For  r e a l ?!

Was mir soeben, am 30. April im Jahre 2020 unseres Herrn Jesus Christus um 10:07 Uhr, im Alter von über 30 Jahren, bei der Lektüre auffiel: das Adjektiv real geht etymologisch zurück auf das lateinische Super-, i wo: Universalwort für praktisch alles, was ist: rēs ›Sache, Ding, Wesen, Angelegenheit, Ereignis, Erscheinung, Interesse, Vorteil, Rechtssache‹. Und das ist ja auch völlig logisch und komplett naheliegend! Ich überprüfte es freilich sogleich, entsprechend der Germanistenpflicht, im DWDS (Digitales Wörterbuch der Deutschen Sprache) und klar, logo, ist es auch so. Ich meine: Wortstamm re- + Adjektivsuffix -al und das Wort res, Akk. rem, Gen. rei – das k a n n ja nur nix wie zusammengehören!

Also manchmal frage ich mich schon, ob ich einfach ganz besonders deppert und integral bescheuert bin und allen anderen solche s i m p l i c i s s e s t e n Sachen von Haus aus klar sind, oder ob es bei denen im Hirnstüberl ebenso zappenduster ist wie bei mir bis eben, oder irgendwas dazwischen.

Der behende Eisenbahnsitznachbar

Was ich überhaupt nicht kann: Mir irgendwas Jackenartiges anziehen, ohne dabei mords raumgreifend mit teilweise ausgestreckten Armen im um- und vor allem schräg hinter mir liegenden Raum herumzukrapfen. Deswegen brauche ich dabei armlangen Sicherheitsabstand.

Neulich in der Fern-Eisenbahn saß am Fensterplatz neben mir ein Funktionsbekleideter, und urplötzlich hatte er über seinem Funktionsoberteil eine Funktionsjacke an, ohne dass er mich irgend berührt, ja geschweige denn dass ich den Anzug (hahaha, dieses Wort passt hier höchstens entfernt oder vielmehr überhaupt nicht, aber MaN wEiß jA wAs GeMeiNt iSt) bemerkt hätte.

Er war Saatgutvertreter aus der Agrarindustrie. Womöglich spielt das gar keine Rolle.

Jetzt ist alles etwas mehr easy

Beste ~Investition~ 2019: SodaStream »Easy« – in der Gebrauchsanleitung: »die ›Easy‹« – für halbe Preis bei Lidl.

Dieses Angebot gab es Anfang Oktober. Dafür tat ich etwas, was ich schon seit vielen J a h r e n nicht mehr getan hatte: Ich ging extra früh zum Laden, um mir mein Produkt zu sichern.

Um 8.25 Uhr öffne ich durch mein bloßes Herannahen die Ladentüre, dann die am Ende des Windfangtunnels und stromere direktemang zu den Sonderangebotsregalreihen im hinteren Geschäftsbereich. Und was muss ich sehen? Im für die »Easy« vorgesehenen Fach steht noch genau 1 einziges Produkt! Daneben noch haufenweise Ersatzflaschen-Zweierpacks.

Als ich – ich sehe es auf dem Display des Kartenlesegeräts, an dem ich kontaktlos bezahle – um 8.31 Uhr an der Kasse stehe, denke ich: »Woah, das hätte auch in die Hose und ich ohne SodaStream nach Hause gehen können!« Die Bezeichnung »die ›Easy‹« kenne ich zu dem Zeitpunkt logischerweise noch nicht.

Offenbar räumten diese Schlawiner die Sonderangebotssachen schon am Vorabend in die Regale. Ein Vorgehen, das ich noch aus meiner Sonderangebots-Wahrnehmzeit kenne. Und das die Sparfüchs:innen offenbar immer noch beherzigen (?). Dass von 7.00–8.30 Uhr schon fast alle weggekauft worden wären, ich denke es nicht.

Etwas später fiel mir auf: LIDL schießt sich mit seinem Angebot ein bisschen auch selbst ein Bein. Denn während ich seit kurzem zuhause Flasche um Flasche aufsprudle und glücklich meinen Gaumen von Sprudel umgarnen, ja vielmehr umbitzeln lasse, werde ich künftig die Mineralwassertürme gleich rechts neben der Automatiktür des LIDL keines Hingriffs mehr bedenken.

LIDL wird aber von der höchsten Ebene bis hinunter ins Filialgefilde von absoluten Profis geleitet und geführt, ich mache mir jetzt keine Sorgen, dass die sich mit diesem tollen Angebot unbedacht und altruistisch selbst Schaden zufügen. Am Ende bin evtl. ich der Dumme. Aber wenn, dann der Dumme mit Sprudelwasser. Mensch, die ganze Zeit will ich »Mineralwasser« schreiben, aber bei kohlengesäuertem bloß Leitungswasser stimmt das ja gar nicht. Cheers!

PS: Im direkten Denkzitat oben verwende ich das literarische Stilmittel Zeugma. Ein bisschen schäme ich mich dafür und finde es scheiße. Aber es bot sich halt an und ist effizient. – Es lief übrigens so: »Hm, in diesem Text fehlt noch ein literarisches Stilmittel ☝️ Menschenskinder, was nehm ich da nur 🤔🤫🧐 AAH hier passt ja gerade ein… Moment, wie hieß das noch mal? *blättert im ›Handbuch Lyrik‹* ach ja, ein: Z e u g m a ! Ja sakrament schau her, gerade noch literarisch geworden, der Text 😅« LG an den Deutschlehrer Dirk Wippermann.

Salon intime: Freizeitausgabe

Hallo Freunde, wer sich schon immer mal gefragt hat: »Mensch, was ist denn Andreas eigentlich für ein Mensch?«: Nun, ich fuhr am 28.9. nach Frankfurt/M und traf mich mit Leuten aus der Facebook-Bubble, um auf einer vor Wochen reservierten Kegelbahn kegeln zu gehen. Ich hoffte auf »Gut Schub!« (?), schob aber sehr schlecht. Naja. Dennoch ein sehr schöner Abend.

Duzu-duzi

Die neue Mippewohnerin sagt, man solle mit ihrem Hund nicht nur Duzi-duzi machen sondern auch mal streng sein wenn’s not tut. Ich mach trotzdem nur Duzi-duzi ✌️😅

Lachen, nachdenken, Milch aufschäumen

Hallo Freunde ich wollte einfach mal wieder Bescheid sagen, dass meine Posts immer sowohl zum Lachen einladen als auch zum Nachdenken einreden wollen, und auch bekanntgeben, dass ich heute erstmals die Akkus meines Milchaufschäumers gewechselt habe, weil er demletzt einfach nicht mehr kraftvoll genug Schäum Power gehabt hatte; beim ersten Anschäumen danach schäumte ich fast über den Tassenrand hinaus du, du du du!

»Extra-große Familienpackung Klopapier«

Immer wenn eine bestimmte meiner drei Mitbewohner/innen ihre zwei Wochen WG-Einkaufsdienst hat, gibt es bei LIDL das gute dreilagige Klopapier in der XXL-Packung (20 Rollen statt bloß 10) und ich beneide sie, dass sie immer nur maximal einmal pro »Schicht« welches kaufen muss. Denn wenn ich Pech habe – bei mir gibt’s die XXL-Packung nie –, muss ich zweimal. Ich frag sie mal, wie sie sich mit der 20er-Packung an der Kasse fühlt.

(Zu den restlichen »Braindroppings« auf Torsten Gaitzschs Blog »Kybersetzung« geht’s – wie es in den Nullerjahren hieß – hier lang: http://www.kybersetzung.net/2019/09/brain-droppings-2000.html)

Fußmatte

Liebe Nachbarn, ich kenne euch kaum. Eine kleine Frage sei mir aber gestattet: Wie nämlich soll eins an eurer Tür ohne Schmerzen vorbeigehen oder zumindest, ohne zu versuchen die arme Fußmatte ordentlich vor die Türschwelle zu ziehen? Es geht nicht. Beides nicht. Es ist 01:22 Uhr. Klingeln ist keine Option. Ihr habt kein Licht mehr an. Achtet doch bitte in Zukunft wieder besser auf eure Mitmenschen.
Danke und liebe Grüße, Andreas

Kosmopolit

Ja hallo ich wollte nur sagen dass sich ein guter Freund ausm RL neuerdings als Kosmopolit begreift und ich finde das ganz entzückend (er wohnt in einer rheinischen Großstadt und kommt eigentlich nicht oft groß rum insgesamt, hatte aber neulich z.B. Besuch aus der belgischen Hauptstadt Brüssel)

Tagebucheintrag

05.08.2019, 23:00 Uhr – Den 5. August 2019, ich hätte ihn nicht gebraucht. Nicht dass mir etwas Schlimmes widerfahren wäre oder sogar ein Haufen davon. Doch in der Rückschau wird er sich wie ein Fleck nix gewordene Mehlschwitze auf dem Tableau meiner Biographie erweisen. Gute Nacht

Witz + Protokoll

Manfred Mann’s Orff Band

(Dieser Witz fiel mir kürzlich anlässlich der sogenannten Dad Rock Challenge einer lieben Facebookerin ein, die nach der dad-rockigsten Musikband fragte, von der man für gewöhnlich nur Radionummern/Singles kennt, um sich sadistisch-lustvoll deren komplette Diskographie anzuhören. Ich überlegte so: Menschenskinder, welche Band könnte ich denn da in die Drunterkommentare schreiben? Denn die allerallermeisten Dad Rock-Bands waren dort natürlich flugs notiert. Das Handy war beim spätabendlichen Einfall »Manfred Mann’s Earth Band« aber schon aus, und wie ich dann so im Bett liege und einschlafen will, schießt mir, freilich, »Manfred Mann’s Orff Band« ins prätraumale Gedankenbrackwasser. So wach bin ich noch, dass ich den klaren Gedanken »Ha, den muss ich mir merken und ins Internet reinschreiben!« hisse. Bloß wie merken? Wie oft schon hatte ich die leidvolle Erfahrung gemacht, dass mir kurz vorm Einschlafen oder, während ich nachm Aufwachen so dahinsimmere, Topwortspiele und andere Spitzenwitze eingefallen waren, die mir dann aber, wenn die erbarmungslosen Wachkategorien der Realität wieder instauriert, gleichwie entfallen waren. Dieses Mal suchte ich dem ein Schnippchen zu schlagen: Mit einer Mnemotechnik! Nie eine draufgehabt, also flugs eine zurechtgetapet. Ich stelle mir für jeden Bestandteil eine Person vor. Bei »Manfred« denke ich an den ehemaligen Nachbarn meiner Eltern, Manfred M., einen sehr freundlichen Michelin-Mitarbeiter. Bei »Mann« denke ich an, er ist der erstbeste, der mir einfällt, Thomas Mann. (Bitte nicht psychoanalysieren.) Bei »Orff« kommt nur Carl Orff in Frage, bombastisch-katastrophal untermalt von seiner Carmina Burana, schließlich bin ich schon in den Vorgärten der Träume. Bei – nicht vergessen! – »Band« denke ich an Facebookfreundin Judith S., die kürzlich drunterkommentarisch dazu aufforderte, man solle Band nur noch Musikband aussprechen (oder so ähnlich). Und was soll ich sagen? Es hat, man konnte es ja ganz oben schon sehen, geklappt! Wer bis hierher mitgelesen hat, versteht nun auch dies: Manfred M. Thomas Mann Carl Orff Judith S.)

Schlafensmüde

14.05.2019 – Im Tagebuch das Wort »schlafensmüde« benutzt, mich kurz gewundert, dass mir das ja schon  e w i g  nicht mehr in den Sinn gekommen war, und dann gesehen, dass es gar nicht im Duden steht oˍO Dabei ist es doch so schön!

Promotionsbewerbung

Ich will in Kritischer Biologie promovieren mit einer Arbeit zur Dialektik von Kulturheidelbeeren und Barbareiheidelbeeren. Beworben habe ich mich dafür am Frankfurter Institut für Sozialbotanik (bekannt als Frankfurter Baumschule) beim Professorentandem Max Harkeimer und Theodor W. Arborno – drückt mir die Daumen!

Anm.: Nachdem ich meine beiden Studiengangswünsche (Studiengang (I), Studiengang (II) – Subkulturausgabe) in die Tat umgesetzt habe, geht es jetzt an den nächsten akademischen Grad. Yeah!

Unterhose

17.09.2018 – Heute fiel mir, als ich gerade meine Wäsche auf die Leine am Balkon hängte, eine Unterhose hinunter. Sie kam aber nicht weit und blieb in der Wäschleine des Balkons eins drunter hängen. «Oh Mist!», dachte ich, «aber naja, sag’ ich Frau S. halt Bescheid oder leg’ ihr ’nen Zettel hin.» Was ich ein paar Augenblicke später sofort wieder vergaß und daher denn auch nicht tat. Wenig später verließ ich die Wohnung, um zum Lektürekreis zu fahren – und sah, dass die Nachbarin die Unterbuchse zwischenzeitlich schon entdeckt und per Wäscheklammer ans Treppenhausgeländer gehängt hatte. Was mir zunächst peinlich war, denn das ist nun wirklich nicht der Ort, wo ich meine Unterwäsche ausgestellt sehen möchte. Dann winkte ich aber innerlich ab und dachte: «Pff…, da geh’ ich jetzt nicht extra nochmal hoch deswegen; die nehm’ ich hernach mit, wenn ich wieder heimkomme. Weiß ja kein Mensch, dass das meine Unterhose ist!» Und so kam es dann auch.

Findige Leser_innen mögen jetzt denken: «Ha!, um dem Andreas seine Unterwäsche sehen zu können, muss ich ihn nicht extra verführen oder bei ihm einbrechen, um in seine Schränke zu luren, oder ihm auf dem Nürnberger Hauptmarkt vor allen Leuten um 12 Uhr mittags die Hose herunterziehen! Nein, da geh’ ich einfach in den Hinterhof seines Hauses, und zwar just dann, wenn er mal wieder seine Wäsche raushängt. Und dann schaue ich sie mir an!» Diesen Leser_innen kann ich nur sagen: gewiss, gewiss, aber das ist von allen genannten Unterhosensehoptionen die allerallerlangweiligste. Überrascht mich!

Zahncreme

24.08.2018 – Ich war heute in einem Restaurant namens El Mexicano. Die Bediensteten dort hatten auffällig schöne Zähne. Gefragt nach ihrem Zahnpflegegeheimnis meinten sie, es handle sich um eine spezielle Zahnpastakombi: morgens El Aronal, abends Elmexicano.

Zusatzinfo: Es gab dort mexikanisches Essen.

Bidet

Es ist, wie es ist, Freunde: Ich bin an einem Punkt angelangt in meinem Leben, an dem ich ein Bidet nicht nur gerne besitzen, sondern auch benutzen würde; und zwar nicht ~nur~, um mit eingezwicktem Monokel, Brillenbügel im einen Mundwinkel, Zigarre im anderen, angesilberketteter Taschenuhr und Einstecktuch im Frack sagen zu können: «Junge Dame, junger Herr, ich  b e s i t z e  nicht nur ein Bidet, sondern ich  b e n u t z e  es auch regelmäßig! Wissen S i e überhaupt einmal, wie man Bidet schreibt überhaupt?»

Sicher, damit würde ich gerne auch alle indignieren, die von diesem Thema gar nichts wissen wollen, aber zugleich geht doch nichts über morgend-/abendliche Intimwäsche! Da sind zumindest schon einige der fünf (oder sieben? Hm, ich glaube, die Sieben, das waren die sieben Öffnungen unseres Kopfes, auf die er in einem anderen Text verblüffenderweise hinwies) Stellen dabei, die Max Goldt, Spezialist für tägliches Betragen, für die morgendliche Reinigung empfiehlt.

Urlaubsbericht

Ah fuck ich bin zurück vom Urlaub und hab kein Strandsonnenuntergangsfoto für WhatsApp etc. gemacht! Dummerweise war ich nicht mal am Meer, und ein Sonnenuntergang am Hamburger Hafen kommt höchstens auf Postkarten cool. (Bei Hamburg glaubt man ja immer nur, es läge am Meer, in echt tut’s das gar nicht.) Mir scheint, nächstes Jahr müsse ich Urlaub neu denken.

Nicht mal erlebt haben wir was. Teurer Freund und Reisebegleitung M. und ich erledigten unser Reisetagebuch in einer Unscheinbarkeit, die vom normalen Alltag kaum zu unterscheiden ist. Zumindest nicht von dem von Leuten ohne Arbeit, aber mit ÖPNV-Ticket und genügend Geld für Kaffee, Pils und Fischbrötchen. Gut, abgesehen vielleicht von der wilden Fahrt in der Güterlore durch die Goldminen, die – kaum jemand weiß das! – ein Gutteil Hamburgs unterkellern, in die wir unversehens stolperten, als wir uns gefragt hatten: «He, geht’s hinter diesem Gitter wohl in die Kanalisation?» Und abgesehen vielleicht von dem Bein, das wir diesem einen jamesbondesquen Geheimagenten in den Docks am Hafen stellten, der daraufhin von acht Vermummten in bayerisch anmutenden Fantasieuniformen per Sturmgewehre und Handgranaten zu Stallfutter für die Almkühe verarbeitet wurde. («Hä, was soll denn der Schmarrn hier, wart ihr nicht in Hamburg?») Und abgesehen vielleicht von den sexi Abenteuern in den überdachten Swimmingpools der Villen an der Elbchaussee. Wie gut, dass die überdacht sind alle! Ich mein, in einen mordsenergieintensiv beheizten Jacuzzi kannst du dich bei 12 °C schon auch noch reinhocken, aber Arschbomben und Bauchplatscher machst du da halt Anfang Oktober nicht mehr. «Macht man in Jacuzzis auch im Sommer nicht, weil die erstens zur Entspannung da sind und zweitens meist eh viel zu klein, so dass du dir nur böse was anhaust, wenn du da wie so ein Grundschüler reinspringst!», mag eins hier einwenden. Und ja, mag sein – über die sexi Abenteuer schweig’ ich mich dennoch aus, hähä. Die übrigens nur zustande kamen, weil wir auf der Fahrt mit der Goldminengüterlore ein stattliches Säckel mit Gold füllen konnten und es den Chefs der Vermummten gefiel, uns mit sexi Poolabenteuern für das gestellte Bein an den Docks zu belohnen. «Hä, aber wenn die Poolabenteuer Belohnung waren, wozu brauchtet ihr dann das Gold?» Ja weil wir die sexi Pooldamen freilich selbst bezahlen mussten. «Sonst noch was? Die bezahlt ihr schon selbst, ihr versoffenen Hafenmaatjes!», hatten uns die finsteren Herren nämlich angeherrscht.

Poren, Bratwürste und Babykatzen

Wer mal wieder die Poren seiner Gesichtshaut erkunden möchte, sich aber kein gehobenes Hotelzimmer leisten kann, in dessen Bad ein Porenspiegel installiert ist, könnte zum Beispiel zu den lieben Matthias und Sonja Warkus nach Jena fahren. In deren Badezimmerspiegel ist nämlich ein solcher Spiegel i n t e g r i e r t ! (Evtl. vorher fragen, ob’s cool geht, dass man zur Porenkontrolle vorbeikommt.) Woher ich das weiß? Weil ich sie von Samstag auf Sonntag besuchte.

Erste Erkenntnis: Es gibt ihn wirklich. Niemand hat sich Matthias ausgedacht oder verstellt sich fürs Internet oder so – ich habe sogar seinen aus Facebookvideos bekannten Morgenmantel gesehen. Als ich nachts um drei im Bad stand, um mich nachtfertig zu machen, erwog ich sogar, für ein Selfie mal reinzuschlüpfen und das dann zu posten. Hab’ ich aber dann doch nicht gemacht; man geht ja schließlich auch nicht zur Queen und setzt sich heimlich ihre Krone auf oder zu Dwayne »The Rock« Johnson und hängt sich seinen WWF-World-Heavyweight-Champion-Gürtel um. Zwar bräche Matthias einem wohl nicht – wie The Rock oder die Queen – gleich das Genick und risse anschließend das ganze Rückgrat bis zum Steiß heraus, dennoch unterließ ich das Bademantelselfie, da es mir unziemlich erschien.

Als Mitbringsel bringselte ich ihnen eine Dose Nürnberger Rostbratwürste (10 St., bereits gegrillt, man muss sie nur noch erwärmen!) und eine Dose Sauerkraut (ebenfalls im Nürnberg-Design, bereits vorgekocht, je nach Bock ggf. mit Speckwürfeln oder Kümmel verfeinerbar) mit. «Poah, wie meeega unoriginell!», mag man nun einwenden. Worauf ich nur unerbittlich erwidern könnte: «Joa, aber wat willste machn, wennste aus Nürnberg kommst…» Gedacht war es eigentlich als romantische Zwischenmahlzeit für die beiden: flugs alles auf Genusstemperatur gebracht und dann schön auf der Couch jeder fünf und eine Hälfte Kraut bei Kerzenschein und Wein (im Weinviertel Jena-Winzerla haben Wasserhähne übrigens die Stufen «kalt», «warm» und «Wein». Daher gibt’s dort deutschlandexklusiv in Baumärkten nur Zweihebel-Mischbatterien, wobei einen der zweite Mischhebel zwischen Weiß- und Rotwein wählen lässt. Theoretisch könnte man sich also z.B. eine warme Rotweinschorle ohne Kohlensäure genehmigen).

Dann kam es jedoch ganz anders: Auch Matthias und Sonja hatten Bratwürste vorbereitet, und das nicht zu knapp. Neben Thüringern gab’s auch welche aus Matthias’ Herkunftsregion, der Pfalz, und, obwohl die nicht aus dieser Pfalz, sondern der ostbayrischen Oberpfalz stammen, sogar Pfälzer (ist ja wurscht, dass die ‹nur so heißen›, auf den Effekt kommt’s an). Als ob diese nicht schon genügt hätten, sagten sich die beiden beim Metzger: «Och, wo wir schon hier sind: Frankfurter und Wiener nehm’ wa auch noch!»
Aus dieser Selektion feinster Brätspezialitäten zauberten sie dann ein Gedicht, wie man es sonst nur von Konfekt- und Pralinendarbietungen gewohnt ist. Erlesene Häppchen, garniert mit Sauerkraut, das an Rankenornamente des Jugendstils erinnerte. Freilich geschah dann, was geschehen musste: Beim Anrichten ließen wir die Teller für einen kurzen Moment aus den Augen – und blickten im nächsten Moment auf leere Teller und die zufriedenen Mäuler der beiden Babykatzen Fluse und Chewie. Natürlich konnten wir den beiden süßen Fellknäueln nicht böse sein und lachten alle herzlich, wobei wir uns leicht die Bäuche hielten (teils vor Lachen, teils vor Hunger). Dennoch kam anschließend, was kommen musste: Die österreichische Nachwuchs- und Skandalautorin Stefanie Sargnagel trat die Wohnungstür ein, um dieser einen anderen österreichischen Nachwuchsautorin Zutritt zu verschaffen, welche dann mit Schmackes und Genuss wie gewohnt Babykatzen trat. Diesmal zwar nicht ohne Grund, aber dennoch eine ziemlich danebene Aktion. Die Kommentarspalten-Suderanten waren außer sich! (Offenlegung: Dieser ganze Abschnitt ist komplett ausgedacht. Sonja und Matthias kochen allerdings sehr lecker! Es stimmt einzig, dass ich Fluse und Chewie im Kampf gegen das Verbrechen erlebte, aber dazu ein andermal.)

Poetologie des Unfugs

– «So tell me, how do you manage to come up almost daily with those crazy, yet super funny puns?»
– «Well, usually I operate here with my pun-pan, where I work on the material with a tool from Germany called Redewender. The rest is, well, [indistinct chatter]»
– «Ah, that’s the secret!»

De profundis – das Facebbatical-Tagebuch (1)

Vom 28.06. bis 21.07. legte ich ein Facebbatical, d.h. eine FB- und Twitterpause, ein. Nicht faul allerdings, führte ich in dieser Zeit Tagebuch, welches ich in den kommenden Tagen peu à peu veröffentliche. (Notabene: Manches, was ich da zusammenschrieb, kapiere ich selber schon nicht mehr vollumfänglich.)

28.06., Tag 1:
Vormittags Besuch der Filiale des Nürnberger Bäckers, von der ich letztens den Toilettencode auf Facebook teilte. Heute frage ich gar nicht danach; erstens muss ich nicht, zweitens kann ich, Altruist der ich bin, ihn nicht in den sozialen Medien teilen.

29.06., Tag 2: Ein Mibi dreht Leuchtstoffröhren bzw. «Leuchtstäbe», wenn sie nicht mehr richtig zünden, erstmal in der Fassung um, «vielleicht gehen sie dann ja nochmal ein bisschen besser!» Solches Technikverständnis finde ich süß, nachgerade putzig, und ich komme mir als in solchen Fällen eisenhart-gnadenlosem Rausschraub-und-Wegschmeißer grob und unwirsch vor.

30.06., Tag 3: Der lokale Veranstaltungsanzeiger vermeldet: «14.00 Opernhaus: Sonderführung ‹Hitler im Opernhaus›, zur Ausstellung ‹Hitler.Macht.Oper› im Doku-Zentrum Reichsparteitagsgelände». Floris Biskamp hätte wohl seine Freude dran (keineswegs doch die, welche AfDlern und sonstigen Nazis enttäuscht wird, wenn’s nun eben nicht wieder ein Opernhüttl, unweit notabene neben dem Hotel Deutscher Hof, wo NSeinerzeit Soldaten von Hitlers «Führung» (Opernhaus) am balkonierenden Führer höchstselbst vorbeiparadierten, gibt) – ach, von vorn: Floris Biskamp hätte da und dort und hier seine Freude gehabt, im Opernhaus, im Doku-Zentrum, vor allem aber und inniglichst am Ausstellungstitel. Und wie ich ihm den drunterkommentiert hätte, heissa!, da wär’ wieder was losgewesen! Ich hingegenlichst bescheide mich mit hiesiger Niederschrift.

Über den Rummel

Freitagabend war ich zum ersten Mal seit ich glaub 6 Jahren mit Freunden aufm Rummel. Nürnberger Frühlingsfest nennt sich der hier. Das Wort Rummel benutzte ich heute zum allersten Mal überhaupt, sonst wegen meiner Herkunft halt immer Volksfest, deswegen schreibe ich es hier zum dritten Mal: Rummel. Oh man dachte ich jetzt muß ich auch wieder lustige Post schreiben über was ich aufm Rummel (4) erlebte. Weil in letzter Zeit war es paar Mal schon vorgekommen daß Leute mir was „Lustiges“ erzählt hatten und dann gemeint hatten ich solle da mal lustige Beitrag drüber schreiben. Ja richtig, seit ich im Internet aktiver bin Weiterlesen

Verdikt

25.3. Heute festgestellt: Die schlechteste Redewendung der Welt ist «between a rock and a hard place». Erbärmlicher, einfallsloser, überallgemein-mutloser («hard place»), trostloser, farbärmer GEHT ES NICHT. Sie ist der LOSER unter den ReWes! (Heinz Strunk, Quatsch: Andreas Lugauer)

Salon intime – März 2017 (1/2)

Salon du Fromage-Classics: Repost eines Beitrags von vor einem Jahr. «Mystisch» (Twitter, passim): Es hat sich alles haargenau wieder so ereignet.


1.3.
Lese einen Artikel über unzufriedene LehrerInnen. Dabei fällt mir auf: Der Ausdruck «Verbeamtete» ist nur ein überschüssiges «te» entfernt von Star-Trek-Crewmitgliedern, die aus Versehen an einen falschen Ort gebeamt wurden.
2.3. Am Spätvormittag frißt mich plötzlich die Erkenntnis an, daß ich den ‹Traum vom Eigenheim› bislang nicht verwirklicht habe. Ich wache noch immer im Fremdheim.
3.3. Morgens Mitgefühl mit dem Triebfahrzeugführer des Regionalexpreß, dessen Einfahrt in den nächsten Bahnhof sich laut seiner Durchsage wegen Überholung durch einen verspäteten ICE um wenige Minuten verzögert. Kein Mitgefühl mit auch nur einem einzigen der anderen Fahrgäste.
4.3. Die Dichter des Barock dichteten bekanntlich gern über Vergänglichkeit, Tod, Schmertz, Kranckheit, Noth und ähnlich Desparates. («Laaangweilig!») Aber gab es unter den Barockdichtern auch lustige Kerls? Dachte sich beispielsweise ein Andreas Gryphius, als er 1637 sein Sonett ‹Es ist alles eitel› verfaßte: «Es ist alles Eiter, harharhar!»? Weiterlesen

Salon intime – März (2/2)

16.3. «Schreiben Sie uns  k e i n e  Emails, die wir nicht mit  J a  oder  N e i n  beantworten können!», herrscht uns der Dozent damals in der Einführungsveranstaltung für Stücker 300 Erstsemester an. «Sehr geehrter Herr M.: Da ich Ihnen nur Emails schreiben darf, die Sie mit Ja oder Nein beantworten können: Arsch auf?!», denke und maile ich nicht. Nicht zuletzt, weil es mir eben erst einfällt.
17.3. Die Drogerieindustrie will mich mürbe machen. Seit ich Deodorant benutze, nimmt sie alle eineinhalb bis zwei Jahre meinen Duft aus dem Sortiment. Ohne Ankündigung, ohne Entschuldigung, ohne jemalige Produktwiederaufnahme. Mitte 2016 dann mein Kaugummi – Wild Berry wird sukzessive in allen Märkten durch Tropical Fruit ersetzt. Kürzlich die Zahnpasta. –
Bald ist sie am Ziel. Aber warum ich?
18.3. «Rindergeschnetzeltes Stroganoff?! Nein, sowas von den Russen essen wir nicht!», schalmeien die beiden Ehepartner uno voce ihrer verdutzten Enkelin jovial über die Wirtshaustafel hinweg zu, Weiterlesen

Salon intime – März (1/2)

1.3. Lese einen Artikel über unzufriedene LehrerInnen. Dabei fällt mir auf: Der Ausdruck «Verbeamtete» ist nur ein überschüssiges «te» entfernt von Star-Trek-Crewmitgliedern, die aus Versehen an einen falschen Ort gebeamt wurden.
2.3. Am Spätvormittag frißt mich plötzlich die Erkenntnis an, daß ich den ‹Traum vom Eigenheim› bislang nicht verwirklicht habe. Ich wache noch immer im Fremdheim.
3.3. Morgens Mitgefühl mit dem Triebfahrzeugführer des Regionalexpreß, dessen Einfahrt in den nächsten Bahnhof sich laut seiner Durchsage wegen Überholung durch einen verspäteten ICE um wenige Minuten verzögert. Kein Mitgefühl mit auch nur einem einzigen der anderen Fahrgäste. Weiterlesen

Salon intime – Mein Februar

1.2. «Schön’n Nachmittaach!», wünscht mir die Kassiererin an der Lidl-Kasse – vormittags um 8.45 Uhr. Ich spule routiniert mein «Dankegleichfalls» ab, und wundere mich. Der nächsten Kundin wünscht sie exakt dasselbe.
2.2. Teile der USA und Kanadas begehen den Groundhog Day, hierzulande bekannt als Murmeltiertag. Ich reminisziere eine meiner liebsten Filmszenen (‹Und täglich grüßt das Murmeltier›):
Ned: «Phil?! Phiil Conners?»
Phil: «Ned?» *baff* (schlägt Ned mit der Faust nieder)

3.2. Lange nichts mehr davon gelesen, daher frage ich mich: Saufen die jungen Leute heutzutage eigentlich noch koma?
4.2. Nettes Gespräch mit einer neuen Weiterlesen