Stüssy; Niederbayern

In meiner Jugend wollte ich Teil der Skatekultur sein. Skateboard fahren konnte ich nicht. Riefe Eric »Do a Kickflip!« Koston mir zu: »Do an Ollie!«, ich könnte heute noch nur verschämt weglachen. Aber Stunt Skates, auch genannt Aggressive Skates, also solche zum Grinden, hatte ich und ›stand‹ in der Alte-Leute-Dorfsiedlung auf von Vater zusammengedengelten Rails und Curbs auch den einen oder anderen Trick. Die etwa drei Jahre, die ich das machte, gingen gänzlich ohne Verletzung rum, obwohl ich die Skates derart läppisch locker schnürte, dass es »schnürte« heißen müsste und ich ohne Senkelöffnen raus- und reinsteigen konnte; weil ich wollte mich so gut es ging reinlegen können aufm Rail.

Im Straubinger Skateshop »77 Sunset Strip«, genannt Seventyseven, bewunderte ich in den Auslagen all die coolen Skateboard- und Klamottenmarken. Carhartt und Vans und Adio und wie sie nicht alle hießen. Und Stüssy.

Jetzt, 20 Jahre später, schauen Freundin und ich gerade Season 3 der Serie Fargo, worin einige wichtige Figuren den Nachnamen Stussy tragen. Ausgesprochen: [stassi]. Und es dämmert mir: Lag ich all die Jahre falsch mit der zumindest mental so getätigten Skateboardmarken-Aussprache [stüssi]? Ja. Indes die englische Wikipedia und das restliche Internet entgegen der Fargo-Aussprache sagen, es werde [stuːsi], also in etwa STOO-see ausgesprochen. Jedenfalls nicht [stüssi].

Mit 11, 12, 13, 14 Jahren aber wusste ich noch nicht um die im Englischen phonetisch bedeutungslosen Röck Döts wie in Motörhead, Mötley Crüe oder Queensrÿche. Und sagte eben, wie alle Normalen: [moutörhäd], [mötlai crü] und Queensrÿche kannte ich noch gar nicht. Woher auch.

»Die Bravo gabs bei uns am Dorf nicht«, antwortete der stellv. bayerische Ministerpräsident und ebenfalls in Niederbayern aufgewachsene Hubert Aiwanger kürzlich dem stalinistisch-genozidalen Sozenbengel Kevin Kühnert auf Twitter (zum Thread). »Wir waren sozusagen bewahrt von all dem, was Sie in Ihrer Jugend in Berlin aushalten mussten.« Woraufhin Kühnert, der ein bewunderns- wie beneidenswertes Twittergame fährt, das bekannte Söderfoto vorm FJS-Jugendzimmerposter postete mit dem Kommentar: »Bitter! Sie hatten also nie einen Bravo-Starschnitt an der Wand… 😥« Was den gesunden Volkskörper Aiwanger veranlasste zur Antwort: »Nein. Keine beklebten oder beschmierten Wände. Geweißelt.« Weil’s beim Hubert schon innen im Kinderzimmer aussehen und zugehen musste wie später im repressiv durchkonformierten Dorferscheinungsbild.

(Offenlegung: Die Bravo gab’s bei »uns« »am Dorf« schon, und zwar beim Loibl-Bäcker an der Hauptstraße sehrschräg gegenüber der Pfarrkirche, aber da standen solche interessant-aufklärerischen Dinge halt auch nicht drin.)

Die besten Frauen

Indikatoren des Patriarchats: Die besten und berühmtesten Köchinnen – einer weithin als solche aufgefassten Frauentätigkeit –, sind Männer, die besten und berühmtesten Friseurinnen ebenfalls: Männer. Erfolgsköchinnen wie Sarah Wiener hingegen sind funktional maskulinierte Frauen wie Angela Merkel oder Ursula von der Leyen. Dass dieser EU-Kommissionspräsidentinnenschaft und jener Kanzlerinnenschaft irgendetwas Emanzipatorisches oder gar Feministisches eignete außer der Winzigkeit, dass Frauen heutzutage Männerrollen einnehmen dürfen – wehe, sie lassen sich ihre Periode anmerken, und ihre Periodenhygieneprodukte bezahlen sie mal schön selber! –, oder dass die Gesellschaft auch nur ein Gran weiblicher würde dadurch, so ernsthaft können das nur die Damen und Herren von FAZ über SZ und taz bis runter zu den Provinzkäseblättern in ihren Artikeln glauben.

Ich glaube, auch die beste Frauenfußballerin könnte nur ein Mann sein.

Die unmittelbar enttäuschte Freude

Einmal schaute ich in der Heimat bei einem Provinzfußballspiel der untersten oder zweituntersten Spielklasse zu. Ein Akteur der gegnerischen Mannschaft haute aus wasweißich 25 Metern mal voll drauf und der Ball flog viel- bzw. erfolgversprechend Richtung Tor. Ein gegnerischer Anhänger sah das Leder schon drin und sprang »SUPER!« jauchzend auf, musste aber sogleich, weil das Spielgerät dann doch über die Latte schwebte (?), ein enttäuschtes »FACK!« (mit sehr hellem a, bairisch für fuck) nachschieben, und das alles ging so schnell, dass »SUPER« und »FACK« beinahe oder praktisch ein Wort bildeten, und so denke ich seither bei unmittelbar enttäuschter, im Knospen erstickter Freude: »SUPER…FACK :/«

The Michael »Air« Jordan Variations (4)

Dass das Basketballfeld nicht von vier gleichlangen Seiten begrenzt wird, passte ihm nie: Michael »Square« Jordan

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Verbesserte gerne die Orthographie seiner Mitspieler: Michael »thei(y)r(’re)« Jordan

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Bei BDSM-Spielchen ist er Sub: Michael »Chair« Jordan

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Kannte seinen Warenwert (vom Transfermarkt): Michael »Ware« Jordan

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The Michael »Air« Jordan Variations (3)

Will eins den Ticketpreis einer Busverbindung wissen, fragt’s am besten Michael »Fare« Jordan

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Spricht fließend Kambodschanisch: Michael »Khmer« Jordan

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Mit 1,93 m war Helmut »Birne« Kohl nur fünf Zentimeter kleiner als Michael »Pear« Jordan

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Weil er so groß war, fielen auch seine Quadratlatschen besonders auf: Michael »Square« Jordan

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The Michael »Air« Jordan Variations (1)

Der Basketballer mit dem redlichsten Spielverhalten war Michael »Fair« Jordan

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Seine Mitbasketballer mochten ihn nicht, weil er ständig mit seinem Erbe prahlte: Michael »Heir« Jordan

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Auf Messen wurden die Chicago Bulls meist von Michael »Fair« Jordan repräsentiert

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Warb stets für sozialdemokratische Werte englischen Zuschnitts: Michael »Blair« Jordan

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Sportsgeist in der Fittenumkleide

14.11.2019 – Heute morgen in der Umkleidekabine der Fitte wurde ich von einem mir unbekannten – wie ich meine, schon sagen zu dürfen: Kollegen, der tatenfroh, ja enthusiasmiert hereingestoben war, friedliebend grinsend per Handschlag begrüßt. Zwar wohl nur, weil er einen ihm Bekannten derart begrüßt hatte und mich scheint’s schlicht nicht excludieren wollte – aber immerhin, ey. Vollends baff war ich, als mir der dann schon muskelgurtumschnallte Frohlockfex vor dem Verlassen gen Fitnessmaschinenraum zur Verabschiedung noch einmal die Hand reichte. Zwar wohl wieder nur, weil er dies bei seinem Bekannten ebenfalls getan hatte, aber immerhin, ey. So stand ich denn auch leicht anenthusiasmiert auf meinem Gerät. Und gerade fällt mir auf, dass ich dabei und bis gerade eben gar nicht mehr an ihn dachte. Wie angenehm, das alles!

DAZN?

A: »DAZN –was zur Hölle ist eigentlich dieses DAZN, das seit einiger Zeit auf Reklameflächen angepriesen wird?«
B: »Kennst du nicht mehr die Werbung aus Hape Kerkelings ›Kein Pardon‹ von 93? ›Geben Sie Ihrem Hund DAZN – aber nur den ganzen DAZN! DAZN – nur für Hunde, nicht für Katzen – DAZN!‹ Daher kommt das her.«
A: »Aha.«
B: »Und dann gab’s da ja auch diesen beliebten Samstagabend-Fernsehmoderator Heinz Wäscher, dem Verehrerinnen eine Torte gebacken haben mit der Aufschrift ›Heinz Wescher‹, oder andersrum?«
A: »Aha. … … Wie: andersrum? Hat evtl der Moderator den Verehrerinnen eine Torte gebacken?«
B: »Nee, haha, warum sollte er.«
A: »Ja.«
B: … … »Fand ich auch gar nicht so gut übrigens, den Film. War mehr so ›och kommt nix andres grad‹.«
A: »Aha.«
B: …
A: »Wie der Kerkeling dann nach Lourdes marschiert ist und dieses Buch drüber geschrieben hat und auch Film dann, ne.«
B: »Ging gut weg bei Hugidubi, ja.«
A: »Hugidubi?«
B: »Hugendubel hehe«
A: »Uff«
B: »Und weißte noch ›Hurz!‹«
A: »Oh Gott… ja…«
B: »Der Wolf! Das Lamm!«
A: …
B: …
A: … …
B: »Der Wolf!«
A: »Also, ich pack’s dann mal.«
B: »OK. Machst du noch?«
A: »’n bisschen was machen noch.«
B: »Jou, ich mach auch noch ’n bisschen was.«
A: »Tschö dann.«
B: »Ja, tschüs.«
A: …
B: »Hurz!«
A: …
B: :‘(
A: (Dieser Trottel dann immer mit seinen auswendig hergesagten Katz-und-Gold-Zitaten. – Ich mach jetzt n i x mehr.)

[Edit 13.14 Uhr: Beim Wiederlesen fiel mir auf, dass der letzte Satz eine Art Pointe enthält, und das gefällt mir jetzt nicht mehr, die Leser*innen mögen bitte beachten, dass der Text meines nachträglichen Erachtens mit dem vorletzten Satz enden sollte.]

Der Abstieg

Provinzfußball in Niederbayern um die Mitte der Nullerjahre, am letzten Spieltag Abstieg von der Kreisliga in die Kreisklasse. Niedergeschlagenheit, gar Verzweifelung in allen Gesichtern und Gelenken und unter die Schienbeinschoner hinuntergewuzelten Trikotstutzen; außer beim Gegner und seinen Fans, die eben nicht abgestiegen sind. Die sollen alle schauen, dass sie heimkommen, am besten gleich vom Platz weg und ohne noch mords Wasser wegzuduschen. »Diese Wichser, die!«, »der scheiß Schiri!«, »Ihr seid’s aber auch alle selber schuld, weil’s immer so sauft’s, obwohl wir am nächsten Tag Spiel haben!« – Analysen dieser Art verlassen so manche grantige Kehle, wohingegen andere ochsendumm herumsitzen und, wie’s scheint, in existenziell schwarze Abgründe schauen; bloß dass nicht mal mehr die zurückblicken. Drüben am Kinderspielplatz bauen zwei Buben ein kleines Schlammschloss, und während sie mit den Stäbchen ihrer Steckerleise die Burgfahnen hindrapieren oder eher hinimaginieren, muss der Papa am Sportheimeingang zurückgehalten werden, damit er nicht allen sofort eine aufstreiche, wie er erbost umherschleudert, »ihr Wichser alle!«

Jetzt muss man wissen, dass die Kreisliga in der dortigen Region die drittunterste Liga ist und die Kreisklasse die zweitunterste, unterfüttert nur noch von der zur A-Klasse schöngelogenen, in der vox populi nur Hammelklasse genannten Hammelklasse. »Ja Scheiße«, denken sich viele der für den Abstieg verantwortlichen Spieler, »in der Kreisklasse«, also der zweituntersten Klasse, »da mag ich nicht spielen – da bin ich ja viel zu gut dafür!«; sogar sehr viele von ihnen denken das und verlassen bis auf lumpige zwei Stammspieler samt und sonders den Verein, hin zu einem anderen, der zwar ebenfalls, und ohne dafür absteigen zu müssen, in der zweituntersten Spielklasse herumwest, aber im Gegensatz zum Absteiger seinen Akteuren für ihr fußballerisches Engagement Geld zahlt. Für ihr Engagement beim Aufstieg in die drittunterste Spielklasse, natürlich.

Connaisseusen und Connaisseuren übrigens ist klar, dass die Spieler wegen ihres Verhaltens mit Fug als Pleitegeier zu titulieren sind. Zumindest im ursprünglichen Wortsinne. Im Jiddischen, dem das Wort Pleite entstammt, bezeichnet die plejte die ›rettende Flucht (vor der Schuldhaft durch Gläubiger)‹, der plejtegeier bezeichnet im Jiddischen mithin den, der die rettende Flucht antritt oder –trat. Sage noch einmal jemand, es sei ein Schmarrn und Zeitverschwendung und zu nix gut, Fächer wie Jiddische Sprache, Kultur und Literatur zu studieren, womit ein Freund von mir gegenwärtig seine Biographie erledigt. (Bei Letzterem handelt es sich um ein Zitat von Max Goldt, um hier schriftstellerisch tadellos zu agieren.)

Hauptsponsor des Vereins, zu dem die alle abwanderten und hinwechselten, richtiggehend fahnenflüchteten, ist ein lokales Maschinenbauunternehmen, das freilich für den Weltmarkt produziert, und zwar ungetümhaft große Eisentanks und jeglichen Stahlbau, nach dem eines Herzen zu begehren vermag. Auf die »Internetseite« genannte Website gesurft, verrät uns die letzte News, die, notabene in den 1960er Jahren gegründete Firma habe im Jahre 2008 die Produktion in den neuen Montagehallen aufgenommen. Was mit den alten Hallen geschah, steht nirgends. Das Alter dieser latest news entspricht präzise dem historischen Charme, der dieser Website eignet. In der 2008 neu gewesenen Lackierkabine, so schneidet die News großtuerisch auf, könne man bis zu 17 Meter lange »Komponenten« genannte Bauteile lackieren und trocknen. Wie breit und hoch diese Komponenten sein dürfen, unterschlägt die News indessen. Wenn jedoch die Komponenten zwar 17 Meter lang, aber nur so dünne Stäbchen sein dürfen, wäre kaum jemandem geholfen. Lassen wir uns nicht beirren von dieser Unklarheit und nehmen wir an: Auch der Balken und die Pfosten eines Fußballtores ließen sich darin locker optisch veredeln, wie es aus Branchenmündern zu quellen pflegt. Schließlich umspannt etwa der Querbalken kaum siebeneinhalb Meter und täte in die Angeberanlage leicht zweimal hineinpassen. Die Balken und Pfosten könnten dann in den Firmenfarben Hellrot, Dunkelrot, Schwarz, Dunkelgrau, Hellgrau und Smaragd funkeln, und, wenn wir schon einmal angefangen haben mit dem corporate designen, warum nicht auch gleich den Namen der Firma draufschreiben beziehungsweise drauflackieren, ach was: draufedeln.

Denn die Präsentation des eigenen Firmennamens auf riesigen Bannern und Spielfeldbanden auf den Sportvereinsanlagen, auf den Trikots und irgendwelchen Vereinsdruckerzeugnissen ist der Zweck der finanziellen Unterstützung des Vereins, der sich im übrigen recht rührig um die von ihm verwendeten und vernutzten Spieler kümmert. Es fragt sich freilich: Wozu das alles? Wie viele Zuschauer*innen dachten bislang: »Ah, gut, dass da eine Stahlbaufirma auf ihre Künste aufmerksam macht, mir ist ja grad heut Vormittag mein Eisentank kaputtgegangen«, und schon fleddert beim Stahlbauer das Auftragsbuch aus, weil er gar nicht mehr hinterherkommt mit dem Umblättern und Hineinschreiben. – Stellen wir uns nicht naiver als nötig: Fraglos ist es dem Firmenchef hauptsächlich um Lokalprestige zu tun, markiert er doch den örtlichen, wo nicht den regionalen Oberjohn, wenn er es ist, mit dessen Name der Fußballclub sich beschriftet, das heißt präsentiert, i wo: schmückt. Da schauen die Maschinen- und sonstwas -Bauer der Industriegebiete vor den umliegenden Dörfern aber ganz schön dumm aus ihren klebrig-schwitzig-stinkenden Fertigblechbaufestungen. Schließlich kannst du den Hauptsponsor des Vereins durchaus als sowas wie den Vereinseigentümer betrachten. Wo kommen wir hin, wenn irgendetwas nicht irgendwem gehört, sondern diffus bloß einer kaum greiflichen Gemeinschaft? Ja, richtig, direktemang in den Sozialismus. Nein, nein, es lässt uns schon besser schlafen und ist am Ende auch gesünder, wenn wir den Besitz eines solchen Vereins immerhin ideell jemandem zuschreiben können. Und der hohe Herr wird sich gütig um alles und alle kümmern und auch mal ein Schweinernes und ein Freibier zur Verfügung stellen. Und der Konkurrenzeisenbieger kann zwanzig mal mit der Kundschaft in die Apalachen zum Helikopterskifahren fliegen – Fußballvereine sind da schon nochmal rarer.

Jetzt zurück zur Abstiegsmannschaft: Lumpige zwei Stammspieler aus der drittuntersten Klasse blieben wie gesagt in der zweituntersten erhalten, der restliche Kader wurde aus Material der vormaligen Reserve rekrutiert, neu hinzu kam niemand. Die Bilanz der Folgesaison: lauter Niederlagen, kein einziges gewonnenes Spiel, nur ein einziges Unentschieden – an diesem Spieltag reichte man die angestammte Plakette »Lachnummer der Liga« an den mit einem Remis vernichtet zurückgelassenen Nachbardorfverein weiter und feierte in dessen teils hellbraun gefliestem, teils dunkelbraun holzvertäfeltem Sportheim, als wäre der Super Bowl gewonnen worden. Am darauffolgenden Tag, ein Montag, fuhren frühs alle wieder zu ihren Arbeitsstellen und der ein oder andere erzählte in der Pause teils freudig, dass man vortags ein Unentschieden geschafft habe. Die Lackieranlage des Stahlbauers produzierte sturheil und ungerührt weiter für den Weltmarkt.


Text vorgetragen am 19.07.2019 im Rahmen der Live-Aufzeichung einer Folge von »Eisenbart & Meisendraht«; Videomitschnitt folgt


 

Beobachtungen aus der Fitte

In den Fitnessvideos auf den Entertainment Screens bei McFIT werden weibliche Brüste auf dieselbe Art und Weise ins Bild genommen wie bei »Star Trek:TNG«-Folgen zu Lebzeiten Gene Roddenberrys.

(Beliebtes »Stilmittel«, Quatsch: sehr häufig eingesetzter lüsterner Male-gaze-Quatsch in den ersten paar TNG-Staffeln: Schnitt, Kamerafahrt über Brüste, eigentliche Szene. Auch »gerne genommen«: Gesicht-und-Ausschnitt-Aufnahmen von Deanna Troi a.k.a. Marina Sirtis.)

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Neulich übte in einem solchen Video ein Bodybuilder alleine in einer alten leerstehenden Industriehalle. An den Wänden vereinzelt Graffiti. Häufig zu sehen an der Rückwand: der Schriftzug »ACAB«. – Ich meine, Low carb schön und gut, aber ist »All carbs are bastards« nicht ein unangebrachter Generalverdacht?

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aktu Playlist:

aufm Rudergerät Heino Jaeger, »Lebensberatungspraxis Dr. Jaeger«, »Alkoholprobleme in Dänemark«, »Wie sieht’s bei euch aus«
Heinz Strunk, »Trittschall im Kriechkeller«

aufm Crosstrainer The Prodigy, »The Fat of the Land«
Justice, »Audio, Video, Disco«
Pygmalion, »Supersymmetry« (instrumentaler Prog Metal, Anspieltipp)

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Die Entertainment Screens laufen noch mit Windows 7. Kürzlich hängte sich einer auf und man konnte anschließend der Hochfahrroutine zuschauen.

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»Ich bereue nicht«

nordbayern.de über den 1. FC Nürnberg (aktuell letzter Tabellenplatz, die letzten 18 von 25 Spielen keines gewonnen, müsste ab jetzt ungefähr jedes der kommenden neun Spiele gewinnen; steigt heuer zu praktisch 💯% wieder ab): »Trotz der nächsten Pleite: Der Club gibt nicht auf«.

Screenshot nordbayern.de, 11.03.2019

Lustig wär’s immerhin, wenn der Verein vermeldete: »So, Freunde, das wird heuer nix mehr. Wir geben auf! Die drei Punkte der verbleibenden Spiele bekommt einfach gleich immer der Gegner. Wir zocken bis zur Sommerpause ›FIFA 19‹ und schauen, ob wir da was reißen können bzw. wer der Beste von uns ist. Die BuLi-Entwicklung verfolgen wir entspannt bei Bier und Schafkopf im Fernseh auf Sky. Im Sommer bereiten wir uns dann auf die kommende Zweitligasaison vor. Dort drunten heißen wir dann übrigens bis zum nächsten Wiederaufstieg 2. FC Nürnberg hehe.«

Aber wo sollten die Leute dann ihr Geld bei einem sicheren Absteiger zum Fenster rausschmeißen hintragen? Wo sich mit Leichtbier einen ansaufen? Wo sollten die Ultras ihre Schlägereien austragen und gleißend helle Schmuggelware anzünden? Wie einsam, unbehelligt, gar unbelästigt sollen sich die unbeteiligten ÖPNV-Gäste vorkommen, wenn eigentlich Heimspiel wäre?

Nein, nein, es ist schon besser so, dass der Club »bei allem Frust weit davon entfernt [ist], bereits die weiße Fahne zu hissen« (nordbayern.de, ebd.).

PS: Im Frühjahr 2014 wurde anlässlich der »Aufholjagd« vom Tabellenkeller eine Fan-Kampagne unter dem Titel »Ich bereue diese Liebe nicht« gestartet. Zu erreichen war sie unter der URL http://www.ich-bereue-nicht.de sowie auf der offiziellen Seite des 1. FC Nürnberg unter http://www.fcn.de/ich-bereue-nicht (siehe hier). Welch unselige Abkürzung! Warum? Rudolf Hess in seinem Schlusswort beim Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozess: »Ich bereue nichts!« Aber so viel Geschichtsbewusstsein, von diesem keineswegs unbekannten Hess-Ausspruch schon mal gehört zu haben, kannst du ja von niemandem verlangen. Immerhin: Beide URLs sind mittlerweile nicht mehr aufrufbar.
(Notabene: Gegen den Slogan »Ich bereue diese Liebe nicht« ist kaum was einzuwenden. Freilich: Als ob es an Liebe etwas zu bereuen gäbe; man sucht sie sich ja nicht aus. Aber die Verkürzung auf »ich-bereue-nicht« finde ich unsäglich.)

Fitnessftudio

8.45 Uhr. Ich gehe jetzt Bier trinken.

Quatsch: Ich gehe jetzt ins Fitneßßftudio.

Aber nicht ohne #Geschäftsidee, logo: Ein Fitnessstudio, auf dem in (künstlich) morschen hölzernen Lettern in Frakturschrift prangt: Fitnessftudio, und innen sind dann lauter mittelalterliche Folterinstrumente wie z.B. Streckbank oder Pranger oder Eiserne Jungfrau und man kann sagen »Ich geh heut zum Spinning!«, und im Fitnessftudio wird man dann aufs Rad gespannt usw. Und wenn man klettern will und z.B. auf Instagram vorher postet »#Ich #gehe #jetzt #an #die #Boulder #Wand«, dann kommt man ins Fitnessftudio und wird dort eingemauert etc.

[Offenlegung: Freilich ist Fraktur keine mittelalterliche Schriftart, aber angesichts dessen, was sich Reklameindustrie et al. heutzutage leisten, irgendwo an teuflisch inferioren Idiotien hinzuschreiben, ist doch eh schon alles bumswurscht.]

Aerodynamik

27.10.2018 – Ein älteres Ehepaar steht bei einem älteren Antiquar, der vorm Laden ausweislich Schildern «Fahrräder zu kaufen» und «Räder zu verkaufen» anbietet. «Sie» hält ein Damenrad fest, «er» steht mordsskeptisch daneben, und der Antiquar entblödet sich nicht, bezüglich irgendeines Features am Rad daherzugschaftln: «Also klar, des is’ hald alles ach aweng was Aerodynamisches hald…!»

Also, Freunde … 😂 … ich mein, ein 125 Zentnertonnen schweres Damenfahrrad aus Betonstahlblei, da ist doch im Leben nix aerodynamisch dran – irgendwo muss aber auch mal Schluss sein mit Quatsch daherreden, das glaubt ihr doch langsam selbst nicht mehr, was ihr da aus Reklamezwecken so verzapft!

Wettrennen

Idee für eine neue Sportdisziplin: Zurückzulegen ist eine Distanz von 1.066,8 Metern ( = 1 Werst), wobei die Kontrahent_innen alberne Spandexkleidung tragen und sich gegenseitig mit Schlägen, Würfen und Griffen am Vorwärtskommen hindern dürfen (z.B. per Schwitzkasten, Muskelreiten, Brennnessel, Bockfotzn). Wer als erste_r ins Ziel gelangt, hat gewonnen (wer sonst hehe). Heißen soll die Disziplin: Werstling.

Eisenbahngschichtn (1)

Auf der Eisenbahnstrecke Neumarkt-Regensburg hält die Regionalbahn Agilis u.a. in Batzhausen. Die Stimme aus dem Lautsprecher vermeldet kurz vor dem Halt freundlich: «Nächster Halt: BATZhausen». Ich muss dann immer an den ehemaligen Fußballtorwart Sepp Maier denken, weil der hatte mal einen Hund, der Batzenhofer hieß. Und wer nennt seinen Hund schon Batzenhofer.

Übrigens: Batzenhofer, benannt nach einer Berliner Gastwirtschaft namens «Zum Batzenhofer» und 2007 bester Hund Bayerns, musste leider im November 2012 eingeschläfert werden. Wenn Sepp Maier einmal gestorben sein wird (ad multos annos, Sepp!), wird man Kindern auf die Frage, wo Sepp Maier jetzt sei, antworten können: «Zum Batzenhofer.»

8

Als Kind brauchte jeder neben einer Lieblingsfarbe eine Lieblingszahl. Letztere war bei mir die 8. Beim Fußball (E-Jugend) wollte ich die unbedingt als Rückennummer haben. Ein anderer wollte sie auch, so dass der Trainer durch Hölzchenziehen entscheiden ließ. Ich weiß nicht mehr, ob das längere oder kürzere hätte gewinnen sollen; ich zog jedenfalls das falsche. Weil aber ein Freund für Verwirrung sorgte, welches denn nun das Gewinnerhölzchen sei, ergab es sich, dass ich die 8 schließlich doch tragen durfte. Obwohl ich klar das verkehrte gezogen hatte. Mitleid mit dem anderen Buben empfand ich keines.
Oft war ich froh darüber, Auswechselspieler zu sein, denn dann konnte man mit den anderen ‹Ergänzungsspielern› Unfug anstellen, z.B. mit dem Eisspray Sachen einfrieren oder die Pausengetränke in der Gegend herumschütten. Hauptsache, die 8 aufm Rücken.

Runtastic

12.06.2018: Heute frühmorgendliche Laufrunde: 5.09 Uhr Sonnenaufgang, 5.15 Uhr aus dem Haus, dann 6 km unter diesigen Wolken – motiviert wie Heinz Strunk! Dabei begegneten mir:
1 Hase
1 Spatz
1 Fußgänger
1 Pfandflaschensammler
2 Nordic Walker (beides ältere glatzköpfige Herren)
5 Jogger_innen (1 davon 2mal, an sportblauer Funktionsjacke wiedererkannt)
8 Fahrradfahrer (alle m)

Ausgestattet war ich mit T-Shirt (schwarz, Puma, geschenkt, aber vermutl. 19 €), kurzer Sporthose (schwarz, Adidas, wahrscheinlich 25 €), Laufschuhen (weiß mit dezenten blauen Akzenten, Adidas, um die 110 €, vor ca. 14 Jahren im Adidas-Outlet Herzogenaurach erworben), Sneakersocken (schwarz, No-Name, Größe 43–46, Preis unbekannt, aber gewiss niedrig) und 2 Papiertaschentüchern (in eins wickle ich die beiden Schlüssel ein, damit sie nicht so scheppern, das zweite, falls ich unterwegs schnäuzen müsste, was ich aber nie muss; Marke: Floralys (LIDL), Preis könnte leicht ausgerechnet werden (z.B. Ökonomie-Erstsemester), aber ich weiß gerade den Gesamtpackungspreis nicht).

Mein Geheimrezept für so frühes Joggen: Nach dem Aufstehen 2 Gläser Wasser (Leitungswasser, aktivkohlegefiltert, keine Kohlensäure) und 1 Banane (Supermarkt normal; bio kann, muss aber nicht).

Danach kalte Dusche wie Max Goldt, Wasser dabei angenehm kalt, nicht so unverschämt lauwarm trotz kältester Mischhebeleinstellung wie sonst oft. Liegt’s am Morgen?

Schließlich Beerenfrühstück (wie Heinz Strunk!), allerdings anders als bei Heinz Strunk mit Haferflocken (~guter~ Säurebildner!) und Quark (nach wie vor 3,8% Fett, trotz beginnender Alterswampe/-hüfte). Danach dynamisch und agil in den Tag. Ich zeige das aber nicht und unterdrücke die Ausstrahlung bewusst, weil solchen ostentativen Morgensportabsolventen will man ja immer eine reinhauen, auch und vor allem ich.
Jetzt am Abend allerdings setzt der Muskelkater ein; ob das Treppensteigen morgen noch schlimmer wird?

Update 22.11.2018: Seit einiger Zeit Magerquark.