Missstand!

Missstand: Auf Klassikradiosendern wird zuviel gelabert.

Außer Nachrichten und Titelansagen sollte dort außerhalb der Stücke niemand etwas ins Mikrofon sprechen dürfen.

Anders ausgedrückt: Wenn die nicht alle bald ihr Maul halten, beschwere ich mich beim Intendanten, dem Herrn Joachim Knuth (NDR), und drohe mit dauerhafter Abwanderung nach Spotify. »Das schwöre ich euch.«

Was »NDR Kultur« sich oft leistet, es ist ja nicht auszuhalten und anzuhören. Jazz und Tango und was nicht alles auch soll ebenfalls woanders laufen. Der ›Alternative‹ »Klassik Radio« mit ihrer noch dazu Werbung kann von mir aus die Sendelizenz entzogen werden und sie kann aus dem Äther verschwinden.

»Marktplatz – das Verbrauchermagazin des Deutschlandfunks«

Deutschlandfunk sendete am 25.03.2021 um 10:08 Uhr die Sendung Marktplatz – das Verbrauchermagazin des Deutschlandfunks.

Thema: »Wischtücher, Reinigungsmittel, Roboter – Frühjahrsputz mit System und Spaß«.
»Gesprächsgäste:
Kerstin Effers, Verbraucherzentrale NRW, Düsseldorf
Reiner Metzger, Stiftung Warentest, Berlin
Bernd Glassl, Industrieverband Körperpflege Waschmittel, Frankfurt
Jens Lönneker, Rheingold Salon, Köln
Am Mikrofon: Susanne Kuhlmann«.

Und das alles – Moderation, Expert*innen, Anrufer*innen – so sturheil und bierernst und ohne jede Scham, als hätte es Heino Jaegers Fragen Sie Dr. Jaeger (1976)* nie gegeben. Was für ein Wahnsinn!

Einer beispielsweise ruft beim Dlf-Marktplatz an und gibt Folgendes durch: Bücher- und sonstige Regale könne man absaugen, indem man über die Saugdüse einen Nylonstrumpf ziehe; so würde der Staub eingesaugt, nicht aber etwaige Kleinteile. Sein altes Transistorradio, auf dem oben Knöpfe fehlten, fege er mit einem alten Rasierpinsel ab, damit ginge der Staub und alles gut weg. Und wer es kennt: Bei der Autoinnenraumreinigung kommt man neben dem Gaspedal immer schlecht hin – dafür nehme man einfach eine alte Zahnbürste, damit geht es kinderleicht!

Die Moderatorin bedankt sich für die Tipps und fragt in die Expertenrunde, ob jemand etwas hinzuzufügen hätte. Zwei Sekunden Stille. Einer sagt dann, der Anrufer habe ja praktisch schon alles gesagt.

Damit wäre alles gesagt.

(* Vgl. z.B. Heino Jaeger: »Passkontrolle« (YouTube))

Faszination Cineasmus

Deutschlandfunk-Interview mit einem Autoren letzte Woche: »Sie sind ja auch Cineast …«
Autor: »Ja, also, ob ich Cineast bin, weiß ich gar nicht, aber ich kuck schon gerne Filme.«

Max Goldt monierte einmal die schlechte Angewohnheit von Journalist*innen, Leute, die halt an irgendwas Interesse haben, zu fragen: »Aha, was f a s z i n i e r t sie denn an …?«

Johann Rosenmüller, Barockkomponist und mutmaßlicher Knabenvergewaltiger

BR Klassik spielt im sonntäglichen »Tafel-Confect« am Mittag Musik des Componirers Komponisten Johann Rosenmüller (1619–1684). Der Moderator informiert einleitend, bevor Rosenmüller die Stelle des angesehenen Leipziger Thomaskantors hätte einnehmen können, hätte er sich nach Italien »abgesetzt«, denn es waren »unappetitliche Gerüchte« aufgetaucht: Rosenmüller hätte mutmaßlich »mit mehr als 20 Chorknaben das sodomitische Knabenschänden getrieben«. Der Moderator weiter: »Zurück ließ er entrüstete Eltern, verstörte Kinder, eine machtlose Obrigkeit«. Vergewaltigte Knaben im Jahre 2019 des Herrn noch als »verstört« zu bezeichnen, was für eine schamlose Beschönigung. Und die arme Obrigkeit, die, so steht zu vermuten, froh gewesen sein dürfte, dass Rosenmüller mit seiner Flucht größere klerikale Unannehmlichkeiten von Leipzig ferngehalten hat, als »machtlos« zu adeln, te absolvo!

Nach dem Stück faselt der Moderator noch, es sei kaum glaublich oder wie, dass ein Kinderschänder solch schöne Musik hervorgebracht habe. Aber mei, was soll’s, wir ergötzen uns zum Mittagessen freilich dennoch daran, wollen aber natürlich nicht unterlassen, auf die »unappetitlichen« Vorgänge hinzuweisen! Schließlich haben wir im Internetz wie im Feuilleton der FAZ/SZ von den ungustiösen Liederlichkeiten um #metoo gelesen.

Meine Güte, was für eine widerliche und verlogene Ekelveranstaltung die sich als solche verkaufende Hochkultur bisweilen ist, es ist zum Cotzen. Als wäre die fortwährend bemüht verhüllte, integrale Kotigkeit der Kultur etwas Neues. Schönen Sonn- bzw. Tag des Herrn!

»Spaßtelefon«, »Straßenverkauf«

Dienstag, 26. November 2019. Das Bayern-1-Spaßtelefon – mein Radiowecker spielt diesen Sender momentan, weil er das gelegentlich sehr instabile und rauschende wo nicht flirrisierende Klassik Radio frequentiell benachbart –, das Bayern-1-, in Fachkreisen auch genannt »Bauern 1«, -Spaßtelefon jedenfalls (»Der lustigste Anschluss Bayerns«) lässt sich vernehmen, wie es bei einem Imbiss anruft, der, zwei (!) Zuhörer*innen sollen darauf hingewiesen haben, Straßenverkauf anbietet, und gibt vor, ja lolleralollol, eine Straße kaufen zu wollen. Man habe da, bestallt mit einem seltsam benamsten Übersetzer, einen arabischen Scheich zu vermitteln, der nun die angebotenen Straßen kaufen wolle. Im Hintergrund hören wir schlecht und schäbig rudimentär-klischeehaft imitiertes »Arabisch« (der goutierte, freilich verleugnete Rassismus), das vom seltsam benamsten (warum eigentlich?) Übersetzer »übersetzt« wiedergegeben wird, der vermittelnde Spaßtelefon-Telefonierer vermittelt, die angerufene Imbissmitarbeiterin indes beharrt bemitleidenswert insistierend darauf, es würden schlicht Speisen auf die Straße durchgereicht.

Nun ist es gewiss gähnenstreibend, sich über die ewige Reproduktion des Immergleichen im Formatradio und sonst wo zu mokieren. Doch sei hier dennoch angemerkt und getadelt oder vielmehr geschimpft: Freundinnen* und Freunde, seid beglückwünscht, dass ihr bei der Programmdirektion mit euren »Scherzanrufen« nach wie vor durchkommt – und bei euren Hörerinnen erst! Wie viele sich freuen, endlich auch mal dranzukommen bzw. dranbekommen zu werden (?), doch: Wir schreiben das Jahr 2 0 1 9 und die Bezeichnung »Straßenverkauf« prangt derart lange an den Speiseschnellstuben, dass sie sich höchstens noch metametameta- und/oder shitpostingmäßig auf Twitter komisch verarbeiten lässt (dort hießest du notabene vielkanals »SpaBtelefon«), das Ablaufdatum der gewöhnlichen Fehldeutung durch bewusstes Falschabbiegen an der Ambiguitätsgabel jedoch war ca. oder vielmehr exakt, sagen wir: 1995.

Warum ich das dennoch aufschreibe? Ich kenne Leute, die sich lachend über solche Scherzanrufe amüsieren. Deren Haltbarkeitsdatum: 1995.