Die besten Frauen

Indikatoren des Patriarchats: Die besten und berühmtesten Köchinnen – einer weithin als solche aufgefassten Frauentätigkeit –, sind Männer, die besten und berühmtesten Friseurinnen ebenfalls: Männer. Erfolgsköchinnen wie Sarah Wiener hingegen sind funktional maskulinierte Frauen wie Angela Merkel oder Ursula von der Leyen. Dass dieser EU-Kommissionspräsidentinnenschaft und jener Kanzlerinnenschaft irgendetwas Emanzipatorisches oder gar Feministisches eignete außer der Winzigkeit, dass Frauen heutzutage Männerrollen einnehmen dürfen – wehe, sie lassen sich ihre Periode anmerken, und ihre Periodenhygieneprodukte bezahlen sie mal schön selber! –, oder dass die Gesellschaft auch nur ein Gran weiblicher würde dadurch, so ernsthaft können das nur die Damen und Herren von FAZ über SZ und taz bis runter zu den Provinzkäseblättern in ihren Artikeln glauben.

Ich glaube, auch die beste Frauenfußballerin könnte nur ein Mann sein.

»Besorgte Bürger«

Die Medien sollen sich bitte ein anderes Hauptinstrument zur Inhaltsvermittlung suchen als Sprache. Mit der können sie einfach nicht umgehen. Als hätte es die jahrelang zu »besorgten Bürgern« schöngeredeten Protofaschist*innen von Pegida bis AfD(-Wähler*innen) nie gegeben.

»wogegen«

Screenshot: Startseite »Neues Deutschland«, 10.3.2020

»Frauen sehen heute immer zehn Jahre jünger aus, als sie sind, wogegen Männer zehn Jahre älter sind, als sie aussehen« – d.h. vice versa, dass Männer zehn Jahre jünger aussehen, als sie sind, und Frauen zehn Jahre älter sind, als sie aussehen – wogegen weswegen der Sinn der einen Gegensatz ausdrückenden Subjunktion »wogegen« zusammenraucht oder vielmehr auseinanderstäubt zu nichts. Ja ja, Sprache – beherrschte eins sie, es könnte zum Beispiel Journalist*in werden, oder sollte sogar.

(Die ambiguische und womöglich gesuchte, wo nicht angezielte Subjunktion wäre gewesen »während«, welche sowohl Gleichzeitigkeit als auch Gegensätzlichkeit ausdrückt, beides in dem Falle uneigentlich.)

Vom Salon (verspätet)

FAZ Nr. 15/2020, 18.01.2020, S. 6

Das Impeachment-Verfahren gegen Donald Trump, FAZ,

sei laut Deinem Artikel »Eröffnung mit ernster Zeremonie«¹ mit ernster Zeremonie eröffnet worden. Der »Seargant of Arms« habe die anwesenden Senator*innen dabei »unter Androhung einer Inhaftierung« dazu aufgefordert, zu schweigen – wie es »die althergebrachten Regeln« eben vorsähen. Diese Maßnahme wundert uns nicht, wenn wir lesen, was da so vor sich geht: »Alterspräsident Chuck Grassley, der 86 Jahre alte Republikaner aus Iowa, wünschte [dem Obersten Verfassungsrichter John] Roberts Gottes Segen und wies ihm dann seinen Sessel zu. Dieser vereidigte dann die Senatoren.« Denn wo Sessel Senatoren vereidigen, ist Haftandrohung das Mittel der Wahl, diese vom Losprusten abzuhalten.

Verdrückt sich sein Lachen: Salon du Fromage


¹ Sat.: »Eröffnung mit ernster Zeremonie«, FAZ Nr. 15/2020, 18.01.2020, S. 6

Zum ›Mindset‹ der taz

Screenshot: taz.de-Startseite, 5.3.20

Die taz tazert teasert ein Interview über rechte Polizisten an mit dem Wort »Mindset«.  M i n d s e t . Und damit mit einem quadratdepperten Begriff aus den durch und durch durchverdinglichten, zerebralsklerotischen Genres oder vielmehr Bereichen StartUp-/Gründerszene, Entrepreneurship, Erfolgscoaching und was dergleichen geistferner Schmarren herumwest. Zu einem Interview über unter anderem die Tatsache, dass in einer Umfrage unter hessischen Polizeibeamt*innen über ein Viertel der Befragten der Aussage zustimmten, dass die »Gefahr, dass Deutschland islamisches Land wird« bestehe. Das Akronym der rechtsradikalen PEGIDA steht, wir erinnern uns, für: »Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes«, ihr parlamentarischer Arm ist die in Teilen faschistische AfD. Kann die taz nicht erkennen, dass sie mit so einem Teaser – einerlei, ob der Ausdruck ironisch gemeint ist oder nicht – rechte Einstellungen letztlich verharmlost, oder will sie es nicht? Gleichviel. Wenn mich jemand fragt: Dieses Blatt hat den Arsch das Mindset schon besonders weit offen.

»WEHR DICH!«

Weil rechtsextremer Terror in Deutschland wieder Normalität wird: Es ist halt auch so, dass hierzulande ›unschuldige‹ Reklame möglich ist, auf der in riesigen Lettern prangt: »WEHR DICH!« und niemand etwas dabei findet geschweige denn daran auszusetzen hat. Es ist ja nur harmlose Reklame für ein der Gesundheit zuträgliches Produkt.

Als wäre nicht – mindestens der Geschichtsunterricht zeigte es – in der NS-Zeit allerorten plakatiert worden: »Deutsches Volk! Wehr Dich! Kauf nicht beim Juden!«

Nun mag das Apothekenplakat etwas ganz anderes sagen als das NS-Plakat und alles andere als ein solches sein – geschenkt. Aber die Erinnerung an das NS-Plakat verbietet den Slogan »WEHR DICH!«

Dass in der ganzen Produktionskette dieser Reklame niemand ruft: »Halt, stoppt die Maschinen! ›WEHR DICH!‹ ist ein Nazi-Slogan! Den können wir nicht bringen!«, enttäuscht mich. Doch zugleich überrascht es mich nicht.

Ebenso verhält es sich etwa mit der Aufschrift über dem Lagertor des KZ Buchenwald: »Jedem das Seine«. Aber auch die ›rutscht‹ der Reklameindustrie alle paar Jahre ›durch‹.

Zusammenhalt

Zusammenhalten im Neoliberalismus heißt, dass sich alle an ihren eigenen zaghaft und leicht krampfig ineinandergekrümmten Fingern halten dürfen; immerhin.


Update 30.03.2020: Die Wahlkampagne für Brehm fing meines Erachtens schon sehr schlecht an: »Dies ist nicht Thorsten Brehm«. Und wurde dann nicht besser.
Die nolens-volens Wahlkampfhilfe der NN für CSU-König dürfte auch ihren kleinen Beitrag geleistet haben, dass nun König im Rathaus sitzt statt Brehm: »Nürnberg: OB-Stichwahl«.