Stilkritik: Clownsaufzug

Junge Leute um Mitte 20, bitte hergelesen: Beim feierlich-vornehmen Anlass zum weißen Hemd die feine schwarze Hose in Ums-Haar-aber-dann-doch-nur-mit-halbem-Arsch-knöchelfrei-Hochwasseroptik und dazu wenig bis gar keine Socken in den blendend blanken Lederschuhen, es geht einfach nicht fit, ihr kleinen Fleischblitzer

Jetzt mag freilich eins einwenden, der Hochwasserstil sei halt Mode, werde sich vielleicht ja auch beim fein-vornehmen Anlass als Standard oder zumindest als auftragbare Alternative durchsetzen und meine Haltung konservativ wo nicht snobistisch. Aber das Clownesque ist zeitlos, und clownesque eben wirkt dieser Aufzug.

»Aufdrehen & Loserleben«

Ob es jemandem aufgefallen ist, dass da auch Loser-Leben steht, oder nicht – es ist vor der Tatsache, dass die Reklameindustrie ernsthaft bei der gleißenden Granatenidiotie »los-erleben« angekommen ist, fast auch schon wieder wurscht.

Von welcher Seite man es auch betrachtet: mich erfüllt das nur mit heißer Trauer und stummer Wut.

Sher(r)if(f)

Das Wort »Sheriff« sieht sowohl in seiner falschen Gestalt »Sherrif« als auch in seiner korrekten, »Sheriff«, falsch aus. Könnten wir uns nicht auf »Sherriff« einigen? Das sähe auch noch ein wenig autoritärer aus.

Die Erlanger und ihr Erwin Rommel

In Erlangen gibt es, wie in zwölf weiteren Ortschaften dieses Landes, nach wie vor eine Erwin-Rommel-Straße. Im dort ansässigen Studentenwohnheim entblödet man sich nicht, das sogenannte Rommelsommerfest zu feiern und brüstet sich auf der Website ferner:

»Das Erwin Rommel Wohnheim ist in Erlangen weithin bekannt für das Rommelsommerfest Anfang Juni, die ›Bronx‹ im Winter kurz nach dem ersten Schnee und für den Rommelfasching der Mitte Januar stattfindet. Diese Veranstal-tungen sind offen für alle Studenten der Uni Erlangen und machen jedes Jahr eine Menge Spaß!«

Hahaha, ein großer Spaß für alle und Spaßbremse, wer bei »Rommelfasching« etwa an Prinz Harry in der Naziuniform denkt (weil »Rommel war ja kein Nazi, weil er nie in der NSDAP war 😠 !«)

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Anlass dieses Posts: Mit einer Mehrheit aus CSU, Freien Wählern sowie AfD wurden in Fürstenfeldbruck zwei Petitionen zu Nazistraßennamen abgewiesen: »CSU und AfD tolerieren NS-Straßennamen« (Süddeutsche)

» u m s t r i t t e n «

Ob das journalistische Universal-Überschriftenwort »umstritten«, mit dem jede Gemeinheit und Verderbtheit und noch alle Unmenschlichkeit in den Schein der immerhin Diskussionswürdigkeit gerückt wird, ob dieses Unwort der zeitgenössische, schlichte Indicator der seit je wesenden Vernageltheit und Verrammeltheit und, ja, Imarschheit des Journalismus ist, diese Frage lässt sich ohne SPDiges Herumlavieren und brummdummes »Debattieren« beantworten mit: ja.

Neuerlicher Tiefpunkt der Umstrittenheiterei: Es gab laut dem »Historischen Bild des Tages« bei t-online – fasten your seatbelts –: »Hitlers umstrittenstes Flugzeug«.

Dass auch Hitler im eigenen Reich »umstritten« war, keine Frage; siehe Elser, Stauffenberg etc. Dass heutzutage sturheil wieder auf diese »Umstrittenheit« und mittlerweile mithin »Diskussionswürdigkeit« hingearbeitet wird – nun, es ist wohl nur noch eine Frage der Zeit, wann Hitler irgendwo qua Überschrift als »umstritten« bezeichnet wird. Sein tut er es schon.

(In der »Stadt der Reichsparteitage«, Nürnberg, wird dieser, pardon my french: Infodreck namens »Historisches Bild des Tages« schamlos auf den Infoscreens in den U-Bahnhöfen ausgestrahlt.)