Kastengeneral

Der Bürgermeister meiner Herkunftsgemeinde konnte in seinen wilden Jahren angeblich an einem Abend einen ganzen Kasten Bier alleine austrinken. Wer das schaffte, war in seinen Kreisen ein sogenannter »Kastengeneral«. Der Saufkumpan dieses Gemeindeoberhaupts, der diese Geschichte bei jeder Saufgelegenheit allen in die Ohren stopfte, jubilierte nach dieser Info stets: »Do hamma sogoa Ausweis‘ ghabt!« (»Da hatten wir sogar Ausweise!«) Die sie sich selbst ausstellten bzw. bastelten.

Ganz hübsch fände ich es, wenn im Gemeindeanzeiger über dem Bürgermeister-Editorial nicht nur stünde: »X Y, Erster Bürgermeister«, sondern auch: »Kastengeneral a. D.«

Feuerkreisel

Meine liebste Silvestergeschichte ist gar nicht an Silvester passiert: Ich war 12 oder 13, bei einem Freund und er hatte noch Silvesterkracher über. Die Eltern nicht zuhause. Er also in seinem Zimmer am hellichten Tag die Rollos runter, so dass es komplett dunkel war. Warum? Um einen Feuerkreisel anzuzünden natürlich! Ei, wie das toll geleuchtet hat und bunt!

Als er das Licht wieder angeschaltet hatte, die Ernüchterung: Lauter Brandspuren im Teppich. Wer konnte das ahnen. Hektisch versuchten wir, den Schaden unsichtbar zu machen. Unter anderem kam der Freund auf die Idee, Waschpulver zu verwenden. Irgendwann sahen wir ein, dass nur eines helfen konnte – ein Teppich. In seinem Zimmer lag aber gar keiner. Und als seine Eltern nach Hause kamen, fragten sie freilich als erstes, was dieser Teppich aus einem ganz anderen Zimmer da sollte.

Ich schaffte es relativ schnell aus der Wohnung. Anderntags erfuhr ich von einem major Anschiss. Ein paar Tage dauerte es, bis ich mich wieder hintraute.

Eis

Klimakatastrophe, Schmimakatastrophe … Bis vor 20 Jahren haben wir uns um den Jahreswechsel auf dem Eisweiher beim Eishockey spielen halb umgebracht. Dann kamen am Nachmittag die Bauern und scheuchten uns fort, um sich beim Eisstockschießen halbtot zu saufen und ihre Latschschneisen in die Eisdecke zu schlurpfen. Aber es hatte ja wohl 16 °C. Das können die jungen Frechwürschtel von Fridays for Future gar nicht mehr wissen.

Purifikation gegen puristischen Quatsch

Expert*innen sagen, Kaffeekannen dürfe man niemals mit Spülmittel oder gar in der Spülmaschine reinigen; das käme, so hätten ihre Tests und Studien ergeben, der Entweihung einer Kirche mittels satanistischem Opferritual gleich. Die Wahrheit liegt wie so oft in der, Quatsch: ganz woanders. Wer schon einmal gesehen hat, wozu ein in heißem Wasser aufgelöster Markenspültab in einer völlig kaffeerestpatinierten, -verkrusteten, wo nicht -verschrundeten Kanne im Stande ist, hat eine Ahnung von Jesu Christi des Heilands purifizierender Potentaterei beim Jüngsten Gericht.