»WiR hAbeN fEhLeR gEmAChT«

Screenshot aus: Zentrum für politische Schöhnheit (https://politicalbeauty.de/)

»WiR hAbeN fEhLeR gEmAChT – z.B. den, dass es uns, den hUmANisTeN vom Zentrum für politische Schönheit [?], nie um irgend eine Sache, sondern stets um uns, die hUmANisTeN vom Zentrum für politische Schönheit, ging.«

Dass sie sich für dieses StartUp-uns-ist-alles-wurscht-Hauptsache-fancy-Balken-Layout nicht schämen oder immerhin zu blöd sind, ich begreife es nicht. Sie behaupten doch immer, sie seien kÜnStLEr, weisen sich aber schon textgestalterisch als bloße neoliberal narcissists aus. (Okay, das ist eigentlich kein Widerspruch lol)

Warum es problematisch ist, sich selbst positiv als etwas (wie als »Humanist«) zu setzen: »Ich gebrauche hier den Ausdruck Humanität ungern, denn er gehört zu den Ausdrücken, die die wichtigsten Sachen, auf die es ankäme, dadurch schon, daß sie ausgesprochen werden, dingfest machen und verfälschen. Ich habe den Begründern der Humanistischen Union, als sie mich aufgefordert haben, einzutreten, gesagt: ›Ich würde, wenn ihr Club eine inhumane Union hieße, vielleicht bereit sein, einzutreten, aber in eine, die sich selbst humanistisch nennt, könnte ich nicht eintreten.‹ […] Soweit es auf der subjektiven Seite heute überhaupt so etwas wie eine Schwelle, wie eine Unterscheidung zwischen dem richtigen und dem falschen Leben gibt, ist sie wohl am ehesten darin zu suchen, ob man blind nach außen schlägt – und sich selber und die Gruppe, zu der man gehört, als Positives setzt und das, was anders ist, negiert –, oder ob man statt dessen in der Reflexion auf die eigene Bedingtheit lernt, auch dem sein Recht zu geben, was anders ist, und zu fühlen, daß das wahre Unrecht eigentlich immer genau an der Stelle sitzt, an der man sich selber blind ins Rechte und andere ins Unrechte setzt.« (Theodor W. Adorno: Probleme der Moralphilosophie (1963), hrsg. von Thomas Schröder, in: Theodor W. Adorno: Nachgelassene Schriften. Abteilung IV: Vorlesungen, Bd. 10, hrsg. vom Theodor W. Adorno Archiv, Frankfurt a.M. 1996, S. 250 f.)

Interview²

Werner Herzog interviewt Alexander Kluge, während Alexander Kluge Werner Herzog interviewt – dann explodiert alles in durchdringendem Wohlgefallen 😊😊😊

Der absichtlich lustige Philosophieprofessor

Philosophie-Professor E. hält vor einigen Jahren eine Vorlesungsreihe zum Thema Erkenntnistheorie. In einer Sitzung geht es u.a. um optische Täuschungen. An die Schiefertafel malt er dazu die bekannte visuelle Illusion mit den zwei gleichlangen Strecken, deren eine an den beiden Enden nach außen zeigende Pfeilspitzen hat und deren andere nach innen zeigende Pfeilspitzen, was bewirkt, dass die eigentlich gleichlangen Strecken unterschiedlich lang aussehen.

»Können Sie mir sagen, was hier das Problem ist?«, fragt er die Zuhörerinnen (w*m). »Jò die Striche schaun unterschiedlich lang aus, sin awwa gleichlang!«, jodelt ein Kerl vergnügt und siegesgewiss nach vorn, ohne sein Aufgerufenwerden abzuwarten.

»Nein, die sind schon unterschiedlich lang – das hab’ ich extra gemacht, um den Witz zu machen  «, freut Professor E. sich diebisch zurück.

Allgemeine Heiterkeit, auch beim Falschantworter. Dann weiter nach Skript.

[extrem X-Factor voice: »Was glauben Sie: Hat sich diese Geschichte wirklich so zugetragen – oder ist sie… … von uns frei erfunden worden?« extrem Jonathan Frakes suspicios look]

Der Junggeselle und die Sprachphilosophie

In der Sprachphilosophie wie in der Semantik taucht als Beispiel für Bedeutung häufig das Beispiel »Junggeselle« auf, dessen Bedeutung dann mit »erwachsener unverheirateter Mann« angegeben wird.

Weil in diesen (wie überhaupt allen wissenschaftlichen) Disziplinen per erhobenem Zeigefinger großer Wert auf Präzision gelegt wird, sei hier präzisiert: »Junggeselle« heißt »erwachsener, noch nicht verheirateter Mann«. Denn »unverheiratet« schlösse ja auch Geschiedene und Witwer ein, und die würde man wohl kaum als Junggesellen bezeichnen.

Man stelle sich diesen Sprachgebrauch mal vor: »Do hintn am Stammtisch, der Schorsch, dem is sei Frau weggstorm, mit 89 Joah. Sakrament, des hätt a koana glaubt, dass da Schorsch mit 90 nomoi Junggsell werd! A so wia der seit zehn Joah sei Raucherlung raushuast. Ja vareck, Kaffäähaus, er is scho a zäher Hund, des sog i da! – Heiratn mog a aber nimmer, aber so schee wia mit 20 is as Junggsellndasein a nimmer, sogd a. I hob na ned gfragt, weil des duad ma ja ned, aber mid da Potenz werd’s wahrscheinlich nimmer goa so guad ausschaun, ’ha’ha! Und Altersinkontinenz is für de wenigsten a schoafmochnds Substitut. – Da Schorsch wieder a Junggsell, zefix! Du, do wenn unsere junga Burschn am Sonntag in da Friah um 6e von da Stanz hoam keman, is er scho wieder zwoa Stund wach und schaut Fernseh, weil a nimmer schloffa konn seit 4e.« Nein, nein, hier wäre der Ausdruck »Junggeselle« crass fehl am Platz.

So, jetzt wisst ihr’s!