Geschirrautomatik

Unser Geschirrspüler hat, wie es sich für einen ordentlichen Geschirrspüler gehört, diverse Programme. Ein ›normales‹ für den gewöhnlichen Alltag, eins mit 70 °C für volle Beladung, ein – die Klimakatastrophe steht schließlich bevor und sollte abgewendet werden – ECO-Programm mit 50 °C, eins mit 45 °C für Bloß-Gläser-Beladung, ein Leise-Programm mit 50 °C, ein Abduschprogramm (?) ohne Temperatur sowie ein 40-Minuten-60-°C-Schnellprogramm.

Benutzen tun wir freilich nur das ECO, das ›Normale‹ und das für volle Beladung, je nachdem. Umtrünke mit vielen Gäst*innen, bei denen nix als Gläser anfällt, finden bei uns nicht statt, die Lautstärke des Geräts stört uns nicht, als dass wir je einen Leise-Modus bräuchten, nur abgeduscht (?) werden muss bei uns nichts und vom 40-Minuten-Programm lassen wir die Finger, weil die Sachen bestimmt nicht sauber werden.

Warum ich hier lang und breit elaboriere, was unsere Spülmaschine alles kann und was wir davon (Achtung, Modewort) effektiv nutzen? Wegen des ›Normal‹-Programms! Denn das heißt eigentlich »Auto 45–70 °C« und ich frage mich seit je, wie um alles in der Welt das Gerät jeweils die optimale/benötigte Temperatur feststellt.

Spätestens seit es YouTube-Videos mit GoPro-Aufnahmen aus dem Inneren von Geschirrspülern bei laufendem Betrieb gibt, ist der mystische Schleier (= die Vorderklappe der Maschine) gelüftet und sollte hinlänglich bekannt sein, wie die Dinger funktionieren. Durch die Propellerarme kommt Wasser, das erst die Speisereste abwäscht, dann öffnet sich zum Zeitpunkt X die Klappe des Geschirrreinigerfachs, heraus fällt der Tab oder läuft der Flüssigreiniger, alles wird fröhlich eingeschäumt und hinterher wieder abgespült, Trockenvorgang, und fertig. (Warum selbst Stellen sauber werden, bei denen eins vorher denkt: »Hä, das wird so doch nie sauber!?«: Wer schon mal bspw. eine völlig angedörrte, ja patinierte Kaffeekanne mithilfe von kochendem Wasser und einem Geschirrreinigertab sauber gemacht hat, weiß es.)

Woher aber weiß die Spülmaschine beim Automatik-Spülgang, welche Temperatur sie braucht? Hat sie Gewichtssensoren für die Geschirrwagenbeladung? Glaub’ ich nicht. Hat sie gar optische Sensoren zur Verschmutzungserfassung? Hahaha, Zukunftsmusik!

Falls es jemand weiß: Man verschone mich in diesem Falle bitte mit Aufklärung. Denn die Unwissenheit um den Automatik-Spülgang ist eine derjenigen Unwissenheiten, die ich mir gerne bewahre. Ja, sie ist eine jener Unwissenheiten, die eine*n süßlich umfloren, weil es einfach so vollkommen wurscht ist, ob eins den Grund weiß oder nicht. Erlangt eine*n die schnöde, profane Kenntnis dann aber doch irgendwann, verschwindet der süße Flor und zurück bleibt nichts als das karge Faktum. Pah! Und eine Geschirrspülmaschine ist eines derjenigen Geräte, bei denen ich mich weigere, die Bedienungsanleitung auch nur eines Blickes zu würdigen, weil alles so sonnenklar und selbstzuerschließen ist wie die Bedienung eines Wasserhahns oder das Fahren mit fremden Autos.

PS: *putting RAU in GESCHIRRAUTOMATIK*