenen, Behandelten, Gemaßregelten des herrschenden Betriebs mag sie nichts geholfen haben; hat sie doch auch wohl niemand von ihnen je gelesen. Mir hat sie, Frühstück um Frühstück, viel geholfen. Ihr geringstes, wenngleich nicht geringes Verdienst wäre, dass ich um die Bedeutung des Ausdrucks »autochthon« weiß, und zwar, darum nicht gering, nicht nur im lexikalischen Sinne. Geholfen hat sie mir irgendwann so viel, dass ich Gärtner hin und wieder abwatschen mochte, weil er dann doch mal so gleißend danebenlag und etwa Frauen altherrenreaktionär ihren verbalen Umgang mit der Menstruation diktieren wollte.

Drum sei der Zukunft keine Träne vorausgeweint. Gedankt sei’s aber ihm.

Gefragt habe ich mich im übrigen immer, wie er es Woche für Woche schaffte, mitten in die Texte so passgenaue Zitate zu montieren, die eins oft erstmal kennen musste. Dass mir da das letzte – es sind die Schlusssätze aus dem meines Wissens letzten vom denkschulstiftenden Adorno publizierten Text, »Resignation« – nicht recht schmeckt, weil es ein bissl selbstgerecht schmeckelt, fügt sich immerhin ins Obige ein.

https://www.titanic-magazin.de/news/gaertners-kritisches-abschiedsfruehstueck-versuch-ueber-die-muedigkeit-11649/

Die arbeitenden Reifen

Der Sportteil unbewusst über den Status des Menschen: »Ohne Topzeiten zu produzieren, wählte der 35-Jährige [Lewis Hamilton] während des ersten Renndrittels häufig einen leicht weiteren Weg durch die Kurven und half den Reifen so, länger auf hohem Niveau zu arbeiten.« (Jo Herold auf tagesschau.de)

Seelenlose Gummidinger zeigen, wie arbeiten und funktionieren zu unmittelbar austauschbaren Synonymen erstarrt sind. Wenn obendrein der Rennfahrer seinen Rennreifen zur Arbeit auf hohem Niveau hilft, ist nicht die Vermenschlichung der Reifen vollendet, sondern die Verdinglichung des Fahrers.

tagesschau-Material für den Deutschunterricht

Bei dieser Überschrift ist die rhetorische Figur der Hypallage – auch genannt Enallage – in doch unerwarteter Umgebung zu beobachten. Zur Auffrischung der Erinnerung: Im Gegensatz zum Hyperbaton, bei dem komplette Satzglieder (teilweise) vogelwild astandardisch versprengt sind, versetzt der Dichter bei der Hypallage ein (meist) Attribut so, dass es beim falschen oder ›falschen‹ Bezugswort zuliegen kommt.
Allerdings: Lassen wir beispielsweise Goethe ein schludriges oder selbsttrunken-euphorisches, womöglich sogar ernsthaft-absichtlich krauses »Faßt bald des Knaben / Lockige Unschuld« (Das Göttliche, 1785) gerade so durchgehen, weil er halt der größten Deutschen Dichter der Deutschen größter Dichter ist, so fassen wir uns bei der größten Deutschen Nachrichtensendung doch ans Hirnkastl und fragen uns, ob es nicht doch sinnvoller, um nicht zu sagen sinnhafter, ja geh weiter: sinnenreich wäre, von für VW-Kunden folgenreichen Urteilen zu schlagzeilen. Aber »ach!« (Goethe, passim)

»Bild« probiert Porno-Spam

Einem BILD-Redakteur reichen der Pornokonsum und die viel zu anonymen Puffbesuche nicht mehr. Er sucht Sex bei Porno-Accounts auf Twitter. Erst mal geil chatten, dann hart ficken.

Nach wenigen Minuten der erste Erfolg: »Hiiii, wie geht es Dir?«, schreibt die junge »Sherry« ihn an. Dem Sex-Schwein schwillt sofort die Hose.

Ein paar Nachrichten später steht fest (höhö): Sie ist feucht wie saftige Aprilwiesen am Morgen. Und wohnt in seiner Stadt.

Sie verabreden sich. Abends soll gefickt werden, in einem Billighotel am Stadtrand. Die Adresse gibt sie ihm durch, er soll um 20 Uhr vor dem Eingang warten. Sie würden sich dann ja am Aussehen erkennen.

Ansonsten keine Sperenzchen. Bezahlung vorab, sie schickt eine Email mit den Daten.

Statt der erhofften Lust dann der Frust: Laptop kaputt – Virus via Bitcoin-Email! Und 500 € weg! (Bitcoin-Email)

Die Polizei nimmt den Fall auf. Machen könne man da wohl nix, teilt man ihm mit. Die Beamten grinsen ihn süffisant an.

Den Ärger baut der Lustmolch ab, indem er auf PornHub zu allen möglichen »Teen Anal Destruction«-Videos masturbiert und sich via schnell mit verwichst-klebrigen Fingern hingerotztem BILDplus-Artikel als unerschrockener Investigativreporter aufplustert.

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Lesen Sie morgen bei BILDplus: »BILD hat es ausprobiert: Das passiert, wenn man auf PornHub ›Geile Hausfrauen aus deiner Stadt wollen Sex‹-Werbungen anklickt«

»Besorgte Bürger«

Die Medien sollen sich bitte ein anderes Hauptinstrument zur Inhaltsvermittlung suchen als Sprache. Mit der können sie einfach nicht umgehen. Als hätte es die jahrelang zu »besorgten Bürgern« schöngeredeten Protofaschist*innen von Pegida bis AfD(-Wähler*innen) nie gegeben.

Nürnberg: OB-Stichwahl

Screenshot: nordbayern.de-Startseite, 16.3.2020

OB-Stichwahl in Nürnberg: Thorsten Brehm (SPD, links), der Amstinhaber Ulrich Maly (SPD) nachfolgen möchte, tritt gegen Marcus König (CSU, rechtsaußen rechts) an. Die Nürnberger Nachrichten fragen per Kommentar: »Wem trauen die Wähler mehr Führungskraft zu?« Sie fragen rhetorisch, denn die Bildauswahl zeigt mit Königs Macher-Geste und Brehms ehrfürchtig-staundendem Auszubildenden-Blick, wem die NN mehr Führungskraft zutrauen und die Wähler*innen zutrauen sollen.

 

»wogegen«

Screenshot: Startseite »Neues Deutschland«, 10.3.2020

»Frauen sehen heute immer zehn Jahre jünger aus, als sie sind, wogegen Männer zehn Jahre älter sind, als sie aussehen« – d.h. vice versa, dass Männer zehn Jahre jünger aussehen, als sie sind, und Frauen zehn Jahre älter sind, als sie aussehen – wogegen weswegen der Sinn der einen Gegensatz ausdrückenden Subjunktion »wogegen« zusammenraucht oder vielmehr auseinanderstäubt zu nichts. Ja ja, Sprache – beherrschte eins sie, es könnte zum Beispiel Journalist*in werden, oder sollte sogar.

(Die ambiguische und womöglich gesuchte, wo nicht angezielte Subjunktion wäre gewesen »während«, welche sowohl Gleichzeitigkeit als auch Gegensätzlichkeit ausdrückt, beides in dem Falle uneigentlich.)

Zum ›Mindset‹ der taz

Screenshot: taz.de-Startseite, 5.3.20

Die taz tazert teasert ein Interview über rechte Polizisten an mit dem Wort »Mindset«.  M i n d s e t . Und damit mit einem quadratdepperten Begriff aus den durch und durch durchverdinglichten, zerebralsklerotischen Genres oder vielmehr Bereichen StartUp-/Gründerszene, Entrepreneurship, Erfolgscoaching und was dergleichen geistferner Schmarren herumwest. Zu einem Interview über unter anderem die Tatsache, dass in einer Umfrage unter hessischen Polizeibeamt*innen über ein Viertel der Befragten der Aussage zustimmten, dass die »Gefahr, dass Deutschland islamisches Land wird« bestehe. Das Akronym der rechtsradikalen PEGIDA steht, wir erinnern uns, für: »Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes«, ihr parlamentarischer Arm ist die in Teilen faschistische AfD. Kann die taz nicht erkennen, dass sie mit so einem Teaser – einerlei, ob der Ausdruck ironisch gemeint ist oder nicht – rechte Einstellungen letztlich verharmlost, oder will sie es nicht? Gleichviel. Wenn mich jemand fragt: Dieses Blatt hat den Arsch das Mindset schon besonders weit offen.

Was Karlsruhe als schützenswert gilt

Aus einem Tagesschau-Artikel zur möglichen Einstufung des AfD-»Flügels« durch den Verfassungsschutz als »Verdachtsfall«:

»Das Urteil [des Bundesverfassungsgerichts von 2017 gegen das Verbot der NPD] gilt bis heute als entscheidend, auch weil Karlsruhe so klar wie nie zuvor definierte, was es für schützenswert erachtet: Die Missachtung der Menschenwürde, Rassismus, die Ausgrenzung von Ausländern, Migranten, Muslimen wurden als verfassungsfeindlich erklärt, ebenso wie das gezielte Verächtlichmachen der parlamentarischen Demokratie.«

Lässt eins sich das Vergnügen nicht nehmen, Sätze gegen den Strich zu lesen und ihnen dadurch mehr Sinn abzutrotzen, als sie zu enthalten vorgeben, liest es nach »Das Urteil gilt bis heute als entscheidend, auch weil Karlsruhe so klar wie nie zuvor definierte, was es für schützenswert erachtet« eben nicht gleich »als verfassungsfeindlich erklärt wurden …«, sondern erstmal »Die Missachtung der Menschenwürde, Rassismus, die Ausgrenzung von Ausländern, Migranten, Muslimen«. Und dergestalt weist der Satzbau nolens volens auf den realen Bau der hiesigen Verhältnisse hin.

»Nach Informationen von WDR, NDR und SZ«, von »Georg Mascolo, NDR/WDR, Sebastian Pittelkow, NDR und Katja Riedel, WDR«, und womöglich hat auch noch ein*e Onliner*in drübergekuckt.

»Finde den Fehler«

Screenshot aus Facebook-Newsfeed

Der Fehler des Bildes liegt darin, dass der Fliesentisch die nicht mehr gewusste Lüge, genannt Ideologie, ins Bild hebt: Es entscheidet nicht wesentlich die Bildung der Eltern, sondern ihr Vermögen. Abgesehen vom Tisch sieht es in Kindeshabitaten bildungserfolgreicher Haushalte kaum anders aus.

(Die Spinnweben im Hintergrund dieses »Unterschichten«-Wohnzimmers sind schäbig, wo nicht niederträchtig.)

Selig sind, die von den Armen nehmen, um den Reichen zu geben

Skandal bei der Katholischen Kirche: Der Vatikan kaufte von für Arme gespendetem Geld (»Peterspfennig«) Luxusimmobilien in London. Der Papst findet das »eine hässliche Sache«. Bei allem Amusement über die grunddumme Schockiertheit angesichts dieses korrupten Vorgangs in dieser ihren vorgeblichen Daseinszweck so fundamental misserfüllenden, letztlich sturheil kapitalistische Ziele verfolgenden »Seelenheils«einrichtung interessiert mich nur eines: Was wohl mein Lieblingshofberichterstatter der Katholiken, Matthias Drobinski von der Süddeutschen Zeitung, dazu sagt?

eScooter

Welches Level an Arschlappigkeit muss man eigentlich haben, um im Zusammenhang mit eScootern als Privatperson/Journo/Politiker*in/Geschäftler*in auch nur ~irgendwas~ von wegen Reduktion des Autoaufkommens in Städten ins Internet oder sonstige Medien hineinzumeinen
Ich möchte mir, wie irr daran geworden, die Haare vom Kopf krapfen

Die Erlanger und ihr Erwin Rommel

In Erlangen gibt es, wie in zwölf weiteren Ortschaften dieses Landes, nach wie vor eine Erwin-Rommel-Straße. Im dort ansässigen Studentenwohnheim entblödet man sich nicht, das sogenannte Rommelsommerfest zu feiern und brüstet sich auf der Website ferner:

»Das Erwin Rommel Wohnheim ist in Erlangen weithin bekannt für das Rommelsommerfest Anfang Juni, die ›Bronx‹ im Winter kurz nach dem ersten Schnee und für den Rommelfasching der Mitte Januar stattfindet. Diese Veranstal-tungen sind offen für alle Studenten der Uni Erlangen und machen jedes Jahr eine Menge Spaß!«

Hahaha, ein großer Spaß für alle und Spaßbremse, wer bei »Rommelfasching« etwa an Prinz Harry in der Naziuniform denkt (weil »Rommel war ja kein Nazi, weil er nie in der NSDAP war 😠 !«)

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Anlass dieses Posts: Mit einer Mehrheit aus CSU, Freien Wählern sowie AfD wurden in Fürstenfeldbruck zwei Petitionen zu Nazistraßennamen abgewiesen: »CSU und AfD tolerieren NS-Straßennamen« (Süddeutsche)

Der Gazetteur

»Als Backöfen: Deutsche Bahn vermietet Waggons an Bäckereien« – dergestalt wäre diese als »Witz« missverstandene bloße Postillonesque immerhin nicht so unangenehm ungelenk geschrieben.

Über das steindumme »Praktisch.« ist kein Wort mehr zu verlieren als »steindumm«. Wer nichts drüberzukommentieren hat, soll es halt bleiben lassen, und sich nicht vom Nasenring der bloßen Möglichkeit wie ein geknechtetes Rindviech umherziehen lassen. (Wobei: Der Dumme bin hier eigentlich ich; höre ich doch nicht auf die per Punkt unbewusst hingedübelte Empfehlung, doch an Ort und Stelle aufzuhören zu lesen.)

Davon abgesehen: Wie lange ist dieser bedauerliche 50-°C-Vorfall in einem ICE nun schon wieder her? Um niemandem eine Googelei aufzuzwingen: Es war im Juli 2010, d.h. vor n e u n Jahren. Dass es ansonsten sommers bei zwei bis drei (2–3!) % der ICE-Klimanlagen zu Störungen kommt, kann nur für Trottel ein zu versatirendes Ärgernis darstellen.

»Der Gazetteur« sollte es imho ganz bleiben lassen, auch die ankumpelnde Drunterkommentiererei auf Twitter. Und sich dann eine Weile lang schämen, dass er mit dem »Postillon« die schaumstoffharte bzw. Gummischwert-Kopie der US-amerikanischen Satireseite »The Onion« kopiert. – »Der Gazetteur«, der Adabei des Onlinehumors.

PS: Das Komma im Slogan des Gazetteurs, es ist wahrscheinlich auch Satire: »Der Gazetteur. Bringt Tatsachen, statt Nachrichten.«

 

» u m s t r i t t e n «

Ob das journalistische Universal-Überschriftenwort »umstritten«, mit dem jede Gemeinheit und Verderbtheit und noch alle Unmenschlichkeit in den Schein der immerhin Diskussionswürdigkeit gerückt wird, ob dieses Unwort der zeitgenössische, schlichte Indicator der seit je wesenden Vernageltheit und Verrammeltheit und, ja, Imarschheit des Journalismus ist, diese Frage lässt sich ohne SPDiges Herumlavieren und brummdummes »Debattieren« beantworten mit: ja.

Neuerlicher Tiefpunkt der Umstrittenheiterei: Es gab laut dem »Historischen Bild des Tages« bei t-online – fasten your seatbelts –: »Hitlers umstrittenstes Flugzeug«.

Dass auch Hitler im eigenen Reich »umstritten« war, keine Frage; siehe Elser, Stauffenberg etc. Dass heutzutage sturheil wieder auf diese »Umstrittenheit« und mittlerweile mithin »Diskussionswürdigkeit« hingearbeitet wird – nun, es ist wohl nur noch eine Frage der Zeit, wann Hitler irgendwo qua Überschrift als »umstritten« bezeichnet wird. Sein tut er es schon.

(In der »Stadt der Reichsparteitage«, Nürnberg, wird dieser, pardon my french: Infodreck namens »Historisches Bild des Tages« schamlos auf den Infoscreens in den U-Bahnhöfen ausgestrahlt.)

»1939: Als die Nazis das Mutterkreuz stifteten«

»1939: Als die Nazis das Mutterkreuz stifteten
Sie gilt als die Vorzeigemutter des ›Dritten Reichs‹. Magda Goebbels wird am 21.05.1939 von den Nationalsozialisten das Mutterkreuz verliehen. Im Volk hieß er [sic] auch ›Kaninchenorden‹.«

2019: Rechtsradikale/-extreme übernehmen weltweit die Parlamente. Die t-online-news am U-Bahn-Infoscreen gedenken am 21.05. in vorauseilendem Gehorsam – denn noch ist die Macht nicht übernommen – der »Vorzeigemutter« Magda Goebbels wie des NS-Mutterordens so vollkommen kritiklos und illustrieren so fröhlich mit einem Bild der Verleihung, als regierte die NSDAP bis heute.

Die Nazis sind mittlerweile, da ihre Erben an der Schwelle stehen, zum Info-Jux, zum Wartepausenfüller zwischen der Kelly Family und Stefan Effenbergs Fußballexperten-Kommentar herabgesunken. Einzig ein Scherzchen aus dem Volke (»Kaninchenorden«) traut man sich dieser Tage, anders als damals, öffentlich zu zitieren. Die Zeiten haben sich eben geändert.

Freilich, im zugehörigen Artikel vom 21.05.2019 auf der Website (man muss dafür auf der t-online-Startseite fast ganz nach unten scrollen!) informiert man dann im Stile eines Oberstufen-Geschichtsreferats: »Für Hitler und die Nationalsozialisten müssen Frauen vor allem eine Funktion erfüllen, diese besteht darin, möglichst viele Kinder zu gebären. Im Sinne des NS-Rassenwahns natürlich nur solche, die ›deutschblütig‹ sind, und keineswegs ›erbkrank‹. Für das Hirngespinst eines ›Großgermanischen Reichs‹, das durch Krieg und Gewalt entstehen soll, braucht der ›Führer‹ Soldaten, besser gesagt Kanonenfutter.« Etc. etc.

Man soll sich nicht für dumm verkaufen lassen: Dieses Kurzreferat zum »Historischen Bild« des Tages ist noch besser verborgen als das unlesbare, pardon: kaum lesbare Kleingedruckte unter Großbildschirmwerbungen. Was hängen bleibt, ist die Infoscreen-»Info«.

Flughafen Daxing

»Flughafen Daxing«, aber in Oberbayern

»Ja griaß Eana, bitte zwoa Moi Memmingen–Daxing, bittschen! […] Ja… […] Ja…! […] Sie, hean’s: Mitm Auto braucherten mir vo Memmingen noch Daxing über zwoa Stund’, dös wär uns vui z’langsam!«

Klima»wandel«? Klimakatastrophe!

»Global heating« statt »global warming«, »climate emergency, crisis or breakdown« statt »climate change« – der britische Guardian empfiehlt seinen Journalist*innen in seinem »house style guide« seit kurzem adäquatere Ausdrücke für die Klimakatastrophe (Artikel: Why the Guardian is changing the language it uses about the environment).

Mit diesen Alternativausdrücken zu »Klimawandel« könnt’s aber auch bei hiesigen Lärm- und Krawallmedien wie Spiegel Online klappen:
– Klimapokalypse
– Klimagate
– Klim-Krieg (?)
– Klimargeddon (Bibel und Hollywood!)
– Klimaterloo
– Klimhavarie (mit stummem h aber = schwierig)
– Klima-Kill
– Klima-Koller
– Zum-Kotz-Klima
– Klima-Kacke
– Kill-Klima
– Klimaquark (es ist doch eh schon alles wurscht)
– Klimbumm (hä?)
– Hitlerklima