Angst vor der Gülle

Bevor dieser Blog gelauncht wurde, berichtete ich einem Bekannten eines Bekannten dieses Vorhaben. »Bärenstark!«, meinte er, nur: mit dem Namen des Blogs wäre er vorsichtig, da würde er sich einen anderen aussuchen. Grund: In Frankreich gebe es bereits einen Käseladen namens Salon du Fromage, welcher auch eine gleichlautende Homepage betreibe. Vielleicht habe dieser sich den Namen ja schützen lassen, wer wisse das schon. Und was lese man nicht ständig für Spiegel-Online-Artikel über Anwälte, die den lieben langen Tag nichts anderes tun würden, als sich Seite für Seite durch das ganze Internet zu klicken und jedem Hinz und Kunz und Finn und jeder Sophie und Marie, die kein Impressum auf ihrer privaten Knödelrezepte- oder Hundezuchtseite stehen haben, die Scheiße aus dem Leib zu klagen. Und da es sich schließlich um ein französisches Geschäft handle, sei die Sache womöglich noch gefährlicher.

Denn: »Da bestünde dann nämlich zusätzlich zum Gerichtsverfahren die Gefahr, daß dieser Käseladenbesitzer mit einem seiner Milchproduzenten bei dir vorbeifährt, um deine Hausfassade mit Gülle vollspritzen zu lassen. Natürlich nicht, ohne unmittelbar vorher bei dir anzurufen und zu sagen: ›Wänn dü gèradä im ’aus bist, dann mach dein Fänstärr zür Strâßä auf ünd kück ’och!‹, um nach der Güllebespritzung – die dich voll im Gesicht erwischt – hämisch nachzuschieben: ›’aa’aa, dü ’ättäst doch nach üntän schauän sollän! ’aa’a’a! ’üränsôhn! ’aubäntauchärr! ’answurst! ’ôhlkopf! ’ans Gück in die Lüft! Dümmärr Kártòffälkôpf! ’aaa’aa’aa’aa’aaa!‹ – Und dann kommt irgendwann der Anwalt, und mit der Gülledusche habe sein Mandat selbstredend nichts zu tun gehabt.«

(Mit Stand 15.08.2016 stelle ich fest, daß meine Fassade noch nicht mit Gülle bespritzt wurde. Ferner läßt der Bekannte des Bekannten ausrichten, daß ihm die Französinnen und Franzosen – nicht nur wegen Aktionen wie der ›Gülledusche für die Politbonzen‹, dem Vom-Hof-Jagen des Personalvorstands der Air France angesichts des angekündigten Abbaus von Tausenden Arbeitsplätzen oder dem Blockieren von Grenzübergängen, um gegen Agrareinfuhren nach Frankreich zu protestieren – zusehends sympathischer werden. Genauer gesagt: Je mehr er verstehe, woher der ubiquitäre Franzosenhaß kommt, desto sympathischer würden ihm Land und Leute westlich von Lothringen und Elsaß werden.)